Doppeltest Audi A3 1.8 gegen Mercedes A 190

Seit es den Audi A3 auch als Viertürer gibt, macht er der A-Klasse von Mercedes im Premiumsegment der Kompakten verstärkt Konkurrenz. Ein Vergleich des Audi A3 1.8 mit dem Mercedes A 190.

Wer auch in der Kompaktklasse auf einen Hauch von Prestige nicht verzichten mochte, für den hielt sich die Qual der Wahl bisher in Grenzen. Zwar hatten Audi, BMW und Mercedes entsprechende Offerten im Programm, aber nur die A-Klasse von Mercedes bot die Vorzüge von vier Türen.

Erst jetzt bietet zumindest Audi eine vollwertige Alternative: Für 1680 Mark mehr bekommt man den A3 in den Versionen 1.8, 1.8 T und 1.9 TDI auch als Viertürer, was den Kundenkreis für den bislang kompaktesten Audi erheblich erweitern dürfte. Daß dann unter dem Strich ein paar Mark mehr fällig sind als für die vergleichbaren Kompaktlimousinen mit den Massen-Labels, liegt in der Natur der Sache. Nach dem Motto „Wenn schon ein Nobel-Kompakter, dann ein richtiger“ bestellte auto motor und sport zum A-Klasse- Vergleich einen A3 1.8 mit 125 PS in der erlesensten Ausstattungsvariante (Ambiente), ein Vergnügen, das sich ohne weitere Extras auf 40 080 Mark summiert.

Das Pendant von Mercedes heißt A 190 Avantgarde, leistet ebenfalls 125 PS und kommt auf 38 976 Mark. Daß es sich hier um echte Alternativen handelt, ist nicht zu übersehen. Unterschiedli- cher können Autos derselben Klasse nicht ausfallen – hier der hoch bauende und extrem kurze Mercedes, dort der konventionell proportionierte Audi, der sich von anderen Vertretern der Kompaktklasse nur durch sein besonders adrettes Styling unterscheidet. Da mag es überraschen, daß beide Konzepte, was ihren Nutzwert betrifft, zu einem ähnlichen Ergebnis kommen.

Im Raumangebot unterscheiden sie sich nur wenig. Der Audi ist innen breiter, dafür bietet der Mercedes hinten mehr Beinraum. Beide sind ehrliche Viersitzer, so daß die von Mercedes ohne Mehrpreis angebotenen zwei Einzelsitze im Fond durchaus Sinn machen, zumal sie den besseren Komfort bieten, auch im Vergleich zur ebenen, aber mit einer steilen Lehne ausgestatteten Bank im A3. Vorn sitzt es sich dagegen im Audi kommoder, denn die beim Ambiente serienmäßigen Sportsitze bieten erheblich mehr Seitenhalt. Fürs Gepäck stehen bei beiden adäquate Stauräume zur Verfügung, mit leichtem Vorteil für den Mercedes, der aus Platzgründen jedoch ohne Ersatzrad und statt dessen mit dem „Tirefit“- Dichtmittel ausgeliefert wird.

Das Plus des etwas größeren Laderaums relativiert beim A 190 aber die bescheidene Zuladung von 377 Kilogramm, 59 weniger als beim A3.

Was die Karosseriequalität betrifft, so muß sich das Urteil zwangsläufig auf die Testwagen beschränken, wobei der Audi zweifellos den gediegeneren und steiferen Eindruck hinterläßt. Beim Mercedes irritieren auf schlechten Straßen diverse Knistergeräusche, und auch die Ausstaffierung des Innenraums mutet weniger hochwertig an.

Selbst die teuren Lederbezüge der Sitze (Aufpreis 1740 Mark) erinnern in Aussehen und Haptik verdächtig an Kunststoff. Rundum erfreulich dagegen die motorische Auffrischung der A-Klasse: Das neue 1,9 Liter- Triebwerk verleiht dem kleinen Mercedes jede Menge Temperament. Zugleich erleichtert der ordentliche Durchzug aus niedrigen Drehzahlen entspanntes Fahren, zumal es auch an der Laufkultur wenig auszusetzen gibt. Der 125 PSMotor ist zwar nicht besonders leise, aber erfreulich vibrationsarm und frei von lästigen Dröhnbereichen. Auch der Verbrauch geht in Anbetracht der guten Fahrleistungen in Ordnung: 9,1 Liter/100 km. Der aus diversen Modellen des VW-Konzerns bestens bekannte Audi-Motor tut sich spürbar schwerer.

Zehn Newtonmeter weniger Drehmoment und 121 Kilogramm mehr Gewicht machen sich im direkten Vergleich bemerkbar, auch wenn der Kunstgriff des sehr kurz übersetzten fünften Gangs den A3 bei den Elastizitätswerten auf A 190-Niveau bringt. Laufkultur und Verbrauch sind ebenfalls nicht berühmt. Der 1,8 Liter-Motor wirkt immer ein wenig rauh und leistet sich bei 4000/min einen Dröhnbereich. Außerdem genehmigt er sich im Testdurchschnitt mit 9,8 Liter/100 km einen Dreiviertelliter mehr.

Gleichwohl gelingt es dem Mercedes nicht, seinen Antriebsvorteil in erhöhtes Fahrvergnügen umzumünzen, und das verdankt er ausschließlich den Schwächen seines Fahrwerks. Zwar ist dank serienmäßigem ESP die Kippgefahr gebannt, und auch im Komfort sind Fortschritte zu verzeichnen. Doch läßt der Vergleich mit dem A3 keinen Zweifel daran, daß die A-Klasse vom Niveau der Klassenbesten noch weit entfernt ist.

Das fängt schon beim Geradeauslauf an, der beim A 190 bei Seitenwind und auf unebener Fahrbahn mit ständigen Lenkkorrekturen verbunden ist. Aber auch bei Kurvenfahrt schlägt er nicht immer den gewünschten Kurs ein, denn nun zerren heftige Antriebseinflüsse an der Lenkung.

Unterdessen sorgen die schwache Traktion und die starke Seitenneigung bei forcierter Fahrweise dafür, daß die Fahrwerkselektronik aus dem Regeln kaum noch herauskommt. Doch selbst bei gemäßigtem Tempo herrscht im A 190 selten Ruhe. Auf unebenen Straßen fühlt sich der Insasse wie die Kirsche auf dem Pudding. Betont durch die hohe Sitzposition erfährt er nicht nur ausgeprägte Vertikal-, sondern auch Lateralbewegungen, was auf schlechten Straßen einen robusten Magen erfordert.

Nach diesem Erlebnis muß einem der Audi, obgleich nicht gerade ein Komfortwunder, zwangsläufig wie eine Wohltat vorkommen. Straßen, die der Mercedes wie in stürmischer See bewältigt, bringen ihn kaum aus der Ruhe. Auch das gutmütige, nur leicht untersteuernde Kurvenverhalten und die präzise Lenkung tragen dazu bei, daß der A3 den A 190 in den Fahreigenschaften deklassiert.

Auf das ESP, das Audi gegen Aufpreis (1000 Mark) anbietet, kann man guten Gewissens verzichten. Gleichstand herrscht dagegen bei den Bremsen. Die gegenüber dem ersten A 190-Test (Heft 12/99) deutlich besseren Verzögerungswerte beweisen, daß Mercedes kontinuierlich am Detail feilt.

Sie gehören nun mit zum Besten, was in dieser Klasse geboten wird, und Gleiches gilt für den Audi A3. Auch in puncto Wirtschaftlichkeit gibt es zwischen den kleinen Feinen keine großen Unterschiede: Der Mercedes ist etwas teurer in der Versicherung und bei den Ersatzteilkosten, während beim Audi die Inspektionen und Kraftstoffkosten stärker zu Buche schlagen. Dennoch gibt es, rein sachlich gesehen, am Ergebnis dieses Vergleichs nichts zu rütteln: wenn schon A, dann lieber A3.

Fazit

1. Audi A3 Ambiente
577 Punkte

Die praktischen Vorzüge des Viertürers machen den A3 zu einem vollwertigen A-Klasse-Konkurrenten. Sein Raumangebot entspricht in etwa dem des Mercedes, aber im Fahrverhalten und im Fahrkomfort ist er diesem deutlich überlegen. Der 1,8 Liter-Motor ermöglich ordentliche Fahrleistungen, ist aber vergleichsweise unkultiviert. Wie Mercedes verlangt Audi stolze Preise, doch die Verarbeitungsqualität wirkt beim A3 besser. Ein Nachteil: der etwas höhere Verbrauch.

2. Mercedes A 190 Avantgarde
569 Punkte

Der neue 1,9 Liter-Motor gefällt durch Temperament und Laufkultur, aber die Qualitäten des Fahrwerks lassen auch nach der jüngsten Überarbeitung Wünsche offen. Der Federungskomfort ist bescheiden, und die Lenkung zeigt deutliche Antriebseinflüsse. Auch der schlechte Geradeauslauf und die schwache Traktion verdienen Kritik. Zu den Vorzügen der A-Klasse gehören die ausgeprägte Handlichkeit infolge der kompakten Abmessungen und der günstige Verbrauch.

Zur Startseite
Technische Daten
Mercedes A 190 Avantgarde Audi A3 1.8 Ambiente
Grundpreis 20.136 € 20.493 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3575 x 1719 x 1587 mm 4152 x 1735 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA 390 bis 1040 l 350 bis 1100 l
Hubraum / Motor 1898 cm³ / 4-Zylinder 1781 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 92 kW / 125 PS bei 5500 U/min 92 kW / 125 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 198 km/h 202 km/h
0-100 km/h 8,9 s 10,3 s
Verbrauch 7,2 l/100 km 8,3 l/100 km
Testverbrauch 9,1 l/100 km 9,8 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
Mittelklasse Tesla Model 3, Exterieur Test Tesla Model 3 Performance (2019) Wurde der E-Ami zurecht sehnsüchtig erwartet? Fahrbericht, Mercedes GLC Mercedes GLC im Fahrbericht Modellpflege mit Infotainment und Assistenzsystem
SUV Ssangyong Korando leaked Ssangyong Korando Neuauflage debütiert in Genf Cupra Terramar Cupra Terramar (2020) SUV-Coupé mit 300 PS
promobil
Flowcamper Frieda, Fritz, Frieda Stern (2019) News Mercedes-Benz: Transporter in Second Life La Strada Avanti H Plus (2019) La Strada Avanti H Plus (2019) Winterfester 6,36-Meter-Bus mit Hubbett
Anzeige
Alle Automarken von A-Z
Markenbaum Sideteaser Erlkönige, Neuvorstellungen und Tests von allen Marken
Gebrauchtwagen Angebote