Doppeltest BMW 320i Cabrio gegen Chrysler Stratus Cabrio 2.5 LX

Ein neues Gesicht im Establishment der offenen Viersitzer. Mit wuchtigen Abmessungen ist das neue Chrysler Stratus-Cabrio eine exotisch wirkende Alternative zum Dreier-Cabrio von BMW.

Man kann dem BMW Cabrio viele, meist gute Eigenschaften nachsagen, doch eine fehlt inzwischen: Es fällt nicht mehr auf. Dem neuen Chrysler Stratus ist dieser der Eitelkeit schmeichelnde Charakterzug noch nicht abhanden gekommen. Dies liegt zweifellos nicht nur daran, daß das Debüt dieses Autos erst wenige Wochen her ist. Es liegt mehr noch an seiner feudal wirkenden Gestalt, die einen Teil ihrer Reize auch aus der stattlichen Länge von 4,90 Metern bezieht. Hier steht er, der wohlgeformte Ami-Schlitten der Moderne, und verbreitet mit seinem langgezogenen Heck und dem appetitlich übergestülpten Verdeck einen Prunk, den man nicht ohne weiteres der Preisklasse um 50 000 Mark zuordnet.


Das BMW 320i Cabrio muß man nicht mehr groß beschreiben. Es ist, fast 40 Zentimeter kürzer als der Konkurrent aus USA, ein vertrauter, seriös wirkender Anblick. Niemand dreht sich mehr nach ihm um, sein Auftritt wurde in der anspruchsvolleren Offenviersitzer- Gemeinde zur Normalität. Auch an die etwas beengten Sitzmöglichkeiten hinten hat man sich gewöhnt, ebenso an die hohe Steifigkeit der Karosserie, die eher karge Serienausstattung und die problemlose Verdeckbedienung. Was will man mehr zum Offenfahren?

Nun, der Chrysler zeigt, daß Länge nicht nur Nachteile beim Parken hat, sondern auch Vorzüge. Über den einen, das repräsentative Auftreten wie ein kleiner Filmstar, sprachen wir schon. Der andere ist von sachlicherer Natur. Der Sitzkomfort ist im Stratus vor allem hinten ungleich besser, es gibt deutlich mehr Beinraum, eine größere Ellenbogenfreiheit und viel Kopffreiheit. In der Karosseriequalität ebenso wie in der Funktionalität der Bedienung sammelt der BMW Pluspunkte, auch in der Verwindungssteifigkeit. Immerhin, der Chrysler erweist sich auch auf schlechten Straßen als akzeptabel und verwindet kaum mehr als der kompaktere Konkurrent aus Bayern. Vor das Öffnen der beiden stoffbezogenen Dächer haben die Götter wenig Schweiß gesetzt. Nach dem Entriegeln von zwei Bügeln am Windschutzscheibenrahmen (Chrysler) und dem Betätigen eines noch praktischeren Zentralknaufs (BMW) setzen sich die elektromechanischen Öffner nach Knopfdruck in Gang.

BMW läßt sich diesen kleinen Luxus 1750 Mark extra kosten, aber wenn man so will, verschwindet dafür auch das Verdeck hinter einer sauber abschließenden Klappe.

Der Chrysler muß noch per Persenning in Form gebracht werden – eine harmlose Handarbeit, die aber gemacht sein will. Das Offenfahren hat erstaunlicherweise zwei ganz unterschiedliche Dimensionen. Einfach ausgedrückt lauten sie so: Im BMW zieht es, im Chrysler zieht es nicht. Das Münchner Cabrio ist demnach auf das sperrige und unansehnliche Windschott weit dringlicher angewiesen als der USViersitzer. Leise kräuselt hier der Wind die Nackenhaare, und größte Behaglichkeit stellt sich ein bei jenem moderaten Tempo, das die Amerikaner zu ihrem Cruising verwenden.

Der Blick hat Zeit, in der Stattlichkeit des Interieurs zu schwelgen, das nicht die germanische Funktionalität des BMW aufweist. Und es fehlt an nichts. Elektrisch verstellbare Sitze, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, Radio und sogar Ledersitze zählen beim Stratus zur Serienausstattung und liefern einen Hauch von Beverly Hills. Zusammen mit der Großzügigkeit der Innenabmessungen ist hier ein Sonderstatus unter den offenen Viersitzern entstanden. Der BMW entschädigt vor allem durch die nochmals bessere Verwindungssteifigkeit und das weit bessere Qualitätsgefühl. Daß er, ganz markenuntypisch, im Antriebsbereich nicht sehr überzeugt und dem Chrysler einen leichten Punktevorsprung überläßt, liegt weniger an dem Hubraum- Handikap von immerhin einem halben Liter, sondern mehr an dem wenig glücklichen Zusammenspiel der Automatik mit dem Zweiliter- Sechszylinder. Der Grund für die vergleichende Konstellation liegt darin, daß es den Stratus LX ausschließlich mit einer Viergang- Automatik gibt.

Die BMW Kraftübertragung verfügt über fünf Fahrstufen, aber wie der 150 PS-Sechszylinder mit der Automatik kooperiert, bleibt trotz dreier Fahrprogramme unbefriedigend. Ein weich ausgelegter Wandler bewirkt mitunter Zähigkeit, und die Übersetzung im fünften Gang ist entsetzlich lang. Selbst das Laufgeräusch scheint beeinträchtigt, nicht zuletzt durch die stetig wechselnde Motordrehzahl.

Der Chrysler-V6, nominal 163 PS stark, profitiert von seinem größeren Hubraum. Wie fast alle Automatik-Amis bietet er einen respektablen Anfahr- Bums, der gleichzeitig auch ein Traktionsproblem dieses Fronttrieblers ohne Antriebsschlupfregelung erkennen läßt. Ansonsten herrscht Harmonie auf der Antriebsseite, wenn man von dem etwas aufdringlichen Laufgeräusch bei hoher Last und hohen Drehzahlen einmal absieht.

Der Chrysler gewinnt deshalb die Antriebswertung durch das bessere Zusammenspiel von Motor und Getriebe – nur am Rande ist von Bedeutung, daß er auch, wie die Vergleichstabelle zeigt, etwas temperamentvoller ist. Im Verbrauch klare Pluspunkte für den BMW. Er konsumiert im Mittel 11,2 Liter pro 100 Kilometer, der Chrysler läßt sich gut einen Liter mehr schmecken. Die Frage nach Frontantrieb (Stratus) oder Heckantrieb (BMW) erweist sich im direkten Vergleich als wenig bedeutungsschwer.

Da wie dort hat man es mit mustergültiger Fahrsicherheit zu tun. Der Stratus kassiert einen kleinen Malus wegen seiner gefühlloseren Servolenkung und wegen seines riesigen Wendekreises von über 13 Metern. Schwerer wiegt jedoch im Bereich der Fahrsicherheit sein ausgeprägtes Bremsfading. Bei Tempo 100 ist mit stark strapazierter Bremse erst nach fast 85 Metern mit Tempo Null zu rechnen – der BMW verdaut diese Strapaze in genau der Hälfte der Strecke. Er hat auch den deutlich besseren Federungskomfort zu bieten. Das Schluckvermögen ist weit harmonischer als beim Stratus, der seinerseits aber in Cabrio-Version ein klar besseres Resultat lieferte als die vor einem Jahr getestete Limousine. Die komfortablen Lederfauteuils tragen ihren Teil dazu bei, das Cabrio- Dasein als sehr erträglich zu empfinden.

Auch ein Blick auf die Preise ist diesem Zustand förderlich. 64 150 Mark kostet der BMW 320i, 56 195 der Chrysler. Das bessere Auto muß, auch deshalb, nicht das reizvollere sein.

Fazit

1. BMW 320i Cabrio
105 Punkte

Karosserie mit sehr guter Verarbeitungsqualität, gute Funktionalität, gute Sitze, gute Fahrleistungen, sehr sichere Fahreigenschaften, sehr gute Bremsen, gute Handlichkeit, ausgewogener Federungskomfort. Zusammenspiel von Motor und Automatik unbefriedigend, eingeschränkte Platzverhältnisse hinten

2. Chrysler Stratus Cabrio LX 2.5
103 Punkte

Karosserie mit sehr großzügigen Raumverhältnissen, sehr reichhaltige Ausstattung, gute Fahrleistungen, sichere Fahreigenschaften, gute Handlichkeit. Verarbeitungsqualität nur durchschnittlich, Servolenkung mit wenig Fahrbahnkontakt, großer Wendekreis, hoher Verbrauch, bei Beanspruchung starkes Bremsfading.

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Technische Daten
Chrysler Stratus Cabriolet 2.5 V6 LX BMW 320i Cabrio
Grundpreis 29.317 € 33.975 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4902 x 1780 x 1392 mm 4433 x 1710 x 1348 mm
KofferraumvolumenVDA 292 l 230 l
Hubraum / Motor 2497 cm³ / 6-Zylinder 1991 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 120 kW / 163 PS bei 5850 U/min 110 kW / 150 PS bei 5900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 198 km/h 207 km/h
0-100 km/h 10,9 s 11,6 s
Verbrauch 11,1 l/100 km 10,3 l/100 km
Testverbrauch 12,4 l/100 km 11,2 l/100 km
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