Doppeltest Opel Astra 1.6 16 V gegen VW Golf 1.6

VW bringt wieder Schwung in das Golf-Programm: Die neue sportliche 100 PS-Version soll vor allem dem gleich starken Opel Astra 1.6 den Rang ablaufen.

Das Jagdrevier des VW Golf wird immer kleiner: Nicht nur Dauerverfolger Opel Astra pirscht sich näher heran, Gegner lauern mitterweile auch im eigenen Haus: Der Polo macht seinem größeren Bruder bereits seit einiger Zeit das Leben schwer, und ab September geht das neue Kompaktmodell Audi A3 im volumenstarken Golf- Terrain ebenfalls auf Beutezug. Damit der deutsche Bestseller seine Vormachtstellung nicht endgültig verliert, sucht VW jetzt die Offensive: Mit reduzierten Preisen, besserer Ausstattung und neuen Modellvarianten soll die Konkurrenz wieder das Fürchten gelehrt werden. Deshalb ist in der 100 PSKlasse, unter den Kompakten bislang eine Domäne des Opel Astra, jetzt auch der Golf vertreten.


Kraft schöpft der VW aus einem 1,6 Liter-Triebwerk – eine weitere Ableitung des legendären 827-Blocks, der seit Ende 1995 mit neuem Querstrom-Zylinderkopf bereits im Polo Classic zum Einsatz kommt. DerVierzylinder mit Schaltsaugrohr- Technik sorgt für ein gleichmäßig hohes Drehmoment über einen breiten Drehzahlbereich, indem die Ansaugwege zum Zylinder je nach Drehzahlniveau über variable Klappen länger oder kürzer werden. Das breite Leistungsband des Golf spürt der Fahrer bei jedem Niedertreten des Gaspedals. Das spontane Ansprechverhalten vermittelt dem 100 PS-VW jenen Schuß Agilität, der dem Opel im direkten Vergleich fehlt.

Für den Sprint von null auf 100 km/h spielt dieses Manko keine Rolle – der Astra hält mühelos das Tempo des Golf. Doch der Vierventiler aus der Ecotec-Reihe setzt den Beschleunigungsimpuls nicht so fix in Vortrieb um, und läßt deshalb jene Leichtfüßigkeit vermissen, die man gerade von sportlichen Motoren erwartet.

In der für die Fahrpraxis besonders wichtigen Elastizität verliert der Astra wegen der zu langen Übersetzung den Anschluß an seinen Konkurrenten: Zwei Sekunden Unterschied in der Zwischenbeschleunigung von 80 auf 120 km/h im fünften Gang wirken sich spürbar bei Überholvorgängen auf der Landstraße aus, wenngleich auch der Opel keinesfalls zu den zähen Vertretern seiner Zunft zählt.

Verbesserungsbedarf besteht dagegen bei der Laufkultur: Im Teillastbereich ruckelt der Motor, und bei hohen Drehzahlen dröhnt er lautstark. Der Golf geht da wesentlich gepflegter zur Sache, obwohl er im oberen Geschwindigkeitsbereich ebenfalls eine rauhere Tonart anschlägt. Bei allen Fortschritten, die VW mit dem neuen Triebwerk erzielt, darf nicht übersehen werden, daß der Benzinverbrauch keinesfalls vorbildlich ist: 9,7 Liter Super bleifrei auf 100 Kilometer sind für ein 100 PS starkes Triebwerk unzeitgemäß hoch. Opel eilt schon lange der Ruf voraus, sparsame Motoren zu bauen, und so fällt die Bilanz auch diesmal günstiger aus. Ein Verbrauch von 9,1 Liter Benzin verdient aber ebenfalls kein besonderes Prädikat.


Zu den gravierendsten Schwachpunkten des Golf zählte bislang die Bremsanlage. Doch VW hat auf die Kritik reagiert und alle Modelle ab 90 PS serienmäßig mit innenbelüfteten Scheiben vorne ausgerüstet. Der zum Test angetretene GT zeichnete sich bereits vor dieser längst überfälligen Maßnahme durch ordentliche Bremsen aus, weil VW hier immer schon die aufwendigere Bremsanlage, zu der auch Scheibe hinten zählen, installierte. Auf hohe Belastung folgt zwar ein spürbares, aber keineswegs dramatisches Fading.

Der 100 PS-Astra verfügt vorne ebenfalls über innenbelüftete Scheiben, hinten allerdings nur über einfache Trommeln. Damit erreicht er bereits im Kaltzustand schlechtere Bremswerte als der Golf. Auf starke Beanspruchung reagiert er außerdem mit stärkerem Fading, so daß der Bremsweg mit 47,1 Meter zu lang ausfällt. Der Golf steht immerhin knapp drei Meter früher. Ansonsten vermittelt das Fahrverhalten jene narrensicheren Eigenschaften, die von Autos in der Kompaktklasse erwartet werden. Die beiden deutschen Bestseller präsentieren sich frei von bösartigen Lastwechseln und umrunden Kurven mit leicht untersteuerndem Eigenlenkverhalten, wobei der Golf wegen der präzisen Lenkung mehr Handlichkeit bietet.

Die Servolenkung des Astra ist zwar leichtgängig, aber sie reagiert um die Mittellage zu gefühllos und läßt guten Fahrbahnkontakt vermissen. Das Wohlbefinden des Fahrers leidet auch unter der schlechten Federung auf langen Bodenwellen. Kräftige Vertikalbewegungen der Karosserie schlagen auf den Magen und erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Der Golf in der sportlich-straffen GT-Ausführung läßt es dagegen auf kleinen Unebenheiten an Komfort vermissen, wobei die guten Sitze einen gewissen Ausgleich verschaffen können.


Die grundsätzlichen Karosserie- Unterschiede zwischen Golf und Astra sind natürlich unverändert: Der VW bietet mehr Platz im Innenraum und zwar besonders auf der Rücksitzbank. Der Astra verfügt dafür über einen um 40 Liter größeren Kofferraum (360 Liter). An das hohe Niveau der Golf-Verarbeitungsqualität kann er trotz deutlicher Fortschritte immer noch nicht anknüpfen. Eine Opel-Domäne ist und bleibt das Kapitel Wirtschaftlichkeit.

Die Astra Champion- Ausführung liegt im Preis 2590 Mark unter dem Golf GT, der neuerdings die Zusatzbezeichnung Special trägt und im Gegensatz zum Opel mit Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern vorn, elektrisch einstellbaren Außenspiegeln und Metallic-Lackierung ausgestattet ist. ABS, beim Astra serienmäßig, kostet aber noch einmal 1470 Mark extra.

Der Golf läßt sich den Sieg trotzdem nicht nehmen. Bessere Qualität, mehr Platz im Innenraum, standfestere Bremsen und vor allem der agilere Motor verhindern einen Machtwechsel in der 100er-Zone.

Fazit

1. VW Golf 1.6 GT Special
106 Punkte

Kultivierter Vierzylinder mit spontanem Ansprechverhalten und gutem Durchzugsvermögen, gutes Raumangebot, leichte Bedienung, gute Qualität, umfangreiche Ausstattung. Motor im oberen Drehzahlbereich brummig, zu hoher Verbrauch, eingeschränkter Federungskomfort auf kurzen Bodenwellen.

2. Opel Astra 1.6 16V Champion
103 Punkte

Ordentliches Platzangebot, großer Kofferraum, umfangreiche Ausstattung, gutes Beschleunigungsvermögen, gutmütiges Kurvenverhalten. Brummiger Motor mit Ruckelneigung im Teillastbetrieb, lange Schaltwege, Lenkung um die Mittellage indirekt, starkes Bremsfading, mäßiger Federungskomfort.

Zur Startseite
Technische Daten
VW Golf 1.6 GT Spezial Opel Astra Sport 1.6i 16V
Grundpreis 17.481 € 14.922 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4020 x 1695 x 1405 mm 4051 x 1696 x 1410 mm
KofferraumvolumenVDA 320 bis 1152 l 360 bis 1200 l
Hubraum / Motor 1595 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 5800 U/min 74 kW / 100 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h 185 km/h
0-100 km/h 10,8 s 10,7 s
Verbrauch 7,9 l/100 km
Testverbrauch 9,7 l/100 km 9,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV Erlkönig Land Rover Discovery Sport Land Rover Discovery Sport (2019) Künftig auch als Hybrid-SUV BMW Niere groß Retusche BMW-Nieren XXL Guck mal BMW, es geht noch breiter
Promobil
Gebrauchtcheck: Hymer Camp Alkovenmobil Hymer Camp im Gebrauchtcheck Der jahrelange Bestseller Ein Tag auf dem Stellplatz So geht Stellplatz Hinter den Kulissen in Bad Dürrheim
CARAVANING
Hero Camper Ranger Seite Hero-Camper von Kronings Zwei neue Modelle aus Dänemark Zugwagentest Alfa Stelvio - Titel Alfa Romeo Stelvio im Test Ein Auto mit Licht und Schatten
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?
Gebrauchtwagen Angebote