Doppeltest Mercedes A 170 CDI gegen VW Golf 1.9 TDI

Die Modellpalette der A-Klasse wird um eine Dieselvariante mit 90 PS erweitert. Wie schlägt sich der Mercedes A 170 CDI im Vergleich zum etablierten VW Golf TDI?

 Mercedes A-Klasse gegen VW Golf – ein nimmermüdes Thema, dem sich die Stuttgarter permanent ausgesetzt sehen. Nicht ohne Grund, schließlich haben sie ihr Kompaktmodell vom Preis her exakt gegen den Wolfsburger Bestseller plaziert. So paßt auch der jetzt auf den Markt kommende A 170 CDI (Ausstattung Classic: 35 032 Mark) gut zum leistungsgleichen (90 PS) VW Golf TDI in gehobener Ausstattung (Comfortline, viertürig: 34 850 Mark). Doch neu ist nicht nur der Direkteinspritzer-Diesel in der A-Klasse, neu ist auch das jetzt für den Golf erhältliche Fahrdynamik- Regelsystem ESP.

Es kostet bei VW 990 Mark extra. Die A-Klasse besitzt es serienmäßig, außerdem ein in der Abstimmung verbessertes Fahrwerk. Die Frage ist: Wie behauptet sich der erste Kleindiesel von Mercedes gegen den Marktführer? Nichts geändert hat sich im Karosseriebereich. Hier überzeugt der Golf durch sein besseres Raumangebot, die funktionellere Bedienung und vor allem durch höhere Qualität. Denn fast ein Jahr nach Serienanlauf ist die A-Klasse in diesem letzten Punkt immer noch weit vom Golf entfernt, enttäuscht durch Klappergeräusche und ein billig wirkendes Interieur. In Sachen Federungskomfort mußte sich die A-Klasse nach den Maßnahmen im Zuge des Elchtest-Debakels herbe Kritik gefallen lassen. Nun hat man das Fahrwerk in der Abstimmung verbessert.

Mit dem Ergebnis läßt sich leben, im Ansprechverhalten auf kleineren Unebenheiten sind deutliche Fortschritte feststellbar. Was bleibt, ist der sehr begrenzte Einfederweg, der bei Bodenwellen zu katapultartigen Aufbau- Bewegungen führt, wie überhaupt die Karosserie trotz scheinbar glatter Straßenoberfläche ständig in Bewegung ist. Im Golf hingegen wird echter Mittelklassekomfort geboten, unterstützt durch sehr gute Sitze, die lediglich im Rükkenbereich etwas zu hart ausgefallen sind. In der A-Klasse hingegen sind die Sitze zu klein, die Polster zu dünn und die in der Neigung nicht verstellbaren Rahmenkopfstützen zu hart ausgefallen. Restlos aufgezehrt wird der Fahrwerks-Komfortgewinn der A-Klasse durch das aufdringliche Geräuschbild des kleinen Direkteinspritzers, das bei schneller Fahrt noch von Windgeräuschen untermalt wird. 

Der Abstand zum Golf bleibt dementsprechend groß. Muster an Laufkultur sind freilich beide Direkteinspritzer nicht. Der Golf-Motor, ganz konventionell von einer Bosch-Verteilerpumpe mit Kraftstoff versorgt, mißfällt durch rauhen Leerlauf und eine Brumm-Neigung bei hohen Drehzahlen. Im Hauptbetriebsbereich jedoch läuft er hinreichend zivilisiert. Dort wiederum ist der Mercedes- Diesel ständig akustisch präsent, beim vollen Beschleunigen gar sind kräftige Nagelgeräusche hörbar. Im Leerlauf und bei hoher Drehzahl hingegen sind die dieseltypischen Verbrennungsgeräusche gut unterdrückt. Es erstaunt eigentlich, daß der neue Mercedes Direkteinspritzer trotz besserer Voraussetzungen (Hochdrucktechnik Common Rail) im Vergleich zum VW-Diesel akustisch nicht besser abschneidet.

Die Ursachen sind bei der A-Klasse konzeptbedingt. Der Motor läuft praktisch im Innenraum nur drei Zentimeter von der Spritzwand entfernt. Außerdem besitzt er ein Kurbelgehäuse aus Aluminium – einem Material, das erfahrungsgemäß Verbrennungsgeräusche schlechter dämpft als Grauguß. In der Leistung sind die beiden Vierzylinder gleich. 90 PS leistet der 1,7-Liter des Mercedes bei 4200/min, der 1,9-Liter des Golf schon bei 3750 Umdrehungen. Der größere Hubraum macht sich auch in einem um 15 Prozent höheren Drehmoment (210 Nm) bemerkbar, das der Golf-Motor dank seines Turboladers mit variabler Turbinengeometrie mit erstaunlicher Gleichmäßigkeit in Zugkraft umsetzt.

Mercedes kompensiert das geringere Drehmoment (180 Newtonmeter) durch eine kürzere Übersetzung, so daß beide Konkurrenten in den Fahrleistungen praktisch gleichauf liegen. Lediglich im oberen Geschwindigkeitsbereich tut sich die A-Klasse mit ihrem deutlich höheren Luftwiderstand schwerer als der Golf. Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h; der Mercedes kommt auf 175 km/h, allerdings nach langem Anlauf.

 
Minimal auch die Unterschiede im Verbrauch. Bei Zurückhaltung im Gasfuß lassen sich beide mit weniger als fünf Litern 100 Kilometer weit bewegen, im Alltag sind Werte zwischen fünf und sechs Liter/ 100 km realistisch. Damit zählen beide Konkurrenten zu den sparsamsten Vertretern ihrer Spezies. Schon beim letzten Vergleich (Heft 5/98) mußte sich die A-Klasse in den Fahreigenschaften trotz serienmäßigem ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) gegenüber dem in seinem Fahrverhalten sehr harmonischen Golf geschlagen geben.

Mit dem bei VW gegen Aufpreis lieferbaren ESP kann der Golf seinen Vorsprung noch weiter ausbauen, zumal die elektronischen Eingriffe sehr viel seltener und diskreter stattfinden als in der A-Klasse. ESP macht sich auch im Sicherheitskapitel bemerkbar. Der hierdurch im letzten Test bedingte Vorsprung der A-Klasse schmilzt dahin. Daß der Mercedes hier jedoch so stark zurückfällt, hängt mit der im Vergleich zum Golf dieses Mal deutlich schlechteren Bremswirkung zusammen. In der Eigenschaftswertung kann also der VW Golf seinen Vorsprung weiter ausbauen. Fast 50 Punkte sind ein sicheres Polster, das die A-Klasse auch in den letzten beiden Wertungskapiteln (Umwelt und Kosten) nicht mehr aufholen kann. Wie auch? Im Normverbrauch und demzufolge auch bei der CO2-Emission (132 g/km) liegen beide gleich.

Einen kleinen Vorteil kann die A Klasse nur bei der geringeren Verkehrsfläche für sich in Anspruch nehmen. Setzt man bei den Kosten an, so muß man fairerweise den Aufpreis für ESP (990 Mark) dem Grundpreis des Golf zurechnen. Er verursacht zudem höhere Festkosten. Diesen Punktverlust kann er teilweise durch niedrigere Wartungskosten und weitergehende Garantieleistungen wettmachen. So bleibt der Punktgewinn der A-Klasse in den letzten beiden Kapiteln bescheiden. Der Golf gewinnt als Diesel noch klarer als bei den Benzinern den Vergleich mit der Mercedes A-Klasse. Er ist ein ausgewogenes und erwachsenes Auto. Ob die A-Klasse je erwachsen wird, steht in den Sternen. Sie ist auf Grund ihrer Konzeption mit zahlreichen Kompromissen belastet, die man gerade bei einem Mercedes nicht sucht. 
 

Fazit

1. VW Golf TDI Comfortl.
622 Punkte
2. Mercedes A 170 CDI Classic
577 Punkte
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Technische Daten
Mercedes A 170 CDI Elegance VW Golf 1.9 TDI
Grundpreis 19.987 € 18.415 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3575 x 1719 x 1575 mm 4149 x 1735 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA 390 bis 1040 l 330 bis 1184 l
Hubraum / Motor 1689 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 4200 U/min 66 kW / 90 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h 180 km/h
0-100 km/h 13,0 s
Verbrauch 4,9 l/100 km 5,0 l/100 km
Testverbrauch 6,4 l/100 km
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