Doppeltest Mercedes ML 320 gegen Opel Monterey 3.5 V6

Eine Mercedes M-Klasse aus Alabama in den USA tritt gegen einen Opel Monterey an, den Isuzu in Japan baut. Die beiden Geländegänger kommen aus zwei Kulturkreisen und aus zwei technischen Epochen.

Das Angebot an Sport Utility Vehicles, die hierzulande bodenständig noch Geländewagen heißen, ist nicht nur ausgesprochen international, es bietet seinen Käufern auch Design und Stand der Technik aus verschiedenen Epochen. Die beiden Kontrahenten dieses Vergleichs zeigen das ganz offensichtlich. Der Mercedes läßt mit schlichtem Styling, glatter Außenhaut und Anflügen von Aerodynamik die Absicht erkennen, in der Klasse der Kernigen einen neuen Stil zu prägen.

 Der Opel zeigt mit kantiger Karosserie und seitlichen Kunststoff-Applikationen, die sich wie Speck um die Hüften legen, das Imponiergehabe traditioneller Geländewagen. Der Mercedes wirkt durch die dezentere Gestaltung zierlicher, der Opel kommt auffälliger und stattlicher daher. Die tatsächlichen Unterschiede im Format sind unerheblich. Die größere Höhe des Monterey schafft inwendig nicht entsprechend mehr Kopffreiheit; und die gut 20 Zentimeter mehr Länge ergeben sich durch das außen liegende Reserverad. Also gibt es auch bei den Platzverhältnissen keine nennenswerten Unterschiede.

Auf den in Leder gebundenen Sitzgelegenheiten ist vorn grosszügig Platz für zwei; hinten reisen auch drei schlanke Passagiere annehmbar. Die beiden Kofferräume fassen bis zur Fensterunterkante 600 Liter – also sehr viel. Die Heckklappe des Mercedes wirkt im alltäglichen Ladebetrieb praktischer, aber die Doppeltür des Opel hat einen großen Vorteil: Der linke Flügel trägt ein vollwertiges Reserverad, und das ist für Geländewagen, die wirklich ins Gelände fahren, unerläßlich. Der Mercedes läßt es dagegen mit einem Notrad unter der Ladefläche bewenden. Eine klobige Halterung für das Vollwert- Rad gibt es als Extra. Auch bei den Anhängelasten punktet Opel klar gegen Mercedes mit 3300 zu 2650 Kilogramm. Bei der Funktionalität der Bedienungselemente bleibt die Partie ausgeglichen. Denn klar und übersichtlich geht es für den Fahrer in beiden Autos zu. 

Was den Stil betrifft, so läßt sich etwas gegen das falsche Holz im Mercedes sagen und einiges gegen die Finsternis im Fond hinter den schwarzen Scheiben. Qualitativ kann sich der amerikanische Mercedes mit einer selbst im Gelände geräuschfreien Karosserie etwas von dem knisternden Gehäuse des japanischen Opel absetzen. Erhebliche Differenzen beim Komfort kommen hier aus einem Generationskonflikt. Der Mercedes profitiert von seinem modernen Fahrwerk mit rundum einzeln aufgehängten Rädern im Vergleich zum Opel, dessen Hinterteil sich traditionell auf eine starre Achse stützt. Der Federungskomfort ist damit deutlich schlechter. Und ein Satz weniger bequeme Sitze verringert die Punktzahl des Opel zusätzlich. Beim Motor setzen beide Marken auf Sechszylinder im V-Format und füllig eingeschenkten Hubraum. Die dreiventilige Mercedes-Maschine schöpft aus 3,2 Litern 218 PS bei 5600/min. Der Vierventiler von Isuzu setzt 3,5 Liter ein, um 215 PS bei 5400/min zu erzeugen. Beim Drehmoment herrscht Gleichstand, beide haben 310 Newtonmeter bei maßvollen 3000/min. Keinem der beiden Motoren gelingt es, seinen Zweitonnen- Truck mit mustergültiger Laufkultur zu bewegen.

Die Isuzu- Maschine ist nur bei ruhiger Gangart angenehm, aber im oberen Bereich sehr vorlaut. Der Mercedes-Motor ist zwar immer präsent, aber im oberen Geschwindigkeitsbereich deutlich kultivierter. Die Automatikgetriebe kommen spürbar aus zwei Welten. Bei Mercedes treffen fünf Gänge auf eine nicht zu lange Übersetzung. Für Opel gilt das amerikanische Prinzip: drei Fahrstufen plus langer Overdrive. Mit kürzeren Gangabständen arbeitet die Mercedes-Automatik komfortabler und effektiver. Die deutlichen Differenzen der Fahrleistungen finden nicht zuletzt in der Kraftübertragung ihre Ursache. Beim Testverbrauch profitiert der Monterey deutlicher von seiner langen Übersetzung als bei den Normwerten. Er fährt bei etwas höherem Konsum an Normalbenzin nicht teurer als der Supertanker der M-Klasse. Das Fahrverhalten beider Kandidaten wird wie der Komfort vom technischen Altersunterschied geprägt. 

Der Mercedes mit seinen Radaufhängungen im Stil der neuen Zeit ist auf Asphalt von anderen Geländewagen kaum zu schlagen. Er fährt sich hier fast wie ein ganz normales Auto, dem allenfalls etwas von der gewohnten Rückstellkraft in der Lenkung fehlt. Der Opel ist im Vergleich dazu ein im Geradeauslauf ordentlich gebändigter Geländewagen, der seine Einstellung zu Kurven aber in starker Seitenneigung und reifenschrubbendem Untersteuern ausdrückt. Die Fahrversuche beim Slalom, beim Wedeln und in der Ausweichgasse bestätigen die Qualitäten des Mercedes mit unmißverständlichen Zahlen.

Der Mercedes kann bei nasser oder glatter Straße auch seinen permanenten Allradantrieb zum Wohle von Traktion und Fahrstabilität ins Spiel bringen. Der zuschaltbare Vorderradantrieb des Opel sollte auf befestigten Straßen nur bei akutem Traktionsmangel eingreifen. Aufholen kann der Monterey im Gelände, wo er mit starker Achsverschränkung rüstig weiterkommt, wenn der Mercedes schon seine bremseingreifenden Traktionshilfen bemühen muß. Bei ihrem ursprünglichen, dem verzögernden Geschäft sind die Bremsanlagen beider Autos so wirkungsvoll, wie das bei Geländewagen mit großer Masse und hohem Schwerpunkt möglich ist, aber das Nachlassen der Wirkung bei heißer Bremse ist beim Mercedes etwas ausgeprägter.

Bei der passiven Sicherheit ist die Distanz so deutlich wie bei der aktiven, denn der Mercedes hat mit Seitenairbags und Kopfstützen an allen fünf Sitzen Dinge serienmäßig, die beim Monterey auch gegen Aufpreis nicht zu haben sind. Ansonsten herrscht beim Geld Einigkeit. Der Mercedes steht komplett mit Automatik und mit Klimaanlage für 76 560 Mark in der Liste. Der Opel kostet mit den gleichen Attributen 76 550 Mark. Aber die für den Käufer wesentlichen Unterschiede liegen nicht allein im technischen Gegenwert. Einen Mercedes ML 320 bekommt man vielleicht noch im gleichen Jahrtausend, einen Opel Monterey vielleicht schon im gleichen Monat. 

Fazit

1. Mercedes ML 320
583 Punkte
2. Opel Monterey 3.5 V6
520 Punkte
Technische Daten
Opel Monterey 3.5 V6 LTD Mercedes ML 320
Grundpreis 39.139 € 42.688 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4795 x 1835 x 1840 mm 4587 x 1833 x 1776 mm
KofferraumvolumenVDA 1189 bis 2746 l 633 bis 2020 l
Hubraum / Motor 3494 cm³ / 6-Zylinder 3199 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 158 kW / 215 PS bei 5400 U/min 160 kW / 218 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 195 km/h
0-100 km/h 11,1 s 10,7 s
Verbrauch 15,0 l/100 km 13,8 l/100 km
Testverbrauch 16,3 l/100 km 16,1 l/100 km
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