Doppeltest Mercedes C 200 CDI gegen VW Passat 1.9 TDI

Die Diesel-Entwicklung geht mit großen Schritten voran. Bei VW kommt als erster der Passat TDI mit der sogenannten Pumpe-Düse-Einspritzung. Mercedes vertraut auch beim neuen 200er auf Common Rail. Zwei Systeme, auch zwei Diesel-Welten?

Pumpe-Düse, kein schönes Wort. Bei VW ist der spröde Techniker-Begriff, eine neue Generation von Dieselmotoren kennzeichnend, trotzdem in aller Munde. Während die restliche Selbstzünderwelt – Diesel-Papst Mercedes eingeschlossen – inzwischen unisono auf die wörtlich gemeinsame Leitung, nämlich Common Rail setzt, haben die Wolfsburger eine andere Form der Diesel-Verfütterung verfolgt. Pumpe- Düse, eine brave deutsche Artikulation und schon deshalb in der Welt des englischen Idioms ungewohnt, bevorzugt eine mechanische Betätigung der Einspritzdüsen per Nockenwelle.

Die notwendigen hohen Drücke (bis 2000 bar) entstehen sozusagen beim jeweiligen Einspritzvorgang, während bei Common Rail (Drücke bis 1350 bar) der unter permanentem Druck stehende Kraftstoff über elektronisch gesteuerte Ventile abgerufen wird. Wie beim neuen TDI von VW kann Mercedes auch bei der jüngsten CDI-Variante, einer per Software und Ladedruck von ursprünglich 125 PS auf 102 PS reduzierten 2,2 Liter- Version, dank Common Rail die Möglichkeit einer sogenannten Voreinspritzung nutzen. Dieser Vorgang, bei Pumpe- Düse zu Anfang der Entwicklung noch nicht praktiziert, kostet zwar ein wenig Treibstoff, sorgt aber für eine weicher einsetzende Verbrennung.

Man muß kein Techniker sein, um dennoch eine sanftere Verbrennung unter der Mercedes- Haube zu registrieren. Obwohl der neue Passat TDI kein objektiv lautes Auto ist, sind doch die akustischen Differenzen zum vergleichsweise leise murmelnden Mercedes-Triebwerk nicht zu überhören. Dies ist besonders bei Beschleunigungsphasen in den unteren Gängen auffällig. Allein auf der Autobahn erfolgt eine gewisse Angleichung, wobei der C 200 CDI die Führungsrolle in Sachen Laufkultur gleichwohl behält. Hier ist nahezu ein Optimum erreicht. Wüsste man nicht, daß unter dem Stern selbst gezündet und verbrannt wird, man würde es kaum bemerken. Wie groß der Unterschied zum härter laufenden Passat ausfällt, zeigen die Meßwerte. 

Bei 130 km/h erreicht der Mercedes 69 dB(A), der VW kommt auf 70. Bei 160, mit zunehmenden Laufgeräuschen, ist die Differenz 72 zu 73 dB(A). Zusammen mit einem sehr guten, wenn auch insgesamt nur wenig über dem tüchtigen Passat liegenden Federungskomfort und den etwas schlechteren Sitzen sichert sich der neue C 200 CDI in der Addition der Punkte einen ersten Rang im Kapitel Fahrkomfort, wobei der kultiviertere Motor den entscheidenden Abstand bringt. Es sind ja nicht nur die Schallwellen, die beim VW für Differenzen sorgen, sondern auch Schwingungen, speziell im Schiebebetrieb. Gerade in diesem Bereich zeigt sich der Mercedes-Diesel als der wahre Meister. Doch das ist, zumal in einer Zeit, in der Dieselautos oftmals temperamentvoller sind als die entsprechenden Ottos, erst die halbe Wahrheit. Die Stunde des Pumpe-Düse-Passat, der nominal 115 PS bei 4000 Touren leistet, aber offensichtlich weit besser im Futter steht, schlägt bei den Fahrleistungen. Schon der subjektive Temperamenteindruck läßt einiges erahnen – ein kaum glaubliches maximales Drehmoment von 285 Newtonmetern tut ein übriges, um den im Hubraum um knapp 300 Kubikzentimeter größeren, in der Leistung (102 PS bei 4000 Touren, 235 Nm) unterlegenen C 200 CDI auf die Plätze zu verweisen.

Dem feurigen Elias von VW kommt dabei durchaus zugute, daß bei der Drosselung des CDI-Triebwerks der Bums des 125 PS starken Originals weitgehend auf der Strecke blieb. Auch subjektiv wirkt der 200er ein wenig müde und abgespannt und erinnert trotz objektiv befriedigender Fahrleistungen an Daimlers alte Diesel-Zeiten, als man den Wert der Maschine weniger an ihrem Temperament, sondern mehr an ihrer Lebensdauer gemessen hat. Nicht zuletzt das fröhlichere, wenn auch knurrendere Hochdrehen des Passat TDI kündigt an, daß in Beschleunigung und Durchzugsvermögen große Gräben bestehen. Von null auf 100 km/h stürmt der TDI beispielsweise in nur 10,5 Sekunden, während sich der CDI von Mercedes 14,2 Sehunden Zeit läßt. Von 80 auf 120 km/h im großen Gang nimmt sich der Passat kaum mehr als zehn Sekunden. 

Beim Mercedes CDI sind es vergleichsweise lethargische 17,7 Sekunden. Die Antriebswertung gewinnt der Passat mit seiner präziseren Schaltung überlegen, wobei der Kernpunkt allen ingeniösen Diesel-Strebens, nämlich der Verbrauch, ebenfalls klar für ihn spricht. In allen Konsum-Disziplinen, so auch bei der zurückhaltend gefahrenen Normrunde, ist der Pumpe-Düse-Passat dem Common Rail-200er klar überlegen – hier mit 4,7 zu 5,4 Litern pro 100 Kilometer. Der Maximalverbrauch beträgt beim TDI acht Liter, der CDI gönnt sich fast neun. Und in der Mixtur namens Testverbrauch stehen die beiden Kontrahenten mit 6,3 Litern (Passat) und 7,1 Litern (Mercedes) nebeneinander. Auch der 200 CDI ist also ein sparsames Auto, beim TDI grenzt das Zusammenspiel solcher Dynamik mit den realisierten Verbrauchswerten fast an Hexerei.

Noch vor wenigen Jahren hätte so etwas niemand für möglich gehalten. Wie ist man untergebracht? Der Passat offeriert das insgesamt größere Raumangebot, Kofferraum inklusive, wo mit stolzen 475 Litern deutlich mehr als in der C-Klasse (430 Liter) geboten wird. In der Funktionalität und auch in der Gesamtqualität bestehen keine entscheidenden Differenzen. Auch das Produkt Passat kommt hier dem Optimum sehr nahe. In der Ausstattung zeigen beide Basisversionen ein gutes Niveau – mit Seitenairbags, elektrischen Fensterhebern vorne, ABS und Zentralverriegelung.

Der C 200 CDI sichert sich hier trotzdem einen kleinen Vorsprung, vor allem durch seine Antriebsschlupfregelung. Auch den berühmten Bremsassistenten bekommt man ungefragt. Handlicher ist trotz des größeren Wendekreises der Passat, doch da wie dort liegen die Fahreigenschaften auf höchstem Niveau. Das gilt auch für die Bremsen, wobei der Mercedes noch etwas bessere Werte erreicht. Doch was er weder in der Eigenschafts- noch in der Gesamtwertung schafft, ist die erwartete Überlegenheit. Der Sieger nach Punkten heißt im Gegenteil Passat TDI. Zu verdanken hat er diesen Vorsprung einem Dieselmotor, dessen Effizienz im Moment wirklich einmalig ist.

Fazit

1. VW Passat TDI
627 Punkte
2. Mercedes C 200 CDI
603 Punkte
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Technische Daten
VW Passat TDI Mercedes C 200 CDI Classic
Grundpreis 23.425 € 25.563 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4675 x 1740 x 1459 mm 4516 x 1723 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA 475 bis 745 l 430 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder 2148 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 4000 U/min 75 kW / 102 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 183 km/h
0-100 km/h 10,5 s 14,2 s
Verbrauch 5,3 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 6,3 l/100 km 7,1 l/100 km
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