Doppeltest Opel Corsa 1.0 12 V gegen Skoda Fabia 1.4

Es findet noch statt, das einfache Autoleben. Mit dem Skoda Fabia und Opel Corsa in Basisversionen sind zwei Kleinwagen in der populären 60-PS-Klasse auf dem Markt, mit wenig dran und wenig drin. Schau’n wir mal rein.

E

s mutet an wie ein Rück-
fall in alte Zeiten. Auto pur steht da auf der Straße. Die
Basis wird in unserer komfortbetonten Autowelt selten verlangt, und wer sie nimmt, muss entweder ganz genau rechnen oder will es nicht anders. Doch die Kargheit kann, wie bei anderen Dingen auch, ihren Reiz haben. Sie macht Autos einfacher, leichter und leichter bedienbar, vielfach aber auch unwohnlicher.

Weder beim Skoda Fabia in der Schlicht-Variante Classic noch beim neuen Opel Corsa in Grundversion deutet äußerlich etwas auf die automobile Askese hin. Man muss schon einsteigen, um den kühlen Hauch der gewählten Armut zu verspüren. Die Sitze sind es nicht, die da aufs Gemüt schlagen, mit ihren freundlichen Bezügen und ordentlichem Komfort da wie dort. Es sind, mehr noch beim Corsa als beim ohnehin schon traditionell grauen Fabia, die tristen Grautöne des Interieurs, die als Ouvertüre wenig Freude aufkommen lassen.

Opel hat Skoda hier noch übertroffen, mit unschönem Hartplastik selbst als Türinnenverkleidung und einem insgesamt freudlosen Ambiente. Immerhin, der Corsa hat die eleganteren Instrumente, und einen sachlichen Vorzug haben sie beide vor so manchem Luxusgeschöpf. Das Wenige, was es gibt, befindet sich an der richtigen Stelle.

Man muss auf einiges verzichten, so auf Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Klimaanlage oder den Wohlklang einer Fanfare, aber beileibe nicht auf alles. Der Fabia bietet sogar ein mehrfach verstellbares Lenkrad auf, der Corsa hat ihm dagegen die Seitenairbags und eine zweigeteilte Rücksitzlehne voraus. Von der Qualitätanmutung ist, nicht überraschend bei dem hohen Niveau der tschechischen VW-Tochter, der Fabia besser als der Corsa.

Es gibt im Karosseriebereich viele Gemeinsamkeiten, wobei die hohe Funktionalität nur ein Punkt ist. Die leicht beladbaren Kofferräume haben mit jeweils 260 Litern exakt das gleiche Volumen, der Sitzkomfort hinten erscheint da wie dort geeignet, auch einmal längere Zeit im Fond zu verharren. Gegenüber den ganz Kleinen wie VW Lupo oder Ford Ka zeigt sich da zusammen mit einem großzügigen Raumgefühl vorne ein Erwachsensein – der Schritt zum richtigen Auto.

Bei der Motorleistung relativieren sich die Dinge wieder etwas. Früher war man mit den 60 Pferdestärken, wie sie ein Borgward Isabella oder ein Porsche 1600 in Basis-Motorisierung hatte, ein kleiner König. Heute, wo alles schnell ist, gehört man mit den 58 PS des Corsa und den 60 PS des Fabia zu den Habenichtsen, die sich schon rasant bewegter Kastenwagen vom Schlage eines Mercedes Sprinter kaum erwehren können.

So gesehen ist es auch für den Fabia insgesamt wenig tröstlich, dass er der Schnellere ist und, nicht nur deshalb, die Motorwertung gewinnt. Er tut es mit einem altertümlichen, 1,4 Liter großen Vierzylinder aus alten Skoda-Tagen, an dem die VW-Techniker Verfeinerungsarbeit, aber nichts Grundlegendes leisteten. Nach wie vor werden die Ventile über Stoßstangen und Kipphebel gesteuert, das Drehzahllimit des Zweiventilers liegt mit 5500 Umdrehungen pro Minute recht niedrig.

Dem Basistriebwerk des Corsa fehlen in der Maximalleistung zwar nur zwei PS gegenüber dem Skoda-Motor, doch immerhin fast 400 Kubikzentimeter Hubraum und dadurch bedingt auch Drehmoment (85 Nm beim Corsa, 118 Nm beim Fabia). Und noch etwas fehlt dem Opel-Motor: der vierte Zylinder. Das auch im Motorraum etwas verloren wirkende Aggregat ist ein Drei-
zylinder, allerdings ein High-Tech-Bündel mit vier Ventilen pro Zylinder und zwei oben-
liegenden, kettengetriebenen Nockenwellen.

Hubraum ist trotzdem durch nichts zu ersetzen, das zeigen die Messwerte. Der Fabia ist temperamentvoller (null auf 100 km/h in 15,6 statt 17 Sekunden) und durchzugskräftiger (80 auf 120 km/h im großen Gang in 21,5 statt 26,6 Sekunden). Auch in der Laufkultur ist der alte Reihenvierzylinder des Fabia dem bei niedrigen Drehzahlen deutlich rauer laufenden Dreizylinder des Corsa klar überlegen, der seinerseits aber ein besseres Drehvermögen zeigt und sich wider Erwarten bei hohen Dauerdrehzahlen auf der Autobahn als das akustisch weniger störende Aggregat entpuppt. Opel hat die krumme Zylinderzahl auch ohne Ausgleichswelle gut in den Griff gekriegt, aber vier Zylinder sind eben vier Zylinder.

Das gilt auch für den Verbrauch, und dies in besonderem Maße für den alten Skoda-Block, der von seinem altertümlichen Trinkgebaren trotz neuzeitlicher Gemischaufbereitung nicht ganz lassen mag.
Mit einem Testverbrauch von mehr als sieben Liter pro 100 km gibt sich der Fabia, der den Corsa auch um immerhin 80 Kilogramm im Gewicht übertrifft, unzeitgemäß durstig. Hier schlägt die Stunde des Dreizylinders, der mit knapp unter sechs Litern deutlich ökonomischer ist und sich mit zurückhaltendem Gasfuß auch mit kaum mehr als fünf Litern betreiben lässt.

Mit den erwähnten sechs Litern ist man schon recht flott unterwegs und hat Gelegenheit, die Fahreigenschaften des mit schmalen 155er-Reifen versehenen Fahrwerks auszuloten. ESP gibt es natürlich nicht, aber sowohl Corsa als auch Fabia zeichnen sich, von einer etwas ausgeprägteren Untersteuerneigung in engen Kehren
einmal abgesehen, durch jene Gutmütigkeit aus, die auch Märchenonkeln unterstellt wird. Keiner macht im Grenzbereich etwas Böses, der Fabia hat dem Corsa die exaktere Servolenkung voraus, dieser wiederum zeigt den besseren Geradeauslauf und eine geringere Windempfindlichkeit. Auch an Traktion fehlt es nicht, kein Wunder bei den geringen Kräften, die da an den Rädern zerren.

Dass man unter dem Strich doch gar nicht so langsam ist, bestätigt sich auch wieder bei diesen beiden Vertretern der
60-PS-Kategorie. Man kommt auf respektable Durchschnittstempi, auch wenn man subjektiv oft den Eindruck hat, es
ginge – wie beim Überholen – nicht voran.

Auch das gehört zum einfachen Autoleben, und eigentlich müsste auch der Komfort die Askese bedingen. Doch das ist nicht der Fall, wobei der Fabia vor allem aufgrund seines geschmeidigen Abrollens und eines niedrigeren Geräuschpegels deutlich besser abschneidet. Der dreizylindrige Corsa ist jedoch keineswegs unkomfortabel und so gesehen durchaus auch ein Kandidat für den in der Kleinwagen-Praxis seltenen 800-km-Trip. Auch hier zeigt sich also Vollwertigkeit, ebenso in der Leistungsfähigkeit der Bremsanlagen.

Skoda kommt, und auch bei der Begegnung von Corsa und Fabia trifft dies zu. Der kleine Fabia gewinnt die Eigenschaftswertung. Doch Opel, so muss man hinzufügen, ist auch noch da. Der Corsa gewinnt mit der noch besseren Kostenbilanz die Gesamtwertung. Drei schlägt Vier – weniger ist dieses Mal etwas mehr.

Fazit

1. Opel Corsa
473 Punkte

Der kleine Opel in Basis-Ausstattung ist zwar im Interieur etwas schmucklos, doch wahre Schwächen sind ihm fremd. Der eigenwillige Dreizylindermotor lässt es vor allem im unteren Bereich an Laufkultur fehlen, doch er entschädigt mit einem günstigen Benzinverbrauch. Sichere Fahreigenschaften und ordentliche Platzverhältnisse sorgen zusammen mit günstigen Unterhaltskosten für den ersten Platz in der Gesamtwertung.

2. Skoda Fabia
471 Punkte

Zu den Vorzügen des kleinen Skoda zählen die überzeugende Gesamtqualität ebenso wie das vernünftige Raumangebot und die sicheren Fahreigenschaften. Der Vierzylindermotor ist dem des Corsa zwar im Temperament voraus, doch gibt sich das Triebwerk unzeitgemäß durstig. Über sieben Liter pro 100 Kilometer sind auch in Anbetracht der besseren, aber keineswegs überlegenen Fahrleistungen zu viel.

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Technische Daten
Opel Corsa 1.0 Skoda Fabia 1.4 Classic
Grundpreis 11.300 € 10.790 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3817 x 1646 x 1440 mm 3960 x 1646 x 1451 mm
KofferraumvolumenVDA 260 bis 1060 l 260 bis 1016 l
Hubraum / Motor 973 cm³ / 3-Zylinder 1397 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 43 kW / 58 PS bei 5600 U/min 44 kW / 60 PS bei 4500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h 157 km/h
0-100 km/h 17,0 s 15,6 s
Verbrauch 5,6 l/100 km 7,0 l/100 km
Testverbrauch 5,9 l/100 km 7,1 l/100 km
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