Doppeltest Fiat Palio Weekend 75 gegen Seat Cordoba Vario 1.6

Daß bei Kleinwagen alles ein wenig kleiner ist als bei anderen Autos, gilt nicht immer. Fiat Palio Weekend und Seat Cordoba Vario beweisen gerade beim Kofferraum das Gegenteil. Extrem ausgeprägt ist freilich ihre Schwäche: Die Bremsen sind nicht mehr tolerabel.

Das Kombis praktische Autos sind, ist eine Binsenweisheit, dennoch sorgen ihre ausladenden Hinterteile im zunehmend dichter werdenden Innenstadtverkehr manchmal für Verdruß. Da kann es schon vorkommen, daß die einzig freien Parklücken gerade zehn Zentimeter zu kurz für die Kofferraumwunder sind. Oft passen in die knappen Stellplätze überhaupt nur Kleinwagen, die ihre Besitzer wegen der winzigen Gepäckräume dafür aber in anderen Situationen einschränken. Seit kurzem gibt es Abhilfe: Fiat Palio Weekend und Seat Cordoba Vario, der wiederum mit dem VW Polo Variant weitgehend baugleich ist. Die Außenlänge von Cordoba und Palio überschreitet nur knapp die Viermetermarke – eine passende Lücke ist damit schnell gefunden – und trotzdem verdauen sie auch sperrige Güter.

 Betrachtet man nur die Abmessungen, so bietet der 26 490 Mark teure Seat weniger Auto fürs Geld, genauer gesagt weniger Kombi. Beim 24 158 Mark teuren Fiat ist der Kofferraum größer. Im Maximalfall faßt er 290 Liter mehr als der des Seat, und er darf auch mit zusätzlichen 80 Kilogramm belastet werden. Das Beladen fällt zudem leichter, weil keine hohe Kante wie beim Cordoba stört. In diesem Punkt macht sich die Abstammung vom Stufenheck- Cordoba negativ bemerkbar.

Beim guten Raumangebot auf Vordersitzen und Sitzbank hinten herrscht beinahe Gleichstand, aber vorn bietet der Fiat doch noch ein Quentchen mehr Schulterfreiheit. Mit dem Sitzkomfort im Fiat ist es dennoch für Großgewachsene nicht allzuweit her. Die Sitzflächen der Sitze sind zu kurz, unbequem nach vorn geneigt, die Sitzposition ist zu hoch. Daß Kleinwagensitze gleichermaßen großen wie kleinen Staturen passen können, zeigt der Seat. Hier gibt es, auch dank der serienmäßigen Fahrersitz-Höhenverstellung, kaum etwas zu bemängeln. Langstreckenkomfort läßt der Seat dennoch vermissen. 

Hier erweist sich der im unteren Drehzahlbereich sehr brummige Motor als störend. Immerhin werden die Lebensäußerungen des Vierzylinders mit zunehmender Drehzahl als weniger aufdringlich empfunden, sie bleiben aber immer präsent. Die Meßwerte lassen den Fiat in diesem Punkt zunächst besser aussehen.

Der Fahreindruck ist jedoch ein anderer, denn das Motorgeräusch klingt stets angestrengt, und das geht den Passagieren bereits nach kurzer Zeit auf die Nerven. Beim Federungskomfort liegt der Fiat klar vorn. Er reagiert insgesamt geschmeidiger auf Unebenheiten, seine Lenkung bleibt weitgehend frei von Fahrbahneinflüssen. Beladen geht die Cordoba-Federung bei starken Bodenwellen auf die Anschläge, eine Eigenart, die dem Palio trotz höheren Gewichts fremd bleibt. Bei der Fahrsicherheit kehrt sich das Verhältnis um. Die Bodengruppe des in Brasilien gefertigten Fiat basiert noch auf Uno-Technik, dementsprechend antiquiert wirkt das Fahrwerk.

Traktionsprobleme auf trockener Straße schon bei harmlosen Kurvengeschwindigkeiten und geringer Zuladung sowie die indirekte, teigige Servolenkung sind heute nicht mehr Stand der Technik. Der kleine Seat-Kombi hingegen fährt sich bis auf leichte Antriebseinflüsse in der direkten und leichtgängigen Servolenkung so narrensicher, wie man es von einem modernen Kleinwagen erwartet. Daran ändert sich auch in beladenem Zustand wenig. Die Verschlechterung der Traktion durch die Entlastung der Vorderachse und das Untersteuern bleiben im Rahmen und gut beherrschbar. Belädt man hingegen den Fiat bis zum zulässigen Gesamtgewicht, wird sein Fahrverhalten nur noch schwer kalkulierbar. Kommt er mit dem Heck, oder schiebt er über die Vorderräder aus der Kurve? 

Um die oft überraschende Reaktion am Lenkrad abzufangen, bedarf es einer kundigen Hand. Ein niedriger angesetztes Gesamtgewicht würde dem Fahrverhalten einige Tücken nehmen. Weniger Zuladung täte auch den Bremsen der Kombis gut. Beide Anlagen verzögern in kaltem Zustand ganz akzeptabel, leiden aber bei hoher Zuladung unter Fading, der Seat sogar noch stärker als der Fiat. Die Bremswerte von vorgestern sind einem Produkt aus dem VW-Konzern unwürdig. Das Bruder-Modell Polo Variant zeigt, daß es besser geht.

Dessen vordere Scheiben sind innenbelüftet, die des Seat nicht. Auch in einem anderen Punkt bekleckern sich die kleinen Schluckspechte nicht mit Ruhm. Verbrauchswerte um neun Liter auf 100 Kilometer liegen auf Kompaktklasse-, nicht aber auf Kleinwagen- Niveau. Bei gezügeltem Gasfuß lassen sich aber auch Werte unter sieben Liter auf 100 Kilometer realisieren. Immerhin kann der 75 PS starke 1,6 Liter-Motor des Cordoba mit vergleichsweise kräftigem Antritt und guter Elastizität ein wenig Fahrspaß vermitteln. Der durchzugsschwache 1,2 Liter-Vierzylinder des Palio mit 74 PS ist dazu nicht fähig. Dafür ist der Fiat preiswert, zur Ausstattung des Palio Weekend 75 gehören serienmäßig ein höhenverstellbares Lenkrad, elektrische Fensterheber vorn, Zentralverriegelung, Servolenkung und ABS.

 In der SE-Variante ist der teurere Cordoba schlechter ausgestattet. Neben ABS, Servolenkung und Pollenfilter ist immerhin schon der pfiffige, weil in seiner Position verstellbare Dachträger enthalten. Wer zusätzliche Extras will, muß zur 28 590 Mark teuren SXE-Variante greifen. Aber zumindest im Innenraum sieht man dem Seat seinen Mehrpreis auch an. Hier wirkt er durchweg hochwertiger und besser verarbeitet als sein Kontrahent. Letztlich beschränken sich die Kombis auf das Wesentliche: Sie sind praktisch und in der Anschaffung günstig. Wenn nur nicht der Verbrauch so hoch und die Bremsen so schlecht wären.  

Fazit

1. Seat Cordoba Vario 1.6
533 Punkte
2. Fiat Palio Weekend 75
509 Punkte
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Technische Daten
Fiat Palio Weekend 75 Seat Cordoba Vario 1.6 SE
Grundpreis 12.527 € 13.698 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4130 x 1614 x 1515 mm 4144 x 1640 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA 460 bis 1540 l 390 bis 1250 l
Hubraum / Motor 1242 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 54 kW / 74 PS bei 6000 U/min 55 kW / 75 PS bei 4600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 166 km/h 167 km/h
0-100 km/h 14,2 s 12,9 s
Verbrauch 7,3 l/100 km 7,6 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km 8,1 l/100 km
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