Doppeltest BMW Z3 M Roadster gegen Porsche Boxster S

Der neue Porsche Boxster S mit 252 PS ist in eine Preisklasse aufgerückt, in der BMW mit dem M Roadster einen erheblich stärkeren Sportwagen zu bieten hat. Kann der Porsche da mithalten?

Als der Lastwagen die linke Autobahnspur endlich frei macht, gibt der Fahrer des M Roadsters Vollgas. Im dritten und im vierten Gang jubelt der Reihensechszylinder bis an seine Drehzahlgrenze von 7700/min.

Der nachfolgende Pilot des Porsche Boxster S quetscht den neuen, jetzt 3,2 Liter großen Sechszylinder-Boxermotor ebenfalls bis zur Abregeldrehzahl (7200/min) aus. Aber es bleibt vergebliche Liebesmühe: Der BMW, dessen Maschine bei gleichem Hubraum 69 Pferdestärken mehr mobilisieren kann, zieht dem Porsche gnadenlos davon, bis der zu einem kleinen roten Punkt im Rückspiegel geworden ist. Das reine Powerplay, soviel ist klar, verliert der Boxster S. Gegen den nicht nur optisch prachtvollen M-Sechszylinder hat er keine Chance. Auch nicht, was den Durchzug aus dem unteren Drehzahlbereich angeht. Der BMW-Motor beantwortet das Öffnen seiner sechs Drosselklappen, das wegen der rein mechanischen Übertragung einen gut trainierten Gasfuß erfordert, schon bei 1500 Umdrehungen mit aggressivem Antritt und mächtigem Schub. Die Boxster-Maschine blieb dagegen ein Triebwerk, das viel Drehzahl braucht, um sein Feuer zu entfalten. Der Charakter hat sich gegenüber der bisherigen 2,5-Liter-Version nicht grundsätzlich gewandelt. Der volle Schub setzt zwar jetzt spürbar früher und ent- sprechend der fülligeren Drehmomentkurve kraftvoller ein (siehe auch Test Heft 14/99).

Aber an die beinahe schon brutale Kraftentfaltung des BMW-Motors kommt der Porsche- Sechszylinder nicht heran. Da sprechen die Drehmomentdaten Klartext: Das Maximum liegt beim langhubigen BMW-Triebwerk nicht nur deutlich höher als beim kurzhubigen Porsche-Motor, es wird auch bei geringerer Drehzahl erreicht. Nun ist Leistung, auch beim Sportwagen, nicht alles. Ob in 5,4 oder in 6,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt werden kann, mag ein nettes Stammtischthema sein, aber in der Realität der Straße ist es ähnlich bedeutungslos wie die 260 km/h Höchstgeschwindigkeit, die der Boxster zu erreichen vermag. Porsche legt sich, im Gegensatz zu BMW, keine elektronische Selbstbeschränkung auf. Auch der sportlichste BMWRoadster macht bei 250 km/h Schluß, aber die erreicht er quasi im Handumdrehen. Tatsächlich so schnell fahren möchte man eigentlich nicht, auch nicht bei geschlossenem Verdeck.

Denn der Lärm des an der Stoffhaube zerrenden Fahrtwindes nimmt in diesen Bereichen ohrenbetäubende Ausmaße an. Bei geöffnetem Verdeck ist es die Hölle. Wer, wie es sich für einen standfesten M-Mann gehört, auf die schwarzen Windschottlappen verzichtet, erlebt einen brüllenden Tornado im Cockpit, den der Tester nur deshalb zu erproben bereit war, weil seine Haartracht ohnehin schon bedenkliche Auflösungserscheinungen zeigt.

Im Porsche ist der Hochgeschwindigkeitsbereich vergnüglicher zu erleben – nicht nur, weil der Boxster erheblich ruhiger geradeaus läuft als der M Roadster. Sein Verdeck verursacht geschlossen weniger Getöse, und auch bei geöffnetem Porsche strömt der Fahrtwind spürbar gesitteter über das Cockpit hinweg. Das Windschott zeigt mehr Wirkung als beim BMW.

Nur das lästige Klappern der beiden Einsätze in den Überrollbügeln hat Porsche bis dato noch nicht abgestellt. Generell ist der Boxster das kultiviertere Auto dieses Duos. Sein Motor läuft tatsächlich wie die sprichwörtliche Turbine, weich und vollkommen frei von spürbaren Vibrationen. Im Teillastbereich ist von ihm nur ein dezentes Summen zu hören, das beim Gasgeben dann von einem schmetternden Trompetensolo der ein- und ausströmenden Gase abgelöst wird.

Es klingt ein bisschen nach Le Mans und beweist wieder einmal, dass das Vergnügen am Sportwagen nicht zuletzt auch ein akustisches ist. Die BMW-Maschine, obwohl als Reihensechszylinder ebenfalls von hoher Kultur, läuft rauer, mit einem härteren Sound, der als Dauerbeschallung lästig werden kann. Bei zügiger Fahrweise entgeht man der nicht, weil der M Roadster bei kurzer Antriebsübersetzung nur fünf eng gestufte Gänge besitzt, was für ein vergleichsweise hohes Drehzahlniveau sorgt.

Der Boxster S bietet ein Sechsganggetriebe, bei dem die sechste Fahrstufe lang übersetzt ist und damit ideal zur schnellen Autobahnreise passt. Allerdings arbeitet die Schaltung etwas hakelig – kein Vergleich zu dem wie von selbst durch die Gassen flutschenden Schalthebel des BMW. Zur geschliffeneren Fahrkultur des Porsche trägt die Qualität seiner Karosserie bei, die selbst auf sehr schlechten Straßen eine unerschütterliche Steifigkeit beweist.

Der hier angetretene M Roadster hinterlässt in diesem Punkt zwar einen viel besseren Eindruck als früher geprüfte Versionen, aber wenn die Federung viel zu tun bekommt, zittert der Aufbau doch kräftig mit. Gewonnen hat auch die Abstimmung der Federung.

Während die ersten M-Serien noch nachdrücklich lobten, was hart macht, kann jetzt von einem sehr ordentlichen Schluckvermögen berichtet werden. Ein Softie ist es nicht geworden, das Muskelpaket der M GmbH, aber die straffe Abstimmung des Fahrwerks geriet so harmonisch, dass nur in Extremfällen harte Stöße bis ins Sitzfleisch durchdringen.

Der Vorsprung des schon immer sehr ausgewogenen Porsche fällt deshalb in diesem Punkt gering aus, wird aber von einem feinfühligen Popometer immer noch registriert. Mit langen Bodenwellen wird der Boxster besser fertig, er rollt auch geschmeidiger ab. Das ist besonders deshalb erwähnenswert, weil der Testwagen mit den aufpreispflichtigen 18- Zoll-Rädern und entsprechender Extrembereifung antrat. Dem sportlichen Handling sind die breiten Pneus nicht unbedingt dienlich. Die fast schon spielerische Behändigkeit, die bisher zu den besonderen Boxster-Vorzügen zählte, leidet beim aktuellen Testwagen unter erhöhten Lenkkräften.

Die Reaktion auf Lenkbewegungen erfolgt nicht so messerscharf, wie es das Mittelmotorkonzept verspricht. Der BMW ist dem Porsche trotz des auf der Vorderachse lastenden Motors nur um Nuancen unterlegen. Auf kurvenreichen Strecken bereiten beide ähnliches Vergnügen, auch weil ihre aktive Fahrsicherheit so hoch liegt. Der Porsche verhält sich noch neutraler als der BMW und zeigt beim Leistungsübersteuern einen besser beherrschbaren Grenzbereich. Beim M Roadster reißt die Haftung plötzlicher ab, vor allem auf nasser Straße. Eine Antriebsschlupfregelung, die bei Porsche in der Optionsliste steht und die kritische Situationen schon im Ansatz entschärfen kann, hält BMW für unter der Würde echter Sportwagenpiloten. Das gibt, weil auto motor und sport-Tester solch puristisches Gedankengut für fragwürdig halten, einen Punktabzug.

Der wird, sorry, auch für die Bremse des M-Modells fällig, obwohl die, für sich betrachtet, von hoher Qualität ist. Aber der Boxster S, der bremst nicht nur einfach sehr gut, sondern schlichtweg sensationell. Das stempelt den BMW nicht zum generell schlechteren Auto.

Er ist ein faszinierendes Spielzeug, das seinen Reiz in erster Linie aus der immensen Leistung bezieht. Das perfektere Gesamtkunstwerk – das ist in dieser Klasse der neue Porsche Boxster S.

Fazit

1. Porsche Boxster S
597 Punkte

Der neue Porsche überzeugt durch die Ausgewogenheit seiner Eigenschaften. Der Motor hat in der S-Version erheblich an Durchzugskraft gewonnen, seine Laufkultur blieb einzigartig. Im Handling und beim Bremsen setzt der Boxster S die Maßstäbe. Nicht zuletzt bringen ihn die besseren Alltagsqualitäten seiner Karosserie und die harmonische Federungsabstimmung nach vorn.

2. BMW M Roadster
565 Punkte

Der stärkste BMW Roadster stellt die Leistung über alles. Sein Sechszylindermotor ist eine Klasse für sich: enorm kraftvoll in jedem Drehzahlbereich, bissig beim Gasgeben und ungewöhnlich drehfreudig. Als Sportwagen für harte Männer bietet der M Roadster allerdings einen geringeren Reisekomfort. Das Kurvenverhalten stellt höhere Ansprüche an das Fahrkönnen.

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Technische Daten
Porsche Boxster S BMW M Roadster
Grundpreis 49.764 € 48.368 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4315 x 1780 x 1290 mm 4025 x 1740 x 1266 mm
KofferraumvolumenVDA 260 l 165 l
Hubraum / Motor 3179 cm³ / 6-Zylinder 3201 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 185 kW / 252 PS bei 6250 U/min 236 kW / 321 PS bei 7400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 260 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,1 s 5,4 s
Verbrauch 10,8 l/100 km 11,1 l/100 km
Testverbrauch 13,2 l/100 km 12,7 l/100 km
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