Doppeltest Audi S8 Quattro gegen Mercedes S 55 L AMG

Für den besonderen Geschmack bieten Audi und Mercedes eine Synthese aus Luxuslimousine und Sportwagen an. Der neue Audi S8 mit 360 PS stellt sich dem gleichstarken Mercedes S 55 L AMG.

Bei dieser Wahl darf das Bankkonto nicht zur Qual werden. Wer sich den neuen Audi S8 für 146 500 Mark leisten kann, besitzt nicht unbedingt auch die finanzielle Potenz, sich ernsthaft für den Luxusdampfer der Firma AMG zu interessieren. Denn die PS-Schmiede im schwäbischen Affalterbach, als Mercedes-Tochter für exclusive Sportlichkeit mit dem Stern zuständig, langt in einer Art und Weise zu, daß einem beim Studium der Preisliste die Tränen übers Gesicht laufen.

Die S-Klasse im AMG-Trimm schockt mit einem Basispreis von 198 012 Mark, wobei in diesem Fall erschwerend hinzu kommt, daß der derzeit einzige AMG-Testwagen die 7540 Mark teurere L-Version mit verlängertem Radstand ist. Möglichkeiten zu weiterer Aufrüstung bieten beide in außergewöhnlich generösem Ausmaß. Beim Mercedes S 55 L AMG summiert sich das zu einem Testwagenpreis von 268 401 Mark, beim Audi S8 sind es 172 650 Mark. In beiden Fällen bekommt der Kunde dafür acht Zylinder und 360 PS.

Der mit Fünfven- tiltechnik versehene Audi-Motor mobilisiert diese aus 4,2 Liter Hubraum, während der dreiventilige V8 des AMG-Mercedes ein Volumen von 5,5 Litern aufweist. Die technischen Eckwerte sprechen für eine grundsätzlich differente Art der Leistungsentfaltung. Dem AMG genügen 5500 Umdrehungen für seine Höchstleistung, beim Audi muß sich die Kurbelwelle dafür 7000 mal in der Minute drehen. Die Drehzahl, bei der die höchste Durchzugskraft zur Verfügung steht, zeigt einen geringeren Unterschied: 3400/ min beim Audi, 3250/min beim Mercedes.

Der allerdings stemmt 530 Newtonmeter, während das Audi-Maximum bei nur 430 Newtonmetern liegt. Obwohl die gemessenen Beschleunigungswerte nahezu identisch ausfallen, macht sich die unterschiedliche Leistungscharakteristik deutlich bemerkbar. Der AMG-V8 präsentiert sich als Dampfhammer, der schon im unteren Drehzahlbereich mit so gewaltigem Schub einsetzt, daß nicht vorgewarnte Passagiere innige Bekanntschaft mit den Kopfstützen machen.

Der Schub des Audi ist gleichmäßiger und erreicht sein volles Ausmaß erst in einem Bereich, in dem der Mercedes sich schon seiner Drehzahlgrenze nähert. In akustischer Hinsicht hat er davon aber nicht den erwarteten Nachteil. Der V8 läuft auch unter hoher Last sehr ruhig, aus dem Motorraum dringt kaum mehr als ein gedämpftes Summen. Ganz anders der AMG-V8. Bei gleichmäßiger Fahrt auf der Autobahn wird zwar auch sein Klang zur Nebensache, obwohl die Windgeräusche der Karosserie hörbar niedriger ausfallen als beim Audi. Aber wenn voll beschleunigt wird, donnert das Triebwerk mit bösartigem Unterton von beträchtlicher Lautstärke los.

Bei einem Sportwagen könnte man das attraktiv finden, aber für eine Luxuslimousine ist der Motor, wenn er hoch belastet wird, schlicht zu laut. Das höhere Drehzahlniveau, das der Audi zum Erreichen vergleichbarer Beschleunigungsleistungen benötigt, wirkt sich auch deshalb nicht störend aus, weil die ZF-Fünfgangautomatik die passende Fahrstufe mit geschmeidiger Unauffälligkeit und hoher Treffsicherheit bereitstellt. Wer es wünscht, kann manuell schalten, per Wählhebel und (Aufpreis 200 Mark) zusätzlich mit Tasten im Lenkrad.

In der Praxis wird man davon selten Gebrauch machen. Denn die adaptive Steuerung der Automatik paßt das Schaltgeschehen sehr harmonisch dem individuellen Fahrstil an. Das gilt auch für die Mercedes- Automatik, die ebenfalls einen Handschaltmodus (mit Wählhebel) besitzt. Sie funktioniert in der Standardposition D ebenfalls so perfekt, daß Eingriffe des Fahrers überflüssig erscheinen. Entscheidend für den Antriebsluxus, den beide Limousinen zu bieten haben, ist ihr Beschleunigungsvermögen im oberen Geschwindigkeitsbereich.

Nach den Zwangspausen, für die langsamere Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn immer wieder sorgen, scheinen sie sich mit Beschleunigen kaum aufzuhalten. Im Handumdrehen ist das vorherige Reisetempo wieder erreicht, auch wenn es deutlich über 200 km/h gelegen haben sollte. Ganz oben setzt sich der Mercedes ab. Der Kunde kann ihn ohne die elektronische Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit bekommen. So sind 288 km/h möglich, während der Audi bei 250 km/h abregelt.

Wer es so eilig hat, daß er darin Anlaß zur Diskussion sieht, kauft am besten ein Flugticket. Im Hochgeschwindigkeitsbereich vermitteln beide ein Gefühl ausgeprägter Sicherheit – mit einem leichten Vorteil für den Audi. Er läuft auf Längsrillen noch besser geradeaus und bleibt bei Seitenwind ruhiger.

Beim Bremsen allerdings findet er im AMGMercedes seinen Meister: Der verzögert auch bei Extrembeanspruchung so heftig, daß er die Maximalpunktzahl einstreicht. Auf kurvenreichen Landstraßen ist der Audi im Vorteil. Er reagiert exakter auf die Lenkung und demonstriert eine Handlichkeit, die Größe und Gewicht fast vergessen macht. Die straffe Fahrwerksabstimmung sorgt bei schneller Kurvenfahrt und plötzlichen Richtungswechseln für geringe Karosseriebewegungen, ohne den Federungskomfort ungebührlich zu beeinträchtigen. Nach der jüngsten Überarbeitung hat das Federungsverhalten des Audi auch in der sportlichen S-Version beträchtlich gewonnen. Kleine Unebenheiten werden geschmeidig geschluckt, nur auf langen Bodenwellen kommt es zu kräftigen Vertikalbewegungen. Angesichts des exzellenten Handlings und des nahezu neutralen Eigenlenkverhaltens kann man damit gut leben.

Der AMG-Mercedes ist aus weicherem Holz geschnitzt. Die Abstimmung seiner Luftfederung blieb gegenüber der Serienausführung unverändert, was für einen außergewöhnlichen Fahrkomfort sorgt. Selbst sehr schlechte Straßen bügelt der S 55 souverän glatt. Lediglich auf Straßenkuppen, wenn schnelles Ausfedern angesagt ist, stößt die Federung an ihre Grenzen. Der Mercedes ist also ein klar komfortbetontes Auto geblieben, das dafür aber im Handling schwerfälliger wirkt als der Audi.

In Anbetracht seiner Masse wedelt zwar auch der S 55 flink um Kurven, aber er erfordert höhere Lenkkräfte, er untersteuert stärker und zeigt mehr Bewegungen um die Längsachse. Fahrfehler vermögen beide dank den Stabilitätsprogrammen mit Bremseneingriff innerhalb der physikalischen Grenzen auszubügeln. Im Audi kommt das System allerdings weniger oft zum Einsatz, weil das Eigenlenkverhalten auch bei hohem Leistungseinsatz im neutralen Bereich bleibt. Hier zeigt sich der Vorteil des permanenten Allradantriebs, der dem S8 auch bei Nässe und im Winter eine erhöhte Fahrsicherheit beschert.

Der günstigere Preis schließlich macht den Audi zum klaren Punktsieger. In der Eigenschaftswertung liegen die beiden gleichauf – ein Ergebnis, das sie mit einem sehr unterschiedlichen Eigenschaftsprofil erreichen. Als sportliche Limousine ist der Audi S8 die erste Wahl, als komfortabler Luxuswagen bleibt die S-Klasse weiter unangefochten.

Fazit

1. Audi S8 Quattro
591 Punkte

Die Wünsche sportlicher Fahrer erfüllt der Audi besser. Er besticht durch seine ausgezeichnete Handlichkeit und das neutrale Fahrverhalten. Bei kritischen Straßenverhältnissen profitiert er vom permanenten Allradantrieb. Sein Motor läuft sehr kultiviert und harmoniert gut mit der Fünfgangautomatik. Die Federung ist straff, bietet aber trotzdem einen ausgewogenen Fahrkomfort.

2. Mercedes S 55 L AMG
586 Punkte

Auch in der AMG-Version wird der Mercedes nicht zur Sportlimousine. Er setzt ganz auf die S-Klasse-typischen Vorzüge. Die Luftfederung sorgt für einen überlegenen Fahrkomfort. Im Handling ist der schwerere Mercedes dem Audi allerdings spürbar unterlegen. Der große Achtzylindermotor bietet eine eindrucksvolle Leistungscharakteristik, ist aber bei hohen Drehzahlen laut.

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Technische Daten
Audi S8 Mercedes S 55 L AMG
Grundpreis 79.350 € 105.444 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5034 x 1880 x 1418 mm 5158 x 1855 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA 525 l 500 l
Hubraum / Motor 4172 cm³ / 8-Zylinder 5439 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 265 kW / 360 PS bei 7000 U/min 265 kW / 360 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,1 s 6,3 s
Verbrauch 14,0 l/100 km 13,0 l/100 km
Testverbrauch 15,2 l/100 km 15,9 l/100 km
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