Doppeltest BMW 740i gegen Mercedes S 420

BMW hat seine Achtzylinder stark überarbeitet und das Programm mit dem 4,4 Liter-Motor gekrönt. Wie steht der BMW-V8 im Vergleich zum 4,2 Liter von Mercedes da? Ein Vergleich zwischen 740i und S 420 soll diese Frage klären.

Wenn die Motorbezeichnung V8fällt, leuchten die Augen undklingeln die Ohren. Sofort denktman an die brabbelndenAchtzylinder der amerikanischenStraßenkreuzer. Aber auch in deralten Welt beherrscht man die hoheKunst der Achtzylinder. Bei BMW und Mercedes setzt man allerdings statt auf Hubvolumen von bis zu sieben Litern auf High Tech in der Entwicklung. Dennoch hat man bei BMW den alten Konstrukteursspruch vom Hubraum, der durch nichts zu ersetzen ist, nicht vergessen.



Mußte der große BMW V8
bis zur umfassendenModellpflege mit einem Hubvolumenvon vier Litern auskommen, ist er jetzt auf 4,4 Liter vergrößert worden. Bisher war der Vierliter ein drehfreudiger Kurzhuber mit leichter Drehmomentschwäche.Beim 4,4 Liter- Aggregat wurde das Bohrungs- Hub-Verhältnis zugunsten einer langhubigen Charakteristik auf 82,7 zu 92,0 Millimeter geändert.Mit der Vergrößerung legte das maximaleDrehmoment immerhin um 20 auf 420 Newtonmeter zu und steht jetzt schon bei 3900/min statt wie bisher erst bei 4500/min zur Verfügung.

An Drehwilligkeit hat der
Motor durch diesen Eingriff allerdings nichts eingebüßt. Zusätzliche Pferdestärken waren nicht das Ziel der Entwickler, so blieb die Leistung bei 286 PS. Mit 279 PS ist das 4,2 Liter- Aggregat von Mercedes ähnlich kräftig. Im technischen Aufbau unterscheidet es sich kaum von seinem bayerischen Pendant. Beibeiden sind jeweils die Zylinderblöckeund -köpfe aus Aluminiumlegierungengegossen. In den Köpfen rotierenje zwei Nockenwellen, die vierVentile pro Zylinder betätigen. Auch der Spreizwinkel zwischen den Zylinderbänken ist mit 90 Grad gleich groß. Ein deutlicher Unterschied besteht allerdings beim Verhältnis zwischen Zylinderbohrung und Kolbenhub, denn der 4,2 Liter-Mercedes-Achtzylinder ist mit 92,0 zu 78,9 Millimetern ein Kurzhuber.

Unterschiede auch beimDrehmoment, denn der 420erentwickelt 20 Newtonmeter wenigerals der 4,4 Liter. Erwartungsgemäß hat der leichtere BMW 740i beim Sprint von null auf 100 km/h mit 7,6 Sekunden die Niere vorn, der S 420 erreicht Tempo 100 erst 0,8 Sekunden später. Aber auch jenseits von 100 km/h fühlt man sich im Siebener besser motorisiert. Er gibt dem Fahrer das Gefühl, stets ein Maximum an Kraft in petto zu haben, und scheint nur darauf zu warten, sie abzugeben.



Der schwerere Mercedes wirkt im direkten Vergleich etwas behäbiger, was die Fahrleistungen speziell im oberen Geschwindigkeitsbereichunterstreichen. Unterstützt wird der Eindruck des Gemächlichen von der sehr gut abgestimmten Mercedes- Fünfgangautomatik. Die schaltet nämlich nur dann, wenn es sein muß, und nie mehr als eine Fahrstufe zurück. Etwas zappelig wirkt dagegen die ebenfalls mit fünf Gängen bestückte Automatik im BMW. Zwar sind die Schaltvorgänge genauso perfekt und ruckfrei wie beim S 420, die Automatik wirkt aber in dem Bemühen, immer die richtige Übersetzung parat zu haben, weniger souverän. Das heißt, daß sie auch mal zwei Gänge herunterschaltet, wenn das Gaspedal voll durchgetreten wird.


So verleitet der 740i eher
zumschnellen Fahren als der Mercedes.Diesen Charakter unterstreicht BMW durch zwei Optionen. Die Automatik bietet neben dem normalen Schaltprogramm ein Sportprogramm,das aber nur die unteren vier Gänge nutzt. Durch das unsinnige Ignorieren des langen fünften Gangs treibt sie so Geräusch und Verbrauch in dieser Stufe in die Höhe.

Neben der Automatikgasse
der BMW-Steptronic liegt eine weitere Ebene, in der von Hand geschaltet werden kann. Diese sequentielle Schaltung macht es möglich, die Gänge auch manuell zu wechseln. Läßt man den BMW-Schalthebel aber in der normalen Automatikstellung, verbraucht der Siebener trotz besserer Fahrleistungen etwas weniger als die S-Klasse.Mit 15,4 Liter pro 100 Kilometerlag er im Test um 0,2 Liter unterdem Kraftstoffkonsum des Mercedes.

Sparkünstler
können den Verbrauch bei beiden unter die Zehn-Liter- Marke drücken. Im Extremfall begnügt sich der 740i mit 9,3 Litern auf 100 Kilometer, und der S 420 kann dieselbe Strecke mit 9,8 Liter Benzin schaffen. In Sachen Laufkultur gibt es über den BMW-Motor soviel Gutes zu berichten wie über das Mercedes-Aggregat. Hätte man keinen Drehzahlmesser zur Kontrolle, könnte man im Stand glatt vergessen, daß man die Motoren bereits gestartet hat. Typisches Achtzylinderbrummeln ist beiden Triebwerken fremd, selbst bei hohem Tempo ist nur ein leises Zischeln zu hören. Reifenabroll- und Windgeräusche sind im 110 000 Mark teuren BMW eine Spur leiser.

Mit Meßwerten läßt sich dieser subjektive Eindruck allerdings nicht belegen. Beim vollen Beschleunigen machtwiederum der V8 des Siebenersetwas mehr auf sich aufmerksam.Hier klingt das dunkle Motorgrollendeutlicher bis zum Fahrerohr als im 17 363 Mark teureren 420erMercedes. War bisher die großeKlasse aus Stuttgart tonangebendin Sachen Federung, so muß sie sich jetzt auf den zweiten Platz verdrängt sehen. Das Fahrwerk des großen BMW beherrscht alle Federungsdisziplinen besser.


Auf der Autobahn sind die Unterschiede zwar nur minimal, aber feststellbar. Nach langen Bodenwellen schwingt die S-Klasse länger aus als der Siebener. Kurze Bodenwellen verdaut der 740i ebenfalls besser als der S 420. Deutlicher werden die Differenzen, wenn man die Autobahn mit ihren langen Geraden verläßt und die Autos auf kurvigen Landstraßen bewegt. Sofort fallen die im Vergleich zum BMW starken Karosseriebewegungen des Mercedes in schnellgefahrenen Kurven auf. ImGegensatz zur S-Klasse liegt derSiebener satter auf der Straße undbietet darüber hinaus auch denbesseren Komfort, und das beibesserer Handlichkeit.

Mercedes S 420 nebeneinander und der Betrachter vor ihnen, scheinen sie nicht in dieselbe Fahrzeugklasse zu gehören. Die S-Klasse wirkt beträchtlich größer als der Siebener. Tatsächlich aber ist der S 420 nur zweieinhalb Zentimeter breiter als der 740i und gut fünf Zentimeter höher. Aber vor allem der Höhenunterschied und das fülligere Styling sorgen für eine optische Täuschung. Die größeren Abmessungen der S-Klasse, zu denen noch ein Längenüberschuß von knapp 13 Zentimetern kommt, haben aber Vorzüge beim Raumangebot. Auch wenn ein Zweimetermann hinter dem Volant sitzt, findet ein ebenso großer Fondpassagier immer noch ausreichend Platz, um seine Beine bequem ausstrecken zu können.
Im BMW wird es für den langen Hinterbänkler schon eher knapp, wenn auch der Fahrer überdurchschnittlich groß ist. Aber vorn ist das Raumangebot im Siebener optimal zugeschnitten. Dort hält sich der typische Siebener-Käufer sowieso eher auf als im Fond. Denn der neue Motor bringt noch mehr Fahrspaß, als der Siebener ohnehin schon bot.
Technische Daten
Mercedes S 420 BMW 740i
Grundpreis 65.119 € 65.139 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5113 x 1886 x 1486 mm 4984 x 1862 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 525 l 500 l
Hubraum / Motor 4196 cm³ / 8-Zylinder 4398 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 205 kW / 279 PS bei 5700 U/min 210 kW / 286 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h 250 km/h
0-100 km/h 8,4 s 7,6 s
Verbrauch 15,0 l/100 km 13,5 l/100 km
Testverbrauch 15,6 l/100 km 15,4 l/100 km
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