Doppeltest Audi TT 1.8 T Quattro gegen Porsche Boxster

Ein neuer Sportwagen schickt sich an, in die Phalanx des Establishments von BMW bis Porsche einzudringen. In einem ersten Vergleich muss der TT von Audi in seiner stärkeren Quattro-Version zeigen, wie er neben einem Porsche aussieht – dem deutlich teureren Boxster.

Wahnsinn“, sagt der junge Mann mit Ziegenbart, als er den Tester umständlich aus dem Audi TT bei einem Tankstopp aussteigen sieht, „reiner Wahnsinn.“ Nach dem daneben parkenden Boxster dreht sich niemand mehr um – Ungnade der früheren Geburt. Eine kleine freundliche Dame erkundigt sich ehrfürchtig, wie man denn zufrieden sei, ihr Bruder habe nämlich einen TT bestellt. Der Tester nimmt das Ergebnis dieser Begegnung TT contra Boxster schon ein wenig vorweg und antwortet mit „sehr“.

Dabei war der Redaktion bei diesem Vergleich durchaus klar, daß er zu einem gewissen Teil auch Apfel-Birnen-Charakter haben würde. Der Boxster ist schließlich ein zweisitziger Roadster, der TT von Audi ein reinrassiges Coupé mit einem winzigen Rücksitzabteil. Auf den offenen TT muß man noch ein gutes Jahr warten. Was den Vergleich dennoch schon jetzt guten Gewissens zuläßt, ist der einfache Umstand, daß es sich da wie dort um echte Sportwagen handelt – der eine sogar von einem so renommierten Hersteller wie Porsche. Konzeptionell liegen Welten zwischen diesen beiden Autos, auch das macht die Sache interessant.

Der Boxster ist ein Mittelmotor- Auto, dessen Antriebsaggregat vor der Hinterachse sitzt. Beim TT steckt der Motor vorne quer und treibt, wie in der getesteten Quattro-Version, Vorder- und Hinterräder permanent an, wobei die Kraftverteilung variabel über eine sogenannte Haldex-Kupplung erfolgt. Auch die Motoren selbst könnten differenter kaum sein. Bei Porsche ist es ein 2,5 Liter großer Sechszylinder in Boxer- Formation, mit vier Ventilen pro Zylinder und einer Leistung von 204 PS. Bei Audi steckt die Besonderheit nicht in der Zylinderzahl Vier, sondern in der Ventilzahl Fünf. Eine Abgasturboaufladung und zwei Ladeluftkühler sorgen für beachtliche 225 PS bei nur 1,8 Liter Hubraum – einem Volumen, das dieser Vierzylinder des VW-Konzerns seit Jahrzehnten offeriert. Es sind Sportwagen, sagten wir, nicht einfach Coupé und Cabrio, und da spielen die Motoren natürlich eine ganz entscheidende Rolle. Nicht nur die reine Leistungsfähigkeit trägt ja bekanntlich zum Sportwagen- Erlebnis bei, sondern auch das sogenannte Motorvergnügen.

Hier, und nicht in der reinen meßbaren Dynamik, hat der Boxster gewisse, wenn auch eher gefühlsmässige Vorzüge. Sein turbinenhaft laufender Sechszylinder offeriert durch Laufruhe und feinstes Ansprechen einen besonderen Reiz, hinzu kommt ein unverwechselbarer Sound jenseits von 4000 Touren. Da kann der TT nicht ganz mithalten, auch wenn er – wie die Fahrleistungen belegen – längst am Boxster vorbeigezogen ist, speziell in der Beschleunigungselastizität. Hier hat der so wohltönende Porsche deutliche Schwächen, die der mit 280 Newtonmeter Drehmoment gesegnete Audi-Turbo gar nicht kennt.

Von 80 auf 120 km/h stürmt der TT im größten Gang in nur zehn Sekunden, der Boxster, ohne Schaltsaugrohr und Nockenwellenverstellung, braucht immerhin 13,6. Größter Gang, das heißt im Falle TT die Nummer sechs. Es gibt nicht nur eine Fahrstufe mehr als im Boxster und damit eine bessere Abstufung, sondern auch eine präzisere Schaltführung. Daß die Schalthand im Falle Audi TT auf einem kühl-metallischen Knüppel ruht und nicht auf einem uniformen Kunststoff-Teil, erhöht den Reiz im Umgang mit Audis jüngster Kreation. Der Boxster gewinnt gleichwohl das Antriebskapitel mit einem leichten Vorsprung, denn neben der vibrationsärmer laufenden und wohlklingenderen Maschinerie hat er auch einen klaren Verbrauchsvorteil zu verbuchen. Hier zeigt sich, daß Turbo immer noch Turbo ist – der aufgeladene Audi führt sich bei forcierter Gangart gut 14 Liter pro 100 km zu Gemüte, der Boxster vergleichsweise bescheidene 12,3.

Aber auch er ist kein Muster an Sparsamkeit. Er ist es erst recht nicht im direkten Vergleich mit dem neuen TT, was Raumangebot, Ausstattung und den Ausstattungsstil angeht. In jedem Detail wirkt der Audi liebevoller gemacht, die Instrumente sind einfacher ablesbar, die Ablagen durchdachter, der gesamte Qualitätseindruck ist besser – ungeachtet der Tatsache, daß der Boxster als Cabrio die prinzipiell verwindungsfreudigere Karosserie besitzt. Auch ergonomisch entstehen klare Vorteile für den TT. Er hat die weit besseren Sitze, alles im High Tech-Cockpit ist leicht erreichbar. Ein Interieur, das stimmt – wie auch das Ausstattungsniveau bis auf die fehlende Klimaanlage. Hier muß bei Porsche das meiste extra bezahlt werden, so zum Beispiel lederbezogene Sitze oder eine Sitzheizung. Beides hat der Audi serienmäßig, ebenso zwei Sidebags, die sich Porsche mit 2000 Mark separat bezahlen läßt.

Auch die Aufpreispolitik bei in beiden Fällen nachrüstbaren Extras spricht nicht für die Zuffenhausener. Eine Klimaanlage kostet beim Boxster 3550 Mark Aufpreis, beim Audi TT nur 2500 Mark. Den größten Vorzug im Karosseriebereich bietet der TT allerdings durch seine beiden speziell für Kinder nutzbaren Notsitze im Fond und den glattflächigen, variablen und durch eine große Klappe leicht zugänglichen Kofferraum.

Der Boxster hat zwei separate Gepäckräume vorne und hinten mit einem insgesamt etwas größeren Volumen, aber ihm fehlen der Rücksitzraum und die Variabilität des TT, der bei umgeklappten Rücksitzlehnen runde 500 Liter Volumen offeriert. Das Karosseriekapitel geht also klar an den TT, der zudem 30 Zentimeter kürzer als der Boxster ist und somit eine vorzügliche Raumökonomie erkennen läßt. Sehr charakteristisch auch die ungewohnt hohe Gürtellinie mit den kleinen Seitenfenstern – gefühlsmaÅNssig nicht schlecht für aufkommende Behaglichkeit. Solch positive Gefühle, untermauert durch den subjektiven Effekt, mit der Stabilität einer Burg versehen zu sein, werden ergänzt durch einen beachtlichen Federungskomfort, der vor allem auf kurzen Unebenheiten eine ganze Klasse über dem des Boxsters liegt. Auch das Abrollen geschieht sanfter – ebenfalls ein klares Plus, das zusammen mit dem geringeren Innengeräuschpegel für Behagen speziell bei schneller Autobahnfahrt sorgt.

Der Geradeauslauf hat beim TT hier selbst bei widrigen Winden geradezu stoischen Charakter, während der Boxster gelegentlich kleiner Korrekturen bedarf. Nun ist man eigentlich nur noch auf das Fahrverhalten gespannt, und hier, bei den Fahreigenschaften, zeigt sich auch in der Punktetabelle so etwas wie Gleichstand. Beide Autos sind sehr gut beherrschbar, der Boxster hat nichts mehr von der Tücke alter Mittelmotor-Autos, und er ist in seinen Reaktionen noch ein wenig besser abschätzbar als der vierradgetriebene TT. Bei ihm liegt der Grenzbereich sehr hoch, doch wer ihn überschreitet, muß mit einem abrupteren Eindrehen des Hecks rechnen als beim gleichschnell bewegten Boxster. Überraschend, das zeigte eine Vergleichsfahrt auf nasser Straße, die gute Traktion des Porsche, die der des Audi unter solchen Bedingungen kaum nachsteht. Standfeste Bremsen haben sie beide, mit einem leichten Plus für den TT. Ganz anders jedoch die Differenzen beim Preis: Der Boxster steht, samt Faltverdeck, mit rund 79 000 Mark in der Liste, der weit besser ausgestattete Audi TT Quattro mit nur 62 000. Es bleiben nicht mehr viele Fragen. Porsche-Feeling gibt es nach wie vor erst mit einem Boxster. Doch wer einfach einen der besten Sportwagen überhaupt fahren möchte, sollte nicht lange zaudern.  

Fazit

1. Audi TT 1.8 Quattro
615 Punkte
2. Porsche Boxster
549 Punkte
Technische Daten
Audi TT Coupé 1.8 T Quattro Porsche Boxster
Grundpreis 36.700 € 40.499 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4041 x 1764 x 1345 mm 4315 x 1780 x 1290 mm
KofferraumvolumenVDA 220 bis 490 l 260 l
Hubraum / Motor 1781 cm³ / 4-Zylinder 2480 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 165 kW / 225 PS bei 5900 U/min 150 kW / 204 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 243 km/h 240 km/h
0-100 km/h 6,8 s 7,1 s
Verbrauch 9,2 l/100 km 9,7 l/100 km
Testverbrauch 14,1 l/100 km 12,3 l/100 km
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