Doppeltest Ford Fiesta 1.3 gegen Ford Ka 1.3

Ist kleiner wirklich besser und schöner? Ford hat mit dem Fiesta eine technisch fast identische und nur wenig teurere Alternative zum Ka – beide mit 60 PS starkem Motor – zu bieten.

Eine gute Freundschaft basiert auf Gemeinsamkeiten. Sie sorgen auf der einen Seite für die gewünschte Harmonie, können andererseits aber auch die Grundlagen für ein gehöriges Maß an Rivalität sein. Wenn man sich nur an der Menge der Übereinstimmungen orientiert, müssten der 19 700 Mark teure Ford Fiesta Focus und der Ka für 18 300 Mark die dicksten Kumpel sein. Denn unter ihrem Blech verbergen sie fast komplett identische Technik.

So werden beide von einem 60 PS starken 1,3 Liter- Vierzylinder angetrieben, der seine Leistung über ein Fünfganggetriebe an die Vorderachse abgibt. Eigentlich sind das gute Voraussetzungen für eine friedliche Koexistenz. Es sollen ja die inneren Werte sein, die zählen, und nicht nur das Aussehen. Aber innere Werte hin oder her, der neue Autopartner wird eben doch meist mit dem Auge ausgesucht, und da drängelt sich der Ka gar nicht freundschaftlich vor.

Nach der Markteinführung des Ka vor knapp zwei Jahren fiel der Fiesta von Platz neun auf Platz 16 in den Verkaufs- Top 55, der Ka belegte sofort Platz 17. Fordinterne Schätzungen gehen davon aus, daß 40 Prozent des Rückgangs dem Ka zuzuschreiben sind. Heute steht der Fiesta auf Platz zwölf, der Ka auf Position 14. Während der Fiesta vernünftig aussieht, provoziert die Optik des Ka. 

Die einen finden ihn häßlich, die anderen sehen ihn als kleines, irgendwie niedliches Auto fürs Herz. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Kaufargument, das sich über die eine oder andere Schwäche hinwegzusetzen vermag. Aber der Reihe nach. Obwohl fast gleich breit, trennen Ka und Fiesta in der Länge 20 Zentimeter. Bei der Parkplatzsuche mag die Kürze willkommen sein, aber wie stark schränkt sie das Innenraumangebot ein? Der kurze Ka schneidet hier nicht so schlecht ab, wie man vermuten könnte. Kopf- und Beinfreiheit liegen praktisch gleichauf mit den Werten des Fiesta. Bei der Schulterfreiheit hat der Fiesta aber mehr zu bieten. Seine nahezu senkrecht stehenden Seitenscheiben schränken den Platz kaum ein, die schräg gestellten Fenster des Ka hingegen sorgen für spürbare Enge im Schulterbereich. Als nur knapp ausreichend muß das Raumangebot im Fond beider Ford bezeichnet werden. Allenfalls Kinder lassen sich hier auf längeren Strecken wirklich bequem unterbringen.

Im Ka sollten sie besonders klein sein, denn die C-Säule schränkt in ihm die Kopffreiheit stark ein. Ein weiterer Nachteil des Kleinen: Er ist lediglich als Viersitzer zugelassen. Im Fiesta dürfen notfalls auch fünf Personen sitzen, denen dann mit 250 Litern auch ein akzeptables Kofferraumvolumen zur Verfügung steht. Das nur 186 Liter große Gepäckabteil des Ka hat dem nichts entgegenzusetzen. Auch die höhere Zuladung (482 gegenüber 328 Kilogramm) spricht eindeutig für den Fiesta. Immerhin läßt sich die Sitzbanklehne des Ka serienmäßig geteilt umlegen. Wer dieses Detail für seinen Fiesta Focus haben möchte, muß dafür 400 Mark ausgeben, bekommt dann aber noch hintere Kopfstützen dazu. Die wiederum kosten für den Ka 190 Mark extra. 

Vergleichsweise teuer wird es für den Fiesta- Fahrer, wenn er eine Servolenkung wünscht. Die schlägt mit 1000 Mark zu Buche. Wieder ein Argument für den Ka, bei ihm gehört sie zum Standard. Überhaupt liegen die Preise für die Extras beim Fiesta durchweg etwas über denen des Ka. Das Fahrwerk des Fiesta gehört derzeit in der Kleinwagenklasse zur Spitzengruppe. Es überzeugt mit gutem Komfort, der sich nicht negativ auf das Handling auswirkt. Kurven werden mit nur geringer Karosserieneigung durcheilt, obwohl die Federung weich abgestimmt ist. Ihre Empfindlichkeit gegen kurze Bodenwellen nimmt mit etwas Beladung ab.

Wie ein Zwillingsbruder benimmt sich der Ka. Allerdings lehnt er sich in schnellen Kurven etwas weiter nach außen. Insgesamt wirkt das Fahrverhalten des Ka nervöser, der Fiesta liegt subjektiv besser auf der Straße. Zu diesem Eindruck trägt auch das um 44 Kilogramm höhere Leergewicht seinen Teil bei. Aus seinem geringeren Gewicht kann der Ka kaum Kapital schlagen. Der Fiesta liegt in der Beschleunigung und im Durchzug vorn. Hier vereitelt die lange Antriebsübersetzung des kleineren Modells bessere Werte. Und weil man im Ka öfter schaltet und mehr Gas gibt, um so schnell wie im Fiesta am Ziel zu sein, kann die lange Übersetzung noch nicht einmal ihren theoretischen Benzinspareffekt ausspielen. Mit einem Minderverbrauch von nur 0,2 Liter auf 100 Kilometer enttäuschte der Ka im Test.

Zumal sein Testverbrauch von 7,5 Liter/100 km ohnehin hoch liegt. Unter entsprechenden Voraussetzungen kann er aber auch als Fünf-Liter- Auto unterwegs sein, wie der Minimal-Verbrauch von 5,1 Liter/ 100 km beweist. Hier distanziert er den Fiesta klar, der mindestens 5,6 Liter/ 100 km verbraucht. Bedenkt man aber, daß der 1,3 Liter- Motor auf eine 30 Jahre alte Konstruktion zurückgeht, ist das immer noch beachtlich. Insgesamt hat der Fiesta aber die Nase vorn – allerdings nur denkbar knapp. Wer sich in die hübsche Verpackung des Ka verguckt hat, wird den zweiten Platz verschmerzen können.  

Fazit

1. Ford Fiesta 1.3 Focus
554 Punkte
2. Ford Ka 1.3
552 Punkte
Technische Daten
Ford Fiesta 1.3i Flair Ford Ka
Grundpreis 10.834 € 9.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3828 x 1634 x 1320 mm 3620 x 1639 x 1413 mm
KofferraumvolumenVDA 250 bis 625 l 186 bis 724 l
Hubraum / Motor 1299 cm³ / 4-Zylinder 1299 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 44 kW / 60 PS bei 5000 U/min 44 kW / 60 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h 155 km/h
0-100 km/h 14,3 s 15,4 s
Verbrauch 7,1 l/100 km 6,3 l/100 km
Testverbrauch 8,0 l/100 km 7,8 l/100 km
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