Doppeltest Audi A6 2.5 TDI gegen BMW 530d

Der neue Stern am Diesel-Himmel kommt von BMW und heißt 530d. Aber im Audi A6 2.5 TDI trifft er auf harte Konkurrenz. Der Vergleich beider Sparwunder endet in einem knappen Finish.

Alle reden vom Drei-Liter- Auto. Aber wer redet vom Acht-Liter-Auto? Viel zu wenige, wenn man bedenkt, daß sich in dieser Verbrauchsklasse die wahren Sparwunder verstecken. Der Audi A6 2.5 TDI zum Beispiel.

Eine geräumige Komfortlimousine mit allen Extras, die in rund neun Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen kann und 220 km/h schafft, aber gerade mal acht Liter pro 100 Kilometer verköstigt – das wäre vor wenigen Jahren noch das reinste Wunder gewesen. Heute ist es Realität. Gegenüber einem vergleichbar motorisierten Benziner spart der A6-Fahrer mit dem TDI-Diesel somit rund drei Liter/100 km. Was zugleich bedeutet, daß er mindestens den gleichen Spareffekt erzielt wie der Käufer des VW Lupo TDI, dem ersten Drei-Liter-Auto, im Vergleich zum Lupo-Benziner. Der entscheidende Sparvorteil des A6 TDI aber: Während der kleine Lupo realistischerweise häufig nur als Zweitwagen in Frage kommt, ist der A6 vollwertig, daher mehrheitsfähig und folglich bei der Reduzierung des Energieverbrauchs gesamtheitlich betrachtet von weitaus größerem Belang. Bei geeigneter finanzieller Ausstattung – der Wagen kostet mindestens 61 430 Mark – finden sich denn auch kaum triftige Gründe, keinen Audi A6 2.5 TDI zu kaufen. Gäbe es da nicht seit ein paar Monaten den BMW 530 d: Mit der neuen Diesel-Variante des Fünfers zielt BMW voll auf den Audi, in die Nische der kraftvollen und zugleich extrem sparsamen oberen Mittelklasse.

Die Zeiten, als Audi mit seinen TDI-Modellen noch unangefochten die Maßstäbe setzte, gehen zweifellos zu Ende. Im vorliegenden Fall ist es der BMW, der dem Diesel- Fahrer neue Horizonte öffnet. Im Gegensatz zum noch herkömmlich einspritzenden TDI-Motor bedient er sich bereits der neuen Common Rail-Technologie. Wie der Audi verfügt er über sechs Zylinder, aber bei ihm sind sie nicht in V-Form, sondern in Reihe angeordnet und verfügen außerdem über mehr Hubraum.

Während sich der V6-TDI des Audi mit 2,5 Litern begnügt, schöpft der BMW aus drei Litern, was sich auch in den sonstigen Daten widerspiegelt. Bergeweise Drehmoment ist man bei Dieselmotoren mittlerweile ja schon gewohnt.

Aber mit 390 Nm zwischen 1750/min und 3200/ min begibt sich der 530 d in seiner Klasse in geradezu schwindelerregende Höhen. Dagegen wirken die 310 Nm (zwischen 1500/min und 3200/min) des Audi schon fast lumpig. Auch in der Leistung gibt es naturgemäß Unterschiede: 184 PS hat der 530 d, 150 PS der Audi.

Klar, daß der stärkere BMW auch ein paar Mark mehr kostet als der Audi, aber der Preisunterschied bewegt sich im üblichen Rahmen. Schließlich war der Fünfer schon immer etwas teurer als der A6, was bei den Diesel-Modellen gut 5000 Mark bedeutet. Innerhalb der eigenen Baureihe ist der 530 d allerdings ein Schnäppchen: Mit 67 600 Mark kostet er 3700 Mark weniger als der durchzugsschwächere 528i.

Beim direkten Vergleich der beiden Wunder-Diesel zeigt sich einmal mehr, daß eben auch das Gute seinen Feind hat. Jedenfalls belegt das BMW Triebwerk, daß die Diesel-Entwicklung rasant fortschreitet und inzwischen selbst ein so vorzügliches Aggregat wie das des Audi seinen Meister findet. So überzeugend wie dem BMW-Motor gelang es bisher noch keinem Diesel, die typischen TDI-Schwächen glattzubügeln. Angefangen bei der Laufkultur: Das harte Arbeitsgeräusch, das im Audi speziell im Leerlauf und beim Ausdrehen noch an die Hochdruckverbrennung des direkteinspritzenden Ölmotors erinnert, glänzt im BMW weitgehend durch Abwesenheit. Nur in der Kaltlaufphase dringen noch verdächtige Nagelgeräusche an die Ohren der Insassen. Ansonsten herrscht gepflegte Ruhe.

Da haben nun selbst die Benziner in der Fünfer- Reihe das Nachsehen. So unaufgeregt wie der 530 d benehmen sich weder der 523i noch der 528i. Dabei spielt das niedrigere Drehzahlniveau des Diesels natürlich eine entscheidende Rolle. Tempo 160 erledigt der 530 d mit gerade mal 3200/ min, wobei es durchaus noch einige Umdrehungen weniger sein könnten, wenn ihm BMW einen sechsten Gang gegönnt hätte.

Die Beschränkung auf fünf Gänge sorgt dafür, daß bei Höchstgeschwindigkeit – immerhin 225 km/h – der Drehzahlbegrenzer in Aktion tritt. Das dieseltypisch schmale Drehzahlband läßt eine weitere Spreizung der Gänge nicht zu. Bei Audi griff man deshalb konsequenterweise von Anfang an zum Sechsganggetriebe.

Man muß zwar häufiger schalten, kann sich aber an einem noch niedrigeren Drehzahlniveau laben. Andererseits macht die Bedienung des knochig geführten Schalthebels keine Freude, zumindest nicht im Vergleich zum perfekt schaltbaren BMW.

Auch der bedarfsgerechte Umgang mit dem Drehmoment bereitet im Audi mehr Mühe. Unter 1700/min herrscht beim Gasgeben Flaute, die sich sodann unversehens in eine hef- tige Brise verwandelt. Dem BMW gelingt dieser Übergang deutlich harmonischer, zumal schon ein paar 100 Umdrehungen früher mit brauchbarer Beschleunigung gerechnet werden darf. Wer das Kräftepotential ausnutzt, erlebt in beiden Fällen Fahrleistungen, die auch dem verwöhnten Fahrer genügen dürften. Auf jeden Fall muß ein Diesel, der wie der 530 d in 8,5 Sekunden Tempo 100 erreicht und in der Beschleunigungselastizität den teureren und neun PS stärkeren 528i nicht die geringste Chance läßt, selbst therapieresistenten Diesel-Muffeln zu denken geben.

Das gilt im Prinzip auch für den etwas weniger spurtstarken Audi, zumal wenn er, wie der Testwagen, deutlich bessere Werte abliefert, als ihm die Werksangaben zugestehen. Die Stärke des Audi bleibt jedoch der Verbrauch. Mit durchschnittlich 7,6 L/100 km liegt er noch einen guten halben Liter unter dem BMW – ein VW Polo verbraucht auch nicht weniger. Im übrigen bestätigt der A6, daß ihm im Vergleich mit dem Fünfer vor allem eines fehlt: die Ausgewogenheit. Abgesehen vom geringeren Raumangebot und den deutlich höheren Unterhaltskosten ist ihm der BMW fast durchweg überlegen. Er bietet den bei weitem besseren Federungskomfort, die präzisere Lenkung und das agilere Handling. Auch in den Punkten Funktionalität und Qualitätseindruck, beides Paradedisziplinen des Audi, gibt sich der BMW nicht geschlagen.

Seit die Klimaanlage zum Serienumfang gehört, ist auch der Ausstattungsrückstand geschmolzen, wenngleich deren automatische Regelung (Serie beim A6) weiterhin extra berechnet wird. Für den Audi spricht, daß das Bessere seinen Preis hat. Setzt man das Gebotene in Relation zu den Kosten, hat der A6 2.5 TDI nichts an Attraktivität verloren. Auch wenn die tolle Diesel-Nummer jetzt 530 d heißt.

Fazit

1. BMW 530d
617 Punkte

Der neue Common Rail- Diesel von BMW setzt Maßstäbe in der Laufkultur und in der Kraftentfaltung. Im 530 d sorgt er für Fahrleistungen, die auch verwöhnten Ansprüchen genügen. Ein sechster Gang würde den Reiz des Dreiliter- Diesels allerdings noch steigern. Vorbildlich sind nach wie vor die Fahrwerksqualitäten des Fünfers, nicht zuletzt in puncto Federungskomfort. Da ist er dem Audi A6 klar überlegen. Relativ bescheiden dagegen das Raumangebot, während Verbrauch und Unterhaltskosten vergleichsweise üppig ausfallen.

2. Audi A6 2.5 TDI
616 Punkte

Alles in allem kann sich der Audi gut behaupten. Seine Stärken sind der attraktive Preis, der geringere Verbrauch und die günstigen Unterhaltskosten. Außerdem ist der A6 besonders geräumig. Der immer noch beeindruckende V6-Dieselmotor findet jedoch im BMW-Diesel seinen Meister: In der Laufkultur und in der Leistungscharakteristik ist er klar unterlegen. Ein Plus hingegen: Den Audi gibt es serienmäßig mit Sechsganggetriebe. Im übrigen fehlt es dem A6 an Ausgewogenheit in der Fahrwerksabstimmung, was sich vor allem im Komfort bemerkbar macht.

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Technische Daten
BMW 530d Audi A6 2.5 TDI
Grundpreis 34.768 € 32.430 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4775 x 1800 x 1435 mm 4796 x 1810 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l 551 l
Hubraum / Motor 2926 cm³ / 6-Zylinder 2496 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 135 kW / 184 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h 218 km/h
0-100 km/h 8,5 s 9,1 s
Verbrauch 7,2 l/100 km 7,0 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km 6,7 l/100 km
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