Doppeltest Honda S 2000 gegen Porsche Boxster

Mit dem neuen Honda S 2000, dessen ungemein drehfreudiger Zweiliter-Vierzylinder 240 PS leistet, bereichert ein reinrassiger Roadster klassischer Strickart das Angebot offener Sportwagen. Ein Vergleich mit dem renovierten Porsche Boxster.

Die Papierform der S 2000- Maschine lässt gusseiserne Fans mit der Zunge schnalzen: 240 PS bei 8300/min, maximales Drehmoment (208 Nm) bei 7500 Umdrehungen, 9000 Touren Maximaldrehzahl und 120,2 PS Literleistung.

Das ist Formel 1-Niveau unter den Serien-Saugmotoren. Dafür hat Honda einen völlig neuen, sehr kompakten Zweiliter-Vierzylinder mit variabler Ventiltechnik entwickelt. Er kauert zwecks guter Gewichtsverteilung (49,4:50,6 Prozent) in dem langen Bug hinter der Vorderachse und leitet die Kraft über ein Sechsganggetriebe an die Hinterachse. Durchdrehende Antriebsräder zu bändigen, obliegt einem mechanischen Differenzial mit 25 Prozent Sperrwirkung. Ein neuer Roadster von altem Schrot und Korn also, gewürzt mit einer Prise Formel 1, der hier auf den modernen Boxster trifft. Dessen Kennwerte muten vergleichsweise gutbürgerlich an: 220 PS bei 6400 Touren und 260 Newtonmeter bei 4750/min liefert der 2,7 Liter große Sechszylinder-Boxer (spezifische Ausbeute 81,9 PS), der als Mittelmotor vor der Hinterachse sitzt. Seinem Auftritt merkt man die gute Kinderstube an.

Er wirkt in jeder Situation wohlerzogen, läuft weich und vibrationsfrei ab der Leerlaufdrehzahl. Vollast beantwortet er im unteren Bereich mit ansprechendem Durchzug und intoniert ihn mit einem dezenten Trompeten, das bei hohen Touren kräftiger wird, aber auch dann noch als melodiöser, boxertypischer Sound angenehm in den Ohren klingt.

Seit der Hubraumerhöhung von 2,5 auf 2,7 Liter anlässlich des leichten Facelifts im Herbst dieses Jahres dreht der Boxer im Boxster bis knapp über 7000 Touren. Das tut er ohne mechanisches Getöse und mit einer spielerischen Leichtfüßigkeit, die dem Fahrer das Aufsuchen des Drehzahllimits ohne jegliche Scheu gestattet.

Die kleine Honda-Maschine ist da von ganz anderer Wesensart: raubeinig mit ihrem störenden Teillastruckeln in der Anfahrphase, giftig mit ihrer stets blitzartigen Reaktion auf Gaspedalbewegungen sowie aufdringlich und fordernd zugleich mit ihrem kernig lauten, von mechanischen Tönen durchsetzten Geräusch. In den oberen Regionen schwillt es zu hellem, purem Brüllen an, das dem Piloten in bewohnten Landstrichen fast ein schlechtes Gewissen bereitet und auf längeren Autobahnstrecken den Nerv tötet. Nicht nur die Akustik vermittelt Rennwagenatmosphäre, die Art der Leistungsentfaltung auch.

In Anbetracht des weiten Drehzahlbandes registriert man mit Erstaunen, wie gut der Vierventiler schon im unteren Bereich zupackt. Sein wahres Gesicht aber zeigt er erst ab knapp 6000 Touren, wenn der elektronisch gesteuerte variable Ventiltrieb die scharfen Nocken einspannt.

Dann geht die Post richtig ab, mit kräftigem Antritt und dem Einsatz eines weiteren Nachbrenners bei Erreichen der 7500/min-Marke. Um die Drehzahlorgie und die volle Beschleunigung zu genießen, empfehlen sich die Gänge zwei und drei. Schon im vierten kostet es Überwindung, so lange auf dem Gas zu bleiben, bis die magischen 9000 Touren (212 km/h) erreicht sind. Im Drehvermögen ist der Vierzylinder dem Boxer klar überlegen, nicht aber in der Drehwilligkeit.

Mit Ausnahme der Höchstgeschwindigkeit (241 zu 250 km/h) hat der Honda in den Fahrleistungen seine lange Nase vorn: In 6,2 Sekunden (Porsche: 6,8) stürmt er auf Tempo 100, nach nur 24,7 (28,3) Sekunden sind 200 km/h erreicht.

Dank kurzer Übersetzung seines gut abgestimmten Getriebes gewinnt er auch knapp die Elastizitätsprüfung: 11,2 Sekunden vergehen in der sechsten Stufe von 80 bis 120 km/h, eine Sekunde weniger als beim Porsche im fünften Gang. Trotz seines hohen Drehvermögens hält sich der Verbrauch des S 2000 in akzeptablem Rahmen. Er konsumierte durchschnittlich 11,3 Liter pro 100 Kilometer und damit 0,7 Liter weniger als der mit 1370 Kilogramm Leergewicht rund zwei Zentner schwerere Boxster. Sein Tankvolumen dagegen ist mit 50 Litern klein. Seinem extrem sportlichen Charakter huldigt der Honda auch in weiteren Punkten, beispielsweise bei der Schaltung. Sie arbeitet exakt und mit extrem kurzen Wegen, was bei forscher Gangart auf kurvenreichen Straßen in Freude am schnellen Schalten gipfelt. Andererseits macht das Einlegen des Rückwärtsgangs Mühe, und die Schaltung ist schwergängiger als die im Porsche, wo der Knauf vergleichsweise weit geführt werden muss. Dass der Honda dem Piloten stets Aufmerksamkeit abverlangt, passt zu seinem Charakter.

Er läuft unruhiger geradeaus und ist windempfindlicher als der Porsche. In Kurven erreicht er erstaunlich hohe Geschwindigkeiten, ehe ein kleiner Schlenker des Hecks den Grenzbereich ankündigt. Das kurze, leichte Wegwischen der Heckpartie bleibt zunächst harmlos, weil das schnell eingreifende Sperrdifferenzial sofort wieder für Fahrstabilität sorgt.

Die Gangart aber wird eckig und wirkt nicht eben vertrauenfördernd, was gut ist: Reißt die – absolut gesehen sehr gute – Traktion ganz ab, drängt das Heck schlagartig nach außen und erfordert blitzschnelles Gegenlenken.

In Grenzsituationen zeigt sich der ganz leicht untersteuernd ausgelegte Porsche auch ohne Traction Control (1533 Mark Aufpreis) gutmütiger. Er ist bei schneller Fahrt leichter zu bändigen, weil er relativ weich vom Unter- ins Übersteuern wechselt. Auch halten seine Antriebsräder dank der weicheren Abstimmung auf unebener Bahn besser Bodenkontakt.

Seine sehr exakte Lenkung spricht ebenfalls für den Boxs- ter. Die des Honda erfordert zwar geringeren Kraftaufwand, arbeitet aber speziell um die Mittellage nicht so genau, weshalb man den Einschlag häufiger korrigieren muss. In der Handlichkeit aber setzt der S 2000 die Maßstäbe: Es beeindruckt, wie wieselflink er auf Landstraßen unterwegs ist, hier wirkt der Boxster mit seinen stärkeren Aufbaubewegungen vergleichsweise behäbig. Dafür bietet er trotz hoher Windgeräusche bei geschlossenem Verdeck einen akzeptablen Fahrkomfort, der auch lange Touren nicht zur Strapaze werden lässt. Im sehr hart gefederten Honda sind dagegen Nehmerqualitäten gefragt.

Kleine, permanente Stuckerbewegungen auch auf ebener Bahn, herbe Stöße von der Hinterachse und orkanartige Windgeräusche bei geschlossenem Verdeck, die ab 200 km/h sogar den Motor übertönen, schränken das Fahrvergnügen auf Langstrecken drastisch ein. Mit seinem großzügigeren Raumangebot, den beiden gut nutzbaren Kofferabteilen (260 Liter) und besserer Qualitätsanmutung unterstreicht der Porsche seine hohe Alltagstauglichkeit. Der Honda hingegen betont mit dünn gepolsterten, aber gut profilierten Ledersitzen, vorbildlicher Sitzposition, digitalen Instrumenten und dem kleinen (143 Liter) zerklüfteten Kofferraum seinen Sportsgeist.

In der Karosseriesteifigkeit und Serienausstattung kann er mithalten, doch schmälern billige Verkleidungen und kräftige Antriebsgeräusche im Schiebebetrieb den Qualitätseindruck. Kleine, schwer erreichbare Ablagen bringen Minuspunkte ein. Sein Verdeck, das wie beim Porsche am Scheibenrahmen entriegelt werden muss und elektrisch öffnet, faltet sich in nur fünf Sekunden zusammen. Dann aber bleibt es unabgedeckt hinter den Sitzen liegen. Denn die fummelige Montage der störrischen Persenning, die gefaltet den halben Kofferraum beansprucht, ist unzumutbar. Sehr elegant dagegen die Lösung beim Boxster, wo das Verdeck vom vorderen Teil des Daches und einer festen Klappe abgedeckt wird.

Der Frischluftgenuss ist in beiden offenen Autos von ähnlicher Güte. In diesem Punkt erweist sich der S 2000 als konzilianter Partner: In ihm sitzt man gut geschützt vor Fahrtwindwirbeln, selbst wenn das kleine, aber wirkungsvolle Windschott zurück geklappt ist. Einen klaren Punkte-Vorsprung erzielt der Honda nur im Kosten-Kapitel durch seinen günstigeren Preis (62 480 Mark). Das reicht aber nicht, um gegen den ausgewogenen Porsche als Erster die Ziellinie zu kreuzen.

Fazit

1. Porsche Boxster
577 Punkte

Der Porsche Boxster gewinnt dieses Duell deutlich. Sechs von sieben Wertungskapiteln entscheidet er klar für sich. Das verdankt er seinen ausgewogenen Allroundeigenschaften, zu denen vor allem gutmütige Fahreigenschaften, ansprechender Komfort und das bessere Raumangebot zählen. Bei alledem gewährleistet er auch, dass die Sportlichkeit nicht zu kurz kommt.

2. Honda S 2000
553 Punkte

Der Japaner sprengt den üblichen Rahmen mit kompromisslosen Tugenden. Ausgezeichnete Fahrleistungen, exzellente Bremsen und hohe Handlichkeit sind seine herausragenden Vorzüge, die allerdings mit geringem Komfort, gewaltiger Lautstärke und räumlicher Enge erkauft werden. Er wirkt wie ein Spielzeug, mit dem man am besten früh morgens ausführt, wenn die Straßen leer sind.

Technische Daten
Porsche Boxster Honda S2000 2.0
Grundpreis 42.108 € 35.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4320 x 1780 x 1290 mm 4135 x 1750 x 1285 mm
KofferraumvolumenVDA 260 l 143 l
Hubraum / Motor 2687 cm³ / 6-Zylinder 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 162 kW / 220 PS bei 6400 U/min 176 kW / 240 PS bei 8300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 255 km/h 241 km/h
0-100 km/h 7,0 s 6,4 s
Verbrauch 10,0 l/100 km 9,9 l/100 km
Testverbrauch 12,1 l/100 km 11,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mini Countryman Cooper D All4, VW T-Roc 2.0 TDI 4Motion Style, Exterieur VW T-Roc gegen Mini Countryman Kleine Diesel-SUV im Test
Beliebte Artikel Mazda 2 G 115, Skoda Fabia 1.0 TSI, VW Polo 1.0 TSI, Exterieur Mazda 2, Skoda Fabia und VW Polo im Test Wer liegt im Stadtrummel vorn? 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Lexus RC F Track Edition Lexus RC F Track Edition (2019) Mit 500 PS auf die Piste McLaren 720S Spider McLaren 720S Spider Supersportwagen als Cabrio
Allrad Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck Erlkönig Land Rover Defender 110 Erlkönig Land Rover Defender (2020) Der Landy kehrt zurück!
Oldtimer & Youngtimer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker BMW 507 Graf Goertz Die teuersten Promi-Autos 2018 2,6 Millionen für Goertz-507
Promobil Mitmachen und gewinnen 5 x Eiskratzer Sets von KUNGS Ford Nugget Plus Ford Nugget Plus im Test Campervan mit Heck-Bad
CARAVANING Mitmachen und gewinnen 5 x Eiskratzer Sets von KUNGS Campingplatz-Tipp Costa Verde Campingplatz-Tipp Portugal Orbitur-Camping Rio Alto