Doppeltest Opel Tigra 1.4i gegen Toyota Paseo

Das Segment kleiner Sportcoupés, früher fest in japanischer Hand, wird inzwischen vom Opel Tigra beherrscht. Toyota ist nun ein Licht aufgegangen: Mit dem Paseo soll das alte Revier vom erfolgreichen Deutschen zurückerobert werden.


Wenn Schwimmstar Franziska van Almsick im Opel-Werbespot guteMiene zum nassen Spiel macht undmit dem Tigra unter einer New Yorker Straße auf Tauchstation geht, dann soll sie in erster Linie junge Leute zum täglichen Bad in dem kleinen Coupé animieren: Etwa zwei Drittel aller Tigra-Käufer sind unter 40 Jahre alt. Dank bewährter Großserientechnik braucht niemand den Sprung ins kalte Wasser zu fürchten: Der Tigra stammt vom Corsa und ist deshalb frei von den Launen mancher Sportwagendiven. Nur sein auffälliger optischer Auftritt mit dem flachen Bug und dem hohen, von Glasflächen dominierten Heck verdient das Prädikat exzentrisch.

Vom Temperament eines überzüchteten Rennpferds ist auch der Toyota Paseo weit entfernt. Der 2+2-Sitzer, als Abkömmling des Kleinwagens Tercel in den USA und Japan bereits seit 1991 auf dem Markt und neuerdings auch in Deutschland im Angebot, signalisiert schon durch unauffälliges Styling, daß sich Vergleiche mit reinrassigen Sportwagen verbieten.

Als neuer
Opel Tigra-Konkurrent versucht er ebenfalls unter jungen Leuten und Frauen besonders angenehm aufzufallen. Einstiegspreise von unter 30 000 Mark für beide Modelle lesen sich wie Lockvogelangebote eines Last Minute-Reiseveranstalters. Dementsprechend fällt die Qualität aus.


Besonders
der Tigra kann nicht verheimlichen, daß bei Entwicklung und Produktion jede Mark zweimalumgedreht werden mußte. Errangiert gerade mal auf dem Niveau eines Zwei-Sterne-Hotels: DieTüren schließen blechern, aus demArmaturenbrett dringen Knistergeräusche,und die Karosserie beginnt auf schlechten Straßen zu dröhnen. Nüchtern fällt auch die Gestaltung des Innenraums aus: Allein die poppigen Sitzbezüge geben Hinweisdarauf, daß es sich um ein Autofür junge Leute handeln soll, das Cockpit gleicht bis aufs Haar demdes Corsa und versprüht somit nur den Charme eines Kleinwagens.


Besser untergebracht sind
die Passagiere im Paseo, dessen Instrumente auffallend weiß unterlegt sind. Er wirkt steifer und solider verarbeitet als sein deutscher Konkurrent. Zum Wohlbefinden trägt aber nicht nur die gediegenere Qualität bei, der eigentliche Vorteil liegt im Raumangebot: nicht üppig, aber besonders auf den Vordersitzen dem eines 2+2-Sitzers immerhin angemessen. Anders im Tigra: Vergleiche mit den Zuständen in Sardinenbüchsen sind unvermeidbar, wenn links die Fahrertür drückt und rechts der Beifahrer unfreiwillig auf Tuchfühlung geht. Die stark geneigte Windschutzscheibeverläuft zu allem Überfluß so dicht vor dem Kopf wie sonst nur ein Motorradhelm- Visier. Gemessen an den Verhältnissen im Fond sitzt man vorne allerdingsausgesprochen luftig.

Opel schreibt vor, daß
hinten nur Personen sitzen dürfen, diekleiner als 1,60 Meter sind. Doch selbst Kindern ist es wegen der beengten Verhältnisse nicht zu zumuten, dort über Kurzstreckenfahrten hinaus Platz zu nehmen. Eine kurze Rückenlehne und fehlende Kopfstützen machen imFalle eines Auffahrunfalls außerdem sogar die Spritztour zum Sicherheitsrisiko. Wer beideCoupés von vornherein als reine Zweisitzer ansieht, kommt auch mitdem Platz im Gepäckabteil aus.


Der Tigra bietet mit 215Litern zwar rund 60 Liter wenigerals der Paseo, läßt sich aberwegen der weit nach obenschwingenden Klappe besserbeladen. Die erlaubte Zuladung von 287 Kilogramm erscheint für ein Auto dieser Größenordnung ausreichend, während Toyota mit 406 Kilogramm über das Ziel allein schon deshalb weit hinausschießt, weil die Bremsen dieser hohen Belastung nicht standhalten. Im auto motor und sport- Test brauchte der Paseo bei voller Zuladung und mit erhitzten Bremsen aus Tempo 100 ganze 80,4 Meter, bis er zum Stillstand kam – ein trauriger Rekord in dieser Klasse. Selbst mit weniger Ballast an Bord zeigte die mit innenbelüfteten Scheiben vorne und Trommeln hinten ausgestattete Bremsanlage frühzeitig Schwächen. Hier muß Toyota auf jeden Fall nacharbeiten.

Opel hat seine Hausaufgaben dagegen gemacht: Der Tigra zeigt zwar leichtes Bremsfading, steht aber auch miterhitzten Bremsen nach akzeptablen43,9 Metern. Ansonsten besteht beiden Fahreigenschaften des Paseowenig Verbesserungsbedarf. Das japanische Coupé untersteuert zwar stärker als der Tigra, wirkt aber durch die exaktere Lenkung trotzdem viel handlicher. Der Opel eilt mit der Gutmütigkeit eines Kleinwagens sicher durchschnelle Kurven. Weil seine schwergängige Lenkung allerdings schon beim Einlenken hohe Kräfte erfordert, fehlt ihm im Gegensatz zum Paseo jene Agilität, die gerade Sportwagen auszeichnen sollte.
Mit 90 PS, die Tigra und Paseo aus 1,4 beziehungsweise 1,5 LiterHubraum entwickeln, sind beideausreichend motorisiert. Eingewisses Maß an Fahrspaß weißjedoch allein der Paseo zuvermitteln, weil er auf Gas gutanspricht und mit der kurzenÜbersetzung selbst noch in denhohen Gängen flott beschleunigen kann.

DerTigra erfordert nicht nur imAntritt etwas mehr Geduld. Er willwegen der langen Übersetzung imfünften Gang auch häufigergeschaltet werden. Weitausstörender wirkt sich allerdingsdie schlechte Laufkultur aus: DasOpel- Triebwerk ruckelt und zeigtbei hohen Drehzahlen unangenehmeVibrationen. Dazu kommt ein intensives Fahrwerksdröhnen, das im Tigra für einen höheren Lärmpegel als im Paseo sorgt, obwohl auch der kleine Toyota keinesfalls zu den Leisetretern zählt. Die Komfortnoten fallen bei beiden Versionen niedrig aus – nicht nur wegen des hohen Geräuschniveaus, sondern auch wegen des unbefriedigenden Federungskomforts.
Das straff abgestimmte Tigra-Fahrwerk zeigt auf Querfugen und langen Bodenwellen ein sehr stark eingeschränktes Schluckvermögen. Im ebenfalls sportlich ausgelegten Paseo fühlen sich Passagiere zwar bequemer untergebracht, weil er Unebenheiten etwas routinierter wegsteckt. Richtig überzeugen kann aber auch seine Federung nicht. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten spricht auf den ersten Blick alles für den Tigra: Sein sparsamer Motor verbraucht mit 7,8 Liter Super bleifreiauf 100 Kilometer immerhin einenhalben Liter Benzin weniger alsdas Paseo- Triebwerk, und derGrundpreis liegt mit 26 485 Markum 2415 Mark unter dem des Paseo.
Der kontert allerdings mit der wesentlich besseren Ausstattung: ABS, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Zentralverriegelung und ein herausnehmbares Sonnendach gehören im Gegensatz zum Tigra zum Serienumfang und summieren sich auf einen Mehrwert von fast 4000 Mark – ausstattungsbereinigtist der Paseo also rund 1500 Mark günstiger als der Tigra. Besseres Platzangebot, solidere Qualität, ein durchzugsstärkerer Motor und das agilere Fahrverhalten– im Grunde spricht alles für das japanische Coupé, das im Gegensatz zumTigra zumindest etwas Sportwagenflair vermitteln kann. Doch solange Toyotadie Bremsen nicht grundlegend überarbeitet, bleibt der Opel in diesem Vergleich zumindest der moralische Sieger.  

Fazit

1. Opel Tigra 1.4i
96 Punkte

Günstiger Anschaffungspreis, bequeme Sitze, unproblematische Fahreigenschaften, angemessener Benzinverbrauch. Eingeschränktes Platzangebot vorne, unbrauchbare Rücksitze, schlechter Federungskomfort besonders auf kurzen Bodenwellen, lauter, unkultivierter Motor, schlechte Qualität.

2. Toyota Paseo
96 Punkte

Angemessenes Raumangebot vorne, gute Handlichkeit, temperamentvoller Motor, gutmütiges Kurvenverhalten, sehr umfangreiche Serienausstattung. Unter Belastung extrem stark nachlassende Bremswirkung, brummiger Motor, wenig Platz im Fond, eingeschränkter Federungskomfort.

Technische Daten
Toyota Paseo Coupé 1.5 Opel Tigra 1.4
Grundpreis 15.058 € 13.542 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4160 x 1660 x 1290 mm 3922 x 1604 x 1340 mm
KofferraumvolumenVDA 277 l 215 bis 425 l
Hubraum / Motor 1497 cm³ / 4-Zylinder 1389 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 5400 U/min 66 kW / 90 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h 190 km/h
0-100 km/h 10,6 s
Verbrauch 7,0 l/100 km 7,3 l/100 km
Testverbrauch 8,3 l/100 km
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