Doppeltest Audi A2 1.4 TDI gegen Opel Astra 1.7 DTI Eco 4

Der Opel Astra 1.7 DTI Eco 4, mit seinem 75-PS-Vierzylinder-Diesel bisher Sparmeister in der Kompaktklasse, bekommt Konkurrenz. Der neue Audi A2 1.4 TDI, angetrieben von einem Dreizylinder mit identischer Leistung, verspricht ähnliche Verbrauchswerte.

Der Opel Astra Eco 4, von auto motor und sport wegen seiner außerordentlichen Sparsamkeit zum Fünf-Sterne-König gekürt, hat kaum auf seinem Thron Platz genommen, da sägt die Konkurrenz schon an den Sesselbeinen.

Der Audi A2, der sich bisher schleppend verkauft, tritt in der neuen Dieselversion an, die ihm in einer Zeit des TDI-Booms zusätzliche Attraktivität verleiht. Wegen der aufwendigen Alumi­niumbauweise seiner Karosserie ist der Audi zwar deutlich teurer als der Opel, aber dafür auch rund 100 Kilogramm leichter als sein kon­ventionell konstruierter Konkurrent.

Das beschert ihm unter Normbedingungen sogar einen winzigen Verbrauchsvorteil: Den 4,4 Litern im ECE-Mix, die der Opel erreicht, setzt der Audi 4,3 Liter entgegen.

Das macht den Kohl natürlich nicht fett, und in der Praxis herrscht denn auch nahezu Gleichstand. Wer ruhig fährt, kann mit beiden im Vier-Liter-Bereich unterwegs sein. Aus­gesprochen zügige Fahrweise wird nicht über Gebühr bestraft: Mehr als sechs Liter auf 100 km/h dürfen bei beiden als nur von Bleifuß-Akrobaten erreichbarer Spitzenwert gelten.

Die Art und Weise, wie ­diese eindrucksvollen Zahlen erreicht werden, ist allerdings völlig unterschiedlich. Opel setzt auf einen 1,7 Liter großen Vierzylindermotor mit Vier­ventil-Technik, der mit relativ bescheidenem Ladedruck (0,72 bar) aufgeladen wird.

Der Audi besitzt nur einen Dreizylinder mit 1,4 Liter Hub­raum und zwei Ventilen pro Zylinder, dessen Abgaslader die Verbrennungsluft mit maximal einem bar aber erheblich stärker unter Druck setzt. In beiden Fällen kommen dabei 75 PS heraus. Aber im für die Durchzugskraft entscheidenden Dreh­moment ist die Audi-Maschine deutlich überlegen. 195 New­tonmeter bei 2200/min stehen hier 165 Newtonmeter bei 1800 Umdrehungen gegenüber.

Das sorgt für einen grundsätzlich differenten Leis­tungscharakter. Das Audi-Trieb­werk tritt bei weitem kräftiger an und schiebt nach Er­reichen des vollen Ladedrucks mächtig an. Nur im untersten Drehzahlbereich ist, wie bei vielen spezifisch starken Turbodieseln, nicht viel los.

Der Opel-Motor entwickelt seine Leistung gleichmäßiger und ist mehr auf den oberen Drehzahlbereich angewiesen. Er dreht auch mühelos hoch und erreicht so praktisch identische Werte in der Beschleunigung. Aber in der Elastizität trennen die beiden Welten (siehe Vergleichstabelle). Wo der Opel zum Zurückschalten in den vierten Gang zwingt, zieht der Audi locker in der fünften Fahrstufe durch.

Diesen Vorsprung verdankt er nicht nur seinem größeren Drehmoment, sondern auch ­einer kürzeren Gesamtüber­setzung. Während sich die Kurbelwelle des Opel-Motors
bei Höchstgeschwindigkeit nur 3576 Mal pro Minute drehen muss, kommt der Audi auf 4120/min, er dreht also über seine Nenndrehzahl hinaus und lässt die Drehzahlmessernadel auch einmal in den roten Warnbereich wandern.

Das geht nicht ohne Lärm ab. Im Bereich seiner Höchstdrehzahl rumort der kleine Dreizylinder kräftig vor sich hin. Auch die stärker ausgeprägten Windgeräusche sorgen dafür, dass der akustische Komfort leidet.

Vier Zylinder bieten bessere Voraussetzungen, was der Opel-Motor überzeugend unterstreicht: Er läuft über den gesamten Drehzahlbereich ruhiger als das trotz Ausgleichs­welle weniger vibrationsarm ­arbeitende und schon bei ge­ruhsamer Fahrweise knur­rig tönende Audi-Triebwerk.

Da ist man dann schon geneigt, dem Opel seine im direkten Vergleich schlapp wirkende Leistungsentfaltung zu verzeihen und einmal mehr zum Schalthebel zu greifen. Dass der Opel Astra Eco 4 in seiner gesamten Auslegung mehr auf Komfort getrimmt ist als der Audi, macht auch die Abstimmung des Fahrwerks deutlich.

Die im Interesse geringen Rollwiderstands straff aufgepumpten Schmalspur-Reifen der Dimension 175/80 R 14 T schränken zwar das Schluckvermögen auf kleinen Unebenheiten ein, aber wenn es auf schlechten Straßen wirklich etwas zu federn gibt, zieht sich der Astra achtbar aus der Af­färe. Er bügelt auch grobe ­Unebenheiten so geflissentlich aus, dass es nur selten zu läs­tigen Vertikalbewegungen der Karosserie kommt.

Beim Audi lassen schon
die Reifen erkennen, dass die Prioritäten woanders liegen. Sie sind zwar nicht breiter als die des Opel, gehören aber mit 60er-Querschnitt zur sportlichen Sorte. Auch die Abstimmung der Federung wurde betont straff gewählt, um dem kleinsten Audi zu bestmög­lichem Handling und hoher Fahrdynamik zu verhelfen.

Darunter leidet der Komfort erheblich. Während der Audi kleine Unebenheiten, wie sie auf der Autobahn häufig vorkommen, noch befriedigend schluckt, zeigt er sich auf ­Landstraßen zweiter Ordnung schlicht überfordert. Hier verteilt er vertikale Stöße mit einer so hohen Beschleunigung, dass nur langmütige Passagiere darauf verzichten, den Fahrer zu ­einer zurückhaltenden Gangart zu ermahnen.

Vielleicht erkennen sie auch, dass strafende Blicke nichts nützen, weil der Pilot des A2 ganz offensichtlich trotz der unwirschen Federung Spaß am Fahren hat.

Denn der Audi ist ein wahrer ­Kurvenkünstler, der bei unbeirrt neutralem Eigenlenkverhalten eine sehr hohe Querbeschleunigung zu erreichen vermag, dessen Lenkung einen feinfühligen Fahrbahnkontakt vermittelt und der auch in schnellen Wechselkurven ein sehr präzises, Vertrauen erweckendes Fahrverhalten zeigt.

Solch sportliche Tugenden sind dem Opel fremd, wenngleich auch er zu den gutmütigen, Fahrfehler gelassen verzeihenden Autos gehört. Aber er wirkt unhandlicher, weil er, speziell bei Nässe, in Kurven schon früh über die Vorderräder zu schieben beginnt. Nur auf sein Bremsvermögen hat
sein altertümliches Reifenformat offensichtlich keinen negativen Einfluss. Wie der Audi erzielt er gute Ver­zögerungswerte, braucht dafür aber deutlich mehr Pedaldruck.

Den letztlich entscheidenden Punk­tevorsprung verschafft sich der Opel im Kostenkapitel, obwohl er in der Vollkaskoversicherung ungüns­tiger eingestuft ist als der Audi.
Der weit geringere Anschaffungspreis sowie die niedrigeren Wartungskosten gleichen diesen Nachteil aber mehr als aus.

Der Opel Astra Eco bleibt also der König unter den Sparkünstlern, weil er auf die Zielgruppe der scharfen Rechner besser zugeschnitten ist. Aber der Audi ist ihm dicht auf den Fersen. Er spricht, auch weil er von einer so genannten Premium-Marke kommt, die Kundschaft an, die beim Sparen nicht unbedingt jeden Pfennig um­drehen muss.

Fazit

1. Opel Astra Eco 4
589 Punkte

Nicht nur wegen seines erheblich günstigeren Anschaffungspreises gebührt dem Opel Astra der erste Platz. Er bietet mehr Platz und Sitzkomfort vor allem im Fond, einen deutlich besseren Federungskomfort und einen kultivierter laufenden Motor. Wegen der langen Übersetzung der beiden oberen Gänge kann allerdings die Beschleunigungselastizität nicht befriedigen. Die Fahreigenschaften des Opel sind sicher, auch wenn er in der Dynamik des Handlings dem Audi unterlegen ist.

2. Audi A2 TDI
579 Punkte

Als Familientransporter ist der A2 weniger gut geeignet als der Astra. Er ist nur als Viersitzer zugelassen und bietet den Fondpassagieren nur wenig Sitzkomfort. Seine sportlich-straffe Federung sorgt für vorzügliches Handling, beeinträchtigt aber den Fahrkomfort auf schlechten Straßen stark. Der Dieselmotor ist ähnlich sparsam wie der des Opel, den er in der Durchzugskraft klar übertrifft. Die Laufkultur des Dreizylinders kommt aber nicht an die des Opel-Vierzylinders heran.

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Technische Daten
Audi A2 1.4 TDI Opel Astra 1.7 DTI ECO4
Grundpreis 18.000 € 16.335 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3826 x 1673 x 1553 mm 4110 x 1709 x 1425 mm
KofferraumvolumenVDA 390 bis 1085 l 370 bis 1180 l
Hubraum / Motor 1422 cm³ / 3-Zylinder 1686 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 4000 U/min 55 kW / 75 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 173 km/h 175 km/h
0-100 km/h 13,8 s 13,7 s
Verbrauch 4,3 l/100 km 4,4 l/100 km
Testverbrauch 5,5 l/100 km 4,8 l/100 km
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