Doppeltest Mercedes ML 400 CDI gegen Mercedes ML 500

Foto: Achim Hartmann

Mit dem ML 400 CDI pflanzt Mercedes einen besonders überzeugenden Diesel in die modellgepflegte M-Klasse. Aber mit dem ebenfalls neuen ML 500 hat auch die Benzinfraktion einen starken Vertreter. Alles Glaubens-Sache?

Diesel ist angesagt. Bei den Familienautos, in der Kompaktklasse sowieso und mittlerweile selbst in der Oberklasse.

Wo sich die Selbstzünder-Sparsamkeit in einem Golf aber noch quasi selbst erklärt, ist in der Luxusklasse die ölige Wirtschaftlichkeit bereits in subtile Image-Werte abgedriftet. Denn wer über 100.000 Mark für ein Automobil bezahlt, der dürfte auch imstande sein, die dazugehörigen Benzinrechnungen zu bezahlen. Angesichts der Kraftstoffpreise zwar nur unter Protest, wahrscheinlich aber immer noch aus der Portokasse.

Allerdings gilt Dieselfahren als richtig smart: sparen und trotzdem ordentlich Qualm an den Rädern. Das soziale Umfeld honoriert Dieselfahren mit Wohlwollen. Wer im 500er anrauscht, gilt als Snob und als Verschwender; dringt aber dezentes Nageln aus dem Motorraum, dann steht der Fahrer im besten Licht da: Er weiß zu wirtschaften, und vermutlich ist er nicht einmal auf den Neuen Markt hereingefallen. Benzinern fehlt dagegen der rechte Bumms, und sie sind teuer. Zumindest in der Theorie.

Zusammen mit gefühlvoller Modellpflege findet nun der momentane Höhepunkt unter den selbstzündenden Kultur-Drehmomenthämmern, der aus der S-Klasse bekannte Vierliter-V8-CDI, auch in die M-Klasse. Wo er – 250 PS stark und mit 560 Newtonmeter Drehmoment – geradezu unbeschreiblich gut hinpasst. Volltreffer sozusagen.

Lässiger Schub aus Drehzahlkeller und -mitte, dazu die entspannte „Mach-doch-was-Du-willst“-Charakteristik derM-Klasse. Aber die Benzin-Fraktion schläft nicht. Zeitgleich läuft der ML 430-Benziner aus; ein 292 PS leistender Fünfliter-V8-Benziner wird zur ML-Topmotorisierung. Und die Autos sind ausstattungsgleich, kosten bis auf den letzten Pfennig dasselbe. ML 500: 113.438,14 Mark. Und der ML 400 CDI: 113.438,14 Mark.

Für diese nicht unerhebliche Summe gibt es nun eine sicht- und fühlbar aufgewertete M-Klasse. Mit neuer, schöner Mittelkonsole samt wundervoll funktionaler Drehregler für die nun serienmäßige Klimaautomatik – und überhaupt muss man zu diesem Preis maximal noch die 4.390 Mark für das standesgemäße Comand-System (Navigation, Radio, Telefon) addieren. Ansonsten ist in ML 500 und ML 400 CDI alles dran und drin, was angenehm und nützlich ist. Doch halt. Empfehlenswert sind auch die neuen, formidablen Bi-Xenonscheinwerfer für – tief Luft holen – 2.155 Mark. Das taghelle Xenon-Fernlicht scheint im Dunkeln regelrecht Schneisen in bisher düstere Waldstücke zu fräsen und wird einem so nach der ersten Nachtfahrt nahezu unverzichtbar.

Ring frei. Ganz selbstverständlich verbucht der Diesel die ersten Punkte über seinen deutlich geringeren Verbrauch. Ein Testverbrauch von 12,3 Litern kann sich, auch angesichts des üppigen Fahrzeuggewichts (2.330 Kilogramm) und der deftigen Fahrleistungen, durchaus sehen lassen. Da fällt der Fünfliter-V8 mit nahezu 16 Liter Superbenzin deutlich zurück. 100.000 Kilometer kosten im Benziner damit runde 12.000 Mark mehr. Ein finanzieller Nachteil, den der ML 500 allerdings durch seine weit geringeren Festkosten – der Diesel kostet im Jahr über das Doppelte an Kraftfahrzeugsteuern – sowie geringfügig niedrigere Inspektionskosten durchaus wieder entschärfen kann.

Womit sich das Duell auf die Eigenschaftswertung beschränkt. Und hier kann der große Dieselmotor, wie schon in der Kostenrechnung, erneut in Sachen Verbrauch punkten. Selbstverständlich ist das großvolumige, leistungsstarke Triebwerk kein Verbrauchswunder, im Vergleich zum Benziner ist der Diesel-Direkteinspritzer allerdings geradezu bemerkenswert effizient. Wobei der mit einem kleineren Tank (70 Liter) ausgerüstete Diesel seinen Verbrauchsvorteil gegenüber dem aus einem 83-Liter-Tank schöpfenden Benziner nur bedingt in einen Reichweiten-Vorsprung ausbauen kann. Mit Reichweiten von etwas über 500 Kilometer müssen beide ungemütlich früh an die Zapfsäule.

Ein weiteres Kriterium kann der 400 CDI aber in vorbildlicher Weise für sich entscheiden: Mit einem Drehmoment-Maximum von 560 Newtonmetern bei 1.700 Umdrehungen in der Minute – also knapp über Standgas – reißt der Diesel-Bulle mit unglaublicher Macht an. Das Triebwerk katapultiert den schweren Offroader so nachdrücklich nach vorn, als wäre der ML 400 CDI an einem straff gespannten Gummiseil angehängt. Wuchtiger, unmissverständlicher, erdiger Schub. Eine Urgewalt, gegen die der bei niedrigen Drehzahlen spürbar sanfter zugreifende Benzin-V8 nichts ausrichten kann.

Aber die höhere Leistung, das bessere Ansprechen des Benzinmotors, seine seidige Drehfreude und die fast vollendete Laufkultur sammeln dem ML 500-Triebwerk unmerklich Punkte und Sympathien. Mit heiser-bulligem Sound läuft der seidige Benzin-V8 unterstützt von der perfekt abgestimmten Fünfgang-Automatik durch das gesamte Drehzahlband und wirkt dabei stets gelassen und kraftvoll. Auch gegenüber dem alten ML 430 ist die Aufwertung spürbar gelungen: Der Fünfhunderter legt ein ordentliches Brikett an Souveränität nach und nimmt mit Kraft und Seidigkeit schon beinahe den erheblich teureren ML 55 AMG ins Visier.

Die energische Homogenität des ML 500 knackt aber auch den in direkter Konkurrenz stehenden ML 400 CDI-Drehmomentbullen. Schon bei mittleren Drehzahlen verebbt die Macht des Diesels und muss sich der raumgreifenden Leistungsentfaltung des Benziners beugen.

Ein Umstand, der sich auch in besseren Fahrleistungswerten niederschlägt: Ist der Unterschied im Sprint von null auf 100 km/h noch marginal (8,2 Sekunden ML 500/ 8,4 Sekunden ML 400 CDI), kann der Fünfliter-V8 seinen Diesel-Konkurrenten mit steigendem Tempo immer deutlicher distanzieren. Und wo der ML 400 CDI bereits bei einer Höchstgeschwindigkeit von 213 km/h den Vortrieb einstellt, läuft der ML 500 immerhin 222 km/h.

Dass der ML 500 mit 2.185 Kilogramm immerhin 145 Kilogramm leichter als der ML 400 CDI ist, schlägt sich nicht nur in besseren Fahrleistungen nieder, sondern auch in den Fahreigenschaften. Nahezu das gesamte Mehrgewicht liegt beim 400 CDI auf der Vorderachse. Der Benziner untersteuert weniger, nimmt schnell gefahrene Kurven agiler und mit weniger Seitenneigung, seine Lenkung wirkt weniger träge als die des Diesel-ML. Der fast leichtfüssige Benzin-ML hat in Sachen Fahrspaß alle Lacher auf seiner Seite. Und – wie sollte es auch anders sein – die Bremsverzögerung liegt beim leichteren ML 500, besonders beladen und heißgebremst, ein Quäntchen höher.

Womit der sich in Bestform befindende Fünfliter-V8-Benziner als die rundum bessere Wahl gelten kann. Die Nachteile des drehmomentstarken Wunder-Diesels sind – zumal CDI-Fahrer finanzielle Einbußen in Sachen Steuer hinnehmen müssen – auch nicht durch seinen günstigeren Verbrauch auszugleichen. Da hilft nur noch der Glaube.

Fazit

1. Mercedes ML 500
493 Punkte

Der Verbrauchsnachteil des Benzin-V8 wiegt angesichts seiner besseren Gewichtsverteilung sowie des auch insgesamt deutlich geringeren Gewichts einfach nicht schwer genug. Mit neutralen Fahreigenschaften rollt er auf den ersten Platz.

2. Mercedes ML 400 CDI
487 Punkte

Der Reiz des großen Diesels liegt in seinem gewaltigen Drehmoment und dem geringen Verbrauch. Allerdings kommt der im Vergleich schwerfällige und teuer besteuerte Vierliter- CDI nicht am ausgewogeneren Benziner vorbei.

Technische Daten
Skoda Octavia Combi 1.2 TSI DSG Elegance Mercedes ML 400 CDI
Grundpreis 24.510 € 59.160 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4569 x 1769 x 1468 mm 4638 x 1840 x 1820 mm
KofferraumvolumenVDA 580 bis 1620 l 633 bis 2020 l
Hubraum / Motor 1197 cm³ / 4-Zylinder 3996 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 5000 U/min 184 kW / 250 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 191 km/h 213 km/h
0-100 km/h 12,0 s 8,4 s
Verbrauch 5,9 l/100 km 11,0 l/100 km
Testverbrauch 12,3 l/100 km
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