Doppeltest Ford Galaxy 2.3 gegen VW Sharan 1.8 T

Mit neuen, leistungsstarken Vierzylindertriebwerken versprechen die beiden meistverkauften Vans mehr Temperament und Antriebskomfort. Wer macht das Reisen angenehmer: der VW Sharan 1.8 Turbo oder der Ford Galaxy 2.3?

Das sogenannte badge engineering,  jenes aus Gründen der Kostenersparnis  in Mode gekommene  Verschleiern gleicher Automobilkonstruktionen  durch unterschiedliche  Marken-Embleme, wird in keiner  Klasse so sehr gepflegt wie im  Minivan-Segment.  Den Anfang machten 1994 Fiat  und der französische PSA-Konzern  mit ihrem Euro-Van. Er wurde von  beiden Partnern gemeinsam entwickelt  und wird auch im gleichen  Werk im nordfranzösischen Valenciennes  gebaut, aber unter vier Modellnamen  verkauft: Die Italiener  bieten ihn als Fiat Ulysse und Lancia  Zeta an, die Franzosen als Citroën  Evasion und Peugeot 806. Weitere  Unterscheidungsmerkmale: so gut  wie keine – wenngleich es in Preis  und Ausstattungsumfang teilweise  beträchtliche Differenzen gibt. 

Das gleiche Spiel treiben seit  1995 Ford und der VW-Konzern. Als  Ford Galaxy und VW Sharan wird  im Prinzip ein und derselbe Minivan  verkauft, der aus einem gemeinsam  errichteten Werk in Portugal rollt.  1996 kam mit dem Alhambra der  spanischen VW-Tochter Seat noch  ein dritter Ableger hinzu.  Sie alle haben die gleiche Bodengruppe,  das gleiche Fahrwerk,  die gleiche Karosserie, die gleiche  Kraftübertragung und den gleichen  Motor.

Sie unterscheiden sich geringfügig in der Gestaltung der  Front- und Heckpartie sowie des  Cockpits, aber durch die Bank deutlich  im Umfang der Serienausstattung  und in der Höhe des Kaufpreises.  Der Seat Alhambra, den es nur  mit den kleineren Motoren gibt, ist  das preisgünstigste Angebot unter  den Drillingen, der VW Sharan ist  am teuersten, und der Ford Galaxy  rangiert in der Mitte.  Galaxy 2.3 und Sharan 1.8 T –  die Modellbezeichnungen lassen es  schon vermuten – haben aber noch  ein weiteres Differenzierungsmerkmal:  die Motorisierung. Während  VW auf einen vergleichsweise kleinvolumigen  1,8 Liter-Vierzylinder  mit Turboaufladung setzt, der  150 PS entwickelt und bereits aus diversen  Konzern-Automobilen (Audi  A3, A4 und A6, VW Golf und Passat)  bekannt ist, installiert Ford einen  größervolumigen Saugmotor mit  145 PS aus 2,3 Liter Hubraum, der  ebenfalls schon im Modellprogramm  des Hauses (Mondeo, Scorpio)  Verwendung findet.  

Der Fachmann ahnt bereits, was  selbst der viel zitierte Otto Normalverbraucher nach einigen Kilometern  Probefahrt mit beiden Modellen  im direkten Vergleich feststellen  wird: Die verschiedenen Konstruktionsprinzipien  beider Motoren haben  einen jederzeit spürbaren Einfluß  auf die Leistungscharakteristik  und den Antriebskomfort.  So entpuppt sich der aufgeladene  1,8 Liter-Vierzylinder im Sharan wie  viele Turbomotoren rasch als Blender.  Er liefert zwar glänzende Werte  nicht nur im Drehmoment (210 Nm  ab 1750/min), sondern auch in Beschleunigung  (null auf 100 km/h in  9,3 Sekunden) und Elastizität (60  auf 100 km/h im vierten Gang 9,3  Sekunden, im fünften von 80 auf  120 km/h 13,5 Sekunden), aber im  Alltag ist davon wenig zu merken. 

Hier macht der vermeintlich  schwächere (maximales Drehmoment  203 Nm bei 2500/min) und  nach den Fahrleistungsmessungen  klar unterlegene Ford Galaxy die  bessere Figur. Aber warum?  Der hubraumstärkere Ford-Vierventiler  bietet einfach die harmonischere  Leistungscharakteristik. Bei  niedrigen Drehzahlen, wo der 1,8 Liter-Fünfventiler des Sharan nach  dem Anfahren und jedem Schaltvorgang  noch in einem kleinen Turboloch  verharrt und erst nach einer  kurzen Atempause wieder tief Luft  zum Vorwärtsstürmen holt, ist die  2,3 Liter-Maschine des Galaxy  schon topfit und hält mehr Durchzugskraft  für gelassenes, schaltfaules  Dahingleiten bereit.  Unterstützt wird diese Drehmomentcharakteristik  beim Ford von einer  insgesamt kürzeren Antriebsübersetzung  und einer passenderen  Spreizung innerhalb der fünf Gänge  – beim Sharan ist der Sprung zwischen  zweitem und drittem Gang für  optimalen Anschluß etwas zu groß. 

Das aus der kürzeren Übersetzung  resultierende höhere Drehzahlniveau  kann sich der Galaxy leisten,  weil sein Motor mit Ausgleichswellen  zur Tilgung von vierzylindertypischen  Schwingungen der Kurbelwelle  ausgerüstet ist.  Das funktioniert so gut, daß der  Ford-Motor bis knapp 6000/min frei  von Vibrationen oder Dröhnfrequenzen  bleibt und erst darüber einen  kernigeren Ton anschlägt. So manierlich  geht das Turbo-Aggregat  nicht zu Werke.  Obwohl der aufgeladene 1,8 Liter-  Vierzylinder auch ohne Ausgleichswellen  in gut geräuschgedämmten  Limousinen wie Audi A6  und VW Passat kultiviert klingt, vermag  er im Sharan weniger zu gefallen.  Konstruktionsbedingt (Motorlagerung,  Geräuschbrücken in der Karosserie)  gibt er lästige Motor-Nebenwirkungen  wie Dröhnen, Brummen  oder Vibrieren bis zu den Passagieren weiter. 

Besonders ärgerlich:  Speziell im häufig genutzten mittleren  Drehzahlbereich sind die Mißtöne  beim Gasgeben, aber auch im  Schiebebetrieb am lautesten.  Bei höheren Geschwindigkeiten  mischen sich beim Sharan auch heftige  Windgeräusche ins Klangbild.  Obwohl beide Autos auf dem selben  Fließband produziert werden und  von der Karosserieform her baugleich  sind, waren beim Galaxy-  Testwagen kaum Strömungsgeräusche  zu verzeichnen. Das legt die  Vermutung nahe, daß die Fertigungstoleranzen  größer sind als die  Unterschiede im Design. 

Auch der Benzinverbrauch ist  nicht gerade moderat. Das trifft jedoch  auf beide Vans zu. Wer die Leistungsreserven  auf der Autobahn  ausschöpft (beide laufen über 190  km/h schnell), muß mit Werten zwischen  15 und 16 L/100 km rechnen.  Im gemischten Betrieb pendelt  sich der Durchschnittsverbrauch bei  etwa 13 Litern pro 100 km ein, wobei  der Galaxy trotz zusätzlicher innerer  Reibung durch die Ausgleichswellen  und trotz des insgesamt höheren  Drehzahlniveaus durchschnittlich  nur ein paar Zehntelliter mehr  benötigt als der Sharan.  Da dürften für das Gros der Van-  Fans die Unterschiede in den Anschaffungs-  und Unterhaltskosten  schon stärker ins Gewicht fallen. Es  zeugt von einer gewissen Kühnheit  des VW-Marketings, die 1.8 T-Version  des Sharan gegenüber dem Galaxy  2.3 je nach Ausstattungslinie  zwischen 5000 und 7000 Mark teurer  anzubieten. 

Selbst wenn man wie in diesem  Doppeltest den Sharan Trendline  (53 350 Mark) mit dem Galaxy  Sport (48 300 Mark) vergleicht, beträgt  der Preisunterschied immer  noch 5000 Mark zugunsten des Ford.  Er reduziert sich nur bei Zukauf von  Dachreling und getönten Seitenfenstern  hinten um 1080 Mark.  Auch die wesentlich günstigeren  Beiträge für Haftpflicht- und Vollkasko-  Versicherung – da ist der VW  1000 Mark teurer pro Jahr als der  Ford – stempeln den Galaxy letztendlich  zum wirtschaftlicheren  Raumtransporter.  Oder um das Fazit in der Fliegersprache  auszudrücken: Der Galaxy  hat das bessere Triebwerk, und er  ermöglicht Business class-Reisen zu  Economy-Preisen.  

Fazit

1. Ford Galaxy 2.3
535 Punkte
2. VW Sharan 1.8 T
522 Punkte
Technische Daten
Ford Galaxy 2.3 Sport VW Sharan 5V Turbo
Grundpreis 25.002 € 25.053 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4617 x 1810 x 1730 mm 4617 x 1810 x 1728 mm
KofferraumvolumenVDA 266 bis 2610 l 256 bis 2610 l
Hubraum / Motor 2295 cm³ / 4-Zylinder 1781 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 107 kW / 145 PS bei 5500 U/min 110 kW / 150 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h 194 km/h
0-100 km/h 10,8 s 9,3 s
Verbrauch 10,1 l/100 km 10,2 l/100 km
Testverbrauch 13,1 l/100 km 12,9 l/100 km
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