Doppeltest Audi A8 2.8 30V gegen BMW 728i

Der Einstieg in die Oberklasse hat bei Audi und BMW exakt den gleichen Hubraum und die gleiche Leistung: 2,8 Liter und, als hätte man sich abgesprochen, 193 PS. V-Sechszylinder contra Reihensechszylinder, Fünfventiler oder Vierventiler – auch das ist hier die Frage.

Großer Audi, großer BMW, diese Konfrontation ist nicht zum erstenmal einen Vergleich in auto motor und sport wert. Daß sich nun, ganz aktuell, eine neuerliche Betrachtung der beiden teutonischen Flaggschiffe anbietet, liegt an einem weiterentwickelten Triebwerk von Audi. Nachdem schon vor Zweijahresfrist der 1,8 Liter- Vierzylinder des A4 auf Fünfventiltechnik umgestellt wurde, folgt nun der 2,8 Liter-V6 des A8. Im Gegensatz zum alten Zweiventiler leistet er statt 174 Pferdestärken deren 193 – exakt genauso viel wie die bayerische Konkurrenz.


Der neue Audi-Fünfventiler steht nach den Werksferien als alleiniges Einstiegsaggregat für den A8 zur Verfügung, bis dahin kann noch der alte V6 bestellt werden. Bei BMW, dem Rivalen, ist die Motorenfrage ohnehin klar: 2,8 Liter als Basis, vier Ventile. Daß es sich um einen Reihenmotor handelt, hat sich herumgesprochen. Weniger bekannt ist der Kettenantrieb der beiden obenliegenden Nockenwellen. Audi setzt als Steuerelement weiterhin auf den Zahnriemen, dessen Haltbarkeits- Image in den letzten Jahren spürbar gelitten hat. Die Ventilzahl fünf ist, seit Yamaha sie in einem Zweirad serienmäßig offerierte, exotisch geblieben.

Bei Audi versprechen sich die Konstrukteure offensichtlich Vorteile von der Gesamtventilzahl 30, obwohl die meisten Maschinenbauer keinen Vorzug gegenüber dem Vierventiler erkennen. Der Umgang mit dem neuen V6 zeigt jedoch, daß die sehr hohe Meßlatte, traditionsgemäß von den BMW-Sechszylindern gelegt, in der Summe der Eigenschaften erreicht werden konnte.

Das ist überraschend – zumal der Audi-Fünfventiler jenseits seiner sachlichen Vorzüge, nämlich einem bei niedrigerer Drehzahl zur Verfügung stehenden maximalen Drehmoment (280 Nm bei 3200/min statt 280 Nm bei 3950/min), auch das bewirkt, was den Umgang mit BMW-Maschinen immer auszeichnet: Vergnügen. So ist das Ansprechverhalten des V6 noch besser als das des BMW, und subjektiv zeigt sich mehr

Dampf in den unteren Drehzahlregionen. Doch hier vertraut man besser auf die Meßwerte, und da zeigt sich, daß sich beide Konkurrenten in der Beschleunigungselastizität praktisch nichts nehmen. Beide kommen in knapp über zehn Sekunden im vierten Gang von 60 auf 100 km/h, von 80 auf 120 km/h im fünften ist die Differenz einen Hauch größer (Audi 13,7 Sekunden, BMW 13,2). Diese überraschende Uniformität besteht auch in der Beschleunigung. Beide jagen in 8,6 Sekunden auf Tempo 100, oben heraus ist der mit dem Bilderbuch-cW-Wert von 0,28 gesegnete Audi etwas temperamentvoller.


Wer den De facto-Gleichstand bei den Fahrleistungen und das hier wie dort hohe Temperament der Einstiegsmotorisierungen richtig interpretieren möchte, tut gut daran, auch das jeweilige Wagengewicht im Auge zu behalten. Man spricht zwar nicht mehr von Audis Leichtmetallkarosse samt Space Frame, aber beides ist vorhanden – mit ausgewiesenen 1580 kg auf der Waage. Der stahlkarossierte BMW bringt es auf deutlich mehr, nämlich 1770 kg.

Gleichwohl hat Audi mehr einen technischideellen Vorsprung geschaffen – ohne bessere Fahrleistungen und, wie Vergleichsfahrten bewiesen, mit einem nur minimal günstigeren Verbrauch. 11,3 Liter pro 100 Kilometer waren es beim Audi 2.8 und 11,5 beim BMW 728i – beides sehr angemessene Werte.

Es zeigt sich also wieder einmal, daß der Wirkungsgrad des Triebwerks die entscheidendere Rolle im Konsumverhalten spielt und weniger das Gewicht. Auch der schon erwähnte günstigere cW-Wert des Audi mit 0,28 im Vergleich zu 0,30 beim BMW bringt nur einen marginalen Vorteil. So bleiben die Vorzüge des Audi-Fünfventilers ganz fahrerbezogen: das gute Ansprechverhalten, die Lebhaftigkeit zwischen 2000 und 4000 Touren und das gegenüber dem BMW weit unauffälligere Laufgeräusch. Geringe Abstriche sind nur in der Laufkultur jenseits von 5000 Umdrehungen zu machen.

Daß Vielventiler lauter sind, stimmt also nicht immer – Audi ist gerade hier eine Meisterleistung gelungen, die allerdings einen anderen Mangel des A8 um so deutlicher hervortreten läßt: die kräftigeren Windgeräusche. Sie sind es auch in erster Linie, die bei schneller Autobahnfahrt die Phonwerte des Audi vor die des BMW rücken.


Hier offenbart sich ein weiterer Mangel des Audi gegenüber dem BMW, man könnte auch sagen sein größtes Minus. Denn während in den Fahrleistungen und beim Verbrauch nur Nuancen zwischen beiden Spitzenautos liegen, ist es beim Fahrkomfort eine ganze Klasse. Vor allem auf kleine Unebenheiten spricht die A8-Federung nicht oberklassegemäß an, auf Autobahnen neigt der Audi zum Stuckern, und auch beim Überrollen von Kanaldeckeln läßt er Geschmeidigkeit vermissen.


Der 728i kann all dies besser und bietet, zusammen mit den geringeren Windgeräuschen, einen höheren Gesamtkomfort. Daß man den wohl tönenden Reihensechser akustisch besser wahrnimmt als den Audi- V6, wird BMW-Fahrer nicht stören. Daß sie hingegen fahrdynamisch keinen Vorteil haben, ist schon eine andere Sache. Trotz Frontantriebs gibt sich der große Audi noch agiler beim Einlenken als der BMW, wobei sein geringeres Gewicht ebenfalls eine positive Rolle spielt. Zusammen mit der serienmäßigen Antriebsschlupfregelung gibt es kein Traktionsproblem trotz der fast 200 PS und damit auch eine von Audi selbst zelebrierte Antwort auf die Notwendigkeit von Quattro.

Der 728i fährt ebenfalls schlupfgeregelt – auch er ein Musterbeispiel an höchster Fahrsicherheit. Hier nimmt keiner dem anderen die Butter vom Brot, eher schon im Raumangebot. Das Kofferraumvolumen zeigt mit 500 (BMW) und 525 (Audi) Litern fast Gleichstand, doch die Audi-Karosse bietet nur ein durchschnittliches Raumangebot. Das Ausstattungsniveau ist in beiden Fällen hoch, eine Klimaanlage ist Serie. Auch in den Preisen herrscht Übereinstimmung. Daß der BMW in der Endabrechnung vorne liegt, verdankt er nicht seinem Motor, sondern seinem Komfort. Wer hätte das gedacht?

Fazit

1. Audi A8 2.8 30 V
108 Punkte

Karosserie mit hoher Qualität, gute Fahrleistungen, sehr sichere Fahreigenschaften, ausgezeichnete Handlichkeit, Motor mit guter Laufkultur und unaufdringlichem Geräusch, standfeste Bremsanlage. Bei schlechter Straße und hoher Leistung stößige Lenkung, eingeschränkter Federungskomfort.

2. BMW 728i
108 Punkte

Geräumige, gut verarbeitete Karosserie, gute Fahrleistungen, hohe Motorlaufkultur, sehr sichere Fahreigenschaften, gute Handlichkeit, standfeste Bremsanlage, exakte Schaltung mit guter Stufung, sehr guter Federungskomfort. Motorgeräusch vor allem bei hohen Dauerdrehzahlen auf der Autobahn sehr dominant.

Technische Daten
Audi A8 2.8 BMW 728i
Grundpreis 43.460 € 48.726 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5034 x 1880 x 1440 mm 4984 x 1862 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 525 l 500 l
Hubraum / Motor 2771 cm³ / 6-Zylinder 2793 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 142 kW / 193 PS bei 6000 U/min 142 kW / 193 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 236 km/h 227 km/h
0-100 km/h 8,6 s 8,6 s
Verbrauch 9,9 l/100 km 10,3 l/100 km
Testverbrauch 11,3 l/100 km 11,8 l/100 km
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