Doppeltest Opel Corsa Eco 1.7 D gegen VW Polo 64 Diesel

Seit kurzem kann man Corsa und Polo mit Saugdieselmotoren kaufen. Der 1,7-Liter Opel-Diesel leistet 60 PS, der 1,9-Liter von VW 64 PS.Wie sparsam sind die kleinen Selbstzünder, und welchen Antriebskomfort bieten sie?

Kleine Diesel gelten als rauhe Gesellen, die beim morgendlichen Kaltstart versuchen, ihre Motoren aus den Aufhängungen zu schütteln. Das ist bei den kleinen Selbstzündern aus Rüsselsheim, dem Opel Corsa 1.7 D, und Wolfsburg, dem VW Polo 64 D, nicht anders. Ein Blick in die Preislisten der Hersteller zeigt überdies, daß diese Unsitten, wenn denn vorhanden, auch noch teuer erkauft werden müssen. Vergleichbare Benziner-Modelle sind bei Opel 1420 Mark und bei VW sogar 2205 Mark billiger. Und außerdem ist da noch der Finanzminister, der Diesel mit einem kräftigen Kfz-Steuer-Zuschlag belegt. Es sprechen allerdings einige Argumente für den Diesel. Allen voran sein sparsamerer Umgang mit Kraftstoff, der dazu noch billiger ist als Benzin.


Im Frühjahr 1996 wurde die Dieselmotoren-Palette des Opel Corsa erweitert. Neben dem bekannten 1,5 Liter-Turbodiesel gibt es seither eine 1,7 Liter- Variante ohne Lader. Die um 0,2 Liter aufgebohrte Konstruktion fand man schon im Kadett, sie wurde dann in den Astra übernommen und kam noch später im Combo, dem Corsa- Transporter, zum Einsatz. Für den Einbau in den zivilen Corsa wurde der Diesel leicht modifiziert. Dabei blieb die Leistung von 60 PS erhalten, sie wird allerdings jetzt bei 4400/min erreicht, 100/min früher als zuvor. Außerdem stieg das maximale Drehmoment von 108 Nm bei 2600/min auf 112 Nm bei 2650/min.

Auch der 1,9 Liter-Diesel des VW ist ein alter Bekannter, der neben dem Polo auch den Golf antreibt. Für den Einsatz im kleinen Polo-Motorraum mußte der 64 PS starke Selbstzünder allerdings an Nebentrieben und Entlüftungswegen stark modifiziert werden. Geht man um die beiden Autos herum, fällt auf, daß sich der VW offensichtlich schämt, von einem Diesel angetrieben zu werden. Kein D im Schriftzug, nichts weist auf den Motor hin.

Opel ist da ehrlicher, ein D auf der Heckklappe zeigt gleich, was Sache ist. Außerdem ist da noch die kleine, gelbe Lampe mit der stilisierten Glühwendel im Armaturenbrett. Sie macht den Corsa-Fahrer auf die Notwendigkeit des Vorglühens aufmerksam, sollte er das D vergessen haben.

Die Dieselgedenkminute ist im Corsa aber auf wenige Sekunden verkürzt. Auch hier wieder Zurückhaltung beim Polo. Zwar verfügt er ebenfalls über eine Kontrollampe mit aufgedruckter Glühwendel, sie leuchtet normalerweise aber nicht auf. VW montiert statt dessen eine Automatik, die selbsttätig vorglüht, sobald man den Polo aufschließt. Bei sehr niedrigen Außentemperaturen muß man aber auch dem Polo zusätzlich von Hand, also per Zündschlüsseldreh einheizen. Zur Tankstelle müssen beide häufiger als erwartet.


Vergleicht man die Verbrauchswerte, ist der Corsa mit 6,1 Litern pro 100 Kilometer etwas genügsamer als der Polo, der 0,2 Liter mehr verbraucht. Beide Werte sind nicht gerade vorbildlich. Zurückzuführen sind sie auf das mittlerweile in die Jahre gekommene Saugmotoren- Konzept beider Aggregate. Ein Golf TDI mit einem Diesel der neuen turbogeladenen, direkteinspritzenden Generation kam im Test mit nur 5,8 Litern 100 Kilometer weit. Und das bei einer mit 90 PS erheblich höheren Leistung. Liegt der Polo beim Verbrauch hinter dem Corsa, so hat er bei den Fahrleistungen ganz klar die Nase vorn.

In der Höchstgeschwindigkeit, 155 km/h beim Opel, 160 km/h beim Polo, ist der Unterschied zwar gering. Aber die Beschleunigungselastizität spricht Bände. Um im fünften Gang von 80 km/h auf 120 km/h zu kommen, braucht der Polo D 25,3 Sekunden. Der flotte 60 PS-Polo mit Ottomotor ist in dieser Disziplin nur 1,2 Sekunden schneller. Der Corsa fällt bei dieser Übung weit zurück. Er läßt sich 32,3 Sekunden Zeit, braucht also exakt sieben Sekunden länger als der Diesel aus Wolfsburg. Überholvorgänge gestalten sich mit dem Polo entsprechend zügiger und damit auch sicherer. Zurückschalten, um die Beschleunigung zu verbessern, bringt bei beiden Motoren nur wenig, weil sie oberhalb von 4000/min nur noch unwillig an Drehzahl zulegen.

Beim Corsa schreckt die unexakte, hakelige Schaltung sowieso von zu häufigem Gebrauch ab. Beim Opel abschreckend ist auch das Geräusch, das aus dem Motorraum dringt, was in Lärm ausartet. Es macht dem Corsa D-Fahrer ständig bewußt, mit einem Diesel unterwegs zu sein, denn die Geräuschkulisse erinnert stark an einen Traktor. 76 dB(A) schon bei 130 km/h strapazieren die Ohren der Insassen. Zusätzlich verärgern Dröhn- und Knarrgeräusche. Ein Blick auf die Meßwerte läßt vermuten, der Polo D sei mit seinen 75 dB(A) bei 130 km/h nur unwesentlich leiser als der Opel.

Tatsächlich gibt der VW im Fahrbetrieb seinen Passagieren viel weniger auf die Ohren als der Corsa, dessen Dröhnen in einem nervenden Frequenzbereich liegt. Großer Pluspunkt des Polo: Ab 100 km/h tritt das Motorgeräusch in den Hintergrund und wird von Windgeräuschen überlagert. Knarren und Dröhnen sind dem VW fremd. Eine weiche Aufhängung des Aggregats verhindert erfolgreich die Übertragung von Schwingungen auf die Karosserie. Nicht nur bei den Maßnahmen zur Entdröhnung des neuen Antriebs bewiesen dieWolfsburger Techniker eine glückliche Hand. Der Diesel wiegt 50 Kilogramm mehr als der 60 PS Ottomotor, aber trotzdem sind die Unterschiede im Fahrverhalten minimal. Nur im direkten Vergleich beider Varianten läßt sich bei dem Selbstzünder eine leicht verstärkte Neigung zum Untersteuern feststellen. Ein Stukkern, hervorgerufen durch die zentnerschwere Mehrbelastung der Vorderachse, ist nicht feststellbar.


Nicht ganz so gut gelungen ist die Fahrwerksabstimmung beim im Vergleich zum Benziner 43 Kilogramm schwereren Corsa Diesel. Auf langen Bodenwellen neigt der Corsa zu stärkeren Vertikalbewegungen, außerdem stukkert seine Federung auf Autobahnquerfugen. Deutlich vor dem Corsa liegt der Polo auch beim Raumangebot, daran ändert selbst der mit 260 Litern etwas größere Kofferraum des Corsa (Polo 245 Liter) nichts. Bei der Funktionalität liegen beide Autos an der Spitze in ihrer Klasse. Alle Schalter und Hebel sind ergonomisch angeordnet und logisch in ihrer Bedienung. Zu verbessern sind beim Corsa die Türgriffe, mit denen sich die Türen nach einem Crash schlechter öffnen lassen als die VW-Türen mit den soliden Griffen des Polo. Bei ihm kann man dagegen die komplett lackierten Stoßfänger gar nicht oft genug kritisieren.

In Anschaffung und Unterhalt läßt der Opel den VW hinter sich. Der Corsa ist 1775 Mark billiger, er verbraucht 0,2 Liter weniger auf 100 Kilometer und ist in der 60 PS-Klasse günstiger zu versichern als sein Konkurrent mit 64 PS. Der verspricht dafür einen etwas höheren Wiederverkaufswert. Wirklich wirtschaftlich, da darf man sich nichts vormachen, sind die kleinen Diesel nur für Vielfahrer. Der Corsa liegt erst bei einer Fahrleistung von 15 000 Kilometern im Jahr auf dem Kostenniveau des vergleichbaren Benziners, beim Polo liegt die Schwelle sogar bei 30 000 Kilometern. Die vielen Dieselfans, die so hohe Kilometerleistungen nicht schaffen, warten besser: auf wirtschaftlichere TDI-Motoren.

Fazit

1. VW Polo 64 Diesel
106 Punkte

Sehr hoher Federungskomfort, großzügiges Platzangebot, sichere Fahreigenschaften, sehr gute Verarbeitungsqualität, kultivierter, laufruhiger Motor. Für die Fahrzeuggröße hoher Verbrauch, Bremsfading, hoher Anschaffungspreis, Zubehör nur als Ausstattungspaket.

2. Opel Corsa Eco 1.7 D
102 Punkte

Günstiger in Anschaffung und Unterhalt als Polo, kein Bremsfading, serienmäßig höhenverstellbarer Fahrersitz, Lüftung mit Umluftschaltung Für die Fahrzeuggröße hoher Verbrauch, Motor dröhnt ab 120 km/h, etwas unpräzise, teigige Schaltung, Servolenkung nur gegen Aufpreis

Technische Daten
Opel Corsa Eco 1.7D VW Polo D
Grundpreis 11.021 € 12.422 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3729 x 1608 x 1420 mm 3715 x 1655 x 1420 mm
KofferraumvolumenVDA 260 bis 1050 l 245 bis 975 l
Hubraum / Motor 1686 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 44 kW / 60 PS bei 4400 U/min 47 kW / 64 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h 160 km/h
0-100 km/h 17,1 s 16,1 s
Verbrauch 5,3 l/100 km 5,6 l/100 km
Testverbrauch 6,1 l/100 km 6,3 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Kia Ceed Sportswagon 1.4 T-GDI Platinum Edition, Skoda Octavia Combi 1.5 TSI ACT Style, Exterieur Kia Ceed Sportswagon 1.4 und Skoda Octavia Combi 1.5 Kompaktklasse-Kombis im Test
Beliebte Artikel Mini Countryman Cooper D All4, VW T-Roc 2.0 TDI 4Motion Style, Exterieur VW T-Roc gegen Mini Countryman Kleine Diesel-SUV im Test Mazda 2 G 115, Skoda Fabia 1.0 TSI, VW Polo 1.0 TSI, Exterieur Mazda 2, Skoda Fabia und VW Polo im Test Wer liegt im Stadtrummel vorn?
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen sport auto-Perfektionstraining 2018, Exterieur Perfektionstraining 2018 Sicher und schnell über die Nordschleife Jaguar Land Rover Fahrdynamik Advertorial Auf Knopfdruck: Sport Mehr Fahrspaß durch Technik
Allrad Mercedes G 350 d Fahrbericht Hochgurgl / Timmelsjoch Winter 2018 Mercedes G 350d Fahrbericht Mit dem G im Schnee Mercedes X-Klasse 6x6 Designstudie Carlex Mercedes X-Klasse 6x6 Böser Blick mit drei Achsen
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Weihnachtskalender 2018 Tür 19 Mitmachen und gewinnen Pfeffermühle von Peugeot Jochen Hörnle - Freifahrtschein Ausnahme in Großstädten Übergangsfrist für Diesel-Fahrverbot
CARAVANING Weihnachtskalender 2018 Tür 19 Mitmachen und gewinnen Pfeffermühle von Peugeot Vakantiepark Delfte Hout Campingplatz-Tipp Südholland Stadtcamping im Grünen