Doppeltest Opel Astra 1.6 16 V gegen VW Bora 1.6

Golf und Astra – nun entbrennt der Kampf um Marktanteile auch mit den nachgeschobenen Stufenheck-Varianten. VW hat seinem gestreckten Golf sogar einen neuen Namen verpasst: Bora. Der Astra bleibt dagegen auch in der 4,25 Meter-Version Astra. Die entscheidende Frage ist jedoch: Welches Heck fährt zum Schluss voraus?

Ladeluken auf. Ein Unterschied zu den jeweiligen Schrägheck-Modellen fällt bei beiden Stufenheck-Varianten sofort auf: Die Öffnungen sind klein, besonders beim Bora, obwohl das, was sich hinter ihnen auftut, aller Ehren wert ist. VW bietet mit dem neuen Stufenheck- Golf zwar deutlich weniger Ladevolumen als mit dem unförmigen Vorgänger Vento, doch stellen die aktuellen 455 Liter in dieser Kategorie einen beachtlichen Fundus dar. Opel offeriert genau fünf Liter mehr, nämlich 460, und teilt die Nachteile mit dem Rivalen: hohe Ladekante, relativ kleine Öffnung. Glattflächig präsentieren sich beide Schlünde, und unter ebenen Böden kauert da wie dort ein vollständiges Reserverad, das beim Bora mit zwei zusätzlichen Staufächern garniert ist.

Zwei Griffschalen in der Kofferraumklappe zeugen von der Liebe zum Detail. Auch bei Opel hat man nachgedacht, doch ist das Ergebnis ein wenig schlichter in Gestalt einer Plastikschlaufe. Keine Frage, mit solchen Kofferräumen läßt es sich reisen, zumal die Zuladungen mit 424 kg (Astra) und 447 kg (Bora) auf einem brauchbaren Niveau liegen. Die Rücksitzlehnen sind klappbar, beim Bora ist auch die Rücksitzfläche teilbar, was die Nutzanwendungen erhöhen kann. Abschließbare Lehnen vervollständigen das Bild von einer Entwicklungs- Crew, die an vieles gedacht hat. An den Automatikgurt für den dritten Passagier in der Mitte hat sie sicher auch gedacht, aber er wurde nicht bewilligt. Ein Beckengurt tut hier den, zugegeben, seltenen Dienst am Manne. Opel ist an dieser Stelle fürsorglicher.

Es gibt einen dritten Automatikgurt, aber was viel entscheidender ist, auch deutlich mehr Platz im Fond. Raumökonomisch kann der Bora von VW kaum als besondere Glanzleistung gelten, wobei ein Teil des Verzichts wie so oft aus der Eleganz der Linienführung resultiert. Das früh und schnittig abfallende, dazu sehr stark eingezogene Dach sorgt auf der Rücksitzbank für karge Kopffreiheit. Selbst mit dem Beinraum ist es hinten nicht weit her, auch hier sammelt der Astra deutliche Pluspunkte. VW ist es mit dem Bora offensichtlich weit mehr um die Attraktivität in der Linienführung als um die Komfortansprüche einer durchschnittlichen Familie gegangen, das Kofferraum-Volumen einmal ausgenommen. Der Astra bietet im Fond klare Vorteile, und das bei einer weit geringeren Gesamtlänge (4,25 Meter zu 4,37 Meter beim Bora). Vorne ist der Bora Golf, und entsprechend hoch ist das entstehende Wohlbefinden. Es ergeben sich sogar leichte Raumvorteile für den VW, die dem Bora zusammen mit der hohen Funktionalität einen leichten Vorsprung vor dem Astra sichern. 



Hier sind es vor allem die praktischeren und im Ernstfall auch sichereren Bügeltürgriffe und die insgesamt noch aufgeräumter wirkende Armatureneinheit, die den keineswegs unfunktionellen Astra etwas nach hinten rutschen lassen. Hinzu kommt, daß der Bora insgesamt einen höherwertigen Eindruck macht. Die Serienausstattung ist es nicht, die dazu beiträgt, denn hier sind die Differenzen bei den getesteten Comfort- beziehungsweise Comfortline-Versionen (Astra und Bora) nicht allzu groß.

Einige üblicherweise aufpreispflichtige Extras sind hier serienmäßig – so elektrische Fensterheber vorne und hinten, Antiblockiersystem oder ein höhenverstellbarer Beifahrersitz (Bora). Elektrisch beheizbare Außenspiegel haben sie beide, beim Astra ist auch die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung im Preis enthalten. Mehr Auto fürs Geld gilt also zunächst einmal für den Opel, mehr Ergonomie und Wohlfühleffekt im Cockpit gilt für den VW. Was man auch anfaßt und ansieht – alles macht einen durchdachten und hochwertigen Eindruck. Die grellblaue Armaturenbeleuchtung des Bora bei nächtlicher Illumination findet dagegen weniger Beifall. Gute Sitze haben beide, und auch in der Unübersichtlichkeit nach hinten stehen sie sich nicht viel nach. Und die technischen Daten sagen zu allem Überfluß, daß Bora und Astra nicht nur den gleichen Hubraum von 1,6 Litern haben, sondern in den getesteten Versionen auch haargenau die gleiche Leistung von 100 PS. Was unterscheidet beide Autos überhaupt? Das Motorkapitel endet, um es gleich vorwegzunehmen, zugunsten des Astra.

Die Laufruhe seines vierventiligen Vierzylinders ist es nicht allein, die zur Führung beiträgt, denn auch das zweiventilige VWTriebwerk gibt sich im Bora – im Gegensatz zu den Erfahrungen mit einem Vergleichstest- Golf – erfreulich schwingungsarm und unaufdringlich. Es sind vor allem die bessere Leistungscharakteristik und ein muntereres Temperament, die zusammen mit dem günstigeren Verbrauch für einen gewissen Vorsprung sorgen. Im Durchzugsvermögen ist dagegen der Bora leicht überlegen, obwohl der Astra-Vierzylinder mehr Drehmoment bei niedrigerer Drehzahl bereithält (150 Nm bei 3200/min statt 145 Nm bei 3800/min beim Bora). Die Erklärung für das vermeintliche Rätsel liegt in sehr unterschiedlichen Übersetzungsverhältnissen. Opel nutzt die prinzipiell überlegene Muskelkraft seines Vierventilers im Sinne einer sehr langen Übersetzung, mit der bei Tempo 100 im fünften Gang gerade einmal 2500/min realisiert werden. Der drehmomentschwächere, bei den Messungen dennoch leicht überlegene Bora-Zweiventiler muß für 100 km/h schon 3000 Touren aufwenden.

Vor allem bei schneller Autobahnfahrt, zu der die Stufenheck- Klienten mit rund 190 km/h Höchstgeschwindigkeit durchaus einladen, liegt das Drehzahlniveau beim Bora ungewöhnlich hoch. Gelegentlich ertappt man sich sogar dabei, nach einem imaginären sechsten Gang zu suchen. Beim Astra passiert das nicht, aber es gibt in ihm, wie die ermittelten Phonzahlen belegen, auch keinen akustischen Vorteil gegenüber dem hoch tourenden Bora. Sowohl bei 130 km/h als auch bei 160 weisen die Meßgeräte jeweils 72 respektive 75 dB(A) auf. Diese 160 km/h stellen sich relativ leichtfüssig ein und zeigen, daß die modernen Sechzehnhunderter auch dann Lebhaftigkeit entwickeln, wenn die aufgebürdeten Lasten keineswegs gering einzuschätzen sind.

 Von der 1,3 Tonnen-Grenze sind beide nicht weit entfernt – viel zu viel Gewicht, um im Verbrauch auf Rekordkurs gehen zu können. Mit einem Testverbrauch von 8,9 Liter pro 100 km ist auch der Astra kein direkter Konsumverweigerer, aber doch sparsamer als der Bora. Er kommt im Mittel auf 9,5 Liter/100 km, womit er sich von der echten Mittelklasse nicht allzuweit entfernt. Die kurze Übersetzung zeigt auch hier Wirkung. Auf die Behaglichkeit hat sie keinen Einfluß. So gesehen harmoniert der kleine, kultiviert laufende Vierzylinder gut mit dem beim Bora erreichten Komfort-Niveau. Vor allem in unbeladenem Zustand zeigt sich, auch auf der Autobahn, ein spürbares Plus vor dem Astra, das hauptsächlich an einer größeren Geschmeidigkeit liegt. Auch der Astra federt gut, aber eben nicht ganz so gut. Nahezu Gleichstand der freundlichen Brüder auch bei den Fahreigenschaften.

Da wie dort ist die Beherrschbarkeit vorbildlich, kleine Differenzen nur beim Thema Lenkung und Handlichkeit. Das Servoaggregat des Bora arbeitet noch exakter, und nicht zuletzt deshalb erreicht der Stufenheck-VW ein kleines Plus im Handling. Beide besitzen wirksame und standfeste Bremsen, auch hier herrscht nahezu Gleichstand. Nicht nur dieses Detail-Ergebnis ist in gewisser Weise repräsentativ für die Summen in der Eigenschaftswertung. Auch wenn der Bora etwas vorne liegt – einen klaren Sieger oder Verlierer gibt es bei dieser Begegnung nicht. Ganz unter dem Strich sieht es ähnlich aus, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Der Opel Astra ist nicht nur sparsamer und vor allem geräumiger, sondern fast 2500 Mark billiger als der Bora. Ihm gebührt deshalb bei nüchterner Abwägung Rang eins. Man hörte ja nicht viel Gutes von Opel in letzter Zeit, aber auf den neuen Astra ist offensichtlich immer Verlaß. 

Fazit

1. Opel Astra 1.6 16 V
579 Punkte
2. VW Bora 1.6
577 Punkte
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Technische Daten
VW Bora 1.6 Comfortline Opel Astra 1.6 16V Comfort
Grundpreis 18.534 € 17.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4376 x 1735 x 1446 mm 4252 x 1709 x 1425 mm
KofferraumvolumenVDA 455 bis 785 l 460 bis 1230 l
Hubraum / Motor 1595 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 5600 U/min 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h 188 km/h
0-100 km/h 11,4 s 11,1 s
Verbrauch 7,7 l/100 km 7,4 l/100 km
Testverbrauch 9,5 l/100 km 8,9 l/100 km
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