Doppeltest BMW 328 Ci gegen Mercedes CLK 230 Kompressor

Elegante Karosserieformen machen erfolgreiche Coupés. Der neue BMW 328 Ci stellt sich dem etablierten Mercedes CLK 230 Kompressor. Ein Duell, das innere Werte entscheiden.

Wenn es um die Figur geht, wird gerne kräftig investiert. Das gilt heute auch für Automobile und hier ganz besonders für Coupés. Die Zeit kupierter Limousinen mit zwei Türen ist endgültig passé. Mercedes entwarf für den CLK eine völlig eigenständige Karosserie und führte mit ihr das Vier-Augen-Gesicht im CSegment ein.

BMW ging, wie schon beim Vorgänger, den gleichen Weg, nur fällt es hier nicht so auf. Außer Türgriffen, seitlichen Blinkern und Emblemen stammt kein Karosserieteil des neuen Coupés von der Limousine. Das glaubt man kaum. Andererseits aber ist nicht zu übersehen, daß der Ci viel eleganter und schnittiger daherkommt als der Viertürer. Beide Konkurrenten weisen eine sehr gefällige Linienführung auf, wobei der Mercedes CLK bulliger wirkt. Wer sich mit ihrer Schönheit schmückt, muß auch ein wenig leiden. Beispielsweise wegen des im Vergleich zur Limousine etwas beschwerlicheren Einstiegs und des kleineren Raumangebots. Die niedrige Dachhöhe und die tief angeordneten Sitze erschweren in Verbindung mit den langen Türen vor allem das Entern des Innenraums in engen Parklücken. Dort bietet BMW mit der Fernentriegelung Schützenhilfe: Sie öffnet auf doppelten Knopfdruck die Seitenfenster, was das Einfädeln des Oberkörpers erleichtert. Im Raumangebot sammelt der acht Zentimeter kürzere und drei Zentimeter breitere BMW Pluspunkte.

Dafür sorgen mehr Bewegungsfreiheit sowie das eine Idee großzügigere Raumgefühl. Der Mercedes ist enger geschnitten, und große Personen empfinden das kuppelförmige, vorne weiter heruntergezogene Dach möglicherweise als Brett vorm Kopf. Im Fond – wenn hier überhaupt mal Personen Platz nehmen müssen – vermitteln die hohe Gürtellinie und die breiten C-Säulen des CLK das Gefühl, etwas eingemauert zu sein.

Ohnehin sind die beiden Rücksitze mit der stark nach hinten geneigten Lehne auf längeren Strecken nur Halbwüchsigen zuzumuten. Im Ci geht es auf der Rückbank ein wenig bequemer zu, da gibt es auch mehr Bein- und Kopffreiheit. Beide Coupés haben ein sogenanntes Easy entry- System (nach vorne rutschende Vordersitze), das den Einstieg nach hinten begünstigt. Vorbildlich und automatisch funktioniert es im CLK in Verbindung mit den elektrisch verstellbaren Vordersitzen (Aufpreis 2842 Mark für beide Seiten): Es zieht automatisch auch die Kopfstützen mit ein, macht mehr Platz als das manuelle System im Ci und stellt selbsttätig wieder die ursprüngliche Position her. Mit knapp über 400 Liter Fassungsvermögen haben die ebenen und gut nutzbaren Kofferräume beinahe Limousinen- Format.

Zudem sind sie variabel, denn die geteilten Rücksitzlehnen können vom Gepäckabteil aus entriegelt und dann vorgeklappt werden. Daß sich der CLK hier einen Punktabzug einhandelt, liegt an der geringeren Zuladung. Ergonomie und Handhabung genügen in beiden Fällen hohen Ansprüchen, und auch die Qualität verdient gute Noten. Bemerkenswert: Windgeräusche sind beim BMW kein Thema mehr. Bei der Ausstattung zeigen sich beide Hersteller wenig spendabel, eine Klimatisierungs-Automatik gibt es nur gegen Aufpreise von 2700 Mark und saftigen 4176 Mark (CLK). BMW liefert immerhin Sitze und Ausstellfenster hinten mit elektrischer Verstellung serienmäßig. Letztere gibt es für den Mercedes nicht.

Neben den besseren Seitenhalt bietenden Sitzen und dem dezenteren Innengeräusch des laufruhigen Reihensechszylinders sorgt vor allem das weichere, mit längeren Federwegen operierende Fahrwerk des BMW für einen Vorsprung in der Komfortwertung. Ci- und CLK-Fahrer können kostenlos zwischen einer Sport- und Komfort-Abstimmung wählen. In Verbindung mit dem Automatikgetriebe, das beide Wagen hatten, liefert BMW üblicherweise das Komfort-Fahrwerk, das dem Coupé vorbildliche Federungsqualitäten verleiht.

Mit seiner härteren, auf kleinen Unebenheiten steifer ansprechenden Federung trifft der CLK bereits in der Komfort- Abstimmung eher den Geschmack sportlich orientierter Fahrer. Die werden auch seine geringere Seitenneigung in Kurven zu schätzen wissen, die den Eindruck höherer Agilität fördert. Bei den Fahrversuchen in der Wedelgasse und im Slalomparcours hatte der Mercedes die Nase knapp vorn.

Der BMW wirkt mit seinen größeren Karosseriebewegungen speziell in schnellen Wechselkurven behäbiger als der Mercedes, was aber auf die Gutmütigkeit seines Fahrverhaltens keinen Einfluß hat. Mit der leichtgängigen, auch um die Mittellage präzisen Lenkung läßt er sich spielerisch dirigieren. Eine Antriebsschlupfregelung mit Motoreingriff haben beide Autos, wobei sich das BMW-System mit kräftigeren Eingriffen unsportlicher gibt. Über jeden Zweifel erhaben sind die Bremsen. Sie überzeugen jeweils durch gute Dosierbarkeit und hohe Standfestigkeit. Der CLK brilliert mit etwas besserer Verzögerung, was ihm aber gemäß Wertungsschema keine zusätzlichen Punkte einbringt. Zudem verfügt er über einen Bremsassistenten, der bei panikartigem Tritt aufs Pedal automatisch die volle Bremsleistung sicherstellt. Antriebsseitig stehen sich zwei völlig differente Konzepte gegenüber: im Ci ein 2,8 Liter großer Sechszylinder-Saugmotor, im CLK ein per Kompressor aufgeladener 2,3 Liter-Vierzylinder. Beide sind 193 PS stark und an eine Fünfgangautomatik gekoppelt, die 3468 (CLK) beziehungsweise 3850 Mark (Ci) kostet. Während die Stärken des BWM-Triebwerks in hoher Laufkultur, ausgezeichneter Drehfreudigkeit und harmonischer Leistungsentfaltung liegen, gefällt die kernig klingende Kompressor-Maschine mit sehr kraftvollem und spontanem Antritt schon bei niedrigen Drehzahlen.

In den Fahrleistungen, die sich auf Sportwagenniveau bewegen, gibt es ebenso wie beim Verbrauch nur geringe Unterschiede. Was der Mercedes durch seine schlechtere Laufkultur verliert, macht er mit seiner vorbildlich arbeitenden, perfekt zu handhabenden Automatik wieder wett.

Die Kraftübertragung im BMW kann auch wegen ihrer unorthodoxen und hektischen Arbeitsweise im Sportmodus keine rechte Begeisterung wecken. Mit Kopfairbags, seitlichen Luftsäcken für die Fondbesatzung (auf Wunsch) und der günstigeren Schadstoff-Einstufung des Motors baut der BMW 328 Ci sein Punktekonto konsequent aus. Er gewinnt verdient, schließlich macht er dank seiner ausgewogenen Talente die bessere Figur.

Fazit

1. BMW 328 Ci
611 Punkte

Das neue Coupé von BMW feiert einen Einstand nach Maß: Es gewinnt im direkten Vergleich mit seinem stärksten Konkurrenten nicht weniger als sechs von insgesamt sieben Wertungskapiteln. Der Punkteabstand ist zwar jeweils relativ gering, aber unter dem Strich ergibt sich dann doch ein klarer Vorsprung. Den verdankt er hauptsächlich dem größeren Raumangebot und der günstigeren Schadstoffeinstufung. Der BMW ist zudem auch preisgünstiger.

2. Mercedes CLK 230 Kompressor
593 Punkte

Das Bessere ist des Guten Feind. Denn wirklich gravierende Schwachpunkte kann man dem CLK nicht nachsagen. Er büßt in kleinen Portionen sukzessive Punkte auf den sehr ausgewogenen Ci ein. Mit seinem kernigen, kraftvoll antretenden Kompressor- Vierzylinder und dem strafferen Fahrwerk verkörpert er eher den sportlichen Coupé-Typ. Im Sommer dieses Jahres erfährt der CLK eine dezente Überarbeitung, die so manches Handikap beseitigen sollte.

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Technische Daten
BMW 328 Ci Mercedes CLK 230 Kompressor Elegance
Grundpreis 35.202 € 36.891 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4488 x 1757 x 1369 mm 4567 x 1722 x 1345 mm
KofferraumvolumenVDA 410 l 420 l
Hubraum / Motor 2793 cm³ / 6-Zylinder 2295 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 142 kW / 193 PS bei 5500 U/min 142 kW / 193 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 237 km/h 230 km/h
0-100 km/h 8,6 s 8,6 s
Verbrauch 10,1 l/100 km 9,9 l/100 km
Testverbrauch 11,4 l/100 km 11,8 l/100 km
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