Doppeltest Audi A6 1.8 T gegen VW Passat 1.8 T

Eigentlich soll der neue Audi A6 die Rivalen der oberen Mittelklasse vom Podest stürzen, doch unterdessen wird er selbst von seinem technisch verwandten, rund 10.000 Mark billigeren Konzernbruder VW Passat bedrängt.

Im Jahr 1968, als die Studenten auf die Barrikaden stiegen und lautstark für einen gesellschaftlichen Wandel demonstrierten, schickte sich still und leise eine wiederbelebte Automarke an, das Establishment von BMW und Mercedes zu erschüttern. Fast 30 Jahre nach dem ersten 100 ist Audi am Ziel seiner Wünsche, denn der aktuelle A6, sein vierter Nachfolger, gehört unbestritten zur Creme der gehobenen Mittelklasse. Was der schönen VW-Tochter gelang, soll nach dem Willen von Konzernchef Piëch jetzt auch der großen Mutter in Wolfsburg gelingen.

Audi gegen BMW und VW gegen Mercedes lautet die entsprechende Stallorder, doch Konkurrenz in den eigenen Reihen ist keinesfalls tabu. So verkörpert der im vergangenen Herbst erneuerte Passat nach Leistung und Format den Anspruch, in der gleichen Liga zu spielen wie der A6. Aber: Bei VW wird es den Sechszylinder zum Preis eines Vierzylinders und später sogar einen Achtzylinder zum Preis eines Sechszylinders geben. Genauer betrachtet sind die Unterschiede noch größer, denn während Audi für seine Limousine mit dem stärksten Vierzylinder (150 PS) 54 000 Mark verlangt, bekommt man dafür bei VW schon den Passat mit V6-Motor (193 PS), Allradantrieb und der – im A6 serienmäßigen – Klimaautomatik. Umgekehrt kostet der 150 PS-Passat mit Trendline- Paket 10 450 Mark weniger, und auch bei vergleichbarer Ausstattung bleiben rund 9000 Mark Differenz zugunsten des VW. An eine Substitution des A6 durch den Passat mag der kommissarische Audi-Chef nierung beider Marken, wobei sich Audi mit einer gewissen Technikverliebtheit und dem vom Bauhausstil inspirierten Design als erste Wahl für Enthusiasten profilieren will. Tatsächlich vermittelt der A6 mit seiner geschickt zwischen Ruhe und Spannung balancierenden Optik und einem Innenraum im Stil der klassischen Moderne den Eindruck höchster Detailperfektion.

Zwar bleiben auch beim Passat keine Wünsche in bezug auf Solidität oder Material- und Verarbeitungsqualität offen, aber seiner nüchternen Funktionalität – etwa bei den Türgriffen oder den umlaufenden Gummi- Stoßleisten – setzt der Audi in Gestalt von Chrom, gewagten Farbkombinationen sowie dem 22 Leuchtquellen umfassenden Innenlichtpaket einen subtilen Hauch von Luxus entgegen. Die inneren Werte kommen darüber nicht zu kurz. Sein Kofferraumvolumen (551 Liter) übertrifft die 475 Liter des Passat deutlich, was der allerdings mit der Variabilität seiner geteilt umklappbaren Rücksitzlehne (A6: 550 Mark) weitgehend kompensiert. In beiden Fällen findet man ein großzügig bemessenes, leicht zu beladendes Gepäckabteil vor, das genügend Reserven für die Urlaubsreise zu fünft bereithält. Richtig komfortabel haben es auf den Rücksitzen jedoch nur zwei Insassen, selbst wenn der Audi mit drei Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurten für einen weiteren Passagier vorsorgt.

Durch die breiteren Fondtüren besteigt man ihn zudem bequemer, aber im Raumangebot sind die Abweichungen minimal. Das gilt auch für die Bedienung, die Sitzposition und die Ablesbarkeit der Instrumente, die in beiden Autos rundum zufriedenstellen. Daß man den Passat besser im Griff hat, liegt neben seinen ge- ringeren Abmessungen vor allem an den gut profilierten Sportsitzen der Trendline-Version. Sie lassen sich vorbildlich leicht und exakt einstellen, was auch mit der elektrischen Höhenverstellung im A6 nicht einfacher gelingt. Im Gegenzug hat der die präzisere Schaltung, die mit kurzem Klick-Klack die Gänge wechselt, wo sich der VW ein wenig teigig anfühlt. Man lernt sie zu schätzen, denn der in beiden Modellen eingebaute 1,8 Liter-Turbomotor offeriert zwar gutes Temperament, aber nur verhaltenen Durchzug unter 2500/min.

 Das macht er mit hoher Drehfreude, akzeptabler Laufruhe und harmonischem Einsetzen des Laders wieder wett. Wegen seines niedrigeren Gewichts und günstigeren cW-Werts erzielt der Passat etwas bessere Fahrleistungen und dazu einen niedrigeren Benzinverbrauch (10,2 statt 10,6 Liter/100 Kilometer). Im direkten Vergleich zeigt sich einmal mehr, daß es trotz gleicher Technik auf die Feinabstimmung ankommt. So stört beim VW ein spürbarer Lastwechselschlag im Antriebsstrang, beim Audi eine Dröhnfrequenz im häufig genutzten Drehzahlbereich zwischen 3500 und 4500/min, die als sehr lästig empfunden wird – nicht zuletzt deshalb, weil der A6 dank seinen geringen Windund Abrollgeräuschen ansonsten zu den ausgesprochenen Leisetretern gehört.

Schließlich wurde sein Fahrwerk, das bis auf die unterschiedlichen Dimensionen eng mit dem von A4 und Passat verwandt ist, ganz auf Komfort getrimmt. Entsprechend gediegen zeigt sich das Federungsvermögen beider Konkurrenten, mit feinen Nuancen im Detail. Lange Bodenwellen steckt der Audi souveräner weg, auf Querrillen reagiert er allerdings etwas stößiger als der VW. Mit seinem sanften Abrollen bei langsamer Fahrt reicht er hingegen schon fast in die Luxusklasse.

Auch beim Fahrverhalten leistet sich keiner nennenswerte Schwächen. Als Fronttriebler modernster Prägung laufen beide sauber geradeaus und untersteuern in Kurven leicht, um dann im Grenzbereich verstärkt über die Vorderräder zu schieben. Daß sie auch mit voller Beladung und bei Lastwechseln nichts von ihrer Gutmütigkeit einbüßen, zeigt, welch hohes Niveau die Technik gerade in diesem Bereich während der letzten Jahre erreicht hat.

Dem Audi ließe sich höchstens eine stärkere Neigung zum Aufschaukeln und die etwas geringe Rückmeldung der leichtgängigen, zielgenauen Servolenkung ankreiden, die mit dazu beiträgt, daß er nicht ganz so agil wie der VW wirkt. Dafür kommt er mit warmen wie mit kalten Bremsen noch früher zum Stillstand und verdient sich ein weiteres Plus für sein spontanes, feinfühliges Ansprechverhalten. Die Spurtreue ist in beiden Fällen optimal. Das gilt auch für die Sicherheitsvorsorge. Gurtstraffer sowie Air- und Sidebags vorn gehören ebenso zum Serienstandard wie ABS und eine elektronische Differentialsperre, wobei der A6 zusätzlich lediglich auf Nebelscheinwerfer (VW: 255 Mark) verweisen kann. Außerdem stehen einige Dinge in der Aufpreisliste, die es für den Passat (noch) nicht gibt – so etwa die akustische Einparkhilfe, das Xenon-Licht oder der Allradantrieb (1.8 T). Darüber hinaus läßt sich der Audi mit fast allem ausrüsten, was gut und teuer ist. Man muß dafür freilich – wie bei Ersatzteilen und Werkstattarbeiten deutlich tiefer in die Tasche greifen als bei VW, aber Haftpflicht und Vollkaskoversicherung sind vergleichsweise günstig (Typklasse 17).

Selbst in der Teilkasko-Einstufung (33) liegen beide gleichauf. Bei soviel brüderlicher Eintracht kann es nicht verwundern, daß man am Ende wieder am Anfang seiner Überlegung steht. Mit unglaublicher Perfektion und Detailverliebtheit hat sich Audi einen Platz im Establishment gesichert, den sich das Unternehmen allerdings gut bezahlen läßt. Die Chance des Passat ist seine Bescheidenheit, denn in allen wichtigen Disziplinen ist er den großen Namen viel näher, als es der gewaltige Preisunterschied suggeriert.

Fazit

1. VW Passat 1.8 T Trendline
617 Punkte
2. Audi A6 1.8 T
610 Punkte
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Technische Daten
Audi A6 1.8 T
Grundpreis 29.680 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4796 x 1810 x 1453 mm
KofferraumvolumenVDA 551 l
Hubraum / Motor 1781 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 217 km/h
0-100 km/h 9,3 s
Verbrauch 8,3 l/100 km
Testverbrauch 10,6 l/100 km
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