Doppeltest Mercedes V 220 CDI gegen VW Caravelle 2.5 TDI

Die beiden geräumigsten deutschen Vans kauft man aus Gründen der Wirtschaftlichkeit am besten mit Turbodieselmotor. Welcher bietet mehr: der neue Mercedes V 220 CDI oder der VW Caravelle 2.5 TDI?

Sie gehören zwar nicht zu den meistverkauften Autos in Deutschland, sind aber trotzdem Volumenmodelle. Denn kein anderer Konkurrent im Van-Segment bietet mehr Platz als die zu Beginn dieses Jahres renovierte Mercedes V-Klasse und der Caravelle von VW.

Der 4,79 Meter lange VW kann – je nach Bestuhlung – bis zu sieben Personen oder 5400 Liter Gepäck transportieren. Im äußerlich wuchtiger wirkenden, aber mit 4,66 Meter deutlich kompakteren Mercedes können normalerweise sechs Passagiere verreisen, oder es stehen bis zu 4564 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Beide Raumfähren haben ein gemeinsames Laster: Sie stammen von Nutzfahrzeugen ab. Beim im Spanien gebauten Mercedes stand die Vito-Reihe Pate, beim in Hannover gefertigten VW der Transporter. Diese Verwandtschaft können beide nicht leugnen – die V-Klasse noch weniger als der Caravelle, daran vermag selbst die noble Ambiente- Ausstattung nichts zu ändern. Vor allem der durch den Radkasten stark eingeengte Fußraum vorn, die Sitzposition hinter dem flach angeordneten Lenkrad sowie das hohe Innengeräuschniveau (Karosserierütteln auf schlechten Straßen, lautes Spritzwasserzischen bei Regen) erinnern im Mercedes doch stark an einen Lastwagen.

Beim Caravelle ist das gesamte Interieur freudloser gestaltet als bei den Personenwagen aus dem VW-Konzern, und der heimeligen Ambiente- Atmosphäre des Mercedes hat VW keine vergleichbare Ausstattungslinie entgegenzusetzen. Wer jedoch Nutzwert am höchsten schätzt, fährt mit dem VW besser. Denn der bietet noch mehr Platz für Passagiere und Gepäck, eine um 82 Kilogramm höhere Zuladekapazität und die bessere Karosseriequalität (keine Klappergeräusche). Obgleich die Sitze des Mercedes jeweils 40 Kilogramm wiegen – die Gurtmechanik ist hier mit integriert –, sind sie problemloser auszubauen als beim VW. Man benötigt kein Werkzeug, außerdem lassen sich die hinteren Sitze der V-Klasse variabler anordnen als im VW, wo das Entfernen der hinteren Bank sowohl Werkzeug als auch das Zupacken zweier starker Männer erfordert.

Das traurigste Kapitel des Caravelle in der 150 PS-TDI-Version ist serienmäßige Lieferumfang liest sich gegenüber dem mit Ledersitzen, Niveauregulierung, Leichtmetallrädern, Metallic-Lackierung und elektronischer Traktionshilfe ETS ausgerüsteten Ambiente-Mercedes geradezu armselig.

Und wer sinnvolle Extras wie eine zweite Schiebetür, Automatikgetriebe oder Syncro-Antrieb ordern will, schaut beim Caravelle 2.5 TDI in die Röhre. Um das Gewicht nicht weiter in die Höhe zu treiben und die wie bei der V-Klasse ohnehin nicht besonders standfesten Bremsen zu schonen, sind diese Features für den 150 PSTDI vorläufig tabu. Hohen Fahrkomfort darf man auch nicht erwarten, wobei die Komfortschwächen bei VW und Mercedes unterschiedlich gelagert sind. Während der straff ausgelegte V 220 mit seinem Rumpeln über Querfugen ein rustikales Verhalten an den Tag legt, spielt der VW den Softie und schwankt über Bodenwellen wie auf hoher See. Der Steuermann hat da am Lenkrad ganz schön zu rudern, zumal die an den Seiten viel zu nachgiebigen Sitze den Körper in Kurven immer wieder mit abtauchen lassen. Im V 220 sitzt man – abgesehen vom rut- schigen Lederbezug – wesentlich kommoder, vor allem im Fond, wo jeder Passagier einen Erste- Klasse-Sitz für sich allein hat, während sich im VW die Hinterbänkler als solche fühlen müssen. Im Winter fühlen sich die Passagiere beider Vans strafversetzt, denn die Heizleistung der Direkteinspritzer-Diesel ist für die geräumigen Karosserien absolut ungenügend.

Bei höheren Motordrehzahlen oder Gebläsestufen heizt der VW nach langer Anlaufphase wenigstens den vorne sitzenden Insassen einigermaßen ein, während sich im Mercedes trotz des serienmäßigen Zuheizers (siehe Technikkasten) bei tiefen Außentemperaturen überhaupt kein Wohlfühlklima einstellen will. Für den Sommer empfiehlt sich in jedem Fall der Kauf einer Klimaanlage (jeweils mehr als 3000 Mark Aufpreis).

Die beiden Direkteinspritzer- Turbodiesel geizen jedoch nicht nur beim Heizen, sondern vor allem beim Kraftstoffverbrauch. Werte von 10,1 L/100 km (Testdurchschnitt beim VW) und 10,7 L/100 km (Mercedes) sind für Autos von solch enormer Transportkapazität phänomenal, zumal die Diesel Fahrleistungen ermöglichen, die selbst jenen gut motorisierter Limousinen kaum nachstehen. Speziell der VW mit dem 150 PS-Fünfzylinder geht für Transporter-Verhältnisse wie eine Rakete: von null auf 100 km/h in 11,3 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 181 km/h. Der schwächere Mercedes- Vierzylinder mit 2,2 Litern und 122 PS beschleunigt zwar nicht so vehement und ermöglicht auch keine so hohe Endgeschwindigkeit, fühlt sich aber wegen des etwas günstigeren Drehmomentverlaufs (300 Nm zwischen 1800 und 2500/min gegenüber 295 Nm zwischen 1900 und 3000/min) im unteren und mittleren Drehzahlbereich fast genauso bärenstark an.

Der Mercedes-CDI ist beim Kaltstart und im Leerlauf viel kultivierter als der TDI von VW, fängt aber ab Tempo 120 zu dröhnen an, wozu sich dann noch starke Windgeräusche mischen. Das Schalten geht im VW leichter von der Hand. Im Mercedes, wo der kurze Knauf aus der Armaturentafel ragt, ist beim Wechseln der Gänge mehr Kraftaufwand erforderlich – außerdem erscheint die Kulisse hier auch weniger exakt definiert. Andererseits ist der etwas unhandliche Mercedes dem VW in den Fahreigenschaften deutlich überlegen. Denn in Kurven verhält sich die V-Klasse leer wie beladen neutral bis leicht untersteuernd, wobei nur wenig Karosseriebewegungen zu verzeichnen sind. Der Caravelle hingegen untersteuert bei schneller Kurvenfahrt kräftig. Dabei neigt sich der Aufbau spürbar zur Seite. Außerdem tendiert die VW-Lenkung in schnell aufeinanderfolgenden Wechselkurven zum Versteifen.

Auch in puncto Sicherheit hat der Mercedes die Nase vorn – allein schon wegen seines intelligenteren Gurtsystems für die Rücksitze. Dafür gibt es zur Verbesserung der Bremsenstandfestigkeit (Absacken der Verzögerung bei hoher Beanspruchung von 9,1 auf 7,7 m/s2) für beide Hersteller noch viel zu tun. Bleiben noch die Kosten. Billig sind beide nicht. Der noble V 220 Ambiente übertrifft den VW sogar um 7000 Mark, weist zudem höhere Unterhaltskosten auf und läßt sich gebraucht gewiß nicht so gut verkaufen wie der im Secondhand-Handel stark gefragte VW Bus.

Wenn also die Kosten zur Preisfrage werden, ist der VW die erste Wahl. Wem es dagegen in erster Linie auf Komfort, Fahreigenschaften und Sicherheit ankommt, ist mit dem Mercedes besser bedient. Einen Riesen- Vorsprung indes hat keiner vor dem anderen.

Fazit

1. VW Caravelle 1.5 TDI
549 Punkte

Der VW ist geräumiger, besser verarbeitet und bärenstark motorisiert. Im Preis unterbietet er den Mercedes um gut 7000 Mark, ist aber auch nur dürftig ausgestattet. Weitere Mankos: schaukeliges Fahrverhalten, fadingempfindliche Bremsen und eingeschränkte Verfügbarkeit von Extras - Automatik oder zweite Schiebetür sind für den 150 PS-TDI nicht lieferbar.

2. Mercedes V 220 CDI
544 Punkte

Die V-Klasse hat durch die Modellpflege enorm gewonnen. Ihre Vorteile gegenüber dem VW sind die besseren Sitze, das limousinenhaftere Fahrverhalten sowie die umfangreichere Ausstattung. Der CDI ist im Vergleich zum alten Turbodiesel eine klare Verbesserung. Negativpunkte: schwache Bremsen, rappelige Karosserie, hohe Kosten und sehr schwache Heizung.

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Technische Daten
Mercedes V 220 CDI Ambiente VW Caravelle 2.5 TDI
Grundpreis 36.599 € 32.265 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4660 x 1880 x 1844 mm 4789 x 1840 x 1900 mm
KofferraumvolumenVDA 581 bis 4564 l 540 bis 5400 l
Hubraum / Motor 2151 cm³ / 4-Zylinder 2459 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 90 kW / 122 PS bei 3800 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 164 km/h 181 km/h
0-100 km/h 15,9 s 11,3 s
Verbrauch 8,0 l/100 km 7,3 l/100 km
Testverbrauch 10,7 l/100 km 10,1 l/100 km
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