Doppeltest Peugeot 406 Coupé 3.0 V6 gegen Volvo C70 2.5 T

Mit elegant geschnittenen Karosserien buhlen die feinen Coupés von Peugeot und Volvo um Käufer. Was sie sonst noch in die Waagschale werfen, zeigt dieser Vergleich.

Die Linie macht’s. Es gibt keinen anderen Grund, ein zweitüriges Coupé der viertürigen, geräumigeren, meist technisch identischen und fast immer deutlich preiswerteren Limousine aus dem gleichen Stall vorzuziehen. Das gilt natürlich auch für den von den Volvo-Stilisten unter Peter Horbury entworfenen, nicht eben zierlichen C70 und das vom italienischen Design-Maestro Pininfarina sehr elegant geschnittene und auch gebaute 406 Coupé der Marke Peugeot.

Der 406 wirkt nicht nur deutlich kleiner als der C70, er ist es auch: Trotz seines etwas längeren Radstandes fehlen ihm in allen Richtungen einige Zentimeter. Deshalb registriert man beim Einstieg ganz erstaunt, daß er mehr Platz bietet als erwartet. Vorne ist das Raumangebot grosszügig, und im Fond laden zwei bequeme Sitze auch Erwachsene zur Mitfahrt ein. Sie brauchen nicht einmal den Kopf einzuziehen. Das ist auch im Volvo nicht nötig. Der Vorzug des besseren Raumgefühls wird hier aber durch sehr steile Lehnen, die zu einer gewöhnungsbedürftigen Sitzhaltung zwingen, etwas geschmälert.

Auch vorne ist die Position höher und damit limousinenhafter als im Peugeot, der in diesem Punkt trotz weicherer Sitze mit geringerem Seitenhalt eine gute Portion Sportwagen-Feeling vermittelt. Um leichter in den Fond zu gelangen, fahren die 406-Vordersitze beim Umlegen der Lehne elektrisch selbsttätig vor und anschließend wieder zurück. Diese Einstiegshilfe bietet auch der C70, aber in weniger perfekter Form, denn man muß den Klappgriff umständlich festhalten oder für den Rückweg des Sessels in den Fond an einer tief am Sitz angebrachten Lasche ziehen. Ansonsten sammelt der Schwede mit funktionell angeordneten Schaltern, guter Radiobedienung und soliden Bügel- Türgriffen gegenüber dem Franzosen ebenso Pluspunkte wie mit seiner überzeugenden Qualität.

 Die Karosserie wirkt unerschütterlich steif, das Interieur auch im Detail gut verarbeitet, und Windgeräusche treten – anders als bei einem früheren Testwagen – erst jenseits von 160 km/h auf. Im Peugeot beginnt es ab Tempo 120 vernehmbar zu zischeln, zudem vermitteln die Materialien innen einen billigeren Eindruck. Bei der Ausstattung kann man dem 406 bestenfalls vorwerfen, daß Sidebags 650 Mark extra kosten. Ansonsten ist er in der Version Platinum komplett und reichhaltig ausstaffiert. Elektrisch verstellbare und beheizbare Sitze mit einer Memoryfunktion auf der Fahrerseite, Lederausstattung sowie Audioanlage mit CD-Wechsler sind serienmäßig. Für diese Extras muß man bei Volvo zusätzlich über 5000 Mark bezahlen.

Eine gute Figur macht das Duo in Sachen Kofferraum. 405 Liter faßt der des Volvo, nur 15 Liter weniger das flachere Abteil im Peugeot. Beide sind glattflächig, gut beladbar und mit einer Durchlademöglichkeit für Skier ausgerüstet. Dem Nachteil seiner mit 309 Kilogramm bescheideneren Zuladung setzt der 406 umklappbare Rücksitzlehnen entgegen. Nicht nur im Raumangebot, auch im Komfort bieten diese Coupés nahezu Limousinen- Niveau. Vor allem der 406 kann sich hier mit seiner angenehmen Federung ein wenig absetzen. Er absorbiert mit Ausnahme großer Wellen Fahrbahnunebenheiten bemerkenswert gut, rollt leise ab und inszeniert keine störenden Aufbaubewegungen.

Der weich gedämpfte C70 hingegen neigt zu relativ kräftigem Wanken, stuckert auf Querfugen und rollt weniger geschmeidig ab. Allein auf langen Wellen und bei hoher Beladung ist er im Vorteil. Davon kann keine Rede sein, wenn es um die Fahreigenschaften geht. Obgleich der Volvo (1525 kg) nur sieben Kilogramm mehr wiegt als der Peugeot, fühlt er sich im direkten Vergleich wie ein Schwergewicht an. Dazu trägt das Wanken seiner Karosserie in Kurven mit unebener Fahrbahn ebenso bei wie das speziell bei Nässe kräftige Untersteuern im Grenzbereich. Er bleibt zwar gutmütig, weil Gaswegnehmen kaum Lastwechselreaktionen hervorruft, aber er wirkt unhandlicher. Das geht auch auf das Konto der leichtgängigen, aber wenig präzisen Lenkung. 

Der Peugeot hingegen vermittelt fast das Feeling, in einem waschechten Sportwagen unterwegs zu sein, obgleich er bei den Fahrversuchen nicht wesentlich schneller ist. Mit seiner sehr zielgenauen, etwas mehr Kraftaufwand erfordernden Lenkung, dem nahezu neutralen Eigenlenkverhalten und kaum spürbarer Karosserieneigung eilt er so flink und mühelos über kurvenreiche Straßen, daß auch sportliche Fahrer daran ihre helle Freude haben. Seitenwind und Längsrillen bringen den handlichen 406 kaum aus der Ruhe. Er bekommt auch in engen Kurven die Kraft erstaunlich gut und ohne störende Antriebseinflüsse in der Lenkung auf den Boden. Da tut sich der C70 trotz seiner bis 40 km/h aktiven Antriebsschlupfregelung (Tracs) sehr schwer.

 Flottes Beschleunigen aus Kehren und zügige Starts bei Nässe mag er nicht, da läßt der kraftvolle Turbomotor die Vorderräder so heftig und haltlos durchdrehen, als gäbe es kein Tracs. Die geballte Kraft von 270 Newtonmeter bei bereits 1800 Touren bestimmt die Leistungscharakteristik des Fünfzylinders und den Fahrstil des Volvo- Piloten. Man bevorzugt den breiten mittleren Drehzahlbereich und übersieht grosszügig das kleine Turboloch, man erfreut sich an der ausgezeichneten Elastizität in den oberen Gängen und ignoriert die etwas hakelige Schaltung – es steht fast immer genügend Dampf zur Verfügung, um ganz gelassen schnell unterwegs zu sein. Das gelingt auch im Peugeot, allerdings mit anderen Vorzeichen. Der oben kernig klingende V6 verlangt nach einem höheren Drehzahlniveau, um sein wahres Temperament auszuspielen.

In der Beschleunigung ist der 406 dem C70 ebenbürtig, nicht aber in der Elastizität. Da ist es hilfreich, daß sich die Gänge etwas leichter und exakter wechseln lassen als im Volvo. Beim Verbrauch herrscht annähernd Gleichstand. Der Peugeot kommt durchschnittlich mit 11,4 L/100 km aus, der Volvo genehmigt sich knapp einen halben Liter mehr. So ergibt sich trotz zweier Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein können, bei der Antriebswertung eine Patt-Situation. Die setzt sich fort bei der Bewertung von Umwelt und Kosten. Obgleich der Peugeot in der passiven Sicherheit und bei der Karosseriewertung dem Volvo nicht ganz das Wasser reichen kann, fährt er dank seiner Überlegenheit im Fahrwerksbereich einen knappen Punktsieg nach Hause. Punktsieg hin oder her. Coupé-Käufer lassen sich erfahrungsgemäß von Emotionen leiten – getreu dem Motto: Die Linie macht’s.  

Fazit

1. Peugeot 406 Coupé 3.0 V6
579 Punkte
2. Volvo C70 2.5 T
573 Punkte
Zur Startseite
Technische Daten
Peugeot 406 Coupé 3.0 V6 Platinum Volvo C70 2.5T
Grundpreis 34.359 € 33.183 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4620 x 1780 x 1360 mm 4716 x 1817 x 1414 mm
KofferraumvolumenVDA 390 l 403 l
Hubraum / Motor 2946 cm³ / 6-Zylinder 2435 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 140 kW / 191 PS bei 5500 U/min 142 kW / 193 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h 230 km/h
0-100 km/h 7,9 s 7,7 s
Verbrauch 10,9 l/100 km 10,7 l/100 km
Testverbrauch 11,4 l/100 km 11,8 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV Erlkönig Dacia Duster Prototyp (Alpine SUV) Mysteriöser Dacia Duster Elektro-Prototyp Testet Renault hier ein Alpine-E-SUV? Porsche Cayenne Coupé Porsche Cayenne Coupé (2019) Sportliche Lifestyle-Version des SUV
promobil
Knaus Boxstar 540 (2019) Knaus Boxstar 540 Road (2019) Kompakter Campingbus mit Bad Leser-Tour Umbrien Einmalige Orte für Wohnmobil-Touren Das sind die schönsten Leser-Stellplätze
CARAVANING
Feddet Camping Campingplatz-Tipp auf Seeland Feddet Strand Camping & Feriepark Tiny House aVoid Tiny-House-Siedlungen in Deutschland und Europa 9 Initiativen für Mini-Haus-Fans
Anzeige
Alle Automarken von A-Z
Markenbaum Sideteaser Erlkönige, Neuvorstellungen und Tests von allen Marken