Doppeltest Land Rover Freelander 2.0 Di gegen Opel Frontera 2.2 DTI 16 V

Seit einem halben Jahr tritt die traditionsreiche Geländewagen-Marke Land Rover mit dem Freelander in der kleinen Geländewagenklasse an, die lange vom Opel Frontera dominiert wurde. Der wurde jetzt überarbeitet, um verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Ein kräftiger Gegenwind aus Fernost in Gestalt von Fun- Cruisern wie Honda CR-V und Toyota RAV4 blies dem Opel Frontera in letzter Zeit ins Gesicht. Von der zweiten Generation des ehemaligen Klassen- Primus verspricht Opel sich eine Belebung des Geschäfts. Aber auch im Nordwesten Europas hat sich was zusammengebraut. Land Rover, Synonym für Geländewagen schlechthin, ist seit März mit dem Freelander ebenfalls in diesem Segment vertreten. Da Dieselmotoren wegen ihrer Durchzugskraft und Genügsamkeit beliebte Antriebsquellen für Offroader sind, treten in diesem Vergleich zwei moderne Direkteinspritzer gegeneinander an.

Im Freelander ist das ein Zweilitermotor mit 97 PS, im Frontera der neue 2,2-Liter mit 115 PS. Wie der Freelander wird auch der Frontera in England produziert. Mit dem Produktionsland und dem Motorprinzip sind allerdings die Gemeinsamkeiten der beiden auch schon erschöpft. Der Freelander verfügt – untypisch für Geländewagen – über eine selbsttragende Karosserie und vier einzeln aufgehängte Räder. Der neue Frontera hingegen ist der klassischen Geländewagen- Bauweise treu geblieben. Seine Karosserie ist über spezielle Gummilager mit einem Leiterrahmen verbunden. Die Hinterräder werden von einer schraubengefederten Starrachse geführt. Unterschiede gibt es auch beim Antriebskonzept.

Beim Freelander werden alle vier Räder permanent angetrieben. Eine Viscokupplung übernimmt die variable Antriebskraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Durchdrehende Räder werden mittels einer Traktionskontrolle abgebremst. Eine Gelände-Reduktion für Kriechpassagen fehlt. Deren Aufgabe soll – zumindest bei Talfahrt – die Bergabfahrhilfe HDC (Hill Descent Control) übernehmen. Diese wirkt nur im ersten und im Rückwärtsgang und wird über einen Knopf im Schalthebel aktiviert. Ohne weiteres Zutun des Fahrers begrenzt das ABS in Gefällstrecken über selbsttätige Bremseneingriffe die Geschwindigkeit auf zehn km/h. Der Frontera hat eine zuschaltbare Gelände-Reduktion (2,05). Im Normalfall ist bei ihm nur die Hinterachse angetrieben, bei Bedarf kann jedoch der Vorderradantrieb über einen Schalter in der Armaturentafel zugeschaltet werden. 

Das ist sogar während der Fahrt möglich. Antriebskonzept und Radaufhängung des Frontera mögen für Ausritte in schweres Gelände die bessere Lösung sein. Auf der Straße aber, wo hierzulande die meisten Geländewagen unterwegs sind, macht der Freelander das Rennen. Zwar neigt sich auch bei ihm die Karosserie bei Kurvenfahrt stärker als bei Straßenautos, er wirkt jedoch in allen Fahrsituationen limousinenhafter als der Frontera. Dazu trägt nicht zuletzt die direktere, mehr Gefühl für die Straße vermittelnde Lenkung des Freelander bei.

Sie ist zudem leichtgängiger als die des Frontera, die sich überdies bei schnellen Spurwechseln um die Mittellage versteift. Bei flotter Autobahnfahrt verlangt der Freelander nach kleinen Kurskorrekturen, wo der Frontera trotz seiner breiteren Reifen besser geradeaus läuft. In der ISO-Wedelgasse, die ein Ausweichmanöver auf der Autobahn simuliert, verhält sich der Land Rover harmloser als der ohne Beladung giftig reagierende Opel. Mit voller Zuladung werden die Reaktionen des Frontera aber weicher und behäbiger. Den VDA-Ausweichtest (ehemals Elchtest) meistern beide trotz spektakulärer Schräglagen und einzelner abhebender Räder ohne akute Kippgefahr. Auch beim Federungskomfort ist der Freelander dem Frontera, der auf langen Bodenwellen zum Schaukeln neigt, knapp überlegen.

Zudem pariert der Freelander Kanaldeckel und Querfugen geschmeidiger als der Opel. Bei beiden verbessert sich übrigens das Ansprechverhalten der Federung mit steigender Zuladung. Für den Komfort ebenso wichtig wie das Fahrwerk ist die Gestaltung der Sitze. Während beim Opel in der ersten Reihe üppig dimensionierte Sessel eingebaut sind, die ausreichenden Seitenhalt bieten und eine entspannte Sitzposition zulassen, kann der Sitzkomfort für die Fondpassagiere nicht überzeugen. Zwar mangelt es nicht an Kopf- und Kniefreiheit, aber die Sitzbank ist so tief montiert, daß die Beine unnatürlich stark angewinkelt werden müssen. Umgekehrte Vorzeichen beim Land Rover. Die vorderen Sitze sind zu klein geraten und bieten nur ungenügenden Seitenhalt. Außerdem erinnert die Sitzposition vorne eher an einen Kutschbock, so hoch thronen Fahrer und Beifahrer. 

Eine Höhenverstellung fehlt. Hinten dagegen sitzen Mitfahrer deutlich besser und entspannter als im Frontera. Im Freelander können die Passagiere zudem ihre Füsse unter die Vordersitze stellen. Wird die jeweils geteilte Rücksitzbank ganz umgeklappt, steht im Frontera ein Gepäckraum von 1790 Litern zur Verfügung. Der Freelander bietet hier mit 1313 Litern deutlich weniger. Bei ihm fällt auch die mögliche Zuladung (469 kg) geringer aus als beim knapp 300 Kilogramm schwereren Opel, dem 577 Kilogramm zugemutet werden dürfen.

Ähnliche Verhältnisse herrschen bei der Anhängelast, einem wichtigen Kriterium für Offroader. Bis zu 2000 Kilogramm darf der Freelander ziehen, 2800 der Frontera. Klar, daß diese Gewichte nach einem zugkräftigen Motor im Frontera verlangen. Der 115 PS starke Direkteinspritzer- Diesel stellte seine Qualitäten wie hohe Durchzugskraft und verhaltene Geräuschentwicklung schon im Opel Sintra unter Beweis (siehe Heft 23/98). Ganze 50 Newtonmeter beträgt der Drehmoment- Vorsprung des Vierventil- Aggregats gegenüber dem Zweiventiler des Freelander, der nur 210 Newtonmeter vorweisen kann. Außerdem passen die Ganganschlüsse des kleinen Landy nicht so gut, was nach dem Hochschalten durch verzögert einsetzenden Vortrieb deutlich wird.

Dafür verbraucht er mit 10,2 Liter/100 km weniger Kraftstoff als der Frontera (10,6 Liter/100 km). Angesichts der höheren Leistung und des höheren Gewichts ist der Mehrverbrauch aber moderat. Beim Bremsen geht die Partie an den Frontera. Denn er steht vor allem mit warmer Bremse deutlich früher als der Freelander. Der hat zwar serienmäßig ABS, was sogar beim 55 350 Mark teuren Frontera Limited für 2205 Mark extra geordert werden muß, aber er verfügt hinten nur über Trommelbremsen. Schon im auto motor und sport-Bremsentest (Heft 19/98) reichte es damit nur für den letzten Platz. Am Ende gewinnt der Frontera mit einem knappen Vorsprung. Seine deutliche Überlegenheit in der Karosserie- und der Antriebswertung schmilzt vor allem im Kostenkapitel wieder dahin. Immerhin ist der Freelander mit 47 300 Mark über 8000 Mark billiger als der Frontera Limited. Damit der Preis weniger stark klettert, bleibt dem Frontera- Interessenten aber noch die Wahl des 3950 Mark billigeren Grundmodells.  

Fazit

1. Opel Frontera 2.2 DTI 16V
542 Punkte
2. Land Rover Freelander 2.0 Di
535 Punkte
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Technische Daten
Opel Frontera 2.2 DTI 16V Limited Land Rover Freelander 2.0 Di Station Wagon
Grundpreis 29.399 € 25.820 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4658 x 1787 x 1740 mm 4382 x 1805 x 1757 mm
KofferraumvolumenVDA 389 bis 1790 l 371 bis 1313 l
Hubraum / Motor 2171 cm³ / 4-Zylinder 1994 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 3800 U/min 71 kW / 97 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 154 km/h 155 km/h
0-100 km/h 14,6 s
Verbrauch 9,2 l/100 km 7,8 l/100 km
Testverbrauch 10,6 l/100 km
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