Doppeltest BMW 330 Ci gegen Mercedes CLK 320

Mit dem Einzug des neuen Dreilitermotors im BMW Dreier Coupé sind die Karten neu gemischt: BMW 330 Ci oder Mercedes CLK 320 lautet nun die Frage. Die richtige Wahl, das zeigt der Vergleich, ist mehr als nur Geschmackssache.

Gute Coupés sind wie Hochglanzmagazine: Außen machen sie was her, und drinnen bieten sie gehobene Unterhaltung. Zumindest sollten sie das. Bei den Mittelklasse-Coupés von BMW und Mercedes kam man diesbezüglich schon in der Vergangenheit auf seine Kosten. Nun darf man mit dem Auftauchen des Dreilitermotors im BMW Dreier Coupé noch eine Steigerung erwarten. Denn statt vormals 193 PS im 328 Ci sind im neuen 330 Ci ab sofort 231 PS verfügbar. Zugleich entfällt die kleinere Hubraumvariante, was schon deshalb Sinn macht, weil BMW für das neue Modell keinen Pfennig mehr verlangt als für das bis­herige. Da können höchstens jene meckern, die bereits den erst vor Jahresfrist vorgestellten 328 Ci gekauft haben. Das passende Gegenstück heißt CLK 320 und begnügt sich mit 218 PS. Dafür kostet es deutlich mehr: Offensichtlich völlig frei von falscher Bescheidenheit verlangt Mercedes für die Sechszylinderversion des Coupés 83.868 Mark inklusive Automatikgetriebe. Ein 330 Ci hingegen kommt mit Schaltgetriebe, das es für den CLK 320 nicht gibt, auf nur 67.100 Mark. Bestellt man dazu die Fünfgang-Automatik, erhöht sich der Betrag auf 70.950 Mark, was nichts daran ändert, dass es sich hier, an Mercedes-Maßstäben gemessen, um ein Schnäppchen handelt. Klar ist aber auch: Wer die Erbsen zählt, der ist in seiner Funktion als Coupé-Käufer bereits äußerst geschwächt. Denn wie immer bei dieser Art von Auto spricht die Vernunft auch im vorliegenden Fall eindeutig für die entsprechenden Limousinen. Was den CLK betrifft, so ist ihm die enge Verwandtschaft mit der alten C-Klasse nicht anzusehen. Äußerlich präsentiert er sich eigenständig, aber mit den Gesichtszügen der hierarchisch übergeordneten E-Klasse. Auch das BMW-Coupé kann individuelle Formen bieten, nur fällt dies erst auf den zweiten Blick auf. Immerhin ist der Unterschied zur Dreier-Limousine groß genug, um auch vor der Haustür die gewünschte Wirkung zu tun.

Indessen hält sich der Tribut an die Form bei diesen Coupés in Grenzen. Beide lassen sich bei großzügiger Auslegung des Begriffs als Viersitzer bezeichnen, wobei der BMW vorne wie hinten etwas mehr Platz bereithält als der Mercedes und auch mit den bequemeren Rücksitzen aufwartet. Obwohl sich die Vordersitze beim Vorklappen der Lehnen elektrisch nach vorn bewegen, ist der Einstieg in den Fond bei beiden beschwerlich. Keine Frage: Wer häufig mit mehreren Passa­gieren unterwegs ist, sollte ungeachtet des vergleichsweise üppigen Raumangebots dieser Coupés besser zum Viertürer greifen. Dagegen herrscht an Verstaumöglichkeiten für umfangreiches Gepäck kein Mangel. Jeder der Kontrahenten stellt dem Reisenden einen großvolumigen Kofferraum zur Verfügung, der sich durch Umklappen der Rücksitzlehnen noch erweitern lässt. Auch am Gewicht soll es nicht scheitern: Die erlaubte Zuladung erreicht bei diesen Coupés gutes Limousinenniveau. Objektiv betrachtet lässt sich die gehobene Preislage der Autos am leichtesten mit ihrer vortrefflichen Motorisierung rechtfertigen. Ihre Sechszylindermotoren gehören ohne Zweifel zum Besten, was es momentan gibt. So begeistert der Reihensechszylinder im BMW einmal mehr durch vibrationsarmen Lauf und spontanen Antritt. Auch im neuen Dreiliter-Format dreht er so leicht, dass man keine Hemmungen hat, ihn kräftig jubeln zu lassen, zumal er dabei mit einem besonderen Ohrenschmaus aufwartet. Bei niedrigeren Drehzahlen bietet er nun aber ein spürbar üppi­geres Drehmomentpolster. Der Unterschied zum Mercedes ist abgesehen von den technischen Besonderheiten vor allem eine Charakterfrage. Als V-Motor leidet das konkurrierende Triebwerk bei hohen Touren unter Vibrationen – ein prinzipbedingtes Manko, das Mercedes mit einer Ausgleichswelle bekämpft. Damit erreicht es denn auch nahezu das Niveau des diesbezüglich perfekten Reihenmotors. Akustisch wirkt er indessen ziviler. Im mittleren Drehzahlbereich, wo das BMW-Aggregat kräftiges Gasgeben bereits mit aufreizenden Tönen beantwortet, beschränkt sich der Mercedes-V6 auf ein sanftes Säuseln. Dank 0,2 Liter mehr Hubraum bietet er außerdem etwas mehr Durchzugskraft. So geht der CLK eine Spur gelassener zu Werke, wozu auch die Getriebeauslegung beiträgt. Denn während die Automatik im BMW, zumal im Sportmodus, durch hektische Schaltmanöver auf sich aufmerksam macht, agiert sie im Mercedes weitgehend unauffällig. Auch die Handhabung des Wählhebels fällt beim Mercedes leichter.

Die Konsequenz: Die im 330 Ci latent vorhandene Sehnsucht nach dem Schaltgetriebe keimt im CLK gar nicht erst auf. In den Fahrleistungen sind die Unterschiede gering. Der 330 Ci hat zwar die Nase vorn, allerdings nur ganz knapp. Nahezu Gleichstand herrscht auch im Verbrauch: Im direkten Vergleich ergeben sich Werte von 11,4 (Mercedes) und 11,6 Liter/100 km, wobei es den BMW aber nach Super Plus dürstet. Im Übrigen können die Fahrer dieser Coupés davon ausgehen, dass ihre Fahrwerke auch sportliche Absichten gut verkraften. Beide gibt es wahlweise und ohne Aufpreis mit strafferer Abstimmung. Entsprechend ausgerüstet ermöglichten die Testwagen hohe Kurvengeschwindigkeit bei geringer Seitenneigung. Im Fahr­eindruck unterscheiden sie sich allerdings erheblich. Während der CLK mit hohen Lenkkräften aufwartet und mit Nachdruck zu Kurswechseln gezwungen sein will, lässt sich der BMW mit ausgeprägter Leichtigkeit dirigieren. Der Nachteil: Die starke Servounterstützung der Lenkung macht ihn zwar äußerst agil, aber beim Schnellfahren wünscht man sich mehr Fahrbahnkontakt und hö­here Rückstellkräfte. Dann stört mitunter auch das aufpreispflichtige elektronische Stabilitätsprogramm, das ruppiger in Aktion tritt als im Mercedes (ESP Serie). Die Kehrseite der Sportfahrwerke zeigt sich naturgemäß im Komfort, und das gilt vor allem für den BMW. Die Federung wird bei ihm weitgehend durch Straßenlage ersetzt, so dass die Insassen selbst auf vermeintlich ebenen Autobahnen selten zur Ruhe kommen. Beim Mercedes stört dagegen nur das harte Ansprechen auf Querwellen, während man ansonsten mit manierlichen Komfortqualitäten rechnen kann. Dass das Votum letztlich doch für den BMW ausfällt, hat einen guten Grund: Sein Preisvorteil von 13.000 Mark ist der Trumpf, der in diesem Vergleich sticht.

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Technische Daten
BMW 330 Ci Mercedes CLK 320 Elegance
Grundpreis 38.600 € 44.080 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4488 x 1757 x 1369 mm 4567 x 1722 x 1345 mm
KofferraumvolumenVDA 410 l 420 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 3199 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 5900 U/min 160 kW / 218 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 247 km/h 240 km/h
0-100 km/h 7,5 s 7,9 s
Verbrauch 9,6 l/100 km 10,1 l/100 km
Testverbrauch 11,6 l/100 km 11,4 l/100 km
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