Doppeltest Opel Astra 2.0 DI 16 V gegen VW Golf 1.9 TDI

Das ewige Duell Astra gegen Golf reicht auch in die Diesel-Kategorie. Zwei Direkteinspritzer stehen sich hier gegenüber, der Opel mit einem Vierventiler und 82 PS, der VW mit einem Zweiventiler und 90 PS. Es ist nicht nur ein Kampf der Marken, sondern auch einer Motorkonzepte.

Das hätte sich Ludwig Kraus, Anfang der siebziger Jahre Cheftechniker bei Audi in Ingolstadt, sicher nicht träumen lassen. Der Vierzylinder, den er für den ersten Audi 80 entwarf, überlebte modifiziert bis zum heutigen Tage im VW-Konzern und erwies sich in der 1976 für den ersten Golf-Selbstzünder vorgenommenen Verdieselung als ungeheuer entwicklungsfähig. Auch das TDI-Phänomen, in den Ursprüngen auf den Audi-Fünfzylinder anno 1989 zurückreichend, erlebte seine wahre Blüte mit dem Golf- Vierzylinder der Entwicklungsnummer 827.

Mit einem überlangen Kolbenhub von 95 Millimetern auf aktuelle 1896 Kubikzentimeter gewachsen, steht der immer wieder modernisierte Oldtimer heute mit 90 und 110 PS im Regal und hat mit der sogenannten Pumpe-Düse- Einspritzung – erster Einsatz ab Herbst im Passat mit 115 PS – noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Ganz anders das Opel- Triebwerk, ohne Tradition und mit 1995 Kubikzentimetern im Hubraum noch etwas größer. Es handelt sich um eine völlige Neukonstruktion, da der hauseigene und weiter angebotene 1,7 Liter-Wirbelkammer-Diesel für eine Vergrößerung nicht in Frage kam. Auch der neue Zweiliter-Vierzylinder zeigt mit 90 Millimeter Hub bei einer Bohrung von 84 Millimetern eine klare Langhubigkeit. Die größere Differenz zum Golf- Triebwerk besteht bei diesem ebenfalls direkteinspritzenden Motor in der Ventilzahl vier sowie in der Antriebsart der Nockenwellen.

Eine Kette übernimmt bei Opel diese Aufgabe, während VW konzeptionsbedingt am Zahnriemen festhalten muß. Da wie dort sorgen Garrett- Turbolader für die so angenehmen Buckel in den Drehmomentkurven. Der Golf steht auf dem Papier weit besser da. 210 Newtonmeter erreicht der TDI-Langhuber schon bei 1900/min, der hubraumstärkere Astra DI kann nur mit 185 Newtonmeter bei 1800/min gegenhalten. Wie sieht das in der Praxis aus? Die größte Überraschung im Motorgebaren hält der Golf bereit. Obwohl er nämlich etwas schlechtere Elastizitätswerte als der Konkurrent Astra liefert (60 auf 100 km/h im vierten Gang in 10,1 statt 10,7 Sekunden, 80 auf 120 km/h im fünften Gang in 15,7 statt 16,5 Sekunden), spricht der subjektive Eindruck der Leistungscharakteristik klar für den Golf. Wie der TDI am Gas hängt, wie kraftvoll er einsetzt, sucht seinesgleichen, auch wenn die Daten-Realität den Opel leicht vorne sieht. 

Die Erklärung dafür, daß der Astra trotz seines schlechteren Drehmoments bei den Elastizitätsmessungen vorne liegt, beruht auf einer deutlich kürzeren Gesamtübersetzung, die ihm im Vergleich mit dem Golf TDI zu einem insgesamt höheren Drehzahlniveau verhilft. Dieses bleibt natürlich nicht ohne Folgen auf andere Kriterien, auch auf den Innengeräuschpegel. Hier muß sich der Astra-Diesel Punkteabzüge gefallen lassen. Bei 100 km/h im großen Gang liegt der Golf mit 69 dB(A) unter dem Konkurrenten aus Rüsselsheim (70), bei 130 km/h beträgt die Differenz wiederum einen ganzen Meßpunkt, nämlich 73 zu 74.

Im subjektiven Erleben ist auch der Astra-Direkteinspritzer kein aufdringlicher Diesel. Zumal bei Autobahnfahrt werden die Motortöne rasch von den übrigen Laufgeräuschen eingeholt, und die Frage nach der Art des Antriebs könnte gar nicht mehr zuverlässig beantwortet werden. Beim Golf TDI ist dieses neuzeitliche akustische Selbstzünder- Phänomen noch ausgeprägter. Wenn das Knurren beim Durchbeschleunigen weg ist, hört man nichts mehr davon, daß hier direkt eingespritzt und selbst gezündet wird. Das enorme Potential bei der Dieselentwicklung hat ja ohnehin dafür gesorgt, daß man bei den Fahrleistungen nichts mehr vom Phlegma der alten Tage spürt.

Der Golf TDI sichert sich mit einer Beschleunigungszeit von null auf 100 km/h in 12,9 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h eine minimale Überlegenheit vor dem Astra, die in der Praxis ohne Bedeutung ist. Da wie dort hat man es mit einer temperamentvollen Motorisierung zu tun, bei der unter dem Strich eine gewisse Ernüchterung für die Fortschrittsgläubigen entsteht. Denn der Mehraufwand, den Opel mit der Vierventil- Technik beim Astra DI treibt, zeigt sich – auch beim Verbrauch – dem altertümlichen Zweiventiler eher unterlegen.

Der Golf TDI gewinnt das Motor-Kapitel ganz klar, wobei ihm auch der günstigere Verbrauch Vorteile verschafft. 6,4 Liter im Testmittel sind für ein 180 km/h-Auto, das vollgetankt über 1,3 Tonnen auf die Waage bringt, ungewöhnlich wenig. Auch der Astra- Direkteinspritzer ist sparsam, aber mit fast sieben Litern pro 100 Kilometer nicht ganz so ökonomisch wie der Golf. Mit einem Tankinhalt von 55 Litern sichert sich das Wolfsburger Produkt zusammen mit dem günstigeren Verbrauch auch den größeren Aktionsradius. Grundsätzlich ist man mit beiden Dieselautos für weite Reisen gut gerüstet – nicht nur die guten Fahrleistungen sind hier unterstützende Motive, sondern mehr noch der gebotene Fahrkomfort. Auch hier schneidet der Golf etwas besser ab. Die geringere akustische Belastung ist, wie schon erwähnt, dafür zuständig, aber auch das noch ausgewogenere Federungsverhalten, das sich im wesentlichen durch eine größere Geschmeidigkeit und ein noch besseres Ansprechen speziell auf kurzen Bodenwellen auszeichnet.

Im Sitzkomfort gibt es keine großen Differenzen; man kann es da wie dort gut aushalten, was das Erwachsensein von Autos wie Astra und Golf auch in der Diesel-Version untermauert. Im Fahrverhalten wird in beiden Fällen ein Optimum geboten, mit einem leichten Plus in Sachen Beherrschbarkeit für den Opel. Der Golf lenkt sich noch eine Spur präziser, und er erreicht ein deutliches Plus bei der Handlichkeit. Gute Bremsen haben sie beide, wobei der Golf mit heißgefahrenen Scheiben etwas bessere Verzögerungswerte realisiert. Beim Opel ist dagegen die Dosierbarkeit besser – der TDI neigt dazu, schon beim Antippen einzutauchen. Der Gleichstand im Karosseriebereich ändert nichts an der Tatsache, daß der Astra sowohl in der Eigenschaftswertung als auch in der Gesamtwertung hinter dem Golf rangiert, der gerade als TDI eine Rundheit und Geschliffenheit offeriert, die schwer zu übertreffen sein dürfte. Doch angesichts der Astra- Qualitäten wäre es ebenso falsch, in ihm den klassischen Loser zu sehen. Das ist er auch als Diesel nicht – nur der ewige Zweite. 

Fazit

1. VW Golf TDI
617 Punkte
2. Opel Astra Dl 16 V
592 Punkte
Technische Daten
Opel Astra 2.0 DI 16V Comfort VW Golf 1.9 TDI
Grundpreis 17.468 € 18.415 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4111 x 1709 x 1425 mm 4149 x 1735 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA 370 bis 1180 l 330 bis 1184 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 60 kW / 82 PS bei 4300 U/min 66 kW / 90 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h 180 km/h
0-100 km/h 13,1 s 12,9 s
Verbrauch 5,7 l/100 km 5,0 l/100 km
Testverbrauch 6,8 l/100 km 6,4 l/100 km
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