Doppeltest Audi A6 Allroad Quattro 2.7 T gegen Volvo V70 Cross Country AWD

Mit Brachialgewalt ins Unterholz, auf groben Stollen über Stock und Stein: Der Ruf der Wildnis macht auch nicht vor den Edel-Kombis in der oberen Mittelklasse Halt. Audi Allroad Quattro und Volvo V70 Cross Country setzen äußerst elegant den Blinker ins Grüne.

Fragt sich, wer solche Autos kaufen soll. Leergewichte zwischen 1,7 und 1,9 Tonnen, Fahrleistungen jenseits aller Notwendigkeiten und Maximalverbräuche, die sich mit über 20 Litern gierig über jede Grenze von Anstand und Moral hinwegsetzen. Auf der anderen Seite eine Alltags-Kompetenz, die sich zu 90 Prozent mit der konventioneller Kombis deckt. Dem Audi Allroad Quattro sitzt für rund 5000 Mark weniger ein famoser A6 Avant 2.7 T Quattro im Nacken, und der Volvo hat starke Konkurrenz im verwandten V70 AWD. Preisdifferenz: immerhin 3500 Mark. Dennoch: Es gibt diverse Gründe, sich für einen Allroad oder V70 XC zu erwärmen. Vor allem, wenn man ein Amerikaner ist: In California, Colorado, Idaho wird alles geliebt, was viel Masse, noch mehr Power und vor allem Four-Wheel-Drive hat. Je lässiger, uriger und Operation-Wüstensturm-mäßiger, desto besser. Aber auch hier zu Lande sind die Edel-Kombis auf Stelzen eine attraktive Sache. Man muss vielleicht mit führerscheinlosen Umweltministern über den Sinn des Individualverkehrs diskutieren, nicht aber mit bekennenden Freunden einer gut unterfütterten Dreh­momentkurve über den Reiz, streng dem Horizont entgegengestemmt zu werden. Und so mancher Architekt oder Bauingenieur ist von der Idee, die Stätte seines Schaffens nicht mehr per Gummistiefel, sondern im Auto zu besichtigen, sehr angetan. Für Volvo ist der V70 XC eine Neuauflage des früheren Cross Country, und laut Volvo-Marketingchef Dieter Laxy übertrifft die Nachfrage nach dem hochbeinigen V70-Derivat bereits jetzt alle Erwartungen. Die Audi-Strategen wollten einem lange gehegten Wunsch nachgeben, nämlich die Audi-Spezialität Quattro einmal so richtig Gassi zu führen: Der Allroad sollte offroad so gut werden, dass er einem G-Mercedes Paroli bieten könnte – ein optimistisches Vorhaben. Denn trotz der um bis zu 66 Millimeter liftbaren Bodenfreiheit dürfte der Vorwärtsdrang des Allroad – Quattro hin, elektronische Traktionskontrolle her – spätestens an der Haftgrenze der sich zusetzenden Reifen sein Ende finden. Ein Los, das der Audi mit dem Cross Country teilt.

Beide sind ihren jeweiligen Frontantriebs-Brüdern auf unbefestigten Wegen zwar haushoch überlegen, sie bieten gute Traktion, der hochgelegte Audi nimmt willig auch grobes Ge­röll unter die Räder – aber echte Geländewagen sind sie nicht. Für geländetaugliche Straßenkombis bewegen sie sich jedoch beeindruckend sicher, komfortabel und schnell auf Asphalt. Im direkten Vergleich aber mit unterschiedlichem Talent: Der Allroad Quattro kann sich gegen den Cross Country klar durchsetzen. Er läuft sauber geradeaus, lenkt neutral und flink ein, sein Fahrwerk bietet hohen Komfort und selbst bei maximaler Beladung (541 Kilogramm) gesunde Durchschlagreserven – erst im Grenzbereich kommt der schwere Allroad an seine Grenzen. Dann schiebt er hemmungslos über die quietschenden Reifen und bremst sich dabei stark ab. Der Volvo wirkt im direkten Vergleich schwammig, seine Lenkung verspannt sich beim Rangieren, arbeitet unpräzise und ist spürbaren Antriebseinflüssen ausgesetzt. Selbst sein Federungskomfort lässt ein wenig zu wünschen übrig, er schlägt mit maximaler Zuladung an Bord (470 Kilogramm) auf groben Bodenwellen ungeniert durch. Im Motorenkapitel wird der Vorsprung des Audi noch deutlicher: Sein 250 PS starker, von zwei Abgasturboladern zwangsbeatmeter 2,7-Liter-V6 schiebt mächtig an, gegen ihn kann der 50 PS schwächere 2,5-Liter-Fünfzylinder des Volvo kaum etwas ausrichten. Stürmische 234 km/h Höchstgeschwindigkeit gegenüber 200 km/h; feurige 7,6 Sekunden von null auf 100 km/h gegenüber 9,7 Sekunden sprechen eine deutliche Sprache. Auch die Bremsen des Quattro sind besser; der Volvo leidet unter einem schwammigen Druckpunkt, den wenig Bremskraft übertragenden Reifen und somit signifikant schlechterer Verzögerungsleistung im kalten Zustand. Den Vorsprung könnte der Audi auch auf Grund seiner kraftvolleren und daher komfortableren Motorcharakteristik – er läuft auf insgesamt niedrigerem Dreh­zahlniveau, der Volvo benötigt kernig vernehm­bare Drehzahlen – ausbauen, wenn er nicht mit einer inhomogenen Fünfgang-Automatik ausgestattet wäre. Jede Gaspedalbewegung nimmt die Schaltbox zum Anlass, in die nächstkleinere Stufe zu wechseln, die Schaltpause und der hart ausgelegte Drehmomentwandler verhageln dann den sauberen Strich am Kurvenausgang und sorgen für deftige Schaltrucke.

Der Volvo kann es besser. Seine Automatik tupft die Gangstufen auf wie mit dem Wattebausch und hält sie ein Quäntchen länger und komfortabler. Weitere Punkte sammelt der Cross Country an der Zapfsäule: nicht weil er besonders sparsam zu Werke gehen würde, sondern weil der Audi bar jeglicher Zurückhaltung am Spritschlauch zieht. Den V70-Testverbrauch von 13,2 Litern toppt er um stramme 3,2 Liter. Im Alltag sind die Konkurrenten einander nahezu ebenbürtig. Sie entsprechen in ihren Grundzügen den funktional und stilsicher gestalteten Kombis, von denen sie abstammen, und bieten üppiges Raumangebot sowie komfortable Sitze. Wer die Optionslisten fleddern mag, findet kaum ein luxuriöses, funktionales oder sicherheitssteigerndes Detail, das ihm vorenthalten bliebe. Vom Navigationssystem über HiFi/TV-Gerätschaften bis hin zu Front-, Seiten- und Kopfairbags ist alles zu haben, was Autofahren komfortabel, unterhaltsam und sicher macht. Allerdings gibt es ESP nur für den Audi (serienmäßig), während der Volvo mit seitlichen Kopfairbags und intergrierten Kindersitzen (Option) auftrumpft. Kritik verdient die Aufpreispolitik im Hause Audi: Nahezu jedes noch so winzige Detail muss zu hohen Preisen nachbestellt werden; Holzeinlagen für 960 Mark oder Aluminium-Zierteile für absurde 750 Mark bedürfen keines Komentars. Fazit: Es fragt sich doch nicht, wer diese Autos kaufen soll. Die Vorlieben werden sich entweder an der stämmigen Karosserie des Allroad Quattro oder dem ein wenig verschroben dreinblickenden Cross Country kristallisieren. Der Allroad ist Audi pur – technologisch, dynamisch und teutonisch-aufgeräumt, während der Volvo ein echter Schwede sein will: eigenwillig und quadratschädlig. Am Ende schlägt der in der Eigenschaftswertung noch unterlegene Volvo V70 XC den Audi Allroad Quattro wegen sei­nes weitaus schonenderen Umgangs mit finanziellen Ressourcen: 15.000 Mark Preisdifferenz sprechen das finale Machtwort.

Technische Daten
Volvo Cross Country 2.4T AWD Audi Allroad Quattro 2.7 T
Grundpreis 40.000 € 49.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4730 x 1860 x 1560 mm 4810 x 1852 x 1551 mm
KofferraumvolumenVDA 485 bis 1641 l 455 bis 1590 l
Hubraum / Motor 2435 cm³ / 5-Zylinder 2671 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 6000 U/min 184 kW / 250 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 234 km/h
0-100 km/h 9,7 s 7,6 s
Verbrauch 11,6 l/100 km 13,2 l/100 km
Testverbrauch 13,2 l/100 km 16,2 l/100 km
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