Doppeltest Peugeot 106 1.5 D gegen VW Lupo 1.7 SDI

Das Drei-Liter-Auto ist noch nicht auf der Straße, aber die Fünf-Liter-Kleinwagen kann man längst kaufen. Der neue VW Lupo SDI trifft in diesem Segment auf den etablierten Peugeot 106 1.5 D. Ist das sparsamere Auto auch das bessere?

Kleine Autos mit relativ großvolumigen Dieselmotoren – diese Kombination schien noch vor wenigen Jahren undenkbar. Peugeot hat hier in der Vergangenheit mit dem sehr erfolgreichen 205 Diesel einsam das Feld beackert und die Vorzüge des gut gemachten Selbstzünders im Kleinwagen popularisiert.

Nicht zuletzt dieses großen Erfolges wegen ist man heute nicht mehr erstaunt, daß es sogar unter weit kürzeren Motorhauben nagelt. Kürzer als im VW Lupo, dem jüngsten Konkurrenten des kleinen Peugeot 106, geht es ja wirklich kaum noch. Mit Mühe faßt die stummelige Lupo-Front den alten 827er des VW-Konzerns, der hier – im Hubraum von dem gängigeren 1,9-Liter auf 1,7 Liter reduziert – als Direkteinspritzer ohne Turboaufladung 60 PS bei 4200/min leistet. Das Peugeot-Triebwerk ist nicht nur im Hubraum um immerhin 200 cm3 bescheidener, sondern auch technisch vom alten Schlag.

Es handelt sich noch um einen jener Wirbelkammer- Motoren, die vor der Ära der Direkteinspritzer neben wenigen Vorkammer-Konstruktionen das Feld beherrschten. 55 PS sind es beim Peugeot- Vierzylinder, der auch einige Gemeinsamkeiten mit dem VW-Motor zeigt. Denn auch er ist ein Langhuber und kommt mit zwei Ventilen pro Zylinder aus. Ein Blick auf die technischen Daten zeigt nicht nur eine Leistungsdifferenz zwischen beiden Selbstzündern, sondern mehr noch einen Drehmoment-Unterschied. Das Durchzugsvermögen ist bei den High Tech-Dieseln ja generell zu einer Art Zauberbegriff geworden und hat die Ottos aus ihrer einstigen Führungsrolle längst verdrängt. Diesel heißt Durchzug – im Falle des Peugeot 106 mit einem relativ bescheidenen Maximalwert von 95 Newtonmetern bei 2250 Umdrehungen, beim hubraumstärkeren Lupo sind es immerhin 115 Nm bei fast gleicher Drehzahl.

Wenn man Gas gibt, sind diese Papierwerte sofort erlebund nachvollziehbar. Mit einem kräftigen Schnarrgeräusch legt der Direkteinspritzer des Lupo druckvoll los und macht subjektiv einen weit lebendigeren Eindruck, der sich freilich bei den Meßwerten für die Beschleunigung von null auf 100 km/h nicht wiederfindet (17,3 Sekunden, Peugeot 16,7). Doch was man spürt, ist ja nicht nur das absolute Temperament, das sich auf einer Meßstrecke reproduzieren läßt, sondern mehr noch die Leistungscharakteristik, das Ansprechen, die Spontaneität. Hier ist der Lupo mit seinem sehr exakt und auf kurzen Wegen schaltbaren Fünfganggetriebe dem altmodischen Wirbelkammer-Peugeot klar überlegen.

Es ist ein Diesel, der – vom kernigen Geräusch einmal abgesehen – Freude macht, zumal er in der Motor-Disziplin ebenfalls durch Meßwerte zu glänzen vermag. Sie stellen sich, wie erwartet, bei den Verbrauchsfahrten ein. Im Durchzugsvermögen liegen nur subjektiv, nicht objektiv Unterschiede zwischen dem 1,5-Liter des Peugeot und dem 1700er des VW. Von 80 auf 120 km/h braucht der Lupo 26,9 Sekunden, absolut gesehen natürlich nicht gerade ein Temperamentsausbruch.

Beim Peugeot sind es 27,2 Sekunden, und auch zwischen 60 und 100 km/h im vierten Gang zeigt sich, daß in dieser Disziplin keine gravierenden Unterschiede bestehen. In der Höchstgeschwindigkeit liegen sie praktisch gleichauf. Fast 160 km/h erreichen sie beide, 140 sind da wie dort ein angenehmes Reisetempo auf der Autobahn, das auch an milden Steigungen gut zu halten ist. Im akustischen Bereich sind die Einschränkungen schon stärker spürbar, hier zeigt sich eben doch, daß wenig Wagenmasse auch zur Dämpfung der kernigen Zündungen zur Verfügung steht.

Der Lupo-Diesel ist, wie die Geräuschmessung zeigt, gerade bei höheren Geschwindigkeiten leiser, subjektiv empfindet man die Verbrennung des Direkteinspritzers als etwas härter und aufdringlicher. Lästigkeitsgrade mißt die Apparatur bekanntlich nicht – man muß in beiden Fällen mit nicht zu überhörenden Motorgeräuschen leben. Die Entschädigung findet ja schon durch vergleichsweise gute Temperamente statt, doch endgültig wird sie erst an der Tankstelle.

Mit einem Testverbrauch von 5,4 Litern pro 100 Kilometer erfüllt vor allem der Lupo die diesbezüglichen Erwartungen und läßt sich auf der zurückhaltend gefahrenen Normrunde zu weniger als vier Litern hinreißen.

Der Peugeot liegt in dieser Disziplin mit 4,2 Litern klar darüber, und auch der Testverbrauch von sechs Litern pro 100 Kilometer zeigt, daß der Wirbelkammer-Motor nicht mehr Stand der Technik ist. Auch für den Lupo SDI gilt, daß der Verbrauchsvorteil gegenüber ähnlich motorisierten erwachsenen Autos, wie etwa dem Golf TDI, nicht so groß ausfällt wie erwartet. Er gewinnt gleichwohl die Antriebswertung souverän, wobei sein Vorsprung noch deutlicher aus- gefallen wäre, wenn er nicht nur 34 Liter Tankvolumen böte – auch bei kleinem Durst zu wenig. Wie ist man unterwegs? Motorisch, wie schon gesagt, recht vollwertig, im Geräuschkomfort eingeschränkt, im Federungskomfort weit besser als zunächst vermutet.

Daß es den Technikern gelungen ist, auch sehr kleine Autos auf ein so hohes Niveau zu stellen, scheint besonders erfreulich. Der Lupo schneidet auch hier noch etwas besser ab – mit den komfortableren Sitzen vorne und einem noch geschmeidigeren Ansprechen der Federung auf kleine Unebenheiten. Wie gut er auch mit maroden Autobahn-Abschnitten zurecht kommt, ist bei seiner Kürze sehr beachtlich. Nur 3,52 Meter zeigt das Maßband, 3,68 Meter sind es beim Peugeot. In der Handlichkeit ist der Lupo jedoch nicht nur deshalb überlegen, sondern auch durch seine leichtgängigere, exakter ansprechende Servolenkung, die beim 106 Style wie beim Lupo Comfortline Serie ist.

Der 106 wirkt träger, hat etwa den gleichen Ausstattungsumfang wie der Lupo (siehe Tabelle Seite 106), aber vor allem einen längenbedingten Raumvorteil. Er dokumentiert sich in einem etwas größeren Knieraum hinten, mehr noch aber in einem praxisgerechteren Kofferraumvolumen. Der Zwerg Lupo faßt kümmerliche 130 Liter, der 106 immerhin 215 Liter.

Als Reisewagen, soviel ist klar, kommt der Lupo nur als Zweisitzer in Frage. Er ist mit hoher Fahrsicherheit und einer noch besseren Beherrschbarkeit in kritischen Situationen gleichwohl das insgesamt erfreulichere und fahraktivere Produkt, auch wenn er – wie der Peugeot – nicht die besten Bremsen hat. Das ändert nichts an einem eindeutigen Punktevorsprung. Und ganz nebenbei ist das bessere Auto auch noch das sparsamere.

Fazit

1. VW Lupo SDI
578 Punkte

Der VW Lupo gewinnt diesen Vergleich mit deutlichem Vorsprung, was vor allem mit der Ausgewogenheit seiner Eigenschaften zusammenhängt. Besonders überzeugend sind dabei sein für die Klasse sehr guter Federungskomfort und die sehr guten Fahreigenschaften, wobei das überlegene Handling ebenfalls eine deutliche Rolle spielt. Der Motor ist subjektiv lauter als von den Meßwerten her, im Verbrauch gibt es einen klaren Vorsprung. Das Platzangebot ist beim Kofferraum kümmerlich, die Bremsen könnten besser sein.

2. Peugeot 106 1.5 D
549 Punkte

Dem kleinsten Peugeot merkt man vor allem beim Triebwerk an, daß er in die Jahre kommt. Der Wirbelkammer-Vierzylinder wirkt subjektiv wenig agil und macht insgesamt einen trägeren Eindruck. Auch im Treibstoffverbrauch zeigt sich das Alter des Dieselmotors, der noch einer anderen Generation entstammt. Im Federungskomfort bietet auch der Peugeot ein hohes Niveau, in der Handlichkeit fällt er deutlich zurück, auch wegen höherer Lenkkräfte. Die Fahreigenschaften sind gut, die Bremsen verbesserungsfähig.

Technische Daten
VW Lupo 1.7 SDI Comfortline Peugeot 106 1.5 D Spécial
Grundpreis 13.975 € 10.175 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3527 x 1639 x 1460 mm 3678 x 1588 x 1376 mm
KofferraumvolumenVDA 130 bis 830 l 215 bis 953 l
Hubraum / Motor 1716 cm³ / 4-Zylinder 1527 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 44 kW / 60 PS bei 4200 U/min 40 kW / 55 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h 157 km/h
0-100 km/h 17,3 s 16,7 s
Verbrauch 4,4 l/100 km 5,3 l/100 km
Testverbrauch 5,4 l/100 km 6,0 l/100 km
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