Doppeltest Fiat Punto 85 gegen VW Polo 75

Unter den Kleinen gehören Punto und Polo zu den Größten: sowohl beim Raumangebot als auch in der Publikumsgunst. Damit dies so bleibt, schickt Fiat sein Kompaktmodell frisch geliftet zum Doppel mit dem deutschen Rivalen.

Small is beautiful, Schönheit jedoch will bekanntlich gepflegt werden. Deshalb kam der seit vier Jahren gebaute Fiat Punto unlängst in den Genuß eines zarten Liftings, das weniger seinem noch immer jugendfrischen Aussehen als seinen inneren Qualitäten galt. So wurde das Fahrwerk überarbeitet, die Ausstattung verbessert und der bisherige 1,6 Liter- Zweiventilmotor (88 PS) durch einen kleineren 1,2 Liter-Vierventiler mit 85 PS ersetzt. Schöner ist ebenfalls, daß Fiat gleichzeitig bei den Preisen klein beigab und dieses Modell 640 Mark – ausstattungsbereinigt sogar 1320 Mark – billiger anbietet als den Vorgänger.

Sein deutscher Erzrivale, im vergangenen Herbst noch gegen einen bescheidenen Aufpreis um ABS aufgewertet, bewegt sich nach der jüngsten Preiserhöhung im April schon wieder in altem Fahrwasser: Ein vergleichbarer Polo 75 mit Sportline-Paket kostet 865 Mark mehr als der Punto ELX, und bei annähernd identischer Ausstattung wächst der Nachteil des VW auf reichlich 1200 Mark. Daß der Einstieg in den Fiat auf Anhieb leichter fällt, liegt auch an seinem größeren Innenraum. Bei sehr kompakten Außenmaßen bietet er fast so viel Platz wie ein Mittelklasse- Auto, und besonders vorn wirkt er nochmals luftiger als der Polo. Der hat zudem das geringere Ladevolumen (245 statt 275 Liter) sowie eine höhere Stufe im Boden, wenn die Rückbank (jeweils asymmetrisch teilbar) umgeklappt wird.

An der Sitzposition gibt es hier wie dort nichts zu bemängeln, doch im Punto ist das Gestühl flacher als im Polo. Man sitzt mehr drauf als drin, weshalb es dem Fahrer an Unterstützung in Kurven mangelt. Er wünscht sich darüber hinaus etwas größere, besser ablesbare Instrumente und weniger tristes Plastikmaterial im Cockpit, während die Verarbeitungsqualität nach vierjähriger Bauzeit spürbar gereift erscheint. Mit der Steifigkeit und Solidität der VW-Karosserie kann der Fiat freilich nicht mithalten, ebenso wenig mit dessen Funktionalität im Detail. Heizung und Lüftung sind schwächer dimensioniert, Lichtschalter und Klappgriffe unpraktischer zu bedienen, dazu rubbeln seine Scheibenwischer bei höheren Geschwindigkeiten und heben ab.

Für den Polo sprechen zudem die zahlreichen Ablagen sowie das besser erreichbare Radio, für den Punto nur die Stoßleisten rundum. Gewonnen hat der Fiat ohne Zweifel beim Fahrwerk. Offenbarte er bislang vor allem auf kurzen Unebenheiten Mängel, so absorbiert er sie nunmehr viel souveräner und geschmeidiger. Im Vergleich zum VW federt er leer sogar etwas besser, bei voller Beladung schwingt er allerdings stärker nach und wirkt unterdämpft. Dazu gesellen sich ein ständiges Zittern im Lenkrad sowie ein zu rauhes Abrollverhalten. Doch trotz üppig bemessener, körpergerechter geformter Sitze ist auch der Polo nicht ohne Makel. Er gibt sich stößiger und stuckert mehr, und sein insgesamt hoher Komfort wird durch den unkultivierten Motor erheblich getrübt.

Bei höheren Drehzahlen überlagert er mit seinem Dröhnen und Brummen spielend die Windgeräusche, so daß sich einmal mehr die Frage stellt, ob dieses Triebwerk in der populären 75 PSKlasse wirklich den Stand der VW-Technik darstellt. Obwohl sein geringerer Hubraum, die Vierventiltechnik sowie die erst bei 6000 statt 4800/min anstehende Nennleistung eigentlich dagegen sprechen, arbeitet der Fiat-Vierzylinder ruhiger. Außerdem läuft er vibrationsärmer. Zehn Mehr- PS verhelfen ihm zu besserer Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit, was im Alltag freilich eine geringere Rolle spielt als der Durchzug aus niedrigen Drehzahlen. Hier kommt dem Polo sein größeres Drehmoment (135 statt 113 Nm) zugute, das schon bei 2800 statt 4500/min anfällt. Die Schaltbarkeit des Fünfganggetriebes geriet in beiden Fällen nicht perfekt, beim VW aber noch eine Spur hakeliger.

Zum Ausgleich begnügte er sich mit dem geringeren Benzinverbrauch: Im Testmittel flossen nur 7,7 Liter Super pro 100 Kilometer durch die Einspritzpumpe, beim Fiat waren es dagegen 8,1 Liter. Der versprochene Fortschritt blieb also wegen des höheren Drehzahlniveaus auf der Strecke, denn der frühere 1,6 Liter-Motor konsumierte im Schnitt nur 7,8 Liter. In den Fahreigenschaften sind die Differenzen kleiner. Heimtückisch ist keiner von beiden, was man getrost als weiteren Beweis für die Vollwertigkeit moderner Kleinwagen nehmen kann. Beide laufen sauber geradeaus und gehören in Kurven zu den gutmütigen Untersteuern.

Mit voller Beladung wird der Polo neutraler, doch auf nasser Fahrbahn drängt er etwas stärker über die Vorderräder, was ihm einen Punktabzug beschert. Den macht er sogleich mit seiner besseren Handlichkeit wett, auch wenn der Punto die leichtgängigere, direktere und sogar präzisere Servolenkung hat. Aber sie läßt kein Gefühl dafür aufkommen, was an den Vorderrädern passiert und welche Kräfte auf sie einwirken. Es fehlt die Rückmeldung über den jeweiligen Fahrzustand – ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsmanko. Das gilt erst recht für die Bremsen. Schon für das im VW serienmäßige ABS verlangt Fiat 650 Mark extra, und mit seiner schwachen Verzögerung schießt der Punto weit über das Ziel hinaus.

Benötigt er mit kalten Bremsen noch rund zwei Meter mehr Auslauf, um aus 100 km/h zum Stillstand zu kommen, so vergrößert sich dieser Abstand in warmem Zustand auf 6,5 Meter. Fast 50Meter Anhalteweg sind heute selbst in dieser Klasse mehr als ein Schönheitsfehler. Auch bei den Unterhaltskosten wünscht man sich Verbesserungen, denn Wartung und Ersatzteile reißen ebenso ein größeres Loch ins Budget wie die teureren Haftpflicht- und Vollkasko- Prämien sowie der schlechtere Wiederverkauf.

In Verbindung mit seinem höheren Benzinverbrauch bleibt deshalb außer dem günstigeren Kaufpreis nicht viel, warum man den Punto dem Polo vorziehen sollte. Ungeteilter Beifall ist allerdings ob dessen Punktevorsprungs fehl am Platze, denn nach dreijähriger Bauzeit hätte auch der VW ein wenig Kosmetik verdient. Die offenkundigen Schwächen des 1,6 Liter- Motors sind damit jedoch kaum zu beseitigen, so daß viele Kunden mit Bedacht zum 1,4 Liter greifen. Schöner ist das kleinere Modell zwar nicht, aber preiswerter und viel kultivierter.

Fazit

1. VW Polo 75 Sportline
590 Punkte
2. Fiat Punto 85 ELX
568 Punkte
Technische Daten
Fiat Punto 85 16v ELX VW Polo 75
Grundpreis 11.530 € 11.640 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3770 x 1625 x 1460 mm 3715 x 1655 x 1420 mm
KofferraumvolumenVDA 275 bis 1080 l 245 bis 975 l
Hubraum / Motor 1242 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 63 kW / 85 PS bei 6000 U/min 55 kW / 75 PS bei 4800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 177 km/h 172 km/h
0-100 km/h 10,9 s 11,4 s
Verbrauch 6,7 l/100 km 6,9 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km 7,3 l/100 km
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