Doppeltest BMW 328i gegen Volvo S70 2.5 T

Mit dem Volvo S70 2.5 T ist eine Stufenhecklimousine im BMW Fünfer-Format zum Preis eines BMW 328i auf dem Markt. Für rund 65.000 Mark rangieren beide mit jeweils 193 PS und Automatikgetriebe am oberen Ende der Mittelklasse.

Schon äußerlich unterscheiden sich der BMW 328i und der Volvo S70 so deutlich voneinander wie Skandinavien und Bayern. Während der BMW in der Seitenansicht durch seine bogenförmige Dachlinie coupéhaft wirkt, bestimmen beim Volvo gerade Linien das Karosseriedesign.

Die Dreier-Limousine ist zwar 25 Zentimeter kürzer als der S70, weist aber rund neun Zentimeter mehr Abstand zwischen den Achsen auf. Das führt zu extrem kurzen Über- hängen beim BMW, macht sich im Innenraum aber nicht positiv bemerkbar. Im Gegenteil: Durch den längs eingebauten Reihensechszylinder des 328i kommt der theoretische Vorteil des längeren Radstandes nicht zum Tragen.

Auf der Rückbank mangelt es dem BMW im Vergleich zum Volvo deutlich an Beinfreiheit und Sitztiefe. Auch die Kopffreiheit ist durch die nach hinten abfallende Dachlinie stark eingeschränkt. Außerdem sollte der mittlere Sitzplatz im 328i- Fond nur als Notsitz angesehen werden. Denn der breite Kardantunnel läßt hier kaum Platz für die Füße, und auf den beim Volvo serienmäßigen Dreipunkt-Automatikgurt und die Kopfstütze muß der fünfte Mann auch verzichten.

Beides gibt es im BMW nicht einmal gegen Aufpreis. Vorne fallen beim Dreier neben der geringeren Innenbreite auch die kürzeren Sitzflächen der Vordersitze auf, die zudem zwar in der Höhe, nicht aber – wie die üppig dimensionierten Volvo-Sitze – in der Neigung verstellbar sind. Auch der Kofferraum des Volvo präsentiert sich geräumiger und besser nutzbar. Hinzu kommt die mit 460 Kilogramm um 50 Kilogramm höhere Zuladung des Volvo. Nur die in den Gepäckraum ragenden Bügel des Kofferraumdeckels trüben den guten Gesamteindruck. Der BMW verfügt statt dessen über innenliegende Scharniere, besitzt aber eine wesentlich kleinere Ladeöffnung. Außerdem kosten umklappbare Rücksitzlehnen 650 Mark Aufpreis. Beim Volvo sind sie serienmäßig. Obwohl der S70 das größere Auto ist, kostet er bei gleicher Motorleistung in der getesteten Select-Ausführung 100 Mark weniger als der 328i. Rechnet man die Automatikgetriebe dazu, vergrößert sich der Abstand auf 700 Mark.

Dabei sind beim S70 Select unter anderem bereits Holzdekor, Stereo-Cassetten-Radio, Lederlenkrad und -polster mit an Bord. Eine manuelle Klimaanlage gehört bei allen S70 zum Standard.

Die Klimaautomatik ist allerdings nur in Verbindung mit dem Luxuspaket für 2650 Mark zu haben, das unter anderem auch Bordcomputer und Tempomat umfaßt. Zusätzlich zu Front- und Seitenairbags schützt der Dreier die Köpfe von Fahrer und Beifahrer mit speziellen Kopfairbags.

Serienmäßig ist außerdem eine Antriebsschlupfregelung, und gegen einen Aufpreis von 1800 Mark kann das Elektronische Stabilitätsprogramm, das bei BMW den Namen DSC trägt, geordert werden. Es ist eine sinnvolle Investition, wie der große ESP-Vergleich (Heft 2/99) gezeigt hat. Der Viergangautomatik des Volvo stehen fünf Fahrstufen im BMW gegenüber, die zudem durch Antippen des Wählhebels auch manuell gewechselt werden können.

Beide Getriebe verfügen über eine adaptive Steuerung, welche die Schaltpunkte der momentanen Fahrweise anpaßt. Darüber hinaus kann beim 328i noch eine sportliche Grundeinstellung angewählt werden, wo der sehr lang übersetzte fünfte Gang gesperrt ist. In der Praxis harmoniert die theoretisch unterlegene Volvo- Automatik besser mit dem Fünfzylinder-Turbomotor als das BMW-Getriebe mit dem Sechszylindersauger.

Trotz Doppel-Vanos (siehe Kasten linke Seite) wirkt der BMW-Motor bei niedrigen Drehzahlen nicht so kraftvoll wie das Volvo-Aggregat, das zwischen 1800 und 5000/min konstant ein Drehmoment von 270 Nm zur Verfügung stellt. Dadurch muß die BMW-Automatik häufiger vom fünften Gang ein oder zwei Fahrstufen zurückschalten, wenn etwa zügig überholt werden soll. Auch ohne Zurückschalten per Kickdown kann beim Volvo allein durch schnelles Nieder- treten des Gaspedals eine ähnlich gute Beschleunigung erreicht werden.

Die intelligente Getriebesteuerung beantwortet zügiges Gasgeben mit dem Öffnen der Wandlerkupplung. Der Motor dreht nun durch den Wandlerschlupf bei gleicher Fahrgeschwindigkeit höher und stellt entsprechend mehr Leistung und Drehmoment für den Zwischenspurt zur Verfügung.

Durch elektronisch gesteuertes Schließen der Wandlerkupplung kommt es dabei zu einen Effekt ähnlich einem stufenlosen CVT-Getriebe: Die Drehzahl bleibt nahezu konstant, während das Auto beschleunigt. Dieser Vorgang läuft weich und ruckfrei ab.

Bei der Feder-Dämpfer-Abstimmung des S70 besaßen die Volvo-Fahrwerkstechniker jedoch nicht die glückliche Hand ihrer Antriebskollegen. Die straffen Federn lassen kurze Fahrbahnstöße fast ungefiltert durch. Dagegen wirkt besonders die Hinterachse zu weich gedämpft, wodurch der Aufbau ständig in Bewegung ist. Auch volle Beladung bringt keine Verbesserung des Ansprechverhaltens.

Sie verschlechtert lediglich den guten Federungskomfort auf langen Bodenwellen, die der Volvo leer ohne große Karosseriebewegungen meistert. Außerdem gelangen die Federwege mit Beladung schnell an ihre Grenzen. Der 328i bietet voll beladen spürbar mehr Fahrwerksreserven. Allerdings pariert er lange Bodenwellen leer und beladen mit etwas größeren Karosseriebewegungen als der Volvo, was jedoch weniger störend wirkt als dessen kurze Stöße.

Solche sind beim BMW leer kaum wahrnehmbar, und auch mit Ballast an Bord bleibt der insgesamt geschmeidige, harmonische Gesamteindruck des Fahrwerks erhalten. Auf sehr schlechten Straßen sind jedoch die Federbewegungen der Vorderachse in der Lenkung des BMW spürbar. Die weicher und indirekter ausgelegte Volvo-Lenkung eliminiert diese Einflüsse vollständig; sie vermittelt allerdings andererseits nicht die Präzision der BMW-Lenkung. Außerdem ist sie nicht ganz frei von Antriebseinflüssen. Der BMW 328i verlangt zwar nach Super Plus, braucht im Durchschnitt mit 11,5 Litern aber 0,6 Liter weniger als der nur 2,5 Liter große Turbomotor des S70. Jeweils rund 1,5 Tonnen Leergewicht und die Automatikgetriebe verhindern hier bessere Werte.

Am Ende geht der BMW 328i aus dem Vergleich als knapper Sieger hervor, weil er bis auf das Karosseriekriterium alle Kapitel gewinnt. Abgesehen vom spürbar schlechteren Federungskomfort steht der Volvo S70 2.5 T dem BMW in den Einzelwertungen aber nur wenig nach. Besonders in der BMW-Domäne des Antriebs rückt dem 328i der Volvo S70 dank der wirklich gelungenen Kombination aus kraftvollem Turbomotor und Automatikgetriebe sehr nahe.

Fazit

1. BMW 328i
608 Punkte

Für den kleineren BMW spricht vor allen Dingen sein nahezu perfekt abgestimmtes Fahrwerk. Durch die Automatik treten die Qualitäten des Motors nicht so deutlich zu Tage wie bei dem handgeschalteten Modell. Die Platzverhältnisse im Fond sind nicht gerade üppig und lediglich für zwei Personen wirklich ausreichend.

2. Volvo S70 2,5 T Select
594 Punkte

Stärken des Volvo sind das großzügige Platzangebot und die harmonische Motor- Getriebe-Kombination. Fürs gleiche Geld ist der Volvo S70 Select besser ausgestattet als der BMW 328i. Mit seiner Fahrwerksabstimmung kann der S70 besonders auf kurzen Fahrbahnunebenheiten nicht überzeugen.

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Technische Daten
BMW 328i Volvo S70 2.5 T
Grundpreis 34.282 € 30.422 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4471 x 1739 x 1415 mm 4722 x 1761 x 1403 mm
KofferraumvolumenVDA 440 l 470 l
Hubraum / Motor 2793 cm³ / 6-Zylinder 2435 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 142 kW / 193 PS bei 5500 U/min 142 kW / 193 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h 220 km/h
0-100 km/h 8,8 s 8,8 s
Verbrauch 10,1 l/100 km 10,4 l/100 km
Testverbrauch 11,5 l/100 km 12,1 l/100 km
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