Doppeltest Audi TT Roadster 1.8 T Quattro gegen Porsche Boxster

Nun ist sie komplett, die neue deutsche Roadster-Elite. Mit dem Audi TT in Offen-Version steht der jüngste Bewerber im Fahrtwind bereit, sich mit dem auf 2,7 Liter Hubraum und 220 PS erstarkten Porsche Boxster-Basismodell zu messen. Vier gegen sechs Zylinder, zwei gegen vier angetriebene Räder – es kann spannend werden.

Da stehen sie, mit knisternd abkühlenden Motoren, vor dem Landgasthof Krone im schwäbischen Sindringen. Eine geschäftig wirkende Männer- Gesellschaft umringt den offenen Audi, der mit seinen martialisch nach Überschlag aussehenden Sturzbügeln der optische Hit zu sein scheint.

Nach dem Porsche Boxster dreht sich, drei Jahre nach seinem Debüt, keiner mehr um. Audi, noch vor nicht allzu langer Zeit ein automobiles Synonym für braves Bürgertum, hat ihn geschafft, den so begehrlichen Sprung in die Nimbus-Gesellschaft.

Der TT, schon in Coupé-Version ein gern in metallisches Silber getauchter Strahlemann, kann zwar in der Offen-Version nicht mehr jene elegante Hecklinie aufweisen, doch es bleibt mit der lustigen kleinen Stoffkapuze genügend Attraktivität übrig. Was unter den sanften und verführerischen Rundungen von beiden steckt, ist weniger Beifall heischend, aber für einen Vergleich wichtiger. Der Boxster ist ein Mittelmotor- Auto und hat seine exzellenten Fahreigenschaften längst unter Beweis gestellt. Neu an ihm ist in der getesteten Basis-Version eine durch Hubverlängerung entstandene Volumen-Erhöhung von 2,5 auf 2,7 Liter, ebenfalls neu sind die serienmäßigen Sidebags, die auch der Audi besitzt. Mittelmotor der eine also, Frontmotor der andere, doch auch die Maschinen selbst sind völlig different. Das Porsche- Triebwerk ist ein Sechszylinder- Boxer, der nun 220 PS leistet. Der Audi-Motor ist ein braver Vierzylinder-Reihenmotor mit 1,8 Liter Volumen, wie der VW-Konzern ihn auch in einem Sharan anbietet.

Mit Turboaufladung, Fünfventil-Technik und Ladeluftkühlung leistet der Audi in der stärkeren Quattro-Version 225 PS. Naturgemäß sind die Charakteristika der jeweiligen Antriebe bei Sportwagen prägender als bei Limousinen. Porsche musste sich beim Sechszylin- der-Boxster nicht bemühen, um nach Porsche zu klingen. Der Sound, jenseits von 4000 Touren unter Last immer wieder in eine Art motorischen Brunftschrei übergehend, erhebt sich klar über das sonore, aber auch austauschbare Audi- Brummen. Auch in der Laufruhe kommt an einen gut gemachten Sechszylinder-Boxer nichts heran. Doch das ist es dann auch. Leistungsmäßig, also im spröden Zahlenvergleich, zeigt sich beim Boxster mit Ausnahme einer höheren Endgeschwindigkeit (250 km/h statt 237 beim Audi TT) keine klare Überlegenheit.

Daran ist auch die Tatsache nicht unbeteiligt, dass der TT serienmäßig über ein Sechsganggetriebe verfügt, das Turbolöcher kaum spüren lässt, beste Exaktheit aufweist und dem Vierzylinder eine vehemente Antrittstärke verleiht. Dass der aufgeladene Fünfventiler von Audi mehr Mumm in den unteren Drehzahlregionen besitzt, wird spontan spürbar.

Die Elastizitätswerte des TT Quattro sind, obwohl der Boxster hier durch den Hubraumzuwachs zulegte, eindeutig die besseren (80 auf 120 km/h im fünften Gang in 7,8 Sekunden, Boxster 12,5). Der Porsche muss, ganz gemäß den Worten des alten Professors, jubeln, um sein Feuer zu entfachen.

Der TT büffelt los und leistet sich trotz Turboladers keinen Verbrauchsnachteil mehr gegenüber dem leichter rollenden Boxster. Der Testverbrauch liegt bei beiden knapp über zwölf Liter pro 100 Kilometer. Auch mit zehn Litern ist man schon zügig unterwegs. Das Lustvollste ist natürlich das nicht zu schnelle Offenfahren auf kleinen, netten Landstraßen, wo eine Punktewertung versagt und die Herzen der Fahrer die Sympathien verteilen. Doch es wird auch wieder ernst, zum Beispiel bei hohem Reisetempo auf der Autobahn mit geschlossenem Verdeck. Nicht nur die Ohren klären hier auf, sondern mehr noch die Messgeräte. Der Boxster ist laut, der Audi TT leise.

Es sind weniger die Motor- und Laufgeräusche, die über 140 km/h zu Buche schlagen, es ist der Wind, das jetzt besonders stürmische Kind. Das Boxster-Verdeck erzeugt vergleichsweise scharfe Töne, die sich mit 82 dB(A) bei 160 km/h klar dokumentieren. Der TT bietet bei gleichem Tempo nur 77 dB(A) auf, bei Tempo 100 ist die Differenz mit 74 zu 71 dB(A) ebenfalls deutlich. Der größere Geräuschkomfort des Audi wird wirkungsvoll ergänzt durch einen in jeder Lage besseren Federungskomfort.

Dies gilt für Autobahnen ebenso wie für kurze Unebenheiten und nicht zuletzt für den Abrollkomfort, der sich in unerwarteter Geschmeidigkeit vollzieht. Auch der Boxster ist keineswegs unkomfortabel, aber in dieser Disziplin eindeutig auf Rang zwei. Wo macht der Porsche Pluspunkte, er, in dessen nicht gealterter Gestalt die Konturen des legendären Spyder mit der Nummer 550 fließen?

In der Mühelosigkeit der Verdeckbedienung nehmen sie sich beide nichts: manuell entriegeln, Taste drücken, ein paar Sekunden warten. Beim Boxster gibt es keine Persenning, zweifellos ein Pluspunkt. Doch schon bei der Bewertung des Interieurs zieht der Audi weiter davon – mit den besseren Sitzen, der besseren Sitzposition und einem insgesamt liebevoller gemachten Ambiente. Lederausstattung ist im Gegensatz zum Boxster serienmäßig, eine Klimaanlage haben sie beide nicht. Mit einem Kofferraumvolumen von 260 Litern, verteilt auf zwei Räume, punktet der Porsche an dem zierlichen TT-Fach und dessen 180 Litern klar vorbei.

Der Audi TT ist, eingeschlossen seine 17-Zoll-Räder, besser ausgestattet und noch sorgfältiger verarbeitet. Es dürfte schwer sein, ihn im Qualitätseindruck überhaupt zu überbieten, zumal die Steifigkeit der offenen Karosse beachtlich ist. Der Boxster liegt allerdings hier gleichauf. Das erstrebenswerte Burg- Gefühl mag in beiden Fällen dazu verführen, auch auf Landstraßen niedriger Ordnung eine schärfere Gangart vorzulegen, auch wenn dies eigentlich dem Offengenuss eher abträglich erscheint. Solange es trocken ist, verbucht der allradgetriebene Audi auch keine Traktionsvorteile, wobei dem Porsche sein geringeres Drehmoment natürlich hilft.
Bei Nässe oder Glätte ändert sich das – hier bleibt der TT ein einsamer Wolf, der allem davonbeschleunigt und auch beim Bremsen sehr gute Werte realisiert. Die noch besseren Bremsen hat allerdings auf diesem hohen Niveau der Boxster. Und er bleibt besser beherrschbar. Der allradgetriebene TT zeigt ein etwas diffizileres Verhalten. Es tritt, zugegeben, erst bei rennmäßiger Gangart auf, aber dann bleibt das Fahrverhalten weniger eindeutig als beim Boxster, und es kann auch zu Lastwechsel- Reaktionen kommen. Das soll sich ab November ändern. Dann bekommen alle TT modifizierte Stabilisatoren und serienmäßig ESP (siehe Heft 19/99). Im Moment bleibt hier, in einem extremen Tempo- Bereich, ein Porsche-Plus. Es ist allerdings ein Zugewinn, von dem man in der Praxis wenig hat und der auch nicht in der Lage ist, die Endabrechnung umzudrehen. Dies gilt umso mehr, als der TT Roadster selbst in der teuersten Variante 11 000 Mark billiger ist als der neue Basis-Boxster.
Das ist ein Wort selbst in gehobeneren Kreisen – und doch keine Katastrophe für die Fans der Zuffenhausener Sportwagen. Denn ein Porsche ist natürlich auch der TT Roadster nicht.  

Fazit

1. Audi TT Roadster Quattro
599 Punkte

Schon das TT Coupé bekam gute Noten, die Offen-Version tut es ihm nun gleich. Eine hohe Karosserie-Steifigkeit trägt dazu ebenso bei wie beste Verarbeitungsqualität und eine gute Ausstattung. Klare Vorteile vor dem Boxster verschafft sich der TT Roadster durch seinen überraschend hohen Federungskomfort und starkes Durchzugsvermögen. Der günstigere Preis rundet das positive Bild ab.

2. Porsche Boxster
586 Punkte

Zu den Reizen des Porsche zählen in erster Linie seine sehr guten Fahreigenschaften, exzellente Bremsen und ein auch von der Intonierung her unverwechselbarer Sechszylinder mit hervorragender Laufruhe. Trotz des Hubraumzuwachses ist das Durchzugsvermögen eher bescheiden. Im Federungs- und Geräuschkomfort unterliegt der Porsche dem Herausforderer, ebenso in der qualitativen Anmutung.

Technische Daten
Porsche Boxster Audi TT Roadster 1.8 T Quattro
Grundpreis 42.108 € 38.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4320 x 1780 x 1290 mm 4041 x 1764 x 1348 mm
KofferraumvolumenVDA 260 l 180 l
Hubraum / Motor 2687 cm³ / 6-Zylinder 1781 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 162 kW / 220 PS bei 6400 U/min 165 kW / 225 PS bei 5900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 255 km/h 237 km/h
0-100 km/h 7,0 s 6,8 s
Verbrauch 10,0 l/100 km 9,4 l/100 km
Testverbrauch 12,1 l/100 km 12,3 l/100 km
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