Doppeltest BMW Z4 3.0i gegen Mercedes SLK 350

Foto: Hans-Dieter Seufert

Blechdach, Nackenföhn und ein Rundum-sorglos-Paket: Ist der Mercedes-Roadster das ultimative Cabrio oder Verrat am Roadster-Ideal? Ein Vergleich mit dem BMW-Roadster klärt die Lage.

Mit offenen Sportwagen eine Vergleichsfahrt zu machen gehört zu den erträglichen Härten des Tester-Alltags. Wenn blühende Rapsfelder, kurvige Landstraßen, lauschiger Fahrtwind und flotte Cabrios locken, muss man nicht lange nach willigen Begleitern suchen. Zunächst zählt allerdings die schnelle Fahrt auf der Autobahn zum intensiven Testprogramm. Die Dächer der neuen deutschen Frischluft-Stars bleiben also geschlossen, und schon treten die ersten Unterschiede zu Tage. Im Z4 ist es dunkler und enger als im üppig verglasten SLK, man sitzt tief hinter einer aufgeblähten Motorhaube und ahnt höchstens, wo der Wagen endet.

Zudem geben die anschwellenden Windgeräusche bei höheren Tempi zu erkennen, dass hier ein klassisches Stoffverdeck den Himmel über die Insassen spannt. Dagegen hat sich bereits die erste SLK-Generation vom reinen Roadster-Ideal entfernt, und der neue beherrscht die Nummer mit dem klappbaren Blech-Hardtop noch perfekter. Binnen Sekunden wird aus dem Cabrio ein Coupé – vollautomatisch, leise, pflegeleicht und geschützt vor Messerstechern. Allerdings schafft der BMW die Verwandlung schneller (zehn statt 22 Sekunden) und ohne Einbußen im Kofferraum (260 Liter), während das Mercedes- Abteil bei versenktem Dach von 300 auf 208 Liter schrumpft. Ansonsten herrscht im SLK eitel Sonnenschein, selbst wenn draußen einmal der Himmel voller Wolken hängen sollte.

Ansprechende Materialien, saubere Verarbeitung, einfache Bedienung, entspanntes Feeling – nicht zuletzt dank bequemer Sitze sowie guter Sicherheitsund Komfortausstattung. Was braucht es mehr, um hier glücklich zu sein? Zumindest heizbare Lederpolster oder ein CDRadio, denn vieles, was das Cabriofahren angenehmer macht, kostet selbst beim teuren V6- Modell Aufpreis. Gleiches gilt für den Z4, der zwar als 3.0i die genannten Extras, aber serienmäßig weder eine Klimaanlage noch Tempomat oder Windschott an Bord hat.

Zudem wirkt seine Karosserie weniger steif und der innen unlackierte Kofferraumdeckel ähnlich billig wie die aufgesetzte Alublende im Cockpit. Auch die Längsverstellung der hervorragend geformten Sportsitze und die arg knappe Zuladung (204 Kilogramm) dürften etwas großzügiger bemessen sein. Ein kurzer Stopp am Fahrbahnrand – und schon können die Hüllen fallen. Mit einem Druck auf die Verdecktaste und ohne weiteres Zutun verschwinden die Dächer im Heck. Seitenfenster, Windschott und die stark geneigten Frontscheiben schützen vor stürmischen Winden, während die Heizung bei Bedarf für behagliche Temperaturen sorgt. Besonders der SLK wird mit den Optionen Luftschal (458 Euro) und Lenkradheizung (290 Euro) zum Cabrio für alle Jahreszeiten. Jetzt nur noch runter von der Autobahn und rauf auf die Landstraße, denn dort sind die kompakten Zweisitzer in ihrem Element.

Im Auf und Ab hügeliger Pisten, beim Zirkeln wechselnder Radien und in der präzisen Umsetzung der Kommandos ist der viel beschworene Fahrspaß mehr als eine Worthülse. Speziell der BMW giert förmlich nach Kurven, ahnt Kurskorrekturen beinahe voraus und vermittelt eine Agilität, die auf den Fahrer überspringt. Die schwergängige Elektrolenkung, die straffe Federung, ja selbst katapultartige Stöße oder das Ringen um Traktion auf holprigen Pisten werden dabei eher als sportliche Herausforderung denn als moderne Folterinstrumente erlebt. Dieser Kick lässt sich mit einer Sport-Taste weiter steigern, die elektronisch für eine direktere Lenkübersetzung sowie eine spontanere Gasannahme sorgt. Trotzdem: Nüchtern betrachtet ist der Z4 nicht nur unruhiger und nervöser, sondern auch deutlich unkomfortabler als der SLK. Ohne Not, wie der Wechsel in dessen Cockpit zeigt.

Das ty- pische Mercedes-Gefühl ist allzeit präsent, mühelose Kontrolle bestimmt den Charakter. Man richtet sich ein, nimmt die wesentlichen Funktionen des Fahrens in Besitz und fließt im Verkehrsstrom dahin. Selbst fordernde Hände und Füße bringen ihn nicht aus der Ruhe, den wilden Galopp durch kurviges Geläuf beherrscht er so spielerisch und trittsicher wie gemütliches Traben – und das mit erstaunlicher Sanftmut. Dabei ist man bei Bedarf mindestens ebenso flott wie im BMW unterwegs, aber mit einer Gelassenheit, die nicht zuletzt von seinem leistungs- und drehmomentstarken 3,5-Liter-V6 ausgeht.

In dem kleinen Zweisitzer brilliert der neue Vierventiler jedenfalls mit seidigem Lauf, stämmigem Durchzug sowie feurigem Temperament und begeistert dazu mit einem fulminanten Sound, der an die Klangfarbe britischer Sportwagen- Klassiker erinnert. Einziger Nachteil: sein etwas höherer Testverbrauch und leichte Vibrationen im Leerlauf. Doch auch der Dreiliter-Reihensechszylinder im Z4 zeigt sich beim Ausdrehen nicht ganz so kultiviert wie gewohnt und büßt seinen Verbrauchsvorteil durch das teure Super Plus ein.

Im Gegenzug wiegt das geringere Leergewicht (1386 statt 1446 Kilogramm) sein Leistungsmanko weitgehend auf und beschert dem BMW nur wenig schlechtere Fahrleistungen, die selten den Wunsch nach einem Zuschlag wecken. Allerdings brauchte die Kupplung nicht gar so straff sein, dass kaum ein Gangwechsel ohne Ruckeln vonstatten geht. Trotz Gleichstand im Bremskapitel mit überzeugenden Verzögerungswerten bei beiden reicht auch die günstigere Umwelt- und Kostenbilanz des Z4 nicht aus, den großen Vorsprung des SLK wieder wettzumachen. Zu erdrückend ist die Überlegenheit dieses Allwetter-Cabrios, das alles kann, was ein offener Sportwagen können sollte, und außer einer gut gefüllten Brieftasche wenig fordert. Kein Wunder, dass die Käufer wieder Schlange stehen und Mercedes den Zweisitzer nun im Werk Bremen im Drei- Schicht-Betrieb produziert.

Vielleicht liegt gerade in dessen fehlenden Schwächen die Stärke des Z4, der sich nicht nur äußerlich, sondern auch in seinem ganzen Wesen mehr Ecken und Kanten leistet. Denn es soll ja auch unter den Menschen nicht ganz so perfekte Exemplare geben, die sich unter ihresgleichen einfach wohler fühlen.

Fazit

1. BMW Z4 3.0i
483 Punkte

Die Freude am Fahren wird im Z4 intensiver, weil weniger gefiltert erlebt. Sein Stoffverdeck und das straffe, agile Fahrwerk fordern aber ebenso Zugeständnisse wie der dürftige Komfort und Mängel an der Karosserie.

2. Mercedes SLK 350
513 Punkte

Ein starker Alleskönner, der sich als komfortabler, kultivierter und sischerer Begleiter fürs ganze Jahr empfiehlt. Sowohl beim offnen Cruisen wie beim sportlichen Geigen bewegt er sich stats in kontrollierten Bahnen.

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Technische Daten
BMW Z4 Roadster 3.0i Mercedes SLK 350
Grundpreis 39.900 € 46.232 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4091 x 1781 x 1299 mm 4082 x 1788 x 1298 mm
KofferraumvolumenVDA 260 l 300 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 5900 U/min 200 kW / 272 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,3 s 6,1 s
Verbrauch 9,1 l/100 km 10,6 l/100 km
Testverbrauch 11,9 l/100 km 12,4 l/100 km
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