Doppeltest Opel Corsa 1.2 16 V gegen Peugeot 206 1.1

Der Opel Corsa war 1998 in Deutschland der meistverkaufte Kleinwagen. Mit dem Peugeot 206 steht ihm ein attraktiver neuer Konkurrent gegenüber. Hat der Franzose das Zeug zum Blitz-Ableiter?

Er ist bei Deutschlands Autokäufern beliebt, der Opel Corsa. Obwohl er in der aktuellen Form bereits seit 1993 angeboten wird, verkauft er sich nach wie vor so gut, daß er im letzten Jahr zum Bestseller seiner Klasse avancieren konnte.

In dieser Bestseller-Liste taucht ein Konkurrent aus Frankreich – der Peugeot 205 – bereits seit 1996 nicht mehr auf. Erst im Herbst 1998 wurde die Lücke durch den 206 geschlossen. Im Doppeltest muß sich der viertürige Peugeot 206 1.1 mit 60 PS – in der Présence-Ausstattung 22 100 Mark teuer – am dem 65 PS starken Opel Corsa 1.2 16 V – ebenfalls mit vier Türen und als Modell World Cup für 25 420 Mark – messen lassen. Die Serienausstattung der Kleinwagen ist ansehnlich: ABS, Servolenkung, Zentralverriegelung, asymmetrisch geteilt umlegbare Rückbanklehne sowie Wärmeschutzverglasung gehören bei beiden dazu.

Der Corsa verfügt außerdem über Sidebags und Leichtmetallfelgen, der 206 bringt von Haus aus einen Drehzahlmesser, eine Fernbedienung für die Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber mit. Sicherheit ist auch bei Kleinwagen längst ein beliebtes Verkaufsargument. Der Corsa World Cup ist serienmäßig mit vier Airbags ausgerüstet, im Peugeot gehören Fahrer- und Beifahrer-Luftsack zum Standard, Sidebags kosten 450 Mark Aufpreis. Auch an den Schutz der ganz kleinen Passagiere denken die Hersteller.

Peugeot ist hier allerdings konsequenter. Beim 206 läßt sich der Beifahrer- Airbag mit dem Zündschlüssel abschalten. So kann ein Reboard-Kindersitz ohne großen Aufwand vorn montiert werden; Isofix-Befestigungspunkte am Beifahrersitz sollen noch im Frühjahr folgen. Beim Corsa müssen Kindersitze grundsätzlich auf der Rückbank und damit ohne direkten Blickkontakt zum Fahrer befestigt werden.

Bei der Sitzprobe in den Viertürern vorn fällt auf, daß der Neuere auch der Geräumigere ist. Die Form der Türverkleidungen und die größere Kopffreiheit sorgen im Peugeot für ein großzügigeres Raumgefühl, das durch die fast identischen Meßwerte nur unzureichend wiedergegeben wird.

Die Sitze des 206 bieten mehr Seitenhalt und eine größere Sitztiefe als die des Opel, machen es mit ihrer grobrastigen Lehnenverstellung jedoch schwer, eine optimale Position zu finden. Das Platzangebot im Fond ist bei beiden erwartungsgemäß knapp, aber Erwachsenen auf Kurzstrecken durchaus zumutbar. Der Opel hat hier zwar etwas mehr Kopffreiheit, dafür aber spürbar weniger Beinraum zu bieten. Mit 280 Liter Fassungsvermögen hat der Opel im Normalfall den deutlich größeren Kofferraum (Peugeot 245 Liter). Beim maximalen Ladevolumen liegt der Corsa mit 1150 Litern ebenfalls vor dem 206, dessen Abteil 20 Liter weniger faßt. Außerdem ist der 206- Kofferraum gehandikapt: Seine sehr schräg stehende Klappe schränkt den Transport sperriger Gegenstände ein.

Ob beladen oder unbeladen, grundsätzlich ändert ein volles Gepäckabteil nichts am Fahrverhalten der Testkandidaten. Der Opel zeigt sich durchweg gutmütig, neigt bei forcierter Fahrweise zum Schieben über die Vorderräder und bleibt auch von extremen Ausweichmanövern unbeeindruckt. Der Peugeot hingegen fiel in ersten Tests durch schwer zu beherrschende Lastwechselreaktionen auf (siehe dazu Kasten auf Seite 36). Nach inzwischen erfolgten Modifikationen an den hinteren Stoßdämpfern bleibt der 206 jetzt beim VDAAusweichtest und im Slalomparcours gut beherrschbar. Abrupte Lenkmanöver werden allerdings immer noch von einer spürbaren Tendenz zum Übersteuern begleitet.

Die weiche Abstimmung des 206 – durch die starke Aufbauneigung bei Kurvenfahrten sichtbar – kann leichte Schwächen beim Überrollen kurz aufeinanderfolgender Unebenheiten und beim Langsamfahrkomfort nicht verbergen. Im unbeladenen Zustand ist der Federungskomfort des Peugeot nur wenig besser als der des Opel.

Mit viel Gewicht an Bord verhärtet sich die Federung des Opel aber spürbar und kann dann auf groben Unebenheiten gelegentliches Durchschlagen nicht verhindern. Der Fahrkomfort des 206 leidet dagegen kaum unter zusätzlicher Last.

Das größte Manko des Peugeot ist sein durchzugsschwacher 1,1 Liter-Motor. Die fehlende Elastizität zwingt zu häufigen Schaltvorgängen und zum Fahren mit hohen Dreh zahlen. Die Auswirkungen auf den Verbrauch sind jedoch gering: Der Testverbrauch des 206 mit durchschnittlich 6,7 Liter/100 Kilometer liegt nur geringfügig über dem des Opel (6,5 Liter/100 Kilometer). Der Corsa bereitet mit seinem verhältnismäßig kräftigen Motor bisweilen sogar Fahrspaß – der wird allerdings ganz erheblich durch die elektrische Servolenkung eingeschränkt. Denn die Lenkung ist sehr schwergängig und um die Mittellage unpräzise. Selbst auf schnurgerader Fahrbahn ist der Corsa-Fahrer ständig zu Kurskorrekturen gezwungen.

Dem Opel wäre die direkte, leichtgängige Lenkung des 206 zu wünschen, die einen großen Teil zur Handlichkeit des Franzosen beiträgt. Einen weiteren schwerwiegenden Mangel stellen die Bremsen des Corsa dar. Ihre Wirkung ist schon im kalten Zustand mit einer Verzögerung von 8,0 m/s2 unterdurchschnittlich und verschlechtert sich unter Belastung noch erheblich auf 7,4 m/s2.

Daß es anders geht, zeigt die Anlage des 206. Sie unterscheidet sich in der Bauart – Scheiben vorn und Trommeln hinten – nicht wesentlich von der Corsa-Bremse, wohl aber in der Wirkung; die Verzögerungswerte liegen stets über 9,1 m/s2. Wegen dieser gravierender Schwächen verblaßt der Opel- Blitz vor dem neuen Peugeot 206.

Fazit

1. Peugeot 206 1.1
572 Punkte

Die Stärken des Franzosen sind sein Innenraum-Angebot, der überlegene Fahrkomfort, die - mittlerweile - guten Fahreigenschaften und seine für die Klasse hervorragende Bremsanlage. Lob verdient außerdem die umfangreiche Serienausstattung in Relation zum günstigen Kaufpreis. Was bei der Anschaffung gespart wird, zehrt der teurere Unterhalt allerdings auf. Als wenig empfehlenswert entpuppt sich der schwächliche 1,1 Liter-Motor.

2. Opel Corsa 1.2 16 V
538 Punkte

Ein Blick auf die Fahrleistungen macht klar, daß der 1,2 Liter-Vierzylinder mit Vierventiltechnik besser ist als der Peugeot-Motor mit zwei Ventilen pro Zylinder. Auch das Kostenkapitel kann der unterhaltsgünstige Corsa trotz des hohen Kaufpreises für sich entscheiden. Die miserable Bremsanlage und die gefühllose Lenkung kosten aber so viele Punkte, daß der Corsa weit hinter den Peugeot 206 zurückfällt.

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Technische Daten
Opel Corsa 1.2 16V World Cup Cool Peugeot 206 1.1 Présence
Grundpreis 13.258 € 11.775 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3741 x 1608 x 1420 mm 3822 x 1673 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 280 bis 1150 l 245 bis 1130 l
Hubraum / Motor 1199 cm³ / 4-Zylinder 1124 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 48 kW / 65 PS bei 5600 U/min 44 kW / 60 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 163 km/h 158 km/h
0-100 km/h 14,3 s 15,9 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 6,3 l/100 km
Testverbrauch 6,5 l/100 km 6,7 l/100 km
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