Doppeltest Ford Fiesta 1.4 16 V gegen Opel Corsa 1.4 16 V

Mit einem neuen 90 PS-Zetec-SE-Triebwerk pirscht sich der Fiesta in ein Revier des Corsa: Der Opel-Kleinwagen hatte in dieser Leistungsklasse bislang kaum Konkurrenz. Ob er mit seinem 1,4 Liter-Ecotec-Aggregat der Ford-Neuentwicklung noch Paroli bieten kann, klärt der Vergleichstest.

Seitdem Kleinwagen auf dem Weg zu vollwertigen Autos sind, steigt der Wunsch nach ordentlichem Vortrieb. Minis mit starken Motoren standen zwar bislang schon in den Preislisten der Hersteller, aber selten in den Garagen der Kunden. Doch die Zeiten ändern sich. Ford registriert beim Fiesta entgegen viel niedrigeren Marketingprognosen für die 75 PSVersion einen Verkaufsanteil von mehr als 40 Prozent und rechnet sich auch für die neue 90 PS-Variante mit einem Käuferanteil von etwa zehn Prozent gute Absatzchancen aus. Bei Opel entfallen zwar nur rund drei Prozent aller Bestellungen auf den 90 PS-Corsa.


Bemerkenswert erscheint allerdings die hohe Eroberungsquote: 46 Prozent der Käufer fuhren vorher eine andere Marke. Die Liebe zu flotten Zwergen zieht sich durch alle Käuferschichten: Männer und Frauen teilen ihre Begeisterung für die kleinen Flitzer gleichermaßen, und nicht nur finanzkräftige junge Leute greifen zu den leistungsstarken Varianten, sondern auch Ehepaare mittleren Alters, die Wert auf einen gut motorisierten Zweitwagen legen. Den können sie sowohl bei Opel als auch bei Ford bekommen: Beide Autos verdienen mit den temperamentvollen 90 PS Triebwerken zweifellos das Prädikat vollwertig, weil man selbst auf Langstrecken nie den Fahrspaß verliert und bei Überholmanövern auf ausreichende Leistungsreserven vertrauen kann. Mehr Kraft ist für zügiges und komfortables Vorankommen nicht notwendig.

Die Unterschiede in der Leistungscharakteristik zwischen Corsa und Fiesta sind gering. Das maximale Drehmoment von 125 Newtonmetern erreichen sie bei 4000/min (Corsa) beziehungsweise bei 4500/min (Fiesta). Im Sprint von null auf 100 km/h verschafft sich der Corsa damit einen ganz leichten Zeitvorteil. Subjektiv erscheint allerdings der Fiesta spontaner und temperamentvoller, weil er beim Gasgeben viel direkter anspricht. Der Corsa bereitet mit der kürzeren Übersetzung hingegen weniger Schaltarbeit.

Der Fiesta braucht im fünften Gang fast fünf Sekunden länger, um von 80 auf 120 km/h zu kommen, und will so an Steigungen etwas früher zurückgeschaltet werden – angesichts der kurzen und knackigen Wege der Schaltung kein großes Problem. Die Vorteile des neu entwickelten Ford-Vierventilers liegen vor allem in der hervorragenden Laufkultur, die zur Zeit von keinem Konkurrenten überboten werden kann. Während der Opel-Vierzylinder brummt und bei hohen Drehzahlen stark vibriert, schnurrt der Fiesta über die gesamte Drehzahlbandbreite behaglich vor sich hin und sichert sich somit einen deutlichen Vorsprung im Motorenkapitel.

Das Wohlbefinden steigt in Kleinwagen nicht allein durch starke und kultivierte Motoren, sondern vor allem durch guten Komfort. Der Corsa vermag mit Schwächen auf langen Bodenwellen noch an die unrühmliche Vergangenheit mancher Minis zu erinnern, der Fiesta hat mit einem Optimum an Schluckvermögen dagegen schon in den letzten auto motor und sport-Vergleichstests (Heft 2/96 und 9/96) bewiesen, daß er auch in dieser Hinsicht zur Spitze in seiner Klasse zählt. Dazu passen die hervorragenden Handlingeigenschaften, die den Corsa einmal mehr alt und träge wirken lassen: Er untersteuert stärker und erfordert wegen der schwergängigen Servolenkung viel höhere Haltekräfte. Schwerer fallen im Kapitel Fahreigenschaften allerdings die Unterschiede in den Bremsleistungen ins Gewicht: Der 90 PS-Fiesta, im Gegensatz zu den schwächeren Versionen vorne mit innenbelüfteten Scheiben ausgerüstet, steht mit kalten Bremsen bereits nach 39,4 Metern, der Corsa benötigt 43,9 Meter. Auf hohe Belastung reagieren beide mit Fading, der Fiesta kommt mit einem Bremsweg von 47,7 Metern jedoch noch drei Meter früher zum Stillstand als der Corsa.

Mit ihrem Platzangebot können die Kleinen den Anschluß an das Niveau der großen Limousinen kaum erreichen: Wo soll, mit Längen von 3,73 Metern (Corsa) und 3,83 Metern (Fiesta) selbst bei optimaler Raumausnutzung annähernd soviel Platz zur Verfügung stehen wie bei der unteren Mittelklasse?

Doch wer meist allein oder zu zweit unterwegs ist, dürfte sich zumindest auf den Vordersitzen wohl fühlen. Richtig eng wird es nur im Fond. Besonders der Fiesta stellt mit geringer Kopf- und Beinfreiheit nachdrücklich unter Beweis, daß er auch nach dem Modellwechsel im Januar und dem damit verbundenen Wachstum weiter zur Kategorie der Kleinwagen zählt. Großzügiger kalkuliert Opel den Platz für die Rücksitzpassagiere, ohne freilich das hohe Niveau eines Fiat Punto erreichen zu können. Ein Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 260 (Corsa) beziehungsweise 250 Litern (Fiesta) reicht aus, um das Urlaubsgepäck für zwei Personen oder die Einkäufe für ein ganzes Wochenende zu transportieren.

Der Fiesta verbucht kleine Vorteile, weil sich sein Gepäckabteil durch eine niedrigere Ladekante leichter beladen läßt und die Zuladung mit 444 Kilogramm um rund 90 Kilogramm höher ausfällt als beim Corsa. Auch den Vorteil unverbrauchter Jugend weiß der drei Jahre jüngere Fiesta gegenüber dem Corsa auszuspielen: Alle Hebel, Griffe und Schalter wirken solider und zeugen von höherer Langlebigkeit. Der qualitative Reifegrad des Fiesta steht Mittelklasse-Limousinen nicht nach, während Opel sich bemühen muß, den Anschluß an das Klassenniveau zu halten. Dem Ford ist er hinsichtlich Qualität, Komfort, Antrieb und Fahreigenschaften unterlegen, im Kapitel Wirtschaftlichkeit verzeichnet er dagegen einen Vorteil.

Der viertürige Fiesta, in der umfangreichen Ghia-Ausführung 26 900 Mark teuer, ist zwar rund 600 Mark günstiger als ein vergleichbarer Corsa CDX. Leichtmetallräder, Radio und Beifahrer-Airbag werden im Gegensatz zum Opel aber noch einmal extra in Rechnung gestellt.

Wer keinen Wert auf diese Ausstattungsfülle legt, findet in der Corsa-Preisliste mit Swing und Joy noch günstigere Versionen, die Ford in der 90 PSKlasse zumindest für den Viertürer nicht anbietet. Beachtlich fallen die Kraftstoffkosten aus – die Verbrauchswerte sind keinesfalls kleinwagenhaft: Durchschnittlich 8,4 Liter auf 100 Kilometer benötigt der Corsa, der Fiesta genehmigt sich trotz modernster Triebwerktechnik mit 8,8 Litern sogar noch etwas mehr. Ein billiges Vergnügen ist das Kleinwagenfahren somit nicht mehr. Aber es war auch noch nie schöner.

Fazit

1. Ford Fiesta 1.4i 16 V Ghia
106 Punkte

Gute Verarbeitung, Motor mit hoher Laufkultur, spontaner Gasannahme und ordentlicher Übersetzung, exakt schaltbares Getriebe, sichere Fahreigenschaften, sehr gute Handlichkeit, guter Federungskomfort. Knappes Raumangebot, zu hoher Verbrauch, Beifahrer-Airbag nur gegen Aufpreis, Fadingneigung

2. Opel Corsa 1.4i 16 V CDX
102 Punkte

Ordentliches Platzangebot im Fond, funktionelle Bedienung, Motor mit gutem Beschleunigungsvermögen, umfangreiche Ausstattung. Brummiger Motor mit Vibrationen, zu hoher Verbrauch, eingeschränkter Federungskomfort, hohe Haltekräfte durch schwergängige Lenkung, Bremsen mit Fadingneigung.

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Technische Daten
Opel Corsa 1.4 16V Swing Ford Fiesta 1.4i 16V Ghia
Grundpreis 11.803 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3741 x 1608 x 1420 mm 3828 x 1634 x 1334 mm
KofferraumvolumenVDA 280 bis 1150 l 250 bis 625 l
Hubraum / Motor 1389 cm³ / 4-Zylinder 1388 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 5600 U/min 66 kW / 90 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 180 km/h
0-100 km/h 11,3 s 11,5 s
Verbrauch 7,4 l/100 km 7,4 l/100 km
Testverbrauch 8,4 l/100 km 8,8 l/100 km
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