Doppeltest BMW M3 Coupé gegen Porsche 911 Carrera

Foto: Hans-Dieter Seufert

Viersitzer gegen Zweisitzer, Frontmotor gegen Heckmotor, sportlicher Wagen gegen Sportwagen, BMW M3 gegen Porsche 911 Carrera. Nach der Überarbeitung des 911 geht das Duell zwischen Deutschlands Sportskanonen in eine neue Runde.

Vergleiche wie dieser plagen den Porsche 911 nicht erst seit gestern. Lästige Konkurrenz aus dem Lager der Familienkutschen piesackt Deutschlands Sportwagen Nummer eins, seit es ihn gibt. Und das sind mittlerweile fast 40 Jahre.

Vor allem BMW ließ nichts unversucht, den reinrassigen Sportautos mit aufgemöbelten Limousinen aus der Großserie die Kundschaft abspenstig zu machen. Heute obliegt diese Aufgabe dem M3. Der läuft zwar unter der Bezeichnung Coupé, weist aber mit vier vollwertigen Sitzplätzen und großem Kofferraum alle Merkmale einer zweitürigen Limousine auf.

Gleichwohl gelang es dem sportlichsten Ableger der Dreier-Reihe, der Sportwagenlegende namens 911 auf deren angestammten Terrain die Führung streitig zu machen – Grund genug für Porsche, tätig zu werden und dem Vorturner in Sachen Sportlichkeit ein Doping zu gönnen.

Mehr Hubraum, mehr Leistung und mehr Drehmoment steigern ab sofort die Sprinterqualitäten. Hinzu kommen Optimierungsmaßnahmen am Fahrwerk, neue, leichtere Räder sowie eine verbesserte Aerodynamik zur Verringerung des Auftriebs.

So stehen nun 320 PS statt vormals 300 PS zur Verfügung, was die Distanz zum PS-strotzenden M3 zumindest weniger peinlich aussehen lässt. Dort werden nach wie vor 343 PS geboten. Doch weiß der Sportwagenfreund, dass er die Rechnung nicht ohne das Gewicht machen sollte. Zieht man dieses ins Kalkül, dann ergibt sich ein hauchdünner Vorsprung für den Porsche: Pro PS fallen hier 4,55 Kilogramm Eigengewicht an, beim M3 sind es 4,58 Kilo.

Vorteile verbucht der 911 dank dem größeren Hubraum und seiner neuen variablen Ventilsteuerung auch beim Drehmoment. Dessen Verlauf zeichnet sich durch mehr Fülle bei niedrigen Drehzahlen aus und gipfelt bei 4.250/min in einem Maximalwert von 370 Newtonmetern. Der hochtouriger ausgelegte BMW-Motor begnügt sich hingegen mit 365 Nm bei 4.900/min.

Auf der Piste entpuppt sich der Zahlenvergleich freilich als eine ziemlich akademische Angelegenheit. Beide Kontrahenten begeistern mit Sechszylindermotoren, die auf der Welt ihresgleichen suchen. Hier wie dort hat man es mit einem Sportwagenaggregat reinsten Wassers zu tun, wobei die Unterschiede vorwiegend sinnlicher Natur sind.

Beim M3 ist es besonders das schier grenzenlose Drehvermögen seines Reihensechszylinders, das stimuliert. Sonor tönend und völlig unangestrengt strebt er in Bereiche weit jenseits des Üblichen. Erst bei 8.200/min bereitet der Drehzahlbegrenzer der Lust ein Ende.

Aber auch in zivileren Drehzahlgefilden kommt keine Langeweile auf. Wer die sechs Drosselklappen an den Anschlag bringt, darf bereits bei weniger als 4.000 Touren mit ebenso spontaner wie kräftiger Beschleunigung rechnen. Spaßig ist auch der Sport-Schalter, der mittels Eingriffs der Elektronik den Biss beim Gasgeben noch intensiviert.

Mindestens ebenso anregend freilich der Boxermotor von Porsche: In Folge der Überarbeitung nimmt er nun bereits im unteren Drehzahlbereich begierig Gas an, atmet aber auch oben besser durch. Zwar bleibt ihm der 8.000er-Bereich vergönnt (bei 7.200/min wird abgeregelt), aber dafür reagiert er auf Gaspedalbewegungen noch agiler und begeistert obendrein durch seine fabelhafte Geschmeidigkeit, die selbst den Reihensechszylinder des BMW in den Schatten stellt.

Zugleich mangelt es keineswegs an sportlichen Geräuscheffekten. Spätestens bei 5.000/min trompetet das neue 3,6-Liter-Triebwerk aus vollem Rohr, und das so virtuos, dass man dem 911 die höheren Phonwerte im Innenraum gern verzeiht. Zumal die Geräuschkulisse weniger an den Nerven zerrt als die Windgeräusche des BMW, die dort bei hohem Tempo dominieren.

Klangbild und Antriebsmoment lassen sich bei beiden mittels tadellos abgestufter Sechsganggetriebe dirigieren, wobei die BMW-Schaltung eine Idee präziser, der Porsche-Knüppel dagegen etwas leichtgängiger die Gänge wechselt. Beide Kandidaten erreichen Tempo 100 noch im zweiten Gang und das, sofern voll beschleunigt, praktisch gleichzeitig. Erst über 160 km/h vermag der 911 den M3 langsam, aber stetig hinter sich zu lassen. Und während BMW mehr als Tempo 250 per Abregelung untersagt, kann im 911 bei reichlich Anlauf bis zu 287 km/h gefahren werden.

Abseits der Autobahnen dürfte es dem 911-Fahrer jedoch schwer fallen, einen M3 abzuschütteln. Bei ausgeprägt neutralem Eigenlenkverhalten erreicht der üppig bereifte Dreier ohne großen fahrerischen Einsatz enorme Kurvenbeschleunigung, wobei das serienmäßige Stabilitätsprogramm DSC notfalls sanft, aber effektiv einschreitet.

Wer es abschaltet, kann dank der fast ständig vorhandenen Überschussleistung auch schon mal mit dem Gaspedal lenken, vorzugsweise natürlich auf abgesperrter Strecke. Ohnehin sind es Rennpisten, zumal wenn sie topfeben sind, die den M3 von seiner besten Seite zeigen.

Denn je schlechter die Qualität des Belags, desto mehr leiden Mensch und Maschine unter der brettharten Federung. Selbst auf der Autobahn kommen beide nur selten zur Ruhe, und auf Landstraßen zweiter Ordnung wünscht man sich, zu Hause geblieben zu sein, oder eine andere Route gewählt zu haben.

Dass so viel Härte auch bei einem sportlichen Gefährt nicht sein muss, beweist der Porsche. Dessen Fahrwerk lässt zwar die Insassen über den Zustand der Straße nicht im Unklaren, federt aber grobe Stöße zuverlässig ab.

Zugleich kann man über mangelndes sportliches Talent nicht klagen. Es gibt nur wenige Straßenautos, die derart herzlich mit dem Fahrer kommunizieren, Informationen über den Fahrzustand so gefühlsecht übermitteln und ähnlich spontan und präzise reagieren.

Da kann auch der M3 nicht mithalten. Andererseits lässt sich bei allem Fortschritt nicht leugnen, dass Heckmotorautos im Extremfall, zumal bei geringem Reibwert des Untergrunds physikalischen Gesetzen folgen, die der Fahrstabilität nicht dienen. Beim diesbezüglich abermals verbesserten 911 zeigt sich das speziell in sehr schnell gefahrenen Wechselkurven, die im Vergleich zum M3 nach wie vor wachere Reaktionen und mehr Fingerspitzengefühl erfordern. Es sei denn, man gönnt sich ESP, das bei Porsche PSM heißt und mit einem Aufpreis von 1.928 Mark behaftet ist.

So lässt sich auch am Ausgang dieses Duells nicht rütteln. Der 911 ist immer noch der bessere Sportwagen. Aber der M3 ist mehr: Er ist geräumiger und praktischer. Vor allem aber ist er 40.000 Mark billiger. Sieg nach Punkten.

Fazit

1. BMW M3
522 Punkte

Der M3 bietet mehr Platz als der 911, ist aber kaum langsamer und obendrein rund 40.000 Mark billiger. Die harte Federung nimmt dem Angebot allerdings einiges an Reiz.

2. Porsche 911
512 Punkte

Der 911 ist teuer, kann aber genau das, was ein Sportwagen können muss: Er ist nicht ganz so leicht zu fahren, macht aber immer Spaß und hat einen Motor der Extraklasse. Dafür fehlt es an Kofferraum und am serienmäßigen ESP.

Zur Startseite
Technische Daten
Porsche 911 Carrera BMW M3 Coupé
Grundpreis 74.504 € 56.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1770 x 1305 mm 4492 x 1780 x 1372 mm
KofferraumvolumenVDA 130 l 410 l
Hubraum / Motor 3596 cm³ / 6-Zylinder 3246 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 235 kW / 320 PS bei 6800 U/min 252 kW / 343 PS bei 7900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h 250 km/h
0-100 km/h 5,2 s 5,4 s
Verbrauch 11,0 l/100 km 11,9 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km 12,5 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV Skoda Kamiq (China 2018) Kompakt-SUV für China zum günstigen Preis Nissan Altima-te AWD Kettenfahrzeuge aus aller Welt Die schärfsten Kisten mit Ketten
Promobil
Hymer B MC Frankia I 890 GD Bar Alle Integrierten 2019 8 Integrierte im Check
CARAVANING
Ford Ranger Pick-up mit Power Ford Ranger zieht 15 Caravans Automatikgetriebe Automatik-Getriebe im Vergleich Effizient und schnell Schalten
Anzeige
Alle Automarken von A-Z
Markenbaum Sideteaser Erlkönige, Neuvorstellungen und Tests von allen Marken
Gebrauchtwagen Angebote