Doppeltest

Ford Scorpio 2.3i 16 V gegen Mercedes E 230

Der Ford Scorpio, bislang wenig erfolgreich auf dem Markt, tritt nun auch mit einem 2,3 Liter-Vierzylinder an. Neuer Motor, neues Glück? Im Vergleich mit dem Mercedes-Establishment E 230 zeigt der jüngste Ford, was er kann.

Von einem ganz neuen Triebwerk beim Scorpio zu sprechen, wäre nicht korrekt. Aber man muß, nach dem Scorpio- Debüt vor rund zwei Jahren mit dem weiter angebotenen Zweiliter, doch von einem klaren Schritt nach vorne sprechen. Zwar änderte sich nicht die Ventilzahl vier, aber der Hubraum stieg in der jüngsten Version auf 2295 Kubikzentimeter und die maximale Leistung auf 147 PS. Entscheidender noch war jedoch eine andere technische Aufwertung der fast quadratisch ausgelegten Maschine: zwei mit doppelter Kurbelwellendrehzahl gegenläufig rotierende Ausgleichswellen, die das prinzipiell problematische Schwingungsverhalten des Reihenvierzylinders verbessern sollen.


Die Mercedes-Konstrukteure haben bei ihrem Vierzylinder auf eine solch aufwendige Maßnahme verzichtet. Man beließ es bei modellpflegetypischen Verfeinerungen, ist nach wie vor 150 PS stark und im Drehmoment mit 220 Newtonmetern deutlich über dem Ergebnis der Kölner Motorenbauer liegend (202 bei 4500/min). Nun, Sechszylinder – für BMW eine Selbstverständlichkeit in den besseren Regionen des Automobilbaus – sind sie beide nicht. Akustisch und auch von den Schwingungen her ist der Mercedes-Motor sogar sehr deutlich von solcher Seidigkeit entfernt, obwohl man ihm keineswegs rauhen Lauf nachsagen kann.

Im direkten Vergleich zeigt das Scorpio-Triebwerk, daß der hohe Aufwand Früchte trägt. In der mechanischen Laufruhe ist der 2,3-Liter nahe am Sechszylinder dran, ohne allerdings dessen spezifische Reize bieten zu können. Der Zündabstand beim Vierzylinder ist mit und ohne Ausgleichswellen gleich, und auch akustisch gehört man eben doch nicht zur Königsklasse. Bessere Laufruhe also als im Mercedes, aber auch eine lästige Begleiterscheinung, nämlich gelegentliches jähes Stehenbleiben beim Anfahren mit wenig Gas oder auch mit stark eingeschlagener Lenkung und viel Servopumpenaufwand.

Der Mercedes bleibt frei von solchen Zwischenfällen. Zufrieden brummt der Motor, nicht ganz so zufrieden brummt sein Fahrer, der sich in solch statusbewußter Umhüllung etwas mehr Laufkultur gewünscht hat. In den Fahrleistungen herrscht dagegen weitgehend Gleichstand: fast die gleiche Beschleunigung mit gut zehn Sekunden vom Stand auf 100 km/h, ähnliche Elastizitätswerte (siehe Tabelle), wobei der Scorpio bei der Übung von 80 auf 120 km/h im fünften Gang etwas mehr Elan zeigt. An den Übersetzungsverhältnissen ist in beiden Fällen nicht viel auszusetzen. Wohl aber gibt es Differenzen bei der Bewertung der Schaltungen. Das Fünfganggetriebe des E 230 läßt sich exakter betätigen und verfügt über kürzere Wege als das des Kölner Konkurrenten.


Noch größer sind die Unterschiede zugunsten des Mercedes, wenn es um den Verbrauch geht. Die Ausgleichswellen des Ford fordern hier ihren mechanischen Tribut. Es muß einiges an zusätzlicher Masse beschleunigt werden, durch einen weiteren Kettenantrieb vergrößert sich die Reibleistung. Mit 10,6 Liter Testverbrauch auf 100 Kilometer ist der neue 2,3-Liter von Ford kein Säufer, aber auch kein Kostverächter. Der E 230 begnügt sich unter vergleichbaren Bedingungen mit 9,7 Litern – für Wagenformat und Leistungsklasse ein erstklassiger Wert.

Kaum eine Rolle hat dabei gespielt, daß nicht der Mercedes das schwerere Auto ist, sondern der Ford (1535 zu 1496 kg). Stattliche Gewichte, in beiden Fällen verbunden mit üppigen Längen (Ford: 4,82 Meter, Mercedes: 4,79) und, zumindest was den Scorpio betrifft, einer First Class- Ausstattung. Gegenüber dem ebenfalls nicht karg bestückten E 230 fallen vor allem Klimaanlage und ein hochwertiges Audiosystem ins Auge, Ohr und Gewicht – der Mercedes kontert mit Sidebags serienmäßig und den schön klingenden Pompadour- Taschen hinter den Sitzen. Insgesamt ist das Ausstattungsniveau hoch, Leichtmetallräder sind da wie dort Serie. Wie fühlt man sich? Es bewahrheitet sich wieder einmal, daß sich nur ein Mercedes wie ein Mercedes anfühlt, auch mit verbundenen Augen.

Doch das Qualitätsgefühl, das bei der Scorpio-Benutzung entsteht, rangiert ebenfalls weit oben. Alles macht einen soliden Eindruck – störend wirken nur der etwas säuerliche Interieurgeruch und eine gewisse Überfrachtung des Armaturen- und Bedienbereichs. In der getesteten Ghia-Version muß auf nichts verzichtet werden, und nun weiß man oft gar nicht, was man wann wo drücken oder hebeln soll. Sinnvoller wären bessere Sitze gewesen. Im Mercedes ist der Sitzkomfort dank geringerer Aufpolsterung angenehmer, dafür hat der Scorpio hinten noch mehr Beinraum zu bieten. So gesehen wäre er sogar das bessere Chauffeurs-Auto, wäre da nicht das Status-Problem.


Die alte Formel, viel Auto fürs Geld – für Ford scheint sie beim Scorpio nicht aufzugehen. Denn sachlich und nicht emotional gesehen zeigt sich in nahezu allen Bewertungskriterien, daß der aufgewertete Scorpio sachliche Vergleiche nicht zu scheuen braucht und meist nur wenig unter den hoch liegenden Meßlatten einzuordnen ist. Dies gilt auch für den Komfort, der zwar durch lautere Windgeräusche als beim Mercedes ebenso eingeschränkt wird wie durch die unbequemeren Sitze. Vom Federungsverhalten her tut sich aber dennoch keine Kluft auf. Der Mercedes kann beim Absorbieren der Fahrbahnunebenheiten alles noch etwas besser, groß sind die Differenzen nicht. Auch bei den Fahreigenschaften herrscht allgemeine Gutmütigkeit vor.

Der Mercedes hat dem Ford die standfesteren Bremsen voraus, ebenso die leichtgängigere und präzisere Servolenkung, die dazu beiträgt, daß der Mercedes der handlichere der beiden ist. Ist er auch der bessere? Zweifellos. Doch das hat auch einen um 12 000 Mark höheren Preis. Dafür fährt man Mercedes – und hält Abstand zu der tragischen Figur Scorpio, die ihren Job gut macht, aber nicht geliebt wird.

Fazit

1. Ford Scorpio 2.3i 16V Ghia
104 Punkte

Karosserie mit sehr gutem Raumangebot, gute Fahrleistungen, hohe Motorlaufkultur, sehr sichere Fahreigenschaften, guter Federungskomfort, reichhaltige Ausstattung. Teilweise unpraktische Bedienung, eingeschränkte Handlichkeit, hoher Verbrauch, Bremsen fadingempfindlich.

2. Mercerdes E 230
107 Punkte

Hohe Karosseriefunktionalität, sehr gute Verarbeitung, bequeme Sitze, gute Fahrleistungen, überzeugender Federungskomfort, gute Handlichkeit, sehr sichere Fahreigenschaften, standfeste Bremsen, günstiger Verbrauch. Eingeschränkte Motorlaufkultur vor allem bei hohen Drehzahlen, hohe Unterhaltskosten.

Technische Daten
Ford Scorpio 2.3i 16V Ghia Mercedes E 230
Grundpreis 26.076 € 30.164 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4825 x 1760 x 1402 mm 4795 x 1799 x 1436 mm
KofferraumvolumenVDA 465 bis 833 l 520 l
Hubraum / Motor 2295 cm³ / 4-Zylinder 2295 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 108 kW / 147 PS bei 5600 U/min 110 kW / 150 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 215 km/h
0-100 km/h 10,4 s
Verbrauch 9,6 l/100 km
Testverbrauch 9,7 l/100 km
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