Doppeltest Citroën Xsara Kombi 1.8i 16 V gegen Opel Astra Caravan 1.8 16 V

Zeitgleich mit der Limousine startet in diesen Tagen der Verkauf des Opel Astra Caravan, der im Doppeltest mit dem ebenfalls neu aufgelegten Citroën Xsara Kombi erstmals seine Qualitäten unter Beweis stellen muss.

Das Kastenwesen hat sich  nicht nur aus gesellschaftspolitischer  Sicht zumindest in  den europäischen Staaten weitgehend  überholt. Tradierte Klasseneinteilungen  verlieren auch  in der Autoindustrie immer  mehr an Bedeutung.  Wer ein großes Auto kauft,  kann schließlich nicht sicher  sein, automatisch auch einen  geräumigen Begleiter gewählt  zu haben. Den findet er in  manchen Fällen in der Klasse  darunter. So bieten die neuen  Kombis auf Basis der Kompaktmodelle  Citroën Xsara und  Opel Astra mit einem Volumen  von 480 (Astra) beziehungsweise  517 Liter (Xsara) mehr  Platz im Gepäckabteil als ein  Opel Vectra Caravan (460 Liter),  ein T-Modell der Mercedes  C-Klasse (465 Liter) oder der BMW Fünfer Touring  (410 Liter). 

Klassenübergreifend gestaltet  sich auch die Ausstattungsliste.  Es gibt schon unter den  Kompakten kaum noch etwas,  was es nicht gibt: ABS, vier  Airbags, Servolenkung, Zentralverriegelung,  Dachreling (Längsschienen  beim Xsara), elektrische  Fensterheber sowie ein verstellbares  Lenkrad zählen bei  den getesteten Varianten Astra  Comfort und Xsara Exclusive  bereits zur Serienausstattung.  Beim Citroën sind sogar  Alu-Felgen, Radio und ein Regensensor  im Preis inbegriffen.  Mancher würde letzteres sicher  lieber gegen ein Gepäckraum-  Trennetz tauschen, das im Gegensatz  zum Astra 252 Mark  Aufpreis kostet. Beim Opel  gehört dafür neben diesem Netz  auch eine Traktionskontrolle  zum Lieferumfang des 1,8-  Vierventilers, der auf Wunsch  mit Automatik erhältlich ist.  Citroën bietet dieses Ausstattungsmerkmal  für den Xsara lediglich  in Verbindung mit dem  101 PS-Motor an. 

Nicht allein mit Hilfe der  oben aufgezählten Features  läßt sich das Leben in beiden  Modellen angenehm gestalten.  Auch das gute Platzangebot im  Innenraum trägt zum Wohlgefühl  der Passagiere bei. Bei  keinem der beiden Testkandidaten  sind Probleme hinsichtlich  Kopf- oder Beinfreiheit zu verzeichnen,  wobei der Xsara insgesamt  noch etwas luftiger geschnitten  ist als der Astra.  Der ist seinem französischem  Konkurrenten dafür im  Hinblick auf die Funktionalität  überlegen. Die elektrischen  Fensterheber sind ergonomisch  günstig in den Türen plaziert,  der solide Lichtschalter sitzt im  Armaturenbrett. 

Beim Xsara verstecken sich  die elektrischen Fensterheber  im Mittelbau des Armaturenbrettes,  und die Lenkstockhebel  wirken mit den vielen Funktionen  überfrachtet. Wesentlich  praxisgerechter erweist sich die  Kofferraumabdeckung, die mit  wenigen Handgriffen demontierbar  ist, während man beim  Astra die umständliche Funktionsweise erst nach einem tiefen  Blick in die Bedienungsanleitung  versteht.  Leicht läßt sich dafür der  Caravan-Kofferraum beladen,  dessen Volumen durch Umklappen  von Bank und Lehne  von 480 auf 1500 Liter anwächst  – genügend Stauraum  also, um sperrige Gegenstände  zu transportieren.

Der Citroën  bietet mit einer Spanne von  517 bis maximal 1512 Liter  noch etwas mehr, dafür fehlt  ihm die praktische Durchreiche,  die der Astra serienmäßig  mitbringt.  Trotz kleiner Unterschiede  im Hinblick auf Abmessungen  und Transportkapazitäten sind  sich Xsara und Astra im Vergleich  kombirelevanter Kriterien  ähnlich, so auch bei der  erlaubten Zuladung, die beim  Astra 442, beim Xsara 455 Kilogramm  beträgt.  Größere Differenzen ergeben  sich dagegen beim Fahren.  Den Antrieb übernehmen in  beiden Fällen 1,8 Liter-Vierzylinder  mit Vierventiltechnik.  Das 115 PS starke Opel-Triebwerk,  das im Einzeltest der  Limousine (siehe Heft 6/98)  mit sportlichen Fahrleistungen  überzeugen konnte, wirkt im  rund 80 Kilogramm schwereren  Caravan nicht so quirlig. 

So benötigt der Astra Kombi in  der Beschleunigung von null  auf 100 km/h eineinhalb Sekunden  mehr als die Limousine.  Als störender erweisen sich  aber der rauhe Motorlauf und  die hakelige Schaltung, die  speziell beim Wechsel vom  zweiten in den dritten Gang  einen Widerstand aufbaut.  Leichtgängig dagegen das  Xsara-Getriebe, bei dem sich  der Schalthebel auch wesentlich  exakter durch die Gassen führen läßt.  Der Citroën-Motor (110 PS)  fühlt sich im Kombi nicht  schwächer an als im Coupé  (Heft 8/98) und entfaltet seine  Kraft harmonischer als die  Astra-Maschine. Seine eigentliche  Stärke im Vergleich zum  Opel liegt aber in der besseren  Laufkultur – selbst bei höheren  Drehzahlen klingt der Vierzylinder  nicht unangenehm.  

Das Antriebskapitel wäre  mit einem deutlicheren Punktvorsprung  an den Citroën gegangen,  wenn er nicht einen  halben Liter Benzin mehr konsumieren  würde als der Astra,  der mit einem Verbrauch von  neun Litern auf 100 Kilometer  jedoch auch nicht das Prädikat  Sparmeister verdient.  Der wahre Fortschritt im  Vergleich zum Vorgänger liegt  vielmehr in der Fahrwerksabstimmung.  Der Astra durcheilt  Kurven nur noch leicht untersteuernd  und bereitet in Kombination  mit der leichtgängigen,  nahezu stoßfreien Lenkung jenes  Gefühl von Fahrspaß, das  man in diesem Segment oft  vermißt.

Die sicheren, jederzeit  leicht beherrschbaren Fahreigenschaften  leiden selbst unter  Ausnutzung der vollen Zuladung  nicht.  Auch dem Citroën fehlt es  nicht an Handlichkeit. Aber  über das hohe Maß an Fahrsicherheit,  das den Astra auszeichnet,  verfügt er nicht. Seine  Hinterachse, wie bei Limousine  und Coupé mit einer speziellen  Kinematik zum Mitlenken  ausgestattet, reagiert auf Lastwechsel  in Kurven sehr empfindlich.  Geht der Fahrer vom  Gas, schwenkt das Heck spürbar  nach außen.  Diese Unart tritt bei voller  Beladung noch stärker auf. Der Xsara verliert den Doppeltest  gegen den Astra nicht zuletzt  gerade wegen dieser unbefriedigenden  Fahreigenschaften (siehe  Kasten auf dieser Seite). Die  stoßempfindliche Lenkung, die  dem Fahrer zu wenig Rückmeldung  gibt, sowie die eingeschränkte  Traktion beim Herausbeschleunigen  aus engen  Kurven führen zu zusätzlichem  Punktabzug.  Im Komfort ist er dem Opel  dafür überlegen, sieht man  von einer spürbaren Querfugenempfindlichkeit  auf der Autobahn  einmal ab.

Größere Unebenheiten  schluckt er dafür  ohne Probleme.  Der Astra neigt auf langen  Bodenwellen zu deutlichen Vertikalbewegungen,  die durch eine  zu geringe Dämpfung bei  voller Zuladung noch kräftiger  werden. Die Passagiere werden  dann in unangenehme Schwingungen  versetzt.  Unter dem Niveau des  Citroën rangiert der Astra auch  im Hinblick auf die Bremsen.  Sie sind zwar unter Belastung  standfest, steigen mit einer  Kaltverzögerung von 8,9 m/s2  aber auch auf einem vergleichsweise  niedrigen Level ein.  Der Xsara verzögert mit kalter  Bremsanlage sehr gute  9,4 m/s2, auf hohe Belastung  reagiert er allerdings mit Fading  und schafft dann nur noch  eine Verzögerung von 8,6 m/s2.  Opel kontert im Sicherheitskapitel  mit Dreipunkt-  Gurten auf allen Plätzen (Xsara  mit Beckengurt für den fünften  Sitzplatz), einer Vorrüstung  für das Kindersitz-Haltesystem  Opelfix (40 Mark Aufpreis)  und der Traktionskontrolle.  Neben der höheren Fahrsicherheit  trägt vor allem auch  die bessere Wirtschaftlichkeit  durch den niedrigeren Kraftstoffverbrauch,  den geringeren  Fest- und Wartungskosten  und die besseren Wiederverkaufsaussichten  dazu bei, daß  der Astra Caravan in diesem  Vergleich mehr auf dem Kasten  hat als der Xsara Break.    

Fazit

1. Opel Astra Caravan
584 Punkte
2. Citroën Xsara Kombi
570 Punkte
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Technische Daten
Citroën Xsara Kombi 1.8i 16V Exclusive Opel Astra Caravan 1.8 16V Comfort
Grundpreis 18.417 € 18.422 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4354 x 1698 x 1420 mm 4288 x 1709 x 1510 mm
KofferraumvolumenVDA 517 bis 1512 l 480 bis 1500 l
Hubraum / Motor 1761 cm³ / 4-Zylinder 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 81 kW / 110 PS bei 5500 U/min 85 kW / 115 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h 195 km/h
0-100 km/h 9,9 s 10,5 s
Verbrauch 8,5 l/100 km 8,0 l/100 km
Testverbrauch 9,6 l/100 km 9,0 l/100 km
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