Doppeltest BMW Z3 M Roadster gegen Porsche 911 Carrera Cabrio

Ein Klassiker der Sportwagenwelt, der Porsche Carrera, bekommt auf seine alten Tage jugendliche Konkurrenz. Mit der leistungsstärksten Z3-Variante hat BMW einen Fuß in der Tür hochkarätiger offener Zweisitzer.

Nicht alle Vergleiche sind so kontrastreich wie dieser. Es handelt sich ja nicht einfach nur um zwei teure, starke Sportwagen. Die Tatsache allein, daß der eine der beiden ein Porsche Carrera ist, zeigt schon die Besonderheit. Er ist nicht nur ein schnelles Auto, sondern mehr noch eine über Jahrzehn- te gewachsene Legende, wenn man so will, sein eigenes Denkmal. Alles am Carrera ist unverwechselbar, der hinten liegende luftgekühlte Sechszylindermotor, die in der Grundlinie seit dem Debütjahr 1964 unveränderte Linie, das stämmige Auf-der-Straße-sitzen, wie es ein Liebhaber einmal ausdrückte.

Daneben nun der Youngster von BMW, noch ganz ohne Tradition, aber nicht ohne Selbstbewußtsein. Hoppla, jetzt komm ich, scheint der M Roadster mit seinen dicken Backen und den vier Ausströmern hinten zu rufen. Nieder mit dem Establishment! Mit dem braven Achtzehnhunderter der Grundversion hat der 321 PS leistende Über-Z wirklich nur noch die Linie gemeinsam – bereit, es auch einem Porsche zu zeigen. Doch das Denkmal aus Stuttgart- Zuffenhausen bleibt angesichts der jüngsten Konfrontation cool. Es weiß ganz offensichtlich, daß es auf eine Kundenund Fan-Loyalität bauen kann, die auch im Bereich der Emotions- Autos wahrhaft einzigartig sein dürfte. Auch der M Roadster wird sich schwertun mit den Porsche- Freaks.

Jung, wie er ist, hat er noch keine Gemeinde, wohl aber verlockende Zutaten. Dazu zählt nicht nur der klassische Reihensechszylinder als Frontmotor, sondern auch ein Karosseriezuschnitt, der – an ders als beim 911 – von vornherein auf reine Zweisitzigkeit und Roadsterverdeck konzipiert wurde. Den Carrera gibt es seit 1981 als Cabrio – wenn man so will, nachträglich aufgeschnitten, doch inzwischen von einer solchen Karosserieperfektion, daß sich auch jüngere Konkurrenten im direkten Vergleich schwertun. Jenseits der Emotionen, die sowohl das Carrera Cabrio als auch der M Roadster aufgrund ihrer optischen Effekte zu erwecken vermögen, schlägt bei sachlicher Wertung im Karosseriebereich die Stunde des Oldies.

Es klingt ja bei solch gummibereiften Träumen ein bißchen profan und spießig, von Platzverhältnissen oder Zuladung zu sprechen, und doch ist es ein Thema. Der Porsche entscheidet es klar für sich, mit einer rund doppelt so hohen Zuladung (340 kg), zwei vollwertigen Notsitzen im Fond, die bei Nichtbenützung gleich zeitig das Kofferraumvolumen klar über das mit 165 Litern winzige des M Roadsters liften. Gute Sitze haben sie beide, der M Roadster sogar Lederausstattung serienmäßig, doch der Porsche bietet nicht nur das bessere Raumgefühl, sondern die nochmals bessere Karosseriestabilität. Sie ist mit ihrer nur minimalen Verwindungsneigung bei offenen Autos bereits zum Maßstab geworden, und auch der für sich betrachtet sehr solide wirkende BMW kommt an diesem Stabilitätsgipfel nicht vorbei.

Für die Z-Karosse spricht etwas, was sich in einer Punktewertung sachlich kaum dokumentieren läßt, das eng mit der ausschließlichen Zweisitzigkeit und den beiden Sitznischen verbundene Roadster-Gefühl. Man nimmt den M zur Brust wie einen modernen Austin-Healey. Der Porsche hat gerade das nicht, er bleibt ein nachträglich aufgesäbeltes Coupé. In der Verdeckbedienung gibt es keine größeren Differenzen, denn elektro-hydraulische Betätigung ist bei beiden Sportwagen Standard.

Daß die Stoffplane des BMW Z3 ungefüttert ist und Einblicke ins Gestänge erlaubt, stellt sich nicht als gravierender Mangel heraus. Dieser hat speziell in diesem Bereich eine ganz andere Dimension und die heißt Geräusch. Man braucht kein Phon-Meßgerät, um dem Carrera gerade bei schneller Autobahnfahrt zum deutlich leiseren Objekt zu erklären. Im M Roadster faucht der Wind und läßt lange Etappen nicht gerade zu einem Ohrenschmaus werden. In Zahlen ist es so, daß der BMW bei Tempo 160 auf nicht weniger als 84 dB(A) kommt, während der Carrera 82 verbucht. Bei der Funktionalität gibt es da wie dort nichts auszusetzen.

Daß der Carrera mit links gestartet wird, ist eine Porsche- Marotte wie der in der Mitte des Armaturenbretts plazierte Drehzahlmesser. Er ist, auch vom Format her, wie ein Symbol, das die Bedeutung der Maschine im Heck würdigt. Wenn man Gas gibt, ist es da, das einmalige, inzwischen nicht mehr ganz so heisere Auspuffgeräusch, das dieses Unikat im Motorenbau – sechszylindrig boxend, mit einem Axialgebläse gekühlt – von sich gibt. Was man nicht hört, ist die Zweiventiligkeit des 3,6 Liters. Mit einer maximalen Leistung von 285 PS liegt der Porsche- Boxer nominal nicht unbeträchtlich unter der vierventiligen M Power-Bombe des BMWRoadsters, die bei 3,2 Liter Hubraum 321 PS mobilisiert. Weitere Besonderheit: Der Porsche hat serienmäßig ein Sechsganggetriebe, der BMW ist mit den üblichen fünf Gängen bestückt.

Damit und mit der ausgezeichneten Schaltexaktheit fühlt man sich allen Situationen gewachsen, doch der Kontakt mit dem Carrera zeigt, daß sechs Gänge in Sportwagen dieses Kalibers durchaus Sinn machen. Auch das Carrera-Getriebe schaltet sich exakt, und was sich bei Nutzung der kurzen Gangsprünge herausholen läßt, scheint aller Ehre wert. Überraschend ist allerdings, daß der M Roadster noch ein bißchen besser geht. Das Gefühl spricht zweifellos eine andere Sprache, was mit der ungleichförmigeren Leistungscharakteristikdes Carrera zusammenhängt. Erst ab 4000 Touren „schießt“ er, wie Ferry Porsche einmal sagte, während der BMW-Sechszylinder kontinuierlicher zulegt und weniger Gewalt zeigt. Doch die Gewalt ist da. Spätestens bei Nässe zeigt der in fünf Sekunden auf 100 brüllende Z, daß er – wie der Porsche ohne Antriebsschlupfregelung – einen kundigen Gasfuß verlangt. Der hecklastige Porsche ist hier klar überlegen, speziell auf welliger Bahn. Wie er seine Kraft auf den Boden bringt, wie unmittelbar dies alles wirkt, macht ihm niemand nach.

Daß das Carrera Cabrio notfalls 20 km/h schneller läuft, sollte man einem Sportwagen ebenfalls nicht verübeln. Erstklassige Bremsen haben sie beide, auch in der Standfestigkeit steht der BMW dem Brems-König Porsche nicht nach. Im Benzinverbrauch zeigt sich der BMW mit einem Testkonsum von 12,3 Liter überlegen (Porsche 13,8 L). Der BMW bietet außerdem die bessere Handlichkeit, die zum Teil auch mit der leichtgängigeren Lenkung zusammenhängt, der Porsche hat die bessere Traktion. Die Kurvengeschwindigkeiten liegen bei beiden extrem hoch und weisen schon dadurch ein hohes Sicherheitspotential auf. Daß der M Roadster im Federungskomfort besser abschneidet, ist erstaunlich. Gleichwohl können die Heckmotorfans in Würdigung des Gesamtergebnisses aufatmen, auch wenn der BMW knapp gewinnt. Der Carrera bleibt in der Eigenschaftswertung ungeschlagen und damit das, was er schon immer war: ein alter Meister in Öl.

Fazit

1. BMW M Roadster
586 Punkte
2. Porsche 911 Carrera Cabrio
584 Punkte
Technische Daten
Porsche 911 Carrera Cabriolet BMW M Roadster
Grundpreis 81.776 € 48.368 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1765 x 1305 mm 4025 x 1740 x 1266 mm
KofferraumvolumenVDA 130 l 165 l
Hubraum / Motor 3387 cm³ / 6-Zylinder 3201 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 221 kW / 300 PS bei 6800 U/min 236 kW / 321 PS bei 7400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h 250 km/h
0-100 km/h 5,3 s 5,1 s
Verbrauch 11,7 l/100 km 11,1 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km 12,3 l/100 km
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