Doppeltest Audi A4 1.9 TDI gegen Rover 620 SDi

Ein lebhafter und sparsamer Direkteinspritzer-Diesel ist die jüngste Motorenvariante des Audi A4 in der gediegenen Mittelklasse. Doch die Konkurrenz folgt auf dem Fuße: Von Rover kommt jetzt der 620 SDi, der nach dem gleichen Prinzip zündet.

Am Anfang sind Schall und Rauch.Wenn die Dieselmotoren im Audi A41.9 TDI und im Rover 620 SDi ihreArbeit aufnehmen, erinnernheftiges Nageln und Kumuluswolkenaus dem Endrohr an die lasterhafteVergangenheit der Ölbrenner. Aber sobald die beiden Vierzylinder ihre Betriebstemperatur erreicht haben und in Fahrt kommen, machen sie klar, daß Autos wie ihnen die Zukunft gehört. Kein anderes Prinzip verspricht derzeit einen ähnlich günstigenWirkungsgrad wie der von Audi undRover eingesetzte Direkteinspritzer-Dieselmit Turbolader.

Statt wie üblich in eine vorgelagerte Brennkammer, wird der Kraftstoff hier direkt in den Zylinder befördert, wo er sich in einer Mulde im Kolbenboden entzündet. Was einst mangels Laufkultur und Leistung, aber auch wegen zu hoher Emissionswerte nur für Lastwagen geeignet erschien, machten die Audi- Techniker erstmals in Personenwagen salonfähig. Der entscheidende Vorzug desDirekteinspritzers liegt in seinerunübertroffenen Sparsamkeit. Für die Leistung sorgt einTurbolader, mit dessen Hilfe der Audi- Vierzylinder aus 1,9 LiterHubraum 90 PS schöpft. Schon im Vorgänger des A4 fand ein Viertelaller Käufer diese Verbindung soüberzeugend, daß seit einem halbenJahr alle Audi-Diesel TDI sind.
Obwohl die beiden wichtigsten Konkurrenten BMW und Mercedes vorerst noch am herkömmlichen Verbrennungsverfahren festhalten, arbeiten sie aber ebenfalls an noch sparsameren Dieselmotoren. In der neuen E-Klasse kommt der erste Mercedes-Direkteinspritzer Anfang nächsten Jahres, bei BMW ist ein vergleichbarer Antrieb frühestens 1997 serienreif. Die jüngste Tochter der Bayern kann dagegen schon jetzt liefern: Ab sofort gibt es die Mittelklasselimousine von Rover wahlweise als 620 SDi mit Direkteinspritzer. Nicht ohne Stolz verweisen die Engländer darauf, daß es sich bei der neuen Motorvariante um eine vollständige Eigenentwicklung handelt. Der Selbstzünder basiert zwar auf dem firmeneigenen Zweiliter- Benziner,unterscheidet sich von diesem aberin genau 241 Bauteilen.

Ganz ohne Hilfe aus Deutschland kamen die Briten freilich nicht aus: Das elektronisch geregelte Einspritzsystem namens EDC (Electronic Diesel Control) stammt von Bosch. Mit 105 PS aus 1994 cm3 Hubraum erreicht der Rover- Vierzylinder eine spezifische Leistung, die bisher ausschließlich Ottomotoren vorbehalten war. Der 15 PS schwächere Audi kann da nicht mithalten, denn ihm fehlen nicht nur 100 cm3 Hubraum, sondern auch die potenzfördernde Kühlung der Ladeluft.

In der Praxis, wo Drehmoment und gutes Durchzugsvermögen zählen, fällt der Unterschied hingegen weniger ins Gewicht. Da bringen beide Motoren ihre Kraft bei relativ niedrigen Drehzahlen auf, wobei der Audi nach Zahlen sogar leicht in Führung geht. Seine maximale Leistung liegt schon bei 4000/min (Rover: 4200/min) an, sein größtes Drehmoment von 202 Newtonmeter schafft er bei 1900/min (Rover: 210 Nm bei 2000/min). Das sichert genügend Reserven an Steigungen und für Überholvorgänge im gängigen Drehzahlbereich zwischen 1500/min und 4000/min. Trotzdem glänzt der Rover mit dem dynamischeren Temperament. Er reagiert fast bissig auf Impulse mit dem Gaspedal und legt über 4000/min noch kräftig zu, wenn der Audi bereits abbaut.

Besonders eindrucksvoll ist seine gleichmäßige Leistungsentwicklung, die selbst im Drehzahlkeller kein Turboloch kennt, das dem A4 – etwa beim Beschleunigen am Ausgang spitzer Kehren – gelegentlich zu schaffen macht. Die Meßwerte bestätigen diesen Eindruck. Obwohl mit 36 Kilogramm Mehrgewicht und einem schlechteren cW- Wert ausgestattet, hat der SDi dem TDI beim Sprint aus dem Stand auf 100 km/h bereits gut zwei Sekunden abgenommen (zwölf statt 14,1). 140 km/h erreicht der Rover sogar sechs Sekunden früher (25,2 statt 31,3). Auch bei der Elastizitätsprüfung zeigt sich der nochmalige Fortschritt gegenüber dem bereits sehr guten Audi (siehe Tabelle Seite 56). Gewisse Zugeständnisse verlangt der Rover aber bei der Laufkultur.

Der prinzipbedingte Nachteil des Direkteinspritzers bleibt seinen Insassen nie verborgen, woran auch die Verkleidungen des Motorraums von unten und am Zylinderkopf nicht viel ändern. Während Audi mit einer Kapselung und speziellen Aufhängungen den Direkteinspritzer in akustisch weite Ferne gerückt hat, nagelt und vibriert der Brite selbst dann laut und vernehmlich, wenn er ohne Last dahinrollt. In puncto Sparsamkeit ist der Anschluß an den Klassenbesten hingegen auf Anhieb gelungen. Mit 6,8 Liter/100 km verbraucht der SDi kaum mehr als der TDI (6,6 Liter/100 km), aber rund einen Liter weniger als die herkömmlichen Kammermotoren im BMW 318 tds (7,6) und Mercedes C 220 D (7,9). Dabei sind diese Werte nicht das Resultat verbrauchsreduzierender Fahrpraktiken, sondern realistischer Durchschnitt. Meister des leichten Gasfußes schaffen mit den Direkteinspritzern problemlos die Fünf vor dem Komma.

Der Spaß am Sparen fordert nicht einmal nennenswerten Verzicht, denn zu den Unterhaltskosten eines Kleinwagens bieten beide die Fahrleistungen, den Komfort und die Sicherheit ausgewachsener Mittelklasselimousinen. Dazu gehören tadellose Fahreigenschaften mit weitgehend neutralem Kurvenverhalten und einem gut definierten Grenzbereich. Im direkten Vergleich fährt sich der Rover jedoch nicht ganz so handlich und direkt, er fordert insgesamt mehr Aufwand am Steuer. Das macht sich in etwas stärkerem Untersteuern bei schneller Kurvenfahrt, aber auch in einem größeren Wendekreis und Antriebseinflüssen in der Lenkung bemerkbar, die beim Audi fast völlig fehlen. Noch gravierender sind die Unterschiede bei der Verzögerung: Während sich der A4 nach zehnmaliger Vollbremsung aus 100 km/h von 41,1 auf 39,8 Meter verbessert, zeigt der 620 wenig Standfestigkeit und fällt bei starker Belastung von 42 auf 57,6 Meter ab. Beim Fahrkomfort geben sich die beiden ähnlich verbindlich. Die weichere Aufhängung gegenüber den Benzinern und das höhere Gewicht der Dieselmotoren lassen sie geschmeidig über Bodenunebenheiten hinweggleiten, wobei der Audi etwas labil auf Lenkbewegungen um die Mittellage reagiert und dann leicht schwammig wird. Im Gegenzug sind die A4-Sitze komfortabler und besser ausgeformt als das Gestühl im Rover. Trotz quer statt längs eingebauten Motors und längeren Radstands kann der 620 sein Plus von 16 Zentimeter in der Gesamtlänge nicht in üppigere Platzverhältnisse ummünzen. Vorn wie hinten bietet er sogar etwas weniger Kopf- und Schulterfreiheit, dafür aber mehr Platz für die Beine sowie ein luftigeres Raumgefühl. Das kleinere Ladevolumen (430 zu 440 Liter) macht er mit der Variabilität geteilt umklappbarer Rücksitzlehnen mehr als wett, für die Audi immerhin 550 Mark extra verlangt.

Auch elektrische Fensterheber kosten hier Aufpreis (1390 Mark), doch beim Rover sind viele Sonderwünsche nicht einmal gegen Aufpreis erhältlich. Das läßt sich im Falle von Lederpolsterung oder Sitzheizung noch leicht verschmerzen, nicht aber bei wichtigen Sicherheitseinrichtungen wie hinteren Kopfstützen und Beifahrer-Airbag, die es im Audi serienmäßig gibt. Ansonsten bewegt sich die Ausstattung mit ABS, Fahrer- Airbag, Colorglas und Zentralverriegelung auf klassenüblichem Niveau. Die große Stunde des A4 schlägt, wenn es um Qualität und Design geht. Gegen sein Interieur, das wie aus einem Guß und in Verbindung mit den verwendeten Materialien sehr hochwertig wirkt, erscheint der Rover filigran und weniger harmonisch. Daran ändern selbst die großflächigen Walnußholz- Applikationen wenig, die dem Plastiklook des Honda Accord-Verwandten die höheren Weihen englischer Lebensart verleihen sollen. Beim Audi knarrt und klappert nichts, die Türen schließen satt, auf holprigen Strecken bleiben Aufbau und Verkleidungen mustergültig ruhig. Der Rover-Fahrer muß dagegen mit einer weniger steifen, nicht verzinkten Karosserie leben. Und obwohl er für den 620 SDi mit 38 150 Mark immerhin 1750 Mark weniger bei der Anschaffung gezahlt hat, ist der A4 1.9 TDI insgesamt das wirtschaftlichere Auto: Geringere Steuer- und Haftpflichtbelastung, günstigere Wartungsund Inspektionskosten, bessere Garantie und Wiederverkaufschancen werden von der niedrigeren Teilkaskoeinstufung des Rover (21 statt 34) bei weitem nicht aufgewogen. Dennoch steht der Brite am Ende als die eigentliche Überraschung da. Bis auf das kritische Bremsverhalten und die mangelnde Laufkultur kann er dem soliden Audi durchaus Paroli bieten, mit seinen temperamentvollen Fahrleistungen bei niedrigem Verbrauch sogar neue Maßstäbe setzen. Das dürfte reichen, um sich künftig nicht nur durch Schall und Rauch bemerkbar zu machen.

Fazit

1. Audi A4 1.9 TDI
103 Punkte

Sehr gute Verarbeitung, elastischer Motor, gute Handlichkeit, sicheres Fahrwerk, gute Bremsen, sehr niedriger Verbrauch. Eingeschränkter Federungskomfort bei voller Zuladung, harte Rücksitzpolsterung, nicht optimal ablesbare Instrumente.

Technische Daten
Audi A4 1.9 TDI Rover 620 SDi
Grundpreis 21.883 € 20.810 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4479 x 1733 x 1415 mm 4645 x 1715 x 1380 mm
KofferraumvolumenVDA 440 bis 720 l 430 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder 1994 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 3750 U/min 77 kW / 105 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 184 km/h 185 km/h
0-100 km/h 14,1 s 12,0 s
Verbrauch 5,4 l/100 km 5,7 l/100 km
Testverbrauch 6,4 l/100 km 6,8 l/100 km
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