Doppeltest Chrysler Grand Voyager 2.5 TD gegen Renault Grand Espace 2.2 dT

Was kann schöner sein auf Reisen als ein Van? Genau: ein Van im Kingsize-Format, der Raum lässt für Familie, Freunde und sperrige Hobbies. Zum Vergleich treten der Chrysler Grand Voyager und der verlängerte Renault Grand Espace mit Turbodieselmotoren an.

   Wahre Größe wird bekanntlich nicht mit der Elle gemessen, doch in bestimmten Situationen können ein paar Zentimeter mehr an der richtigen Stelle entscheidend sein. So klagen selbst Besitzer von Großraumlimousinen bisweilen über Platzmangel, wenn etwa bei voller Bestuhlung kaum noch Gepäck ins Auto paßt. Chrysler reagierte bereits vor Jahren mit dem verlängerten Grand Voyager auf die Bedürfnisse der Kundschaft, und nun will Renault mit dem Grand Espace groß rauskommen. Trotz gleichen Ansatzes zeigt sich schnell, daß man im weitläufigen Amerika in anderen Dimensionen denkt als im dichtbesiedelten Europa.

Schon der normale Voyager überragt den entsprechenden Espace um 24 Zentimeter, und in der Verlängerung wächst der Abstand auf 28 Zentimeter. Anders ausgedrückt: Während der Renault sich noch mit dem Format einer Mercedes E-Klasse bescheidet, kommt der Chrysler mit den ausladenden Abmessungen einer S-Klasse daher. Mit ihr teilt er zugleich das Schicksal einer gewissen Unhandlichkeit, die besonders in Parkhäusern und im dichten Großstadtverkehr zutage tritt. Beim Rangieren und Manövrieren eines 5,07 Meter-Schiffes ist zwangsläufig immer ein wenig Glück im Spiel, wenn nicht ein hilfsbereiter Zeitgenosse zum Einwinken bereitsteht. Da trägt auch der 12,1 Meter große Wendekreis (Renault 11,5 Meter) nicht gerade zur Erleichterung bei. Immerhin verspricht das One-Box-Design der Vans eine gute Ausnutzung der Grundfläche, was beide mit genügend Platz für sieben Insassen samt Gepäck einlösen.

Bei Bedarf läßt sich das Ladevolumen des Grand Espace schrittweise von 520 auf 3075 Liter erweitern, im Grand Voyager sogar von 671 auf 4880 Liter. Er verträgt allerdings weniger Zuladung (662 statt 764 Kilogramm) und eine geringere Dachlast (68 statt 80 Kilogramm), hat die dazu erforderliche Dachreling aber bereits serienmäßig (Renault 550 Mark). Die stattliche Höhe von 1,74 Meter und die großen Schiebetüren des Chrysler gewähren im Gegenzug einen bequemeren Einstieg in den Fond, was beim flacheren Grand Espace mit seinen konventionellen Türen nicht so leicht gelingt. Besonders in die letzte Reihe gelangen Erwachsene trotz verschieb- und vorklappbarer Mittelsitze nur mit erheblichen Verrenkungen, wobei die beiden Einzelsessel, die aus dem serienmäßigen Fünf- einen Siebensitzer machen, mit 600 Mark pro Stück berechnet werden. Obwohl für ihre größere Beweglichkeit auf Varioschienen im Boden (1800 Mark) oder einen um 180 Grad drehbaren Fahrersitz (990 Mark) weitere Aufpreise fällig werden, bietet der Renault die besseren Variationsmöglichkeiten. 

Die Rücksitze sind frei vertauschbar, in verschiedenen Positionen zu fixieren und dort auf ihrer Konsole in Längsrichtung verschiebbar, was eine versetzte Anordnung und damit mehr Ellenbogenfreiheit ermöglicht. Durch das verlängerte, leicht angehobene Heck gibt es nun selbst in der dritten Reihe genügend Kopffreiheit, aber dem hinteren Gestühl fehlt es wie im normalen Espace an Breite und Sitztiefe. Auf den beiden Einzelsesseln in der zweiten Reihe des Grand Voyager fühlen sich hingegen selbst Erwachsene gut untergebracht, während sich die nominell dreisitzige, ebenfalls zu kurze und zudem dünn gepolsterte Rückbank schon wegen ihrer Position zwischen den Radhäusern kaum für mehr als zwei Personen eignet. Immerhin läßt sie sich umklappen, ausbauen oder auch verschieben, was es erlaubt, bei Bedarf den Kofferraum zu Lasten der Beinfreiheit zu erweitern. Weder Platz- noch Komfortprobleme gibt es für Fahrer und Beifahrer, nur gewisse Eigenarten.

Im Renault sitzt man niedriger und flacher, fast wie in einem Personenwagen, hat allerdings eine riesige Plastiklandschaft, störende Dachpfosten sowie ein zur Mitte gerücktes Instrumentarium mit Digitaltacho, aber ohne Drehzahlmesser vor Augen. Die Sitzposition im Chrysler ist spürbar höher, was für Kurzgewachsene bedeutet, daß sie weit vorne mit fast senkrechter Beinstellung hocken müssen, um die Pedale zu erreichen. Davon abgesehen lassen sich beide einfacher bedienen und fahren, als es ihre Ausmaße suggerieren. Mit seiner sehr leichtgängigen, aber mit wenig Fahrbahnkontakt ausgestatteten Lenkung vertritt der Voyager freilich mehr den amerikanischen Stil, der mit sich bringt, daß er in Kurven kräftig untersteuert und ständig korrigiert werden muß.

Präziser und gefühlvoller zu dirigieren ist jedenfalls der Espace, der das insgesamt sicherere, nämlich selbst bei voller Zuladung neutrale Eigenlenkverhalten zeigt. Außerdem lassen sich seine Bremsen besser dosieren, doch die im Normalfall gute Verzögerung nimmt unter Belastung erheblich ab. Kommt er bei der ersten Vollbremsung aus 100 km/h nach gut 40 Metern zum Stehen, braucht der vollgepackte Zweieinhalbtonner im zehnten Anlauf fast 23 Meter mehr Platz. Im Vergleich liefert der Voyager mit 52,9 Metern beim Bremsentest zwar keine Glanzleistung, aber angesichts von 2580 Kilogramm Maximalgewicht noch vertretbare Werte. Überzeugender geht der Renault mit widrigen Straßenverhältnissen um. Kein anderer Van absorbiert derzeit Unebenheiten mit solcher Geschmeidigkeit, wobei sich das höhere Gewicht und der längere Radstand bei beiden positiv auswirken. 

Dazu gesellen sich bei ihm ein besserer Abrollkomfort, eine wirksamere Belüftung dank serienmäßiger Klimaanlage (Chrysler 1500 Mark) sowie ein erheblich niedrigeres Geräuschniveau, was beinahe vergessen läßt, daß unter der Fronthaube ein Dieselmotor arbeitet. Schon kurz nach dem Kaltstart verfällt der kultivierte 2,2 Liter-Dreiventiler in ein sanftes, beruhigendes Summen, das auch unter Last kaum anschwillt, zumal seine Durchzugskraft selten hohe Drehzahlen erfordert. Sehr viel nachhaltiger kündet der 2,5 Liter- Selbstzünder im Voyager von seiner Verbrennungsart, auch dann noch, wenn er seine Betriebstemperatur längst erreicht hat.

Seine geringfügig besseren Beschleunigungs- und Elastizitätswerte wiegen dieses Manko bei weitem nicht auf. Mit den Fahrleistungen der Schwergewichte kann man durchweg leben, zumal ihre Dieselmotoren im Vergleich zu ähnlich leistungsstarken Benzinern mit überlegenem Drehmoment glänzen. So beschleunigen sie im fünften Gang in nur 16 (Chrysler) oder 17,6 Sekunden (Renault) von 80 auf 120 km/h und aus dem Stand in rund 13,5 Sekunden auf 100 km/h. Dabei konsumieren sie im Schnitt etwa zwei Liter weniger pro 100 Kilometer, weshalb die Testwerte von 10,9 und 11,1 Liter angesichts der möglichen Ladekapazität nicht zu hoch sind. Sie machen ohnehin nur einen geringeren Teil der Gesamtkosten aus, denn Einstandspreise um 55 000 Mark sind ziemlich happig und wenig familienfreundlich. Die hohen Versicherungsprämien und häufigen Ölwechsel-Intervalle (alle 10 000 Kilometer) reißen weitere Löcher ins Budget, wobei der Renault mit langen Inspektions- Intervallen (alle 60 000 Kilometer) und der Chrysler mit einer Dreijahres-Garantie Pluspunkte sammelt.

Die Entscheidung zwischen beiden ist letztlich aber auch eine Entscheidung zwischen zwei Kulturen: hier der amerikanische Big Mac unter den Vans, der kraft seiner schieren Größe die Konkurrenz in den Schatten stellt, dort der Euro- Van, dessen wahre Größe sich in überlegener Qualität und Kultiviertheit zeigt.  

Fazit

1. Renault G. Espace RXE 2.2 dt
562 Punkte
2. Chrysler G. Voyager SE 2.5 TD
527 Punkte
Technische Daten
Renault Grand Espace 2.2dT RXE Chrysler Grand Voyager 2.5 TD SE
Grundpreis 28.786 € 27.249 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4787 x 1810 x 1690 mm 5070 x 1950 x 1740 mm
KofferraumvolumenVDA 520 bis 3075 l 671 bis 4880 l
Hubraum / Motor 2188 cm³ / 4-Zylinder 2499 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 83 kW / 113 PS bei 4300 U/min 85 kW / 115 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h 166 km/h
0-100 km/h 13,6 s 13,4 s
Verbrauch 8,0 l/100 km 8,7 l/100 km
Testverbrauch 11,1 l/100 km 11,2 l/100 km
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