Doppeltest Aston Martin DB7 gegen Jaguar XK8 Coupé

Aston Martin und Jaguar verpacken dynamisches Fahrvergnügen auf die feine englische Art in eleganten, kraftstrotzenden Luxus-Coupés mit unverwechselbarem Ambiente. Kann der wesentlich preisgünstigere Newcomer XK8 dem elitären DB7 im Test die Spitzenstellung streitig machen?

Die alte britische Aristokratie wird angezählt. Dies nicht etwa nur auf den Boulevards der Gesellschaft, wo der Buckingham-Palast seit Jahren Trefferwirkung unter den verschiedensten Gürtellinien reklamiert; auch auf den übrigen Straßen des Landes geraten traditionelle Werte zunehmend in starke Bedrängnis. Etwa der DB7 von Aston Martin. Er sollte seit 1993 mit 700 Exemplaren pro Jahr den Fortbestand der Marke sichern, spürt aber nun durch den gerade erschienenen Jaguar XK8 gewaltigen Druck. Schon der Blick in die Verkaufsliste läßt den Normalverdiener derart aufjaulen, daß der Hund von Baskerville vor Neid die Räude kriegen würde. Der DB7 saugt mit einem Basispreis von 202 400 Mark ein gehöriges Vakuum ins Portemonnaie.


Der XK8 kostet mit 112 500 Mark kaum mehr als die Hälfte. Und dies, obwohl er aus der gleichen Familie stammt: Jaguar wie Aston Martin gehören zu Ford. Die technischen Chromosomen, die hier wie da zum gleichen Radstand von 2,59 Metern führen, gehen auf den gemeinsamen Urahnen Jaguar XJS zurück. Auch im Bereich der Achsen könnten Verwechslungen vorkommen. In beiden Coupés führen doppelte Querlenker die Vorderräder, während die Hinterräder von den kräftig dimensionierten Antriebswellen und einem darunter liegenden Dreiecksquerlenker in Sturz und Spur gehalten werden. Als Karosseriematerial setzt Jaguar traditionell auf Stahlblech.

Bei Aston Martin galt für die DB-Baureihen der fünfziger und sechziger Jahre Leichtmetall als angemessen. Dem empfindlichen Aluminium haftet jedoch seit geraumer Zeit ein zarter Makel an. Es passierte, als Lady Di im Frühling ihrer Ehe anläßlich eines Fototermins den vorderen Kotflügel des DB6 ihres Prinzgemahls Charles bestieg – und mit dem anmutigen verlängerten Prinzessinnen-Rücken dortselbst eine Delle zu verursachen sich anschickte.

Am DB7 bestehen die vorderen Kotflügel nun aus Kunststoff. Der XK8 bietet innen mehr Raum als der Aston Martin und im Verhältnis zum zwölf Zentimeter kürzeren DB7 auch mehr laufende Länge. Daraus resultiert ein klarer Vorteil für den Jaguar: Sein für Coupéverhältnisse schon fast üppig zu nennender Kofferraum faßt auch das Gepäck einer sentimentalen Reise zu zweit, selbst wenn sie sich über mehr als ein Wochenende spannt. Fahrer und Passagier reisen im Jaguar insgesamt entsprechend komfortabler, da mehr Platz zur Verfügung steht. Im DB7 geht es auf den vorderen Sitzen fühlbar enger zu.

Der Sitzkomfort ist jedoch auch im Aston Martin nicht schlecht, zumindest nicht für Menschen mittlerer Körpergröße. Die Bestuhlung rechtfertigt die Bewertung bequem, und die Schachtwände von Tür und Mitteltunnel halten Pilot und Beifahrer im Verein mit der recht umarmend ausgeformten Rückenlehne auch bei zügiger Kurvenfahrt noch senkrecht. Die Fondplätze zählen in beiden Coupés nicht zu Sitzen im erwachsenen Sinn. Es sind für längere Reisen im Grunde nur Gepäckablagen mit Sicherheitsgurten.


Das Fahrerlebnis beginnt mit einem Blick unter die Motorhaube. Im Jaguar arbeitet der neuentwickelte V8-Motor, der aus vier Liter Hubraum 284 PS mobilisiert. Der Vierventiler läuft unglaublich kulitiviert und ist durchaus geeignet, als Musterbeispiel seiner Art lobende Erwähnung zu finden. Mit dem typischen V8-Stakkato dreht er zugleich weich und äußerst vibrationsarm hoch und wirkt auch im Bereich der Nenndrehzahl von 6100/min weder zäh noch außer Atem. Von etwas derberer Art erweist sich der Reihensechszylinder im Aston Martin. Er kam als 3,2 Liter-Saugaggregat von Jaguar auf die Welt, wurde bei Aston Martin mit der Hand aufgezogen und läßt sich nun von einem kräftigen Roots- Gebläse füttern.

Das Resultat: Bei 5500/min liefert das Zylinder- Sixpack 335 PS an das Fünfgang-Getriebe. Mit diesem Marschgepäck im Tornister der Fahrleistungen stürmt der DB7 im Vergleich an die Spitze (siehe Tabelle). Der Zuschlag, den sein Fahrer als DZug- Pauschale drauflegen muß, ist dabei beträchtlich: Im Maximalverbrauch dieses Vergleichs gurgelten pro 100 Kilometer rund vier Liter mehr durch die Brennräume des Kompressor- Motors.

Und das Fahrgefühl? Obwohl der Jaguar mit dem als Sonderausstattung lieferbaren aktiven Fahrwerk ausgestattet war, das über eine elektronische Dämpferregelung verfügt und bei schneller Gangart mehr Härte ins Spiel bringt, wirkte er noch deutlich komfortabler als der DB7.

Das computerlose XK-Serienfahrwerk übertrifft aber in diesem Punkt das aktive System noch einmal und ist die bessere Empfehlung. Der Aston Martin stellt etwa die harten Schläge kurzer Querfugen fühlbar klar und viel weniger gefiltert durch. Neben seinem hohen Komfort bietet der XK8 eine tadellos arbeitende Fünfgang-Automatik, die den Spaß am sportlichen Fahren nicht etwa mindert, sondern mehrt.

Auch den Aston Martin gibt es – sogar ohne Aufpreis – mit Schaltautomat. Doch neun von zehn DB7-Kunden verzichten auf das vierstufige Wandlergetriebe von General Motors und greifen zum Fünfgang-Knüppel. Bei zügiger Kurvenfahrt ist im Aston Martin mehr Vorsicht geboten als im Jaguar, und dies nicht nur, weil er teurer ist: Dem Kompressor-Coupé fehlt die elektronische Traktionsund Stabilitätskontrolle des Jaguar, die in kritischen Fahrzuständen dem Vortrieb automatisch Einhalt gebietet.


Wer im DB7 etwa in einer nassen Kurve kräftig aufs Gas tritt, kommt plötzlich prächtig quer daher. Mit der recht direkten Servolenkung läßt sich der DB7 jedoch vom geübten Fahrer gut wieder einfangen. Einhelliges Lob verdienen auch die Bremsen. Die Jaguar- Anlage zeigt zwar leichtes Fading, bietet aber auch im warmgefahrenen Zustand noch hohe Verzögerungswerte. Der DB7 bremst mit dem Charakter eines Rennwagens: je wärmer die Bremse, desto besser. Aufmerksamkeit verlangt bei einer Vollbremsung allerdings die Lenkung des Aston Martin. Die flachen Vorderräder im Format 245/40 ZR 17 wuseln beim Bremsen Längsrillen und Unebenheiten gerne nach. Diese Tendenz wird unterstützt vom deutlich aushebenden Heck; die Dämpfer der Hinterachse wirken in der Zugstufe zu weich. Das Vergnügen, auf englische Art zügig zu reisen, umgeben vom angenehmen Luxus milder Unvernunft, läßt sich bei allen feinen Unterschieden in jedem der beiden Coupés gleichermaßen genießen.

Was den DB7 in der Punktewertung deutlich hinter den XK8 zurückwirft, ist allein sein Preis. Rund 90 000 Mark mehr für eine Art von automobiler Fortbewegung, die der Jaguar im Grunde nicht schlechter offeriert, bedeuten neun Punkte Abzug – ein Punkt pro 10 000 Mark-Schritt. In den Augen der Aston Martin-Fans favorisiert jedoch gerade dieser heftige Aufschlag den DB7.

Daß der XK8 pro Jahr 15 000 mal gebaut werden soll, mindert seine Exclusivität. Wenn der alte britische Adel schon angezählt wird, dann bitte nicht en masse. Der wahre Gentleman geht einsam auf die Bretter.

Fazit

1. Aston Martin DB7
84 Punkte

Herausragende Exclusivität, gute Fahrleistungen, hohe Kurvengeschwindigkeiten möglich, sehr gute Bremsen, Vordersitze mit sehr gutem Seitenhalt. Hoher Anschaffungspreis, hoher Treibstoffverbrauch, kein Beifahrer-Airbag, Scheibenwischerfunktion bei hohem Tempo ungenügend, geringer Rücksitzraum.

2. Jaguar XK8
101 Punkte

Gute Platzverhältnisse auf den Vordersitzen, sehr kultivierter Motor, gute Bremsen, guter Gesamtkomfort, wenig Windgeräusche, großer Gepäckraum, Gurtstraffer und zwei Airbags serienmäßig, angenehme Schaltautomatik. Geringer Rücksitzraum, aktives Fahrwerk nicht so komfortabel wie Serienabstimmung.

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Technische Daten
Aston Martin DB7 3.2 Jaguar XK8 Coupé
Grundpreis 110.884 € 60.639 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4631 x 1820 x 1268 mm 4760 x 1829 x 1296 mm
KofferraumvolumenVDA 327 l
Hubraum / Motor 3239 cm³ / 6-Zylinder 3996 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 250 kW / 335 PS bei 5500 U/min 209 kW / 284 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 266 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,3 s 6,7 s
Verbrauch 12,7 l/100 km 12,4 l/100 km
Testverbrauch 16,8 l/100 km 14,2 l/100 km
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