Doppeltest BMW 330i Touring gegen Mercedes C 320 T

Kombiheck und Sechszylindermotor lassen sich zu einem sportlichen und praktischen Ganzen vereinen. Zwei Paradebeispiele sind die Mittelklassekombis BMW 330i Touring und der ganz neue Mercedes C 320 T.

Reduziert auf das Verhält-
nis von Ladevolumen zu Anschaffungspreis, ist ein Van der bessere Kombi. Aber wer eine Vantür hinter sich schließt, sperrt meist den Fahrspaß aus. Vans kauft man also primär für die Passagiere und das Gepäck, Kombis kauft man für sich. Denn Fahrspaß, Dynamik und Transportkapazität finden nur in einer Limousine mit Kom-
biheck optimal zueinander. Vor allem dann, wenn ein Sechs-
zylinder für Vortrieb sorgt.

Wie beim BMW 330i Touring mit 231 PS für 71 950 Mark und beim 218 PS starken neuen Mercedes C 320 T der mit 81 312 Mark bezahlt werden muss. Das ist in jedem Fall viel Geld, zumal dann, wenn man bedenkt, dass ein Kombi in dieser Größe auch schon für die Hälfte zu haben ist. Aber nicht mit einem Sechszylindermotor und schon gar nicht mit einem, wie er unter den Hauben der beiden Testkandidaten Hof hält.

Sie zählen schlichtweg zum Besten, was derzeit angeboten wird. Leistung bieten sie satt, und die Laufkultur befindet sich bei BMW und Mercedes auf einem sehr hohen und vor allem vergleichbaren Niveau. Das überrascht ein wenig, denn außer der Zylinderzahl haben die beiden nicht viel gemein. BMW lässt die Zylinder in Reihe, Mercedes in V-Formation antreten. BMW legt den Motor leicht langhubig, Mercedes seinen eher als Kurzhuber aus. Im Zylinderkopf des Dreiliter-R6 tanzen 24 Ventile, das Ensemble des 3,2-Liter-V6 beschränkt sich auf 18 Tänzer.

Wie erlebt der Fahrer nun diese unterschiedlichen Konzepte? Hohe, aber nicht völlig untadelige Laufkultur bestimmt das Bild. Fordert man Leistung, langt der BMW-Dreiliter akustisch hin, und sein Geräusch wird kernig. Fühlbar wird diese Anstrengung allerdings nicht, denn Vibrationen sind ihm fremd, und die Leichtigkeit, mit der dieser große Sechszylinder hochdreht, sucht ihresgleichen.

Vibrationen sind, wenn kräftig Gas gegeben wird, beim Mercedes-V6 sehr wohl spürbar. Rollt der C 320 T mit ge-mäßigter Geschwindigkeit da-
hin, ist seine Laufkultur aber untadelig, dafür sorgt die Ausgleichswelle. Leise ist der V6 obendrein, selbst bei hoher Drehzahl macht er nur verhalten auf sich aufmerksam.

Unterschiedlich gibt sich das Ansprechverhalten der Sechszylinder: So spontan
wie der BMW auf Befehle
des Gaspedals reagiert, legt der Mercedes nicht los. Er kommt etwas träger auf Touren. Einen gewissen Ausgleich schafft das höhere Drehmoment des Mercedes, dessen maximale Durchzugskraft von 310 Newton-
metern bei 3000/min anfällt. Während der BMW 300 Newtonmeter erst bei 3500/min
entwickelt.

Dass die gebotene Leistung ihren Tribut an der Tankstelle fordert, dürfte klar sein. Mit 12,2 (BMW) und 12,6 Litern auf 100 Kilometer (Mercedes) liegen die Verbräuche am oberen Rand des Klassenüblichen. Seinen leichten Verbrauchsvorteil kann der BMW an der Kas-
se übrigens nicht ausspielen,
konsumiert er doch Super Plus, während der Mercedes mit
Superbenzin auskommt.

Das Drehmoment beider Motoren sollte für souverä-
nes Reisen spielend ausreichen. Dennoch verbreitet die BMW-Automatik unnötige Hektik. Sie schaltet zu häufig hin und
her und zwingt die Nadel des
Drehzahlmessers dadurch immer wieder an den Rand des
roten Bereichs. Gut zu wis-
sen, dass der 330i auch mit
Handschaltung geordert werden kann. Sein Kaufpreis mindert sich dann um 3850 Mark.

Beim Mercedes C 320 ist die Automatik dagegen obligatorisch, und das ist kein Nachteil, im Gegenteil: Ihr Zusammenspiel mit dem Motor hat Vorbildcharakter, hier passt einfach alles. Damit schließt der Mercedes in der Punktewertung fast zum spritzigen BMW auf.

In der Karosseriewertung dreht sich das Verhältnis um. Ein Patt herrscht zunächst beim Raumangebot für die Passagiere, die in beiden Testkandidaten annähernd gleich gut untergebracht sind. Auch überdurchschnittlich große Fahrer finden hier wie dort bequeme und langstreckentaugliche Sitzpositionen. Die Ausstattung fällt
im Mercedes geringfügig um-
fangreicher aus. So verfügt der BMW zwar ebenfalls über eine Klimaanlage, aber der Mercedes führt in der getesteten Avantgarde-Version gleich ei-ne Klimaautomatik ins Feld. Natürlich sind die wichtigen Sicherheits-Features vorhanden. ESP bringt aber nur der Mercedes mit. Bei BMW gehört das DSC genannte System erst ab März zum Standard, noch kos-tet es 980 Mark Aufpreis.

Über das Kombiheck lassen sich die beiden weiter differenzieren. Der C 320 T – man sieht es auf den ersten Blick – ist besser bestückt. In seinem voluminösen, aber nicht uneleganten Heck darf nicht nur die schwerere, sondern auch die längere Last befördert werden. Das Beladen der C-Klasse gerät außerdem ein wenig müheloser, weil der Kofferraum nicht in
einer hemmenden Kante wie beim 330i Touring endet. Ablagen unter dem Kofferraumboden, Zurrösen und serienmä-
ßige Gepäcknetze finden sich dann wieder bei beiden. Genau wie die asymmetrisch geteilte und klappbare Rückbanklehne.

Weitere Details, die den täglichen Umgang mit dem Kombi erleichtern, gibt es allerorten. Zwei Beispiele: Die hinteren Kopfstützen des C-Klasse T-Modells lassen sich in der Höhe verstellen und umklappen. Die Sicht nach hinten wird so kaum behindert. Der Touring ist dafür mit einer separat aufklappbaren Heckscheibe ausgerüstet, durch die Gepäck bugsiert werden kann.

Auf welch hohem Entwicklungsstand sich die Fahrwerke von T-Modell und Touring befinden, zeigt ein Blick auf die Fahrdynamikdaten. Sie liegen in Slalom- und Wedeltest mit denen der Stufenhecklimousinen fast gleichauf. Unter vol-
ler Beladung verringern sich die erzielbaren Geschwindigkeiten nur wenig. Der an sich untersteuernd ausgelegte Dreier Touring lässt sich bei de-
aktivierter Stabilitätskontrolle allerdings aufschaukeln und schwenkt dann das Heck nach außen. Der spürbar unhandlichere Mercedes-Kombi, ebenfalls ein braver Untersteuerer, zeigt diese Tendenz nicht. ESP verschafft beiden Testwagen große Sicherheitsreserven.

Beim Komfort hat der Mercedes mehr zu bieten als sein Kontrahent. Steigt man aus dem BMW in die C-Klasse
um, stellt sich sofort die Fra-
ge, wer all die Kanaldeckel und Frostaufbrüche weggebügelt hat, und ob die langen Autobahnwellen mit Hilfe einer Wasserwaage eliminiert worden sind. Die weichere Abstimmung bringt aber auch mehr Aufbauneigung in Kurven mit sich. Mit vollem Kofferraum reagiert der BMW übrigens
geschmeidiger auf Bodenunebenheiten. Solange sie nicht zu grob ausfallen, denn dann stoßen die Dämpfer gelegentlich an ihre Grenzen. Das macht der Mercedes besser,
seine Feder-Dämpfer-Einheiten verfügen über mehr Reserven.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Bremsen: alles bestens. Gut zu wissen, dass man mit dem BMW 330i Touring und dem Mercedes C 320 T sportlich fahren, aber eben auch
angemessen verzögern kann. Ein weiterer Punkt, bei dem Vans bislang noch zu oft an ihre
Grenzen stoßen.

Fazit

1. Mercedes C 320 T
527 Punkte

Seine Ladekapazität und das komfortable Fahrwerk verhelfen dem Mercedes-Kombi gemeinsam mit der üppigen Ausstattung zum Sieg. Er verkörpert den angenehmen, eher zurückhaltenden Gefährten für die ausgedehnte Urlaubstour, der seine Passagiere auf Wunsch mit Eilzugtempo ans Ziel bringt. Allerdings ist auch der entsprechende Eil- zuschlag zu entrichten: beim Kauf und an der Tankstelle.

2. BMW 330i Touring
522 Punkte

Den Kauf dieses Kombis rechtfertigt allein der raubkatzengleiche Sechszylinder. Dass er zum Beschleunigen eines ansprechend großen Kofferraums dient, erleichtert die Entscheidung zusätzlich. Leider wertet die Automatik dieses Paket, das auch nicht ganz so üppig geschnürt ist wie das Mercedes-Pendant, spürbar ab. Darüber trösten selbst die überlegenen Fahreigenschaften nicht hinweg.

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Technische Daten
BMW 330i Touring Mercedes C 320 T Avantgarde
Grundpreis 38.150 € 42.166 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4478 x 1739 x 1409 mm 4541 x 1728 x 1466 mm
KofferraumvolumenVDA 435 bis 1345 l 470 bis 1384 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 3199 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 5900 U/min 160 kW / 218 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 243 km/h 242 km/h
0-100 km/h 7,6 s 7,7 s
Verbrauch 9,8 l/100 km 11,4 l/100 km
Testverbrauch 12,6 l/100 km
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