Doppeltest Opel Sintra 2.2 DTI 16 V gegen VW Sharan 1.9 TDI

Großraumlimousine und Dieselmotor. Bei VW wählen über die Hälfte der Sharan-Kunden diese Kombination. Opel hatte bisher noch keinen Selbstzünder für den Sintra im Angebot. Jetzt kommt der 2.2 DTI 16 V mit 115 PS.

Bislang fristete der Opel Sintra im Marktsegment der Vans eher ein Mauerblümchendasein. Während VW in diesem Jahr bis einschließlich September 21 730 Sharan verkaufte, fanden nur 6303 Opel Sintra den Weg zum Kunden. Mehr als 50 Prozent der VW Vans werden von einem TDI-Motor angetrieben, wobei der mit 110 PS die mit Abstand beliebteste Antriebsquelle der Wolfsburger Großraumlimousine ist. Daß bis vor wenigen Wochen der Sintra nicht mit Dieselmotor zu haben war, könnte ein Grund für das mangelnde Käufer-Interesse gewesen sein.

Dieses Manko gleicht Opel jetzt aus und präsentiert mit dem direkteinspritzenden 2,2 Liter-Turbodieselmotor ein zugkräftiges Argument für den Sintra. Der 115 PS starke Vierventiler gehört zur Ecotec-Motorenfamilie und ist eine Weiterentwicklung des Zweiliter-Vierzylinders mit 100 PS aus Vectra und Omega. Um es vorwegzunehmen – die Motorenentwickler haben gute Arbeit geleistet. Der nur 1,9 Liter große TDI mit zwei Ventilen pro Zylinder schöpft seine Kraft in erster Linie aus einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie.

Opel setzt auf die alte Formel, daß Hubraum durch nichts zu ersetzen sei und schenkt dem Direkteinspritzer knapp 0,3 Liter mehr ein. Auf dem Papier ergibt das ein Plus an Drehmoment von 25 Newtonmetern. In der Praxis treten die Unterschiede der beiden Turbodiesel, die nominell nur fünf PS trennen, deutlicher zu Tage, als die Werte zunächst vermuten lassen. Kann auch beim Sharan nicht mehr von einem Turboloch im klassischen Sinne gesprochen werden, so setzt der Motor des Sintra Gaspedalbefehle noch spontaner in Vortrieb um.

Das beschert dem Opel trotz längerer Gesamtübersetzung die besseren Durchzugswerte. Auch bei der Beschleunigung aus dem Stand hat der Rüsselsheimer Van die Nase vorne. 

Dabei bleibt er in allen Drehzahlbereichen leiser und läuft geschmeidiger als der mittlerweile von seiner Grundkonstruktion her betagte TDI. Der kann aber bei der Verbrauchswertung wieder Punkte gutmachen. Mehr noch als der Testverbrauch von 8,7 Liter auf 100 Kilometer zeigt die auto motor und sport-Normrunde, die der VW mit 6,8 Litern absolviert, welches Spritsparpotential noch immer in ihm steckt. Aber auch die 7,3 Liter, die der Sintra auf der Normrunde verbraucht, sowie der Testverbrauch von 9,1 Liter/100 km sind angesichts der rund 1800 Kilogramm Leergewicht, die übrigens beide Testkandidaten auf die Waage brachten, ein respektabler Wert. Das hohe Gewicht ist ebenso wie die gegenüber konventionellen Limousinen schlechtere Aerodynamik ein Manko, das die Fahrer von Großraumlimousinen in Kauf nehmen müssen.

Gerade deshalb sind die kräftigen, sparsamen Dieselmotoren für Vans so beliebt. Bis zu sieben Personen können in Sintra und Sharan mitreisen. Dazu müssen allerdings beim Sintra GLS 1050 Mark und beim Sharan Trendline 970 Mark für jeweils zwei Einzelsitze für die dritte Sitzreihe extra bezahlt werden. Sind diese montiert, bleibt in Sintra und Sharan nur noch wenig Platz für Gepäck übrig. Wenn also Raum für Sportgeräte oder Koffer geschaffen werden soll, müssen die Sitze ausgebaut werden. Das ist bei beiden mit wenigen Handgriffen möglich.

Beim Sintra erweist sich die Mechanik aber als etwas hakeliger. Großer Vorteil des Opel sind seine seitlichen Schiebetüren, die einen bequemeren Einstieg ins Passagierabteil ermöglichen. In beiden Vans sitzen die Mitfahrer aber im wahren Sinn des Wortes in der zweiten Reihe. In Sintra und Sharan müssen die Passagiere ihre Beine stark anwinkeln, und die Sitzflächen sind zu kurz. Zudem herrscht auf den beiden äußeren Sitzen im VW Sharan durch das stärker eingezogene Dach ein Mangel an Kopffreiheit. Insgesamt fallen die Platzverhältnisse im VW knapper aus als im Opel. Auch die Sitzposition auf dem Fahrersitz des Sintra gefällt besser. Bei der Fahrwerksabstimmung ihrer Vans gehen Opel und VW ihre eigenen Wege.

Mit seiner grundsätzlich weicher ausgelegten Federung und Dämpfung kann der Sintra seine amerikanischen Wurzeln nicht verbergen. Die Vorderachse wirkt unterdämpft. Bei schnell aufeinanderfolgenden Bodenwellen führt die Karosserie starke Vertikalbewegungen aus. Zum Durchschlagen der Federung kommt es aber auch bei groben Stößen und voller Beladung nicht. Der insgesamt straffer ausgelegte Sharan meistert schlechte Straßen mit deutlich weniger Karosseriebewegungen.

Allerdings stoßen bei mehreren kurzen Wellen hintereinander die Federwege an ihre Grenzen. Beim VW dringen auch kurze Stöße stärker durch die direkter übersetzte Lenkung zum Fahrer durch als beim Sintra. Dessen Lenkung ist etwas unpräziser und vermittelt weniger Gefühl für die Straße. Beide Vans sind grundsätzlich neutral bis untersteuernd ausgelegt. Auf Lastwechsel im beladenen Zustand reagiert der Sharan heftiger, bleibt dabei aber gut beherrschbar. Der Sintra ist behäbiger, fährt sich aber ebenfalls unproblematisch. Weitere Punkte verliert der Opel im Kapitel Sicherheit. Das geht hauptsächlich auf das Konto der Bremsen. Schon bei kalter Bremse kommt er aus 100 km/h rund vier Meter – eine Wagenlänge – später zum Stehen als der Sharan.

Vier Meter, die unter ungünstigen Umständen einen Crash vermeiden könnten, der gerade im Sintra gefährliche Folgen hätte (siehe Kommentar). Der Sharan gewinnt den Vergleich letztendlich durch seine besseren, standfesteren Bremsen und die ausgewogeneren Fahreigenschaften. In diesen Punkten sollte beim Sintra noch nachgebessert werden, um die ansonsten überzeugende Kombination der Vankarosserie und den geschmeidigen, kraftvollen Direkteinspritzer-Diesel noch attraktiver zu machen.  

Fazit

1. VW Sharan TDI
574 Punkte
2. Opel Sintra DTI 16 V
549 Punkte
Technische Daten
VW Sharan TDI Trendline Opel Sintra 2.2 DTI 16V GLS
Grundpreis 28.070 € 26.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4617 x 1810 x 1728 mm 4670 x 1830 x 1757 mm
KofferraumvolumenVDA 256 bis 2610 l 460 bis 3763 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder 2171 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 81 kW / 110 PS bei 4150 U/min 85 kW / 115 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 172 km/h 175 km/h
0-100 km/h 14,3 s 12,4 s
Verbrauch 6,6 l/100 km 8,0 l/100 km
Testverbrauch 8,7 l/100 km 9,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mini Countryman Cooper D All4, VW T-Roc 2.0 TDI 4Motion Style, Exterieur VW T-Roc gegen Mini Countryman Kleine Diesel-SUV im Test
Beliebte Artikel Mazda 2 G 115, Skoda Fabia 1.0 TSI, VW Polo 1.0 TSI, Exterieur Mazda 2, Skoda Fabia und VW Polo im Test Wer liegt im Stadtrummel vorn? 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Toyota Supra - Sportcoupé - Fahrbericht Toyota GR Supra (2019) Premiere in Detroit Lexus RC F Track Edition Lexus RC F Track Edition (2019) Mit 500 PS auf die Piste
Allrad Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) GT3 Porsche 911 (996) Kaufberatung Jetzt steigen die Preise Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Dethleffs Globeline (2019) Dethleffs Globeline T 6613 EB Neue Baureihe auf Sprinter Mitmachen und gewinnen 5 x Eiskratzer Sets von KUNGS
CARAVANING Touring 820 Premiere Eriba Touring 820 Acht-Meter-Luxuswohnwagen Mitmachen und gewinnen 5 x Eiskratzer Sets von KUNGS