Doppeltest Audi A4 1.8 T gegen Saab 9-3 1.8 t

Mit Vierzylinder-Turbomotoren treten der Audi A4 1.8 T und der Saab 9-3 1.8 t gegeneinander an.

Turbolader zur Leistungssteigerung sind die Regel bei modernen Dieselmotoren, aber die Ausnahme bei den Ottos. Audi hat sie im Programm, Saab beim neuen 9-3 ebenfalls. Eine soziale Aufwertung hat das nicht unumstrittene Verfahren mit den hochtourigen Abgasturbinen durch einen Neuzugang im Superluxus-Bereich erfahren. Der Maybach vertraut mit seinen zwölf Zylindern sogar auf zwei Turbolader. In den bürgerlichen Bereichen, also im normalen Autoleben, ist das Turbo-Phänomen immer noch eindrucksvoll genug. Nicht allzu große Vierzylinder entwickeln mit Hilfe der rasenden Turbinenräder Literleistungen, die klar in den sportlichen Bereich reichen. Der Audi kommt mit nur 1,8 Liter Hubraum inzwischen auf 163 PS, beim Saab 9-3 gaukelt die Typenbezeichnung den falschen Hubraum vor, aber 150 PS aus zwei Liter Volumen sind ja auch nicht ohne. Die dazugehörigen Nenndrehzahlen liegen mit 5500 Umdrehungen beim Saab und 5700 beim Audi nicht allzu hoch. Auch die maximalen Dreh-momente befinden sich, zumindest auf dem Papier, dicht beisammen und zeigen ebenfalls den Segen der Aufladung. 240 Newtonmeter sind es beim hubraumstärkeren Saab, 225 beim Audi, und in beiden Fällen ist der volle Druck schon ab 2000 Touren zu haben. So sehr sich Leistung und Drehmoment ähneln, so verschieden sind die Vierzylinder von der Konzeption her. Der Audi-Motor ist leicht langhubig ausgelegt und trägt als Besonderheit fünf Ventile pro Zylinder, ein technischer Gimmick, der sich weder in der Formel 1 noch bei Audi selbst durchgesetzt hat. Das Saab-Triebwerk ist ein Vierventiler, hat aber zwei Ausgleichswellen, die den Massenkräften zweiter Ordnung zu Leibe rücken sollen. Sie tun es mit Erfolg. In der Laufkultur ist das Saab-Triebwerk dem etwas rauer laufenden Audi-Motor leicht überlegen. Der Saab-Vierzylinder kommt hier an Sechszylinder heran, ohne freilich deren Klangbild oder ihre Reize zu offerieren. Vom Wesen her ist er ein unauffälliger, softer Turbomotor, der seine Sache insgesamt ganz gut macht, aber wenig Appeal hat. Anders der Audi. Kaum gibt man Gas, denkt man, er müsse den größeren Hubraum haben. Seine Spontaneität ist weit überlegen, es gibt praktisch kein Turboloch, also jene Stelle bei niedrigen Drehzahlen, an der sich nicht viel tut. Auch gefühlsmäßig erscheint die Lebhaftigkeit des Audi-Fünfventilers klar überlegen, den Rest zeigen unmiss-verständlich die Messwerte. Auf Tempo 100 braucht der Audi nur 8,5 Sekunden, der Saab 9,6. Im oberen Tempobereich werden die Differenzen noch weit größer. Am größten sind sie jedoch bei schaltarmer Fahrweise, wenn das Durchzugsvermögen gefragt ist. Nominal ist der Saab hier sogar mit seinem höheren Drehmoment überlegen, doch auf der Straße wendet sich das Blatt. Der Audi fährt dem Saab auf und davon, nimmt sich zwischen 80 und 120 km/h im großen Gang gerade einmal elf Sekunden Zeit, während der Konkurrent aus Schweden deutlich über 15 Sekunden braucht. Im Saab muss man also häufiger schalten, und auch das ist kein reines Vergnügen.

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Vergleichstest Audi A4 1.8 T, Saab 9-3 1.8 t
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Die Wege sind lang, die Übersetzung ist es auch. Das Turbo-Vergnügen bleibt aus, wenn man einmal vom samtigen Lauf des Motors absieht. Auch der Benzinverbrauch ist keine Offenbarung, wobei turbogeladene Ottomotoren generell keine Musterknaben sind. Fast elf Liter pro 100 Kilometer genehmigt sich im überwiegend schnell gefahrenen Testmittel der Saab, der Audi liegt mit knapp über zehn Litern zwar deutlich besser, aber absolut gesehen ebenfalls hoch. Grob gesagt hat man Sechszylinder-Leistung, aber auch Sechszylinder-Verbrauch. Unter neun Liter pro 100 Kilometer zu kommen, erfordert schon eine zurückhaltende Gangart, vor allem beim Saab. Von der Fahrphilosophie her ist die ruhige Gangart in beiden Mittelklasse-Limousinen kein fremdartiger Zustand. Obwohl die Motoren objektiv stark sind und die Fahrleistungen hoch, sind beide Turbos keine wilden Treiber, sondern kultivierte Aggregate, die auch nichts gegen kultiviertes Fahren haben. In diesem Aggregate-Zustand schlägt die Stunde des Komforts, den man von schnellen Reiselimousinen diees Kalibers mit Recht erwartet. Im Geräusch nehmen sich die beiden nicht viel, auch der Sitzkomfort zeigt keine großen Differenzen. Die Sportsitze im Saab in der getesteten Vector-Ausstattung bieten eine gute Ausformung, aber im Audi sitzt man nicht schlechter, hat außerdem die günstigere Position. Die steilen Sitzlehnen im Fond des Audi kosten ihn einen kleinen Punkteabzug. Doch dies alles erscheint nebensächlich, wenn es an die Grund-werte des Fahrkomforts geht, die Federung. Der Saab enttäuscht hier. Vor allem auf Autobahnen geraten die Passagiere je nach Belagkonstitution in deutliche Vertikalbewegungen, hinzu kommen vernehmliche Abrollgeräusche. Sowohl kurze als auch lange Bodenwellen werden von der Federung nicht klassengemäß geschluckt. Der Audi kann alles besser. Geschmeidig geht er über Unebenheiten weg und erreicht zusammen mit günstigen Phonzahlen einen klaren Vorsprung in der Komfort-Wertung. Der Wohlfühlfaktor kommt also im Audi stärker zur Geltung, zumal es ihm an günstigen Begleitumsständen nicht fehlt. Seine Karosse ist in der Qualitätsanmutung noch etwas über dem soliden Stück Saab einzuordnen. Es gibt da wie dort keine besonderen Bedienungs-Extravaganzen, und man hat es in beiden Fällen mit vernünftigen Raumangeboten zu tun. Die Kofferräume differieren im Volumen nur wenig, Gleiches gilt für die Zuladung, die mit annähernd 500 Kilogramm ausreicht.

Der Saab ist etwas besser ausgestattet. Die Sportsitze sind serienmäßig, ebenso ein Radio und der Bordcomputer. Leichtmetallräder haben sie beide, ebenso Zentralverriegelung mit Fernbedienung und vielfache Lenkradverstellung. In der Bedienungsfunktionalität ergeben sich keine Unterschiede von Belang. Das saabtypische Zündschloss hinter der Handbremse bleibt eine Eigenwilligkeit, an die man sich schnell gewöhnt. Gleichstand in der Karosseriewertung also nicht nur vom subjektiven Gefühl her, sondern auch in den Punkte-rängen. Man fühlt sich gut aufgehoben, zumal auch die Sicherheitsausstattung bei beiden auf hohem Niveau liegt. Seitenairbags vorne sind serienmäßig, es gibt seitliche Kopf-Airbags vorne und hinten. Auch die aktive Sicherheit liegt erwartungsgemäß auf hohem Niveau, denn in der Beherrschbarkeit gibt es, zumal das serienmäßige ESP auch Fahrwerksschwächen glätten würde, keine erwähnenswerten Differenzen. Im Kurvengrenzbereich verhalten sich beide Fronttriebler mit mäßigem Untersteuern brav und unproblematisch. Bei den Fahrdynamik-Versuchen zeigt sich der Saab sogar etwas dynamischer – ein Eindruck, der sich auf der Straße wieder relativiert. Das Handling des Audi ist hier eindeutig besser und vermittelt nicht nur mehr Mühelosigkeit, sondern auch mehr Fahrver-gnügen. Natürlich spielen hier die Lenkeigenschaften eine entscheidende Rolle, und obwohl der Saab keine schlechte Lenkung hat, ist der Audi hier im Vorteil. Auch die Bremsen zeigen, wie die Messwerte beweisen, hohes Niveau. Die großen Unterschiede tun sich also beim Fahrkomfort und in der Antriebswertung auf. Hier geht der Audi klar in Führung und zeigt wieder einmal, dass es schwierig für die Konkurrenz geworden ist, die Herren der Ringe zu schlagen. Sie muss sich immer wärmer anziehen. Beim Saab 9-3 ist es nicht warm genug – obwohl er aus der Kälte kommt.

Technische Daten
Saab 9-3 1.8t Sport-Limousine Vector Audi A4 1.8 T
Grundpreis 28.850 € 27.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4635 x 1762 x 1467 mm 4548 x 1772 x 1428 mm
KofferraumvolumenVDA 425 l 445 bis 720 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1781 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 5500 U/min 120 kW / 163 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 228 km/h
0-100 km/h 9,6 s 8,5 s
Verbrauch 8,2 l/100 km 8,2 l/100 km
Testverbrauch 10,9 l/100 km 10,1 l/100 km
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