Doppeltest BMW 528i gegen Lexus GS 300

Mit dem neuen Lexus GS 300 betritt ein ernstzunehmender Konkurrent die Oberklasse-Bühne. Ein Doppeltest gegen den BMW 528i klärt die Qualitäten des Japaners.

In Europa ist die Oberklasse fest in deutscher Hand. BMW, Mercedes und neuerdings auch Audi machen das Geschäft mit jenen Autos, die Leistung, Komfort und Prestige verbinden, weitgehend unter sich aus. Ausländische Hersteller haben es schwer, sich in diesem imagegeprägten Markt, dessen Preisrahmen zwischen 60 000 und 100 000 Markt pendelt, zu etablieren. Das mußte auch Toyota mit der in USA erfolgreichen Nobelmarke Lexus zur Kenntnis nehmen. Gerade mal 600 Stück konnten die Japaner im vergangenen Jahr von ihrer gegen Fünfer-BMW, Mercedes E-Klasse und Audi A6 positionierten Oberklasselimousine Lexus GS 300 hier absetzen. Mit dem neuen Modell, das seit Dezember 1997 bei den Händlern steht, soll eine gewaltige Steigerung stattfinden. Gut 1000 Stück, in diesem Segment immer noch eine bescheidene Verkaufszahl, werden für das laufende Jahr angestrebt.

Eine stilistisch gekonnt überarbeitete Karosserie, ein auf 222 PS erstarkter Sechszylindermotor, eine üppige Ausstattung und ein attraktiver Preis machen den Lexus GS 300 zu einem interessanten Angebot in dieser Kategorie. Gegen den in Automatikversion annähernd preisgleichen BMW 528i gewinnt er das Karosseriekapitel mit sicherem Vorsprung. Doch es ist weniger das grosszügigere Raumangebot, sondern die Ausstattung, die den Japaner nach vorne bringt. Elektrische Sitz- und Lenkradverstellung, Klimaautomatik, automatisch abblendende Rückspiegel, Audio-Anlage mit Cassettenteil sowie CD-Wechsler und anderes mehr setzen einen Standard, der bei BMW noch mal gut 12 000 Mark extra kostet. Da reicht selbst die wesentlich bessere Bedienungsfunktionalität des 528i nicht aus, diesen Vorsprung wettzumachen. Denn mängelfrei in diesem wichtigen Bereich sind beide nicht. Es fehlt an offenen Ablagen, und die Übersichtlichkeit nach hinten läßt zu wünschen übrig. An der hohen Verarbeitungsqualität der beiden Konkurrenten gibt es wenig auszusetzen. Bei BMW könnten die Passungen und Materialoberflächen besser sein, beim Lexus stören Wind- und Fahrwerksgeräusche.

Das vor allem bei höherer Geschwindigkeit ansteigende Windgeräusch übertönt bei weitem den angenehm ruhig laufenden Reihensechszylinder des Lexus, während beim insgesamt leiseren BMW der Motor als dominante, aber nicht störende Geräuschquelle auftritt. Objektiv leise sind beide Limousinen, größere Unterschiede lassen sich bei der Federung feststellen. Hier liegt eindeutig die Domäne des BMW, der große wie kleine Unebenheiten perfekt und ohne starke Karosseriebewegungen wegsteckt. 


Der Lexus neigt bei Querfugen zum Stuckern, wankt mehr, insbesondere bei Beladung, und hat auch einen spürbar schlechteren Langsamfahrkomfort. Prima Klima bieten beide, wenn man sich beim BMW zur Anschaffung (Aufpreis 3700 Mark) der eigentlich in dieser Klasse selbstverständlichen Klimaanlage entschließt. Konservative, aber gleichwohl hochmoderne Technik charakterisiert den Antrieb der beiden Nobel-Limousinen.

Längs eingebaute Reihensechszylinder mit 2,8 (BMW) und drei Liter (Lexus) Hubraum sorgen für standesgemäße Fortbewegung und leiten die Kraft ganz konventionell jeweils über eine klassische Fünfgangautomatik via Kardanwelle und Differential auf die Hinterräder. Das Drehmoment beider Motoren reicht sowohl für eine äußerst zügige Fortbewegung wie auch für komfortables, aber dennoch kraftvolles Beschleunigen aus praktisch jeder Situation heraus. Nach den nur marginalen Unterschieden bei den Meßwerten zu schließen, scheint die effektive Leistung der beiden Konkurrenten enger beisammenzuliegen, als dies die technischen Daten (BMW 193 PS, Lexus 222 PS) glauben machen wollen. Hoher Komfort auch bei den Automatikgetrieben, wo BMW mit der adaptiven Getriebesteuerung und der zusätzlichen manuellen Schaltmöglichkeit über die Steptronic das modernere Konzept offeriert.

Doch fast genausogut funktioniert das Lexus-Getriebe, das durch eine Wähltaste für Normal-, Sport- und Winterprogramm beeinflußt werden kann. Es reagiert im Normalprogramm etwas träger als die BMW-Automatik. Der Wählhebeleingriff wird durch eine nicht unbekannte Schaltkulisse erleichtert. Mercedes-Fahrer werden sich auf Anhieb zurechtfinden. Dafür ist das Lexus-Getriebe harmonischer abgestuft. Der BMW nervt mit seiner viel zu langen Schonübersetzung im fünften Gang, die auf der Autobahn zu häufigen Rückschaltvorgängen führt. Der Schongang ist sicher auch nicht der Grund für den günstigeren Benzinverbrauch des BMW, der vorzugsweise bei dynamischer Fahrweise auf Landstraßen deutlich unter dem des Lexus liegt. Der braucht rund einen Liter mehr als der BMW. Dennoch schafft der Lexus im Antriebskapitel ein Patt gegen den 528i. Der etwas laufruhigere Motor und das besser gestufte Getriebe sind die Gründe. In den Fahreigenschaften aber hat der Lexus trotz serienmäßiger Fahrdynamikregelung VSC (Vehicle Stability Control) keine Chance, am BMW vorbeizuziehen.


Beide operieren zwar auf höchstem Niveau, sind nur mit Gewalt vom rechten Wege abzubringen und lassen auch sonst kaum Wünsche offen – nur ist der BMW selbst mit der serienmäßigen Servolenkung wesentlich handlicher. Der Lexus profitiert von seiner geschwindigkeitsabhängigen Lenkhilfe ausschließlich beim Parken und im Stadtverkehr. Bei BMW kostet diese als Servotronic 390 Mark Aufpreis, die DSC (Dynamische Stabilitäts Controlle) genannte Fahrdynamikregelung gibt es vorläufig nur im 540i Automatik. Keine Mängel gibt es bei den Bremsen. Beide Testwagen verzögerten sehr gut, wobei die geringfügigen Differenzen einen kleinen Vorteil für den Lexus bedeuten.

In der Sicherheit liegen beide Konkurrenten ganz eng beieinander, wobei der BMW seinen hauchdünnen Sieg in diesem Kapitel in erster Linie den serienmäßigen Kopfairbags (ITS) und den auf Wunsch lieferbaren integrierten Kindersitzen (500 Mark Aufpreis) verdankt. Hauchdünn ist auch der Vorsprung, den der 528i in der Eigenschaftswertung unter dem Strich gegen den Lexus herausfährt. Drei Punkte oder knapp ein Prozent sind kein großes Polster für die Endrunde zur Gesamtwertung, wo es um die Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit geht. In Sachen Umwelt verliert der Lexus wegen seines höheren Kohlendioxid-Ausstoßes beim Verbrauchstest (nach EG) fünf Punkte.

Da jedoch der Lexus hinsichtlich der reglementierten Abgase bereits die schärfere D3-Norm erfüllt, der BMW noch bei Euro 2 verharrt, kann er diesen Punktverlust wieder wettmachen. Die Überraschung bringt der Saldo der Kostenrechnung: Der preisgünstigere BMW mit seinem voraussichtlich geringeren Wertverlust, seinen niedrigeren Festkosten und über die Laufzeit gerechnet (100 000 km) günstigeren Kraftstoffkosten schlägt den Lexus in diesem Kapitel deutlich. Schließlich wurde dem BMW die schlechtere Ausstattung bereits bei der Karosseriebewertung angelastet. So bleiben in der Gesamtbilanz dem BMW zehn Punkte Vorsprung zum Lexus. Nicht viel, wenn der Image-Vorteil nicht wäre.

Fazit

1. BMW 528i
607 Punkte
2. Lexus GS 300
597 Punkte
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Technische Daten
Lexus GS 300 BMW 528i
Grundpreis 38.633 € 36.660 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4805 x 1800 x 1445 mm 4775 x 1800 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 510 l 460 l
Hubraum / Motor 2997 cm³ / 6-Zylinder 2793 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 163 kW / 222 PS bei 5800 U/min 141 kW / 192 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h 234 km/h
0-100 km/h 8,2 s 8,4 s
Verbrauch 11,4 l/100 km 10,7 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km 12,0 l/100 km
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