Doppeltest Nissan Patrol GR gegen Opel Monterey 3.0 DTI

Dem Trend zum weichgespülten Offroader schließen sich der neue Nissan Patrol und der bei Isuzu in Japan gebaute Opel Monterey nicht an. Beide sind von großen Dieseln angetriebene Arbeitstiere in klassischer Geländewagen-Bauweise.

Die Lebenserfahrung spricht gegen solche Autos. Ihr wahres Talent, das Bewältigen auch schwierigster Passagen in unwegsamem Gelände, müssen sie nur bei einem winzigen Bruchteil ihrer Käufer unter Beweis stellen. Auch ihre Transportkapazität – bis zu sieben Personen auf Wunsch – wird wohl nur in Ausnahmefällen genutzt. Außerdem: Um so viele Passagiere zu befördern, bedarf es keiner Riesen, die wegen ihrer archaischen Bauweise weit über zwei Tonnen auf die Waage bringen. Solche Argumente, speziell von ökologischer Seite gern vorgebracht, sind kaum von der Hand zu weisen.

Aber schließlich steht es jedem frei, sich mit so einem Gefährt zu schmücken – sei es, weil er sich in der Masse des ihn umgebenden Stahls besonders sicher fühlt, oder weil er ganz einfach den Männlichkeit verkündenden Auftritt der hochbeinigen, auf mächtigen Rädern rollenden Allesüberwinder schätzt. Nicht zu vergessen die Kundschaft, die schwere Hänger zu schleppen hat. Für sie gibt es in der Tat kaum etwas Geeigneteres als einen schweren Geländewagen, der selbst ein Drei-Tonnen-Anhängsel locker davonzieht und dessen Karosseriestruktur bei derartiger Beanspruchung eine lange Lebensdauer verspricht. Der Nissan darf 3,5 gebremste Tonnen ziehen, der Opel immerhin noch 3,3 Tonnen. Auch im Platzangebot des Innenraums sticht der Patrol, deutlich länger und breiter als der Monterey, seinen Konkurrenten aus, wobei allerdings die Differenz angesichts der schon beim Opel gebotenen Raumfülle keine große Rolle mehr spielt.

Die verfügbare Breite reicht im Fond leicht für drei Personen, aber bequem haben es wie üblich nur zwei, weil die Rücksitzbänke im mittleren Bereich sehr hart sind und keinerlei seitlichen Halt bieten. Die Klappsitze im Kofferraum, serienmäßig beim Nissan in der getesteten Topversion Luxury, beim Opel für 1500 Mark extra lieferbar, sind gleichfalls von zweifelhaftem Wert. Für einen längeren Aufenthalt kann man sie niemandem zumuten, der Einstieg nach ganz hinten gerät zu einer Turnübung, an der allenfalls Kinder Spaß haben. Beim Nissan stört überdies das Klappern der in Ruhestellung nach oben gezurrten Notsitze. 

Den Begriff des Fahrkomforts interpretieren beide hauptsächlich durch die Fülle ihrer Ausstattung, wobei hier der Nissan besser abschneidet, denn er besitzt serienmäßig nicht nur ein Radio, sondern auch ein Schiebedach. Die Aufpreisliste umfaßt lediglich noch Metallic-Lackierung und Ledersitze. Opel bietet für den ohnehin schon teureren Monterey empfehlenswerte Extras nur im kostspieligen Optionspaket an. Die Scheinwerfer-Waschanlage, beim Nissan serienmäßig, kostet beispielsweise 1360 Mark, weil sie nur zusammen mit Sitzheizung als sogenanntes Winterpaket lieferbar ist. Abgesehen vom limousinenhaften Interieur, das beim Nissan nicht zuletzt wegen einiger Holzapplikationen einen höherwertigen Eindruck macht, kann von nennenswertem Komfort keine Rede sein.

Beide werden mit kurzen Straßenunebenheiten nur unzureichend fertig, auf langen Bodenwellen kommt es zu schwingenden Vertikalbewegungen, die empfindlichen Mitfahrern auf den Magen schlagen können. Insgesamt wirkt die Federung des Opel verbindlicher, wozu in erster Linie beiträgt, daß er vorn eine Einzelradaufhängung besitzt. Beim Nissan hängt eine mächtige Starrachse unter dem Wagenboden, deren große ungefederte Massen einem feinfühligen Ansprechen der Federung nicht zuträglich sind. Im Off-road-Einsatz allerdings gilt die Starrachse mit ihrer auch beim Einfedern konstanten Bodenfreiheit zu Recht als Vorteil, wie überhaupt der Nissan für das Gewühl abseits befestigter Wege eindeutig besser gerüstet ist.

Denn er bietet nicht nur eine zuschaltbare 100 Prozent-Sperre in der Hinterachse, sondern als erstmals eingesetzte technische Neuerung auch einen abschaltbaren Hinterachsstabilisator, der eine erhöhte Achsverschränkung ermöglicht. Ausgeklinkt werden kann der Stabi nur bei Geschwindigkeiten bis 20 km/h, weil es ohne ihn bei schneller Kurvenfahrt zu unerwünscht starkem Untersteuern kommen könnte. Mit ihren unexakten Lenkungen, die nicht mehr als eine ziemlich unverbindliche Vorgabe des gewünschten Kurses ermöglichen, schränken beide das Fahrvergnügen auf kurvenreichen Strecken erheblich ein. Etwas handlicher ist der Opel, aber auch er schwankt wie ein Schiff auf hoher See und läßt schon bei bescheidener Querbeschleunigung die Reifen so gequält aufschreien, daß sich der Fahrer gern einer betont gelassenen Gangart befleißigt. 

Diese Frühwarnung bewährt sich als Bestandteil einer aktiven Fahrsicherheit, die – mit Ausnahme der mäßig verzögernden und bei hoher Beanspruchung stark nachlassenden Bremsen – befriedigen kann, wie extreme Fahrversuche beweisen. Schnelle Ausweichmanöver wirken auf Insassen wie Zuschauer abenteuerlich, aber die beängstigend torkelnden Gefährte bremsen sich dabei von selbst ab und zeigen nicht die bei Autos dieser Art befürchtete Kipptendenz. Den moderneren Antrieb hat der Monterey vorzuweisen, und das trägt entscheidend dazu bei, daß er letztlich den Patrol distanzieren kann. Sein nach dem Common Rail-Verfahren direkt einspritzender Vierventil-Turbodiesel besitzt zwar zwei Zylinder weniger als der nach dem konventionellen Wirbelkammerverfahren arbeitende Nissan- Diesel, aber weil zwei Ausgleichswellen die freien Massenkräfte zügeln, von denen der Reihensechszylinder des Patrol bauartbedingt frei ist, erwächst ihm daraus kein Nachteil.

Der Monterey-Motor erweist sich sogar als kultivierter als die Nissan-Maschine, die mit ihrem prasselnden Verbrennungsgeräusch den rustikalen Charme eines Lastwagentriebwerks hat. Beim Monterey wird hartes Nageln im unteren Geschwindigkeitsbereich hörbar, auf der Autobahn überlagern Windund Abrollgeräusche das Brummen des Motors fast vollständig. Auch in der Leistungscharakteristik schlägt der großvolumige Vierzylinder den kleineren Sechszylinder um Längen. Er schiebt schon im unteren Drehzahlbereich mit einem Nachdruck an, der dem Nissan völlig fremd ist.

Dessen Triebwerk verharrt bis 2000/min in einer schon bemerkenswerten Lethargie, und was darüber kommt, ist auch alles andere als überwaÅNltigend. Sehr störend auch das starke Ruckeln der Antriebseinheit bei schnellen Lastwechseln. Daß der Nissan-Motor relativ hohe Drehzahlen braucht, um einigermaßen in Schwung zu kommen, wirkt sich ebenso nachteilig auf den Verbrauch aus wie der Verzicht auf die Direkteinspritzung. Im Durchschnitt braucht der Patrol rund zwei Liter mehr als der Monterey und beweist damit, wie stark sein Antrieb hinter dem Stand der Technik herhinkt. Für die ganz hartgesottenen Offroader mag der Nissan die erste Wahl bleiben, aber das eindeutig modernere Auto, sofern dieses Attribut bei derartigen Gefährten überhaupt statthaft ist, baut Isuzu als Opel Monterey.

Fazit

1. Opel Monterey 3.0 DTI LTD
530 Punkte
2. Nissan Patrol GR Luxury
512 Punkte
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Technische Daten
Opel Monterey 3.0 DTI 16V LTD Nissan Patrol GR Luxury
Grundpreis 36.404 € 36.095 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4795 x 1835 x 1840 mm 5010 x 1930 x 1855 mm
KofferraumvolumenVDA 1189 bis 2746 l 303 bis 2287 l
Hubraum / Motor 2999 cm³ / 4-Zylinder 2826 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 117 kW / 159 PS bei 3900 U/min 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h 155 km/h
0-100 km/h 13,7 s 16,2 s
Verbrauch 10,8 l/100 km 11,9 l/100 km
Testverbrauch 13,5 l/100 km 15,2 l/100 km
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