Doppeltest BMW 523i gegen Mercedes E 230

BMW Fünfer und Mercedes E-Klasse sind die begehrtesten Autos der Oberklasse.EinVergleich klärt ihre Qualitäten,eine Design-Kritik beurteilt ihr Styling.Was noch kommt,zeigt ein Blick in die Zukunft.

In der Oberklasse werden die Karten neu gemischt. Die Mercedes E-Klasse, seit einem halben Jahr sozusagen ungestört auf dem Markt, gerät jetzt durch den neuen Fünfer von BMW erstmals unter ernsthaften Konkurrenzdruck. Beide Modellreihen sind allerdings in der Anlaufphase, weshalb das volle Programm noch nicht erhältlich ist. Doch die wichtigsten Konkurrenzmodelle gibt es bereits: den Mercedes E 230, mit 30 Prozent Anteil bisher meistverkaufte E-Type, und den BMW 523i, den unmittelbaren Wettbewerber und mit einem Grundpreis von 58 500 Mark nur knapp unter dem Mercedes (58 995 Mark) liegend. Was die Preisgestaltung betrifft, sind die beiden deutschen Nobelhersteller bekanntlich nicht gerade zurückhaltend, was die selbstgesteckten Ansprüche betrifft, ebenfalls nicht: Sowohl BMW als auch Mercedes propagieren, das beste Auto dieser Klasse zu bauen. Nachdem die Einstandspreise der beiden Konkurrenten annähernd gleich sind, wird sich der Kaufentscheid im wesentlichen an den übrigen Qualitäten orientieren, die bei beiden Herstellern etwas unterschiedlich verteilt sind. Nehmen wir als erstes die Karosserie, eine klassische Domäne der Stuttgarter. In der Tat sammelt hier der Mercedes die meisten Punkte. Das wesentlich bessere Raumangebot hinten und der größere Kofferraum lassen sich objektiv nachprüfen. Der Fünfer hat immerhin eine umklappbare Rücksitzlehne anzubieten, bei Mercedes ist nur ein Skisack lieferbar. Insgesamt bietet der Mercedes dennoch die höhere Funktionalität, die sich in den praktischen Ablagen, der präzisen Sitzverstellung, den Türgriffen und vor allem bei der Übersichtlichkeit deutlich bemerkbar macht. Beim neuen Fünfer lassen die abfallende Motorhaube und das hochgezogene, durch Kopfstützen verbaute Rückfenster die Wagenenden nur erahnen. Unter diesen Umständen macht die auf Wunsch lieferbare, elektronische Einparkhilfe (Park Distance Control, 690 Mark) sogar Sinn. Vergleicht man die Grundausstattung, kann der BMW einen leichten Vorteil verbuchen. Schließlich hat er Radio, Lenkradverstellung, Leichtmetallräder und eine vollwertige Antriebsschlupfregelung ab Werk, während sich Mercedes mit einer elektronischen Anfahrhilfe (bis 40 km/h wirksam) begnügt, dafür aber auch hinten elektrische Fensterheber und serienmäßig eine Fernentriegelung anbietet. Insgesamt läßt sich mit der Grundausstattung leben.

Wer mehr möchte, hat alle Möglichkeiten, mit Hilfe der umfangreichen Aufpreislisten sein Konto zu plündern, wobei Mercedes bei den Extras noch etwas unverschämter zulangt als BMW. Man ist ja in der Oberklasse, und da darf eine Klimaautomatik ruhig 4945 Mark (BMW: 3700) oder Metallic-Lack 1679 Mark ( BMW: 1370) kosten. Wer so viel verlangen kann, muss auf anderen Gebieten ganz Besonderes bieten. Beispielsweise beim Fahrkomfort. Hier liegen beide Wettbewerber zweifellos an der Spitze ihrer Klasse, wobei BMW das Kunststück geglückt ist, die traditionell auf Komfort spezialisierte Marke Mercedes in einigen Punkten noch zu übertreffen. Etwa bei der Federung, wo der Fünfer Unebenheiten bis auf ganz lange Bodenwellen spürbar geschmeidiger wegsteckt als der Mercedes, oder in der Bedienung, die im BMW dank etwas geringerer Betätigungskräfte noch müheloser gerät. Den größten Komfortnachteil muss der Mercedes beim Innengeräusch hinnehmen. Höhere Windgeräusche und dominantes Motorbrummen stören im Vergleich zum säuselnden BMW-Motor den Komforteindruck nachhaltig. Daß dies nicht nur ein subjektives Empfinden ist, beweisen die Messwerte: Der Mercedes ist bei 160 km/h vom Schalldruck her fast doppelt so laut wie der BMW. Die schlechtere Akustik ist nicht der einzige Nachteil, den sich Mercedes mit der Wahl des Vierzylinders für den E 230 einhandelt. Zwar sind Leistung (150 PS) und Drehmoment (220 Newtonmeter) für sich betrachtet akzeptabel, aber in der vergleichsweise großen, nicht gerade leichten Limousine hält sich das Temperament in Grenzen. Im direkten Vergleich zum BMW 523i, der ja nicht nur das entscheidende Plus von zwei Zylindern aufzuweisen hat, sondern auch mehr Hubraum (200 Kubikzentimeter), mehr Leistung (20 PS), mehr Drehmoment (25 Newtonmeter), kurz gesagt den wesentlich komfortableren und auch potenteren Antrieb, fällt der Mercedes gravierend ab. Auch hier sprechen die Messwerte der Fahrleistungen eine deutliche Sprache, wobei sich in der Praxis vor allem die spürbar schlechtere Elastizität des Mercedes bemerkbar macht.

Sie ist auch das Resultat einer langen, ökonomisch ausgelegten Übersetzung, die häufiger nach Schaltvorgängen verlangt, welche im E 230, ganz im Gegensatz zum BMW, nach wie vor kein Vergnügen machen. Das Verbrauchsziel jedenfalls wurde erreicht: Im direkten Vergleich läuft der Mercedes etwas sparsamer als der BMW. Im richtigen Leben wird dieser geringfügige Verbrauchsvorteil durch die wesentlich besseren Antriebsqualitäten des BMW-Sechszylinders mehr als aufgewogen. Der neue Fünfer setzt sich auch in den Fahreigenschaften vor die E-Klasse. Er ist nicht nur kurvenwilliger und handlicher, sondern läuft auch besser geradeaus und bringt, wegen der gleichmäßigeren Gewichtsverteilung, die Kraft besser auf den Boden. Dass die E-Klasse ein sehr sicheres Auto ist, dafür sprechen die getroffenen konstruktiven Maßnahmen, vor allem aber auch die Ergebnisse des auto motor und sport-Crashtests. BMW lässt hier keinen Rückstand erkennen, wobei vergleichbare Crash-Daten noch nicht vorliegen. Dennoch macht Mercedes im Kapitel Sicherheit und Umwelt einen Punkt gut, da äußere Sicherheitsmerkmale wie Türgriffe oder Scheinwerfer funktioneller sind und der geringere Verbrauch eine niedrigere Abgasemission erwarten lässt. Trotz hoher Anschaffungskosten ist die Gesamtwirtschaftlichkeit der beiden Oberklasse- Limousinen keineswegs schlecht. Hierfür ist vor allem der erfahrungsgemäß hohe Wiederverkaufswert verantwortlich, der bei Mercedes immer noch etwas höher anzusetzen ist als bei BMW. Im Unterhalt rechnet sich der E 230 dazu ein wenig kostengünstiger als der 523i, so dass er auch dieses Kapitel mit einem Punkt vor dem BMW gewinnt. Dennoch: Der Vorsprung des 523i auf der Fahrwerks- und Antriebsseite lässt sich damit nicht mehr kompensieren. Er bleibt in diesem Vergleich eindeutig vorne.

Fazit

1. BMW 523i
111 Punkte

Positiv: HervorragendeAntriebsqualitäten, sehr gute Fahrleistungen, sehr guter Federungskomfort,niedriges Innengeräusch. Negativ: Unübersichtliche Karosserie, vergleichsweise knappes Raumangebot auf den Rücksitzen, zu tiefer Kofferraum

2. Mercedes E 230
106 Punkte

Großzügiges Raumangebot,geräumiger,gut nutzbarer Kofferraum,hohe Karosseriefunktionalität, sparsamer Motor. Akustisch aufdringlicher Vierzylindermotor, relativ lautes Innengeräusch,hakelige Schaltung,mäßige Fahrleistungen.

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Technische Daten
BMW 523i Mercedes E 230
Grundpreis 30.601 € 30.164 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4775 x 1800 x 1435 mm 4795 x 1799 x 1436 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l 520 l
Hubraum / Motor 2494 cm³ / 6-Zylinder 2295 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min 110 kW / 150 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 228 km/h 215 km/h
0-100 km/h 8,8 s 10,4 s
Verbrauch 9,7 l/100 km
Testverbrauch 11,4 l/100 km 9,7 l/100 km
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